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Das Lehrerdasein im kunterbunten Mexiko



Geschrieben am Freitag, 24. März 2017 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der Freiwilligen Sarah, die für ein Jahr als Lehrerin in Mexiko arbeitet.

Ich bin inzwischen schon so lang hier in Mexiko, dass ich mich äußerst mexikanisch fühle. Das zeigt sich in einigen Angewohnheiten, die ich mir zugelegt habe. Beispielsweise mache ich mir gar nicht erst die Mühe, pünktlich zu einer der unzähligen Veranstaltungen der Uni zu kommen, eine halbe Stunde nach Beginn mache ich mich so langsam fertig, um dann schlussendlich trotzdem noch zu früh zu kommen. Ich fange an, so manches Essen ohne Schärfe langweilig zu finden und diesen Bericht hier habe ich natürlich nach Abgabetermin begonnen zu schreiben.

Ich denke, das gibt einen guten ersten Eindruck meines Lebens hier und natürlich sagt dies auch schon so einiges über die mexikanische Kultur aus! Doch ein kurzer Bericht reicht lange noch nicht aus, um zusammenzufassen, was ich bis jetzt alles erlebt habe. Ich versuche, einen Einblick in meine Erfahrungen zu geben, in „mein Mexiko“, doch am Ende muss jeder selbst seine Koffer packen, sich in ein Flugzeug setzen und seine Erfahrungen machen. Ich persönlich habe die Mexikaner äußerst liebgewonnen mit all ihren Marotten und Liebenswürdigkeiten.

Der skurrile Lehreralltag in Mexiko

Begonnen bei meiner Tätigkeit als Lehrerin denke ich mir manchmal, dass man schon ein Buch über den skurrilen Lehreralltag hier schreiben könnte. Was zu Beginn neu für mich war, war die Tatsache, dass keine Stunde pünktlich beginnt und ich also immer erst zehn Minuten nach Beginn oder später anfangen kann. Der Schulunterricht ist oft ein großes Durcheinander. Da steht man dann vor der Klasse, beantwortet gleichzeitig drei Fragen zu Noten, Schulbefreiung und Sonstigem und versucht parallel, die Schüler zu erspähen, die die Hausaufgaben von Mitschülern abschreiben. Hat man dann doch mal den Anfang geschafft, kommt die Phase, in der die Schüler versuchen, mir Persönliches zu entlocken und somit, na klar, Unterrichtszeit zu verschwenden. Ist auch das überstanden, sehen die Schüler dann ein, dass nun wirklich Unterricht gemacht wird. Dies ist die Phase, in der aus diversen Ecken des Klassenzimmers „finish class?“ schallt, was ich immer mit einem fröhlichen „no!“ beantworten darf. Irgendwann ist es dann aber doch geschafft und alle stürmen aus dem Klassenzimmer heraus.

Ich nehme die Herausforderung gerne an!

So anstrengend das teils ist, so viel Spaß macht es. Ich nehme die persönliche Herausforderung gerne an, die Klasse durch die Stunden zu manövrieren und immer wieder neue Strategien zu entwickeln, um die Motivation doch hochzuhalten. Und in so gut wie jeder Stunde habe ich auch herzlich viel zu lachen, denn zum Scherze machen ist immer Zeit in Mexiko. Abgesehen vom Unterrichten sind wir (meine Mitfreiwilligen und ich) auch an sämtlichen Veranstaltungen der Universität vertreten und werden als Deutsche („las alemanas“) regelmäßig in den Mittelpunkt gestellt, sei es bei peinlichen Interviews oder Filmclips. Zu Beginn hatten wir von einer adventistischen Uni mit strengen Regeln auch förmliche Veranstaltungen erwartet, doch wurden wir bald eines Besseren belehrt. Denn wie mir scheint, haben es hier einfach wahnsinnig viele Leute im Blut, eine riesige Show zu jedem Anlass zu veranstalten. Spaß hat man auf jeden Fall bei diesen Veranstaltungen, auch wenn organisatorisch selten etwas auf deutschem Niveau abläuft.

Ich freue mich auf die verbleibende Zeit

Ich habe hier die Erfahrung gemacht, offen aufgenommen zu werden. Wenn ich ein Problem habe, versuchen sofort alle, zu helfen. Ich habe wahnsinnig viele verschiedene Menschen getroffen und einige haben uns ihr Zuhause gezeigt, was so ganz anders ist als in Deutschland. Ich genieße es auch sehr, dass man eigentlich immer ein kleines Schwätzchen hält und so dauert mein Weg vom Zimmer in die English Academy teils dreimal so lang wie geplant. Ich hatte allerdings auch durchaus eine Phase, in der mir das Ganze etwas zu viel geworden ist, denn manchmal möchte man eben schnell zur Arbeit gehen, pünktlich anfangen und motivierte Schüler haben. Dass das eben nicht so läuft, musste ich erst lernen, da ich von Zuhause einfach mehr Organisation und Strukturen gewohnt bin. Doch das Wichtigste ist, dass ich mich darauf einlassen konnte und nun auch die stressigen Klassen genießen kann. Mir war es von Anfang an sehr wichtig, mich in diesem Jahr weiterzuentwickeln und eine neue Kultur weit über den Touristenstandpunkt hinaus kennenzulernen und dies tue ich in diesem besonderen Jahr. Ich freue mich auf die noch verbleibende Zeit und werde Mexiko definitiv so einige Tränen nachweinen!

