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Ein Wimpernschlag und doch eine Ewigkeit



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 15. August 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Marie, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr in Peru absolviert.

Casi Arequipena

Inkas und Kartoffeln kamen mir in den Sinn, als ich zum ersten Mal von Peru hörte, dem Land das nun seit schon neun Monaten meine Heimat darstellt. Wie habe ich darauf hingefiebert, hierher zu kommen, einzutauchen in eine neue Kultur, mich mit meinen Fähigkeiten im Projekt einzubringen und das Abenteuer des Erlernens einer neuen Sprache auf mich zu nehmen. Wie unvorstellbar anders und unglaublich perfekt doch alles ist, hätte ich mir so nicht im Traum vorstellen können.
Peru besteht aus so viel mehr als nur Kartoffeln und Inkas. Natürlich ist man hier stolz, peruanischer als der Papa zu sein, doch setzt sich diese farbenprächtige Kultur aus mehr als einer kulinarischen Zutat zusammen. Man liebt hier seine Feste und den Fußball, es wird ununterbrochen gehupt und wer bremst, verliert, man macht keinen Sport aber in der Freizeit besteigt man Vulkane, man isst zu allem Soßen und am liebsten mit Aji oder Rocoto, sodass man fast Feuer spuckt. Was am Anfang unverständlich, aufregend und neu war, ist jetzt fester Bestandteil meines Lebens geworden. Nun fahre ich ständig mit dem Taxi und esse mir vorher unbekannte Früchte in den intensivsten Farben. Ich liebe Arequipa und bin unglaublich stolz auf meine wunderschöne neue Heimatstadt. Denn wenn ich durch die Straßen laufe, am Morgen mit Blick auf den Hausvulkan frühstücke oder am Abend die beleuchtete Kathedrale beim Überqueren der Plaza de Armas bewundere, fühle ich mich doch schon fast wie eine Arequipena. Aber nicht nur all die kulturellen Erfahrungen bestimmen mein Leben hier. Ein riesiger unersetzbarer Teil stellt meine Arbeit in Nuestro Hogar, zu deutsch „unserem Zuhause“ dar.

Mi Hogar

Neben 70 Kindern habe auch ich hier in der Cuna, wie die Institution von AYUDAME e.V, der Partnerorganisation von ADRA, genannt wird, ein Zuhause gefunden. Während es für manche Kinder der einzige Ort in Ihrem Leben ist, an dem sich um sie gekümmert wird und wo sie gesund und ausreichend zu essen bekommen, stellt sie für mich einen Ort des Gebens, Zurückbekommens und Lernens dar.
Ich arbeite hier morgens im Nido, die Gruppe mit den jüngsten Kindern. Neben der Professora und Luciana, einer weiteren Hilfe, kümmern wir uns darum, den 2-3-jährigen die allgemeinen Basics beizubringen. Hände waschen, mit dem Löffel essen oder Spielsachen aufräumen muss alles erst gelernt sein! Nachdem die Kinder morgens ihr aus Brot und Milch bestehendes Frühstück gegessen und eine Weile gespielt haben, beginnt der Tag mit einem Gebet und der Anwesenheitskontrolle. Danach schließt sich ein Sportprogramm an, bei dem wir spielerisch Koordination und Körpergefühl fördern. Diesen Teil leiten abwechselnd die Professora oder ich. Wenn dann um kurz vor elf die Hora de fruta vorbei ist und die Kinder ihre mitgebrachten Früchte gegessen haben, geht es für sie aufs Töpfchen und für mich zum Abspülen. Denn neben Nase- und Popo-putzen bin ich auch für Teller, Tische, Stühle und denBoden putzen verantwortlich. Auch wenn sich das nach viel anhört, bleibt immer noch Zeit, um mit meinen kleinen Schützlingen im Park zu toben. Ich liebe es, sie zum Lachen und ihre Knopfaugen zum Strahlen zu bringen! Obwohl sie oft anstrengend sind, geben sie einem so viel zurück und füllen mein Herz immer wieder mit tiefer Freude. Nachmittags helfe ich meinen Escolares bei ihren Hausaufgaben, lese mit ihnen Bücher, tobe mit ihnen im Park und höre mir ihre Probleme und Sorgen an. Es ist unglaublich erfüllend, neben der spielerischen Arbeit im Nido auch eine geistig anspruchsvollere Aufgabe erfüllen zu können und man ist stolz, wenn man noch das ein oder andere aus Mathe von der Schule beherrscht.

Un ano

Ein Jahr erscheint einem wie eine Ewigkeit und gemessen an dem, was ich erlernen und erleben durfte, war es eine so unglaublich bereichernde und gesegnete Zeit. Eine Zeit, die jedoch leider mit einem Wimpernschlag vorbei war. Fragt man mich, was ich vermissen werde, gibt es so vieles bei dem mir beim Gedanken daran schon das Herz schwer wird. Doch oftmals sind es die kleinen Sachen, die einem am meisten fehlen werden, wie das Müllauto, das die Melodie von Arielle spielt, die Putzfrauen, die mit ihren Schrubbern den Boden trocken wedeln, die traditionell bekleideten Frauen, die einem schon von weit her „Fotofotofoto“ entgegenschreien und auch der Umstand, dass ich mein Klopapier in einen Mülleimer werfen muss, statt in das WC. Man bemüht sich, jeden Tag bewusst zu erleben und zu genießen. Am Schluss hofft man, dass die Zeit gut und vernünftig genutzt wurde und man wenigstens ein klitzekleines Bisschen dazu beigetragen hat, den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen.

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Von Eimern und anderen Kostbarkeiten



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 15. August 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Debora, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr in Tansania verbringt.

Mein tansanisches Zuhause liegt direkt am Fuß des wunderschönen Mount Meru, circa 45 Minuten entfernt von der Stadt Arusha. An schönen Tagen habe ich auch das Privileg, den Kilimandscharo zu sehen.

Meine Arbeit in Tansania

Eine halbe Stunde Fußmarsch von meinem Zuhause entfernt liegt mein Projekt: The Voice Secondary School. Die Schule ist noch recht jung und hat es sich zum Ziel gemacht, denen in der Gesellschaft eine Stimme zu geben, die sonst wohl eher untergehen würden. An „The Voice“ gebe ich den Schülern Kunstunterricht und freitags bieten wir für die, die Lust haben, einen Chor an. Kunst und Chor mögen vielleicht nicht die lebensnotwendigsten Inhalte für tansanische Jugendliche sein. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass die Schüler in diesen Bereichen eigene Stärken entdecken können, Abwechslung zum sonstigen Schulalltag bekommen, ihr Englisch verbessern und interkulturelle Begegnung erfahren.

Seit kurzem findet auch eine Kooperation mit ADRA Tansania statt. An den Tagen, an denen ich bei ADRA Tansania bin, suche ich beispielsweise nach neuen Projektvorschlägen und arbeite diese aus. Auch Öffentlichkeitsarbeit wie die Webseite neu zu gestalten gehört zu den Aufgaben.

Meine ganze Tätigkeit ist ein Geben und Nehmen, wobei das Nehmen wahrscheinlich überwiegt. Die Menschen hier kommen natürlich auch ohne meinen Einsatz zurecht. Trotzdem hoffe ich, ihnen ein paar Akzente mit auf den Weg geben zu können. Viel mehr aber noch nehme bzw. bekomme ich. Ich darf hier so viel lernen und bin reich an Eindrücken und Begegnungen.

Alles im Eimer

Oft ist der Lebens- und Arbeitsstil hier sehr simpel gehalten. Anstatt Töpfen, Körben, Waschmaschinen, Schüsseln, Flaschen und Duschbrausen benutzt man hier einfach für alles Eimer – und es funktioniert gut. Im Hinterhof unserer Gastfamilie stehen oft zig Eimer, in denen sie waschen, kochen oder Dinge aufbewahren. Was für mich nach einem großen Durcheinander aussieht, hat für sie System und Ordnung.

Generell darf ich hier lernen, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Was von meinem Standpunkt wie ein großes Wirrwarr aussieht, ergibt durch einen Perspektivwechsel plötzlich total Sinn. So habe ich ganz neu gelernt, wie man Gastfreundschaft, Pünktlichkeit, Respekt, Gemeinschaft und Freundschaft durch tansanische Augen sieht.

Kostbarkeiten

Da ich gerne Listen mache, habe ich für die ganzen Kostbarkeiten, die ich hier erlebe, ebenfalls Listen angelegt. Hier ein kleiner abschließender Einblick in die „Was-Ich-In-Tansania-Gelernt-Habe-Liste“:

Ich habe gelernt, wie offen und warmherzig man Fremden begegnen kann.

Ich habe gelernt, Gott auch mal blind zu vertrauen, da ich hier sowieso kaum etwas in der Hand habe.

Ich habe gelernt, spontan zu sein und auch mal Situationen zuzulassen, die anders verlaufen als geplant.

Ich habe gelernt, wie unglaublich kostbar Wasser ist.

Ich habe gelernt, was es heißt, mit wenig glücklich und zufrieden zu sein. Ein Kollege in der Schule pflegt seinen Schülern – aber auch uns, trotz welchen Umständen auch immer, zu sagen: „Life is good!“ Und damit hat er Recht.

 

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