ADRA Live! Weltwärts Quifd-Siegel

Helfen und sich helfen lassen – mit dem nötigen Feingefühl



Geschrieben am Mittwoch, 29. Oktober 2014 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Hannah über ihre Erfahrungen in Bolivien.

„Give me hands to touch the hurting“ – So wird es in einem Lied der NebbletFamiliy gesungen. Die darin ausgedrückte Bitte beinhaltet auch den Wunsch zu helfen – mit dem nötigen Feingefühl.
Jeder Freiwillige geht mit der Motivation „helfen“ zu wollen ins Ausland, doch am Ende stellt sich einem die Frage, ob man wirklich helfen konnte? Wurde nachhaltig etwas verändert oder war der Einsatz umsonst, da die Menschen nach dem Abschied möglicherweise wieder in ihre alten Tagesabläufe zurückfallen? Fragen wie diese waren ständige Begleiter in den letzten Wochen in Bolivien.

Gerade bei der Arbeit mit Kindern können Veränderungen ihrer Verhaltensweisen bzw. Ergebnisse der Erziehung nicht von den einen auf den anderen Tag erwartet werden. Doch wenn 11 Monate Zeit, Nerven, Liebe und Geduld investiert werden, wird schon die kleinste Veränderung bemerkt – mit dem nötigen Feingefühl. Für die Arbeit mit den Jungen im Kinderheim „Foundacion Sión“ wird das genannte Feingefühl benötigt und auch entwickelt. Die Kinder spielen, machen Hausaufgaben, raufen miteinander und streiten. Vor allem beim Letztgenannten muss sich langsam herangetastet werden. Das Lösen von Konfliktsituationen zwischen den Jungen ist jedes Mal eine Herausforderung, da jedes Kind seine eigene Sicht auf die Dinge hat und auf sein Recht pocht. Die Perspektive des Kindes zu verstehen und eine Lösung für die Streitenden zu finden, dabei sind Geduld und Neutralität gefragt. Auch wenn es bei jedem neuen Streit, bei jeder kleinen Diskussion so scheint, als ob die Jungen nichts dazu gelernt hätten, lernen sie doch schon währenddessen eine Menge. Und sei es nur, leiser zu streiten, damit wir nichts davon mitbekommen.

Die Zeit ging im Nachhinein sehr schnell um und verändert wurde viel, auch nachhaltig. Dabei beziehe ich mich nicht nur auf Tagesabläufe, das Umräumen von Möbeln, die Ernährung oder Spiele. Die Kinder und wir haben uns aneinander gewöhnt, jetzt können wir einschätzen in welcher Situation wer wie reagiert. Jetzt wissen wir, welches Spiel angesagt ist und wer Hilfe bei den Aufgaben für die Schule braucht. Die Kinder haben sich verändert und in den meisten Fällen zum Positiven. Wörter wie „Bitte“ und „Danke“ sind in ihrem Wortschatz vorhanden und ein Großteil weiß sie auch zu benutzen. Doch was noch viel wichtiger ist: die Kinder uns, sie haben mich verändert – mit dem nötigen Feingefühl. Wenn es auch in den Monaten hier nicht ganz einfach war, so haben wir uns gegenseitig dadurch getragen und voneinander gelernt, zum Beispiel hat unser Jüngster Lesen und Schreiben gelernt und im Gegenzug durfte ich lernen, dass es sich lohnt, sich mit ihm hinzusetzen und zu üben, auch wenn wir beide manchmal dazu keine Lust hatten. An dem Ergebnis, dass er jetzt schon kurze Geschichten lesen kann, erfreuen wir uns beide. Veränderungen, Erfolge und Misserfolge begleiten uns unser ganzes Leben lang, Erwachsene wie Kinder. Ich habe in diesem Jahr viel mehr von den Kindern gelernt, als sie von mir und die Arbeit mit ihnen hat mich sehr erfüllt.

„Give me hands to touch the hurting“ – Jeder kann helfen und etwas verändern und mit Dankbarkeit und großer Zufriedenheit kann ich sagen, dass ich nicht nur „Foundacion Sión“ unterstützen konnte, sondern die Kinder auch bei mir etwas verändert haben.