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Geschrieben am Montag, 13. März 2017 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der Freiwilligen Sarah, die für ein Jahr Mitarbeiterin bei ADRA Albanien ist.

Eine wunderschöne Landschaft, Straßencafés, Hochhäuser, hupende Autos, große Menschenmassen. All das fällt einem auf den ersten Blick auf, wenn man durch die Straßen Tiranas geht. Sieht man jedoch genauer hin, erkennt man die Armut, die sich zunächst im Verborgenen hält. Abgenutzte, eingefallene Häuser und Autos, Kinder die im Müll wühlen und auf der Straße betteln, Hunde die vergebens nach Essen suchen – und wir mittendrin. Elina meine Mitfreiwillige und ich, im Herzen der Hauptstadt Albaniens.

Büro vs. Schule

Ohne jegliche Ahnung, was uns erwarten würde, machten Elina und ich uns vor gut sieben Monaten auf die Reise in das uns nun nicht mehr fremde Albanien. Als Angestellte bei der Partnerorganisation ADRA Albanien bestritten und bestreiten wir täglich neue Herausforderungen. Eingesetzt sowohl im Büro als auch in Schulen, sind unsere Aufgaben sehr vielseitig und bieten Raum für Eigeninitiative und Kreativität.
Während wir im Büro unter anderem Berichte schreiben und übersetzen müssen, sieht es in den Schulen ganz anders aus. In dem aktuellen Projekt „Education through Student volunteering“ versucht ADRA Albanien durch Freiwilligenarbeit, Kindern aus sozial und wirtschaftlich schwachen Verhältnissen zu helfen. Hierbei werden die Kinder durch Zusatz-Klassen unterstützt und gefördert. Wir als Freiwillige versuchen den Kindern so gut es geht beim Erlernen des Alphabets oder beim Lösen von mathematischen Gleichungen zu helfen. Mittlerweile geben wir den Kindern auch Deutschunterricht, was mir persönlich sehr viel Freude bereitet, da die Kinder sehr schnell lernen und motiviert bei der Sache sind. Sie grüßen uns schon von weitem mit „Hallo“ und „Guten Tag“. Allgemein sind die Kinder hier sehr offen gegenüber neuen Leuten und freuen sich jedes Mal, einen von uns zu sehen.

Ein Leben abseits der Gesellschaft

Viele der Kinder die wir betreuen kommen aus den sogenannten Roma Communitys. Sie leben als eine Gemeinschaft isoliert und abgegrenzt von der Gesellschaft Albaniens. Die Kinder, die in diese Verhältnisse hineingeboren werden, haben oft schlechte Zukunftschancen, da sie zum Teil die Schule abbrechen oder gar nicht erst besuchen. Stattdessen werden sie schon früh von ihren Eltern auf die Straße zum Betteln und Geld verdienen geschickt. Diesem Denken versucht ADRA Albanien durch Kampagnen entgegenzuwirken, um die Eltern sowie auch die Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen, ihren Kindern die notwendige Bildung zu gewähren. Auch ich habe schon mitbekommen, wie uneinsichtig manche Roma sind, wenn es um die Zukunft ihrer Kinder geht. Das macht mich ab und zu recht ratlos, gehört jedoch auch zu unserem Alltag.

Dabei sein ist alles!

Eines meiner absoluten Highlights bis jetzt war es die „Aktion Kinder helfen Kindern!“ mitzuerleben. Bereits schon als kleines Kind hatte ich zusammen mit meinen Geschwistern voller Begeisterung Pakete für dieses Projekt gepackt und verziert. Deshalb war meine Freude umso größer, dass ich dieses Jahr live bei der Päckchen-Verteilung mit dabei sein durfte. Zusammen mit dem ADRA Albanien-Team und Anja Emrich von ADRA Deutschland verteilten wir die „Aktion Kinder helfen Kindern!“-Pakete in Schulen, Kindergärten, Sozialunterkünften, Behindertenwerkstätten und Roma/ Ägypter-Communitys in Tirana und der Umgebung. Während der Verteilung war es meine Aufgabe, Bilder zu machen und die besonderen Momente der Kinder, wenn sie gespannt ihre Päckchen auspackten, festzuhalten. Es machte riesigen Spaß, die Freude und Ausgelassenheit der Kinder zu beobachten und ein Teil dieser Aktion zu sein.

Diese sowie viele weitere Erfahrungen die ich bereits machen durfte bestärken und motivieren mich in meiner Arbeit und lassen mich erkennen, wie wertvoll dieses Jahr für mich ist und wie viel auch Kleinigkeiten ausmachen können!

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