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Afrika, Afrika



Geschrieben am Dienstag, 25. November 2008 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

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Ich habe mich schon so an Afrika gewöhnt, dass ich die Zeit vergesse. Ja, die Zeit vergeht und so langsam werden die Monate weniger, die ich hier verbringe und das finde ich auf der einen Seite schade, aber auf der anderen Seite rückt die Zeit näher, wenn ich alle wieder sehe. Ja darauf freue ich mich wirklich. Aber bis dahin werde ich euch weiterhin in das tansanische Leben hinein nehmen.

Ich freue mich, dass mein Suaheli so langsam richtig gut wird und ich auch die Leute hier verstehen kann. Wenn man auf Station arbeitet, dann ist das noch wichtiger als im OP. Weil man im OP doch viel Englisch spricht. Aber die wenigsten Patienten auf den Stationen sprechen Englisch. Ich arbeite nämlich jetzt auch für kurze Zeit wieder auf der Frauen- und Kinderstation, weil zurzeit Personalknappheit besteht, da viele jetzt noch ihren Urlaub bis Ende des Jahres nehmen müssen.

So hat mich die Pflegedienstleiterin gebeten, doch wieder auf der Station zu arbeiten. Anfangs war ich nicht so erfreut über diese Nachricht, das bedeutet auch wieder 12h Nachtschicht machen, aber mittlerweile habe ich mich wieder gut eingelebt und der Patientenkontakt ist auch intensiver als im OP. Außerdem haben wir eine neue Schwester im OP, die in die Arbeit dort eingeführt werden soll, weil Jesca Ende des Jahres geht und ich auch nicht mehr so lange bleiben werde. Dann brauchen sie wieder Personal. 

Unsere neue Volunteer Nurse Ina-Maria aus Deutschland kam letzte Woche Donnerstag und ich habe sie vom Flughafen in Kigoma abgeholt. Wie für mich vor acht Monaten ist es natürlich auch für sie eine Umstellung, dieses neue Leben in Tansania. Sie arbeitet zurzeit mit mir auf der Frauen- und Kinderstation und ich helfe ihr sich besser und schneller zurechtzufinden. Ja, es ist so vieles gewöhnungsbedürftig und auch die Arbeitsabläufe so verschieden von deutschen Krankenhäusern, aber für mich schon ziemlich normal. Jetzt kann ich auch wieder üben Flexülen zu legen, ob es bei einem Erwachsenen oder Baby ist. Solange die Patienten gute Venen haben, ist das ja kein Problem, aber wenn kleine Kinder kommen, die nur noch ein HB von 2 haben, dann ist es schon eine Kunst eine Vene zu finden und jedes Mal bin ich happy, wenn ich es geschafft habe. Manchmal fürchten sich die kleinen Kinder auch so vor uns Weißen, dass sie schon weinen, wenn sie uns nur sehen. Wir versuchen sie so gut wie möglich zu beruhigen, aber wenn man ich sie picksen muss, dann ist das keine liebevolle Behandlung. Ina Maria meinte schon, dass sie die Kinder lieber knuddelt anstatt sie zu picksen. Letztens hatten wir ein Kind, dass an Malaria litt und nichts gegessen und getrunken hat. Es war sehr schwach und das HB war auch sehr niedrig. Wir mussten ihm zwei Bluttransfusionen geben und eine Magensonde legen um Nahrung zuzuführen. Es war mein erstes Mal, dass ich eine Magensonde bei einem Kind gelegt habe und ich war echt erstaunt, dass es so einfach war, weil auch eine andere Schwester gemeint hatte, sie habe es probiert, aber klappte nicht. Nach zwei Tagen ging es dem Kind schon sichtlich besser und als wir am dritten Tag zum Dienst kamen, saß es im Bett und hat Reis gegessen. Wir waren echt glücklich, das Kind so munter zu sehen.

Die Regenzeit hat jetzt auch wieder begonnen, dass heißt es regnet meist jeden Tag, kurz, aber heftig. Mancher mag sich vielleicht darüber beklagen, aber das Gute ist, dass wir wieder genug Strom haben und nicht abends mit Petroleumlampen dasitzen müssen, auch wenn es etwas Gemütliches an sich hat. Aber auch das Kochen ist wesentlich bequemer, weil man nicht erst Jakko anmachen muss. Das heißt aber jetzt, wenn man zum Markt geht, sollte man sich lieber einen Schirm mitnehmen, dass man nicht vom Regen überrascht wird und durchweicht ist.

Einige Eindrücke von meiner letzten Zeit im OP:

Ich habe auch jetzt angefangen Kaiserschnitte zu assistieren. Davor hatte ich etwas Schiss, weil alles sehr schnell gehen muss. Aber nach drei bis vier Operationen bin ich auch so langsam firm.

Dann hatten wir noch eine Tibiaentfernung (einer der Unterschenkelknochen) bei einem kleinen Mädchen aufgrund von Osteomyelitis. Der ganze Knochen war schon teilweise zerfressen und da gibt es keine Rettung mehr. Es können nur noch mehr Knochen angegriffen werden, wenn nichts gemacht wurde. Ich habe mit Dr. Rocero operiert und es war mal wieder richtig angenehm, weil er so schön systematisch ist und man schon meist im Voraus weiß, was er als nächstes braucht. Dem Mädchen geht es gut und es ist sehr fröhlich, trotz des Verlustes. OK, in dem Alter begreift sie vielleicht noch nicht das ganze Ausmaß der Krankheit, aber ich staune hier doch immer wieder über die Fröhlichkeit der Menschen trotz solch schlimmer Krankheiten. Sie lassen sich hier nicht so leicht den Lebensmut nehmen und es gibt nur sehr wenige Patienten, die psychische Krankheiten und Probleme haben. Die meisten Angehörigen kümmern sich auch sehr intensiv um die Betreuung ihrer Leute. Ich glaube das macht auch viel aus, da die sozialen Bindungen sehr eng sind.

Ansonsten genieße ich die Gemeinschaft in unserer kleinen WG: Jesca, Ina-Maria und ich. Manchmal laden wir auch Leute ein oder die Studenten kommen vorbeigeschaut. Wenn Jesca uns Mitte Dezember verlässt um ihr Nursing Studium fortzusetzen, werde ich sie schon vermissen, aber das Leben ist immer von Willkommen und Abschied geprägt. Aber vielleicht werde ich sie im Februar in ihrer Heimat im Norden Tansanias besuchen. Sie bereitet sich gerade für ihre Prüfungen vor, die Anfang Januar sind und wenn ich Zeit habe, helfe ich ihr beim Lernen. Es ist immer gut Wissen aufzufrischen. Wir haben auch zusammen Unterricht bei einem unserer Pharmazeuten genommen und er hat uns etwas über die einzelnen Medikamente aufgeklärt. Das war schon sehr wissenswert, manchmal auch etwas zu viel Chemie und sehr detailliert, aber er weiß auch sehr viel und ist ein guter Lehrer. Jetzt ist er aber leider gegangen, so dass wir alleine studieren müssen.

Ja, das ist mein Leben in Heri. 

OK, ich sag erstmal Tschüß und wünsche euch Gottes Segen.

Eure Lydia

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