1 Kommentar »

Moldawien: 11 Monate zwischen „Privet“ und „Salut“



Geschrieben am Mittwoch, 02. April 2014 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Jessica über ihre bisherigen Erfahrungen in der Republik Moldau

“Ich gehe nach Moldawien.“ „Was, wohin gehst du?“  Das waren die häufigsten Reaktionen, die ich auf meinen Einsatzort für mein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland bekommen habe. Und zugegeben: Ich wusste auch nicht besonders viel über die kleine Republik zwischen Rumänien und der Ukraine, die offiziell Republik Moldau genannt wird. Doch jetzt weiß ich, dass es nicht nur ein Land zwischen zwei Ländern, sondern auch zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen ist: nämlich der russischen wie auch der rumänischen. Das merkt man schon alleine daran, dass die Menschen hier zwei Sprachen nahezu perfekt beherrschen. Jeden Morgen riefen mir die Kleinen ein „privet“ oder „salut“ entgegen. „Privet“ ist russisch und „salut“ rumänisch – beides bedeutet übersetzt „hallo“.

Diese Zweisprachigkeit ist eine Sache, die ich an den Kindern im Kinderheim „Curcubeul Speranței“ („Regenbogen der Hoffnung“) sehr bewundere, der Einrichtung, in der ich mein Auslandsjahr verbringe. Zur Zeit haben wir circa 20 Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen im Heim – die Anzahl wechselt aber ständig: „alte“ Kinder gehen und „neue“ kommen. Die Trennung ist immer wieder ein emotionaler Augenblick, weil man durch die enge Zusammenarbeit die Kinder echt lieb gewonnen und eine Beziehung zu ihnen aufgebaut hat.

Einer der größten Vorteile an unserem Projekt ist, dass wir jeden Tag mit den Kindern zusammenarbeiten und an ihrem Leben Anteil haben können. Wir helfen ihnen bei den Hausaufaben, basteln und spielen mit ihnen. Dabei stell ich immer wieder fest, wie kreativ und sportlich „meine“ Kinder sind. Auch wenn sie und die Arbeit wirklich anstrengend sein können, sind sie trotzdem eine Bereicherung für mein Leben. Man muss lernen sich durchzusetzen und eine gewisse Verantwortung zu haben.  Auf der anderen Seite muss man auch ein guter Freund und Zuhörer mit guten Ratschlägen sein. Dieser Spagat zwischen Autoritätsperson und „großer Schwester“ ist nicht immer ganz einfach. Umso schöner ist es, wenn man merkt, dass zum Beispiel die Hilfe bei den Hausaufgaben Früchte trägt und die Kinder nach der Schule freudestrahlend von ihren guten Noten erzählen. Das motiviert mich immer wieder, weiter zu machen.

Auch wenn diese letzten sieben Monate mit einigen Hochs und Tiefs verbunden waren, freue ich mich schon sehr auf die kommenden vier Monate in der kleinen, aber feinen Republik Moldau.

0 Kommentare »

„Ein Lächeln lässt für einen Moment die Schönheit der Seele aufleuchten.“



Geschrieben am Montag, 03. Februar 2014 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Hannah Luise über ihre bisherigen Erfahrungen in Kenia.

Afrika, Kenia, Kajiado. Das Mädchenheim und die Schule für Massai-Mädchen. Ich versuche zu verstehen und zu akzeptieren, jeden Tag ein bisschen mehr – mit Sprüngen zurück und Schritten nach vorne.

Vor vier Monaten wurde ich von über 120 Mädchen in Kenia begrüßt, über 200 Hände haben sich in meinen Haaren vergraben und fasziniert meine Haut berührt und es brauchte nicht lange, da hatte ich über 120 Herzen in mein eigenes geschlossen. 

Es ist ein Einlassen, ein wagen. Schon ist man nicht mehr nur noch die „Weiße in der Bibliothek“ und die Lehrerin mit den neuen Spielideen und den komischen neuen deutschen Worten. Lässt man sich darauf ein, werden neue Grenzen und Weiten erfahren. Die verschiedensten Rollen werden eingenommen, je nachdem, wie sehr es die Mädchen zulassen. Ist es als Diskussionspartner, Trostspender, stiller Zuhörer, Pflaster-Verteiler, Gebetspartner, Gute-Nacht-Geschichten-Erzähler oder Komiker. Wenn ich eine Geschichte vorlese und in strahlende Mädchenaugen schaue, wenn sie begeistert in die Hände klatschen bei einem neuen Kisuaheli-Wort von mir, wenn sie mir mit einem breiten Lächeln im Gesicht in die Arme laufen oder wenn sie sich an meine Schulter lehnen und flüstern „ich lieb‘ dich“. Das sind Momente, in denen mir immer wieder bewusst wird, warum ich hier bin. Momente, die mir zeigen, dass ich hier am richtigen Ort, zur richtigen Zeit bin und dass ich die Möglichkeit habe die Liebe, die ich erfahren durfte, weiterzugeben. Jedes einzelne Lächeln und Strahlen in den Augen ist wertvoll und so unendlich kostbar! Es beweist Hoffnung und Zuversicht!

Nicht immer ist es mir bewusst, dass es nicht einfach Mädchen sind, die von ihrer Familie zur Grundschule geschickt wurden, nein. Jedes Mädchen hat seine eigene, prägende Geschichte mit sich zu tragen. Eine Geschichte, die es verfolgt. Verheiratet mit einem 80-jährigen Mann, beschnitten, ein Baby bekommen, obwohl selbst noch Kind – das ist nur eine der vielen Geschichten, die mir hier begegnen. Geschichten, die weitreichend sind und mit denen die Mädchen versuchen, zurecht zu kommen. Aber nun sind sie hier, sitzen in ihrem Klassenraum, lesen intensiv in ihren Büchern und arbeiten hart. Es ist die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die sie antreibt – die Zuversicht, dass es einmal besser werden kann. Und ich darf sie auf einem kleinen Teil dieser Strecke begleiten.

Das Leuchten in den Augen und der Blick auf die Zukunft, dafür lohnt es sich zu kämpfen, dafür lohnt es sich zu hoffen!

0 Kommentare »

„Hogar dulce hogar – home sweet home“



Geschrieben am Mittwoch, 08. Januar 2014 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht der ADRA „weltwärts“-Freiwilligen Ingrid über ihre bisherigen Erfahrungen in Bolivien

Worte, die nach 3 Monaten „Einsatzzeit“ hier im Kinderheim Sión (auf deutsch: Zion), in der Nähe der Großstadt Sta. Cruz de La Sierra, schon manchmal einen bitteren Beigeschmack bekommen können, wenn man das Gefühl hat, ständig nur am Schimpfen zu sein, aber genau diese 3 Worte bedeuten inzwischen eigentlich nichts anderes für mich. Es ist mein Zuhause – und wenn es „nur“ für ein Jahr ist. Natürlich ist es nie einfach mit schwer erziehbaren Kindern, die in ihrem jungen Alter schon auf der Straße gelebt haben, in einem kleinen Heim zusammenzuleben, ob man jetzt etwas Soziales gelernt hat oder nicht. Und es ist wie in einer richtigen Familie – man kann nicht einfach gehen, wenn man mal keine Lust hat oder schlechte Laune. Die Herausforderungen sind jeden Tag andere und manchmal so kompliziert, dass man an vielen Tagen am liebsten das Handtuch werfen möchte und sich schon manchmal fragt, „Warum mach ich das ganze hier eigentlich?“ oder „Welchen Sinn hat das, die Kinder wollen doch gar nichts lernen?“ Doch genau dann kommen oft die Stunden oder manchmal sind es sogar nur Momente, die einem zeigen oder die ausreichen, um genau zu wissen, warum man hier ist.

Nach 3 Monaten habe ich das Gefühl, als hätte ich in meinem Leben nichts anderes gemacht und als wäre man schon eine Ewigkeit hier. Die Kinder sind mir bereits so ans Herz gewachsen, dass ich mich plötzlich von „meinen“ Kindern reden höre.  Und oft ist es so, dass mit einem Lächeln, einer Umarmung oder einem kleinen Kindergebet spätestens am Abend alles wieder gut ist und man zwar oft todmüde ins Bett fällt, aber dann mit einem Gedanken der Zufriedenheit, dass man den Kindern das geben konnte, wozu ihre eigenen Eltern im Moment oder gar nicht fähig sind. Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit. Auch wenn sie es jetzt vielleicht noch nicht wertschätzen – vielleicht werden sie es sogar nie tun, aber das ist nicht wichtig und schon gar nicht der Grund warum ich hier hergekommen bin.

Ich bin hier, um mich von Gott gebrauchen zu lassen, zu helfen, zu unterstützen, das weiter zu geben, was ich von ihm bekommen habe, so gut ich es eben kann, auch wenn es oft bedeutet Opfer zu bringen oder Dinge zu akzeptieren, die man einfach (noch) nicht versteht. Und wenn ich jetzt nach „so kurzer Zeit“ zurückblicke, habe ich das Gefühl, dass nicht nur die Kinder etwas von mir lernen können sondern in erster Linie ich selbst diejenige bin, die eine ganze Menge dazugelernt hat und noch mitten dabei ist, zu lernen. Die Erfahrungen gehen nie aus, wenn man sich darauf einlässt. Flexibilität ist in der bolivianischen Kultur eine besonders wichtige, lernenswerte Eigenschaft, um nicht völlig verrückt zu werden. Doch das ist nur eines der Beispiele, die eine Zusammenkunft dieser zwei unterschiedlichen Kulturen mit sich bringt. Dennoch ist es einer der schönsten Orte, die ich mir im Moment vorstellen kann – und wem würde es nicht gefallen in einem Land zu leben, was immer grün und warm ist und die Mangos an der Straße wachsen?! 🙂

0 Kommentare »

Afrika: Mein Zuhause auf Zeit



Geschrieben am Dienstag, 07. Januar 2014 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Anna Maria über ihre bisherigen Erfahrungen in Kenia

Meinen deutschen Alltag habe ich gegen meine afrikanische Wirklichkeit getauscht. Von der Schulbank, zur Universität; aus der Kindertagesstätte in ein Rehabilitations- und Bildungszentrum für Massai-Mädchen in Kajiado, Kenia. Der Schritt ins Flugzeug war nicht groß, meine Vorstellungen sehr vorsichtig, der in nur vier Monaten zurückgelegte Weg bereits unvorstellbar.

Die Eindrücke, die mir hier geboten werden, sind atemberaubend: Vom afrikanischen Alltag mit Wasser schleppen, kochen auf Holzkohle, heißen Tagen und kalten Nächten bis hin zu Tränen der Freude, Tränen der Trauer, schmerzerfüllten Vergangenheiten und hoffnungsvollen Zukunftsträumen. Ein Leben, wie man es sich kaum vorstellen kann.

Als Freiwillige bin ich für 1 Jahr nach Kenia gegangen. Mein Aufgabenbereich sollte die Bücherei sowie Deutsch- und Sportunterricht sein. Doch schon nach den ersten Tagen wurde mir bewusst, dass diese festgelegten Aufgaben hauptsächlich auf dem Papier bestand haben. Was die Mädchen, die mich hier vor wenigen Monaten willkommen hießen, wirklich brauchen, sind Zeit, Worte, Umarmungen, kurz gesagt: Aufmerksamkeit. So wurde ich innerhalb kürzester Zeit von einer Freiwilligen zur Lehrerin, Erzieherin, Krankenschwester, Köchin, Freundin und Mama. Ein Fulltime-Job, der nicht nur ein großes Herz, sondern auch einen starken Willen fordert, denn es ist nicht alles Sonnenschein im ewig andauernden kenianischen Sommer.

Der Kulturschock kommt häppchenweise

Die Menschen hier können im ersten Moment wirken wie du und ich, in einer schwierigen Situation. Über die Zeit hinweg zeigt sich jedoch, dass es eben doch nicht die erste, sondern die dritte Welt ist. Afrika ist nicht Europa. Kenianer sind keine Deutschen und die Kinder hier sind nicht einfach Grundschüler. Du siehst in die dunklen Augen deiner Schüler und siehst die Unendlichkeit: unendlich viel Schmerz, Angst, Trauer, Wut.

Wie bringt man einem Mädchen „Ich hab dich lieb“ auf Deutsch bei, wenn man weiß, dass dieses Kind mit acht Jahren beschnitten, an einen achtzigjährigen Mann verkauft und vergewaltigt wurde und das aus dieser Zwangsehe entstandene Baby nun – im besten Fall – im Heim aufwächst? Die gleichen Augen lesen am Nachmittag in der Bücherei über eine bessere Zukunft. Müde Augen, kurz vor dem Zubettgehen, flüstern „Ich hab dich lieb“.

Der Freiwilligendienst im Ausland ist für mich das schwierigste und gleichzeitig wunderbarste Jahr meines Lebens. Damit Menschen wie du und ich, er und sie, wieder hoffen können – gemeinsam.

0 Kommentare »

Es gibt viel zu tun: Ein Jahr als freiwilliger Helfer in Ecuador



Geschrieben am Mittwoch, 20. November 2013 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht des ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Stephan über seine bisherigen Erfahrungen in Ecuador


Nach zwei Monaten Freiwilligendienst in Quito, Ecuador, und der nötigen Flexibilität und Gelassenheit kann ich ein positives Resümee ziehen. Ich werde im Büro bei ADRA Ecuador eingesetzt und arbeite dort zusammen mit meinem Kollegen, Daniel Hinojosa Sánchez, Koordinator für den nationalen wie auch internationalen Freiwilligendienst.

ADRA Ecuador ist ein sehr kleines Büro mit wenig Personal, jedoch vielen Projekten. Der Fokus liegt auf dem nationalen Risikomanagement, v.a. im Hinblick auf Prävention, Bildung im Allgemeinen und der Entwicklung von Dorfgemeinschaften, z.B. durch den Einbau verbesserter Küchen („cocinas mejoradas“).

Momentan unterstütze ich Daniel bei der Erstellung eines Leitfadens für das Management des Freiwilligendienstes bei ADRA Ecuador (Festlegung von klaren Prozessstrukturen im Umgang mit den Freiwilligen [Gewinnung/Anwerbung, Ausbildung, etc.]). Diese Aufgabe ist aufgrund der benötigten Spanischkenntnisse nicht immer leicht, jedoch definitiv herausfordernd und gleichzeitig lerne ich dadurch jeden Tag etwas Neues dazu. Übersetzungsarbeiten, das Editieren kleiner Zeitungsartikel und die Unterstützung bei diversen Vorhaben, momentan z.B. der Vorbereitung des Internationalen Freiwilligentages am 5. Dezember, gehören auch zu meinem Aufgabenfeld. Für das Jahr 2014 gibt es dann vielleicht die Möglichkeit, in anderen Projekten auf dem Land mitzuhelfen.

Im Rahmen des Freiwilligendienstes bot sich mir auch die Möglichkeit, nach Guangaje mitzufahren und vor Ort das Projekt „cocinas mejoradas“ anzuschauen. Ich sah, wie diese verbesserten Küchen der Gesundheit der Hausbewohner beitragen. Desweiteren nahmen Daniel, Miguel und ich an der „VI. Lateinamerikanischen Regionalkonferenz über den Freiwilligendienst“ teil. Vertreter verschiedenster Länder und Organisationen waren anwesend. Diese Konferenz brachte viele neue Ideen und Impulse. So war ein zentrales Thema „voluntariado corporativo“; hier geht es um die Teilnahme privater und öffentlicher Unternehmen (und deren Belegschaft) am Freiwilligendienst, vorzugsweise in Kooperation mit Nichtregierungsorganisationen.

Neben dem Alltag im Büro gibt es natürlich auch die andere Seite. Ich wohne bei einer Gastfamilie in der Nähe des Büros. Dies ist eine einmalige Erfahrung! Wir verstehen uns perfekt und mittlerweile fühle ich mich auch schon als Familienmitglied.

Am vergangen Samstag war die Hochzeit meiner Gastschwester Lorena! Überhaupt sind die Ecuadorianer sehr aufgeschlossene, freundliche und hilfsbereite Mitmenschen, die einem ihre Kultur zeigen wollen. Ich muss sagen, für die zwei Monate habe ich auch schon viel gesehen und viele kulinarische Köstlichkeiten probiert :). An was ich mich gewöhnen musste, ist der Aspekt der Sicherheit auf den Straßen und bei Nacht. Die Freiheit und Sorglosigkeit, die man bei uns in Deutschland meist genießt, ist hier nicht überall gegeben. Naja, neben diesem kleinen negativen Aspekt überwiegen dann doch die positiven (!), schon allein wenn ich hier aus meinem Bürofenster rausschaue und die einmalige Landschaft sehe.

 Viele Grüße aus Ecuador und dem ADRA Ecuador Büro!

 

0 Kommentare »

„Teacher, Teacher! I’m finished!“



Geschrieben am Donnerstag, 31. Oktober 2013 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Piedade über ihre bisherigen Erfahrungen in Costa Rica

Zwei Monate bin ich nun in Costa Rica und in dieser Zeit konnte ich schon einige Eindrücke sammeln und viele neue Leute kennen lernen. An so manches Essen aus der Cafeteria musste ich mich erst einmal gewöhnen und die eine oder andere Campusregel kannte ich aus deutschen Schulen auch nicht. Trotzdem stellt sich bei mir langsam so etwas wie Alltag ein. Ich bereite meinen Einzelunterricht vor, unterrichte die Kinder und gebe ab und zu Nachhilfestunden.

Eines Morgens rief mich meine Chefin zu sich ins Büro und fragte, ob ich am nächsten Tag in der Grundschule eine Lehrerin vertreten könne. Natürlich habe ich zugesagt, aber dann kamen mir direkt die ersten Zweifel: Ich habe doch gar keine Erfahrung damit, eine Gruppe von 25 Sechs- bis Siebenjährigen zu unterrichten! Wie soll ich vor eine ganze Klasse treten, wenn ich bislang immer nur Einzelunterricht gegeben habe? Werden die Kinder mir zuhören?

Egal! Die Lehrerin, die ich vertreten sollte hat mir dann ganz ausführlich erklärt, was ich alles machen soll und mir ihre Assistentin zur Seite gestellt. So war der Unterricht bei den Kindern gar kein Problem.

Ein Vorteil für mich: der Unterricht an der Schule fand auf Englisch statt und so ich konnte mit den Kindern Englisch reden. Antworten habe ich natürlich fast nur auf Spanisch bekommen. Auch wenn ich mal einzelne Worte nicht verstanden habe, waren die Kinder einfach nett zu mir oder haben sogar versucht, mir etwas auf Englisch zu sagen (was dann meistens noch schwerer zu verstehen war! 🙂 ). Es war so süß, wie sie alle irgendwie versucht haben, sich mit mir zu unterhalten.

Ein Mädchen hat mir fast ihren kompletten Familienstammbaum erzählt, ein Junge wollte mir unbedingt zeigen, was er für Flaggen gemalt hat und zwei kleine Jungs haben eine heftige Diskussion darüber geführt, welche Sprachen ich wohl sprechen kann.
Meine anfänglichen Sorgen haben sich also überhaupt nicht bewahrheitet und nach nur vier Stunden mit den Kindern habe ich sie schon so ins Herz geschlossen.

Ich freue mich wirklich schon darauf, wieder an die Grundschule zu gehen!

0 Kommentare »

Pura Vida – Costa Rica



Geschrieben am Freitag, 19. Juli 2013 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Sarina über ihre bisherigen Erfahrungen in Costa Rica

Fast ein Jahr ist jetzt schon vorbei, seitdem ich nach Costa Rica gekommen bin. 11 Monate, 48 Wochen, 338 Tage und noch viele Stunden, Minuten und Sekunden mehr. Am Anfang hörte sich das so lange an, doch jetzt kommt es mir sehr, sehr kurz vor – zu kurz. Realisieren, dass ich bald wieder zu Hause bin kann (und will) ich noch gar nicht – dabei ist es in weniger als 2 Wochen schon so weit.

Natürlich freue ich mich auch. Ich freue mich wie ein Honigkuchenpferd auf meine Familie, auf meine Freunde, auf die Gemeinde, auf mein Zimmer, den Schnee im Winter und das Essen. (Nicht, dass ich etwas gegen Reis und Bohnen hätte – die können auch sehr lecker sein, aber nach 11 Monaten jeden Tag fast das selbe zu essen, freue ich mich doch (etwas) auf gutes deutsches Essen 😉 )

Andererseits finde ich es unvorstellbar, dass ich das Leben, was ich nun fast ein Jahr gelebt habe, einfach hinter mir lassen muss – und es plötzlich nur noch in meiner Erinnerung existieren soll. Ich werde das Land, die Strände, die Natur, die Menschen, meine Schüler, die guten Freunde die ich hier gefunden habe … und sogar die lateinamerikanische Küche vermissen. 🙂 Denn all dem Reis und den Bohnen zum Trotz gibt es hier sehr viele Dinge, die wir in Deutschland definitiv auch in unseren Speiseplan einbauen sollten. Quesadillas, Empanadas, Pupusas und Burritos werde ich auf jeden Fall vermissen und hoffentlich nicht total daran scheitern, sie zu Hause mal selber zuzubereiten. 🙂

Am liebsten würde ich Costa Rica mit seinen Stränden, dem Wetter und all den Dingen, die mir wichtig geworden sind in eine Tasche stecken – mitnehmen –  und an den Wochenenden aufmachen und reinspringen. In meinem Jahr hier sind wirklich viele tolle Sachen passiert, für die dieser Bericht natürlich nicht im Entferntesten ausreicht. Wir waren an vielen verschiedenen bombastischen Stränden, sind Jet-Ski gefahren, haben eine Canopy-Tour gemacht (wie viele Seilbahnen hintereinander an hohen und langen Drahtseilen durch den Wald), durften die vielfältige Costa Ricanische Natur entdecken und vieles vieles mehr.

Ein Erlebnis von dem ich hier aber noch berichten wollte und das ich als eine meiner Lieblingserinnerungen mit nach Hause nehmen werde, hatte ich mit einer meiner Nachhilfe-Schülerinnen. Einem Mädchen, dass in seinem Leben schon viel durchgemacht hat und die mir sehr ans Herz gewachsen ist. Als ich das Englisch-Heft von ihr durchging, um die Themen für die anstehende Arbeit zu finden, fand ich plötzlich eine Hausaufgabe in der die Schüler ihren persönlichen Helden beschreiben sollten: Sie hatte über mich geschrieben. Natürlich nicht in perfektem Englisch und es war auch kein langer Text., aber nach nur ein paar Monaten Englisch-Unterricht, war das schon eine sehr große Leistung und es hat mich unsagbar stolz gemacht, dass ich in ihrem Leben einen solchen Platz einnehmen darf. Es hat mich nochmal realisieren lassen, dass wir nicht “nur” Lehrer sind, sondern das wir so viel mehr sein können. Und das ist es doch, was wir alle erreichen wollen.

Natürlich können wir in unserem Jahr nicht die ganze Welt veränden – aber die Welt von ein paar Personen zu bereichern und etwas besser zu machen, ist doch ein ganz guter Start.

0 Kommentare »

Mexiko: Abenteuer Universitäts-Alltag



Geschrieben am Mittwoch, 17. Juli 2013 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Constanze über ihre bisherigen Erfahrungen in Mexiko

Hineinspaziert ins abenteuerliche Universitätsleben, hier auf dem Campus von Montemorelos, Mexiko. Gerade zu den Semesterzeiten wimmelt es hier nur so von scheinbaren Spaziergängern. Doch bei genauerem Hinsehen stellt man eine Vielfalt an Fakultätskleidung fest – und jeder eilt zu seiner aula, zu seinem Hörsaal bzw. dem Klassenzimmer. Auch ich muss mich ranhalten und zum Unterricht. Ja, hier muss man manchmal einen Zahn zulegen, wenn man noch etwas Vorbereitungszeit in Anspruch nehmen möchte. Dabei schwingt auch gleich noch das exotische Essen im Magen mit. Im Handumdrehen habe ich das Sprachinstitut erreicht, jetzt schnell den schweren Laptop im Lehrerzimmer ablegen, aus der Tasche nehmen und an die Steckdose anschließen … puh, alles noch rechtzeitig erreicht.

Aber „wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“- auch ich muste diese Binsenweisheit schon in meinem Unterricht anwenden, denn mit der Pünktlichkeit will es bei dem einen oder anderen einfach nicht klappen. Morgens und am frühen Adend unterrichte ich Englisch für Fortgeschrittene – eine wirklich nette Herausforderung für mich. Es ist eine Arbeit, die nicht nur profitabel und lehrreich für den Studenten ist, sondern auch für denjenigen, der den Unterricht abhält. Durch die Vorbereitungszeit auf den Unterricht hatte auch ich schon viele Aha-Effekte. Manche noch unklare Sache aus der eigenen Schulzeit konnte korrigiert werden. Auch ist der Perspektivwechsel ein ausschlaggebener Punkt zum besseren Verständnis. Denn jetzt stehe ich selbst vor einer erwartungsvollen Klasse und hoffe auf gute Resonanz. Der mexikanischen Lebenseinstellung sei es gedankt, dass nicht alles so furchtbar ernst und genau genommen wird. So musste ich auch lernen, dass sich die Schüler oder Studenten im Unterricht prinzipiell nicht melden, sondern entweder still sind, oder eben hineinrufen. Das hatte auch schon zur Folge, dass ich dreizehn Schülern gleichzeitig zuhören durfte – aber meine Intuition sagte mir, dass da noch etwas zu machen ist. Und tatsächlich: meine Studenten haben es letztendlich auch geschafft, sich zu melden.

Nach Unterrichtsende ging es einmal pro Woche zum Servicio Comunitario, so etwas wie gemeinnützige Arbeit, in der wir ins Pueblo, ins Dorf, fuhren, um Bedürftigen zu helfen – auch für diejenigen, die der spanischen Sprache nicht so mächtig waren eine ideale Plattform zum Lernen, Üben und zum Begegnen der Menschen in ihrer Umgebung. In den Häusern und draußen hatte ich besonders bei einem älteren Herrn, gemeinsam mit meinem Team, die Aufgabe und das Privileg, Zeit für Gespräche, zum Reinigen und zum Lobpreis zu verbringen. Dabei musste ich erst einmal über den Schatten der Berührungsangst zu springen. Eine ausgesprochen segensreiche Zeit.

Um den Hunger zu stillen, bietet sich der Comedor, die Mensa, an – nicht nur zum leiblichen Wohl, sondern auch zum geistlichen und geistigen kann man seine „Mahlzeiten“ finden. Für mich bot sich zudem die Gelegenheit, selbst bei der Essensvorbereitung mitzuhelfen – dort kann man sich mit seinen Arbeitskollegen austauschen, die Fremdsprache üben und neue Freundschaften schließen.

Es bieten sich neben der festen Arbeit aber immer wieder andere Möglichkeiten an, sich einzusetzen, Neues zu erlernen – so beispielsweise auch eine Anfrage die ich erhielt, Telefonate mit Pastoren in den karibischen Ineln für ein Projekt zu führen. Da kommt wieder die Spontanität der Mexikaner ins Spiel – und auch eine gewisse Gelassenheit, dass das alles schon irgendwie klappen wird.

Das Leben als Freiwillige/r ist in allem sehr behütet, dazu tragen die Mauern, Zäune und das Sicherheitspersonal sicher ihren Teil bei. Das Essen ist köstlich, wenn zu Anfang auch gewöhnungsbedürftig, exotische Früchte und scharfe Gewürze verfeinern den Aufenthalt. Selbst für sportlich aktive misioneros gibt es die Möglichkeit, sich auf dem Sportplatz oder in der Halle auszutoben. Nicht nur spezifische Aufgabenbereiche und spannende Erlebnisse erwarten einen hier in Montemorels, auch der persönliche Wachstum und das Brückenbauen zu dem Gastland  spielen eine wichtige Rolle.

Meine bisherigen neun Monate habe ich sehr genossen und erwarte mit großer Spannung die letzten zwei Monate mit Gottes Führung und Wegweisung für diese Zeit.

0 Kommentare »

1 Jahr bei den Kindern in Moldavien



Geschrieben am Mittwoch, 03. Juli 2013 von ADRAlive-Team

Ein Bericht des ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Franz über seine bisherigen Erfahrungen in der Republik Moldau

Ich möchte gar nicht erst anfangen davon zu schreiben, wie schnell die Zeit hier in Moldova vergeht. Wie verschieden sind doch die Gefühle, zu sagen: „Wir sind schon 3 Monate hier“ oder „Jetzt sind es nur noch 3 Monate, bis wir wieder in Richtung Heimat aufbrechen“. Eigentlich müsste ich in Richtung erste Heimat schreiben, denn die zweite Heimat habe ich hier im Osten Europas gefunden.

Wenn ich morgens aufstehe und nach dem Frühstück aus dem Haus gehe, zeigt das Thermometer schon 20 Grad an. Im Mai explodierte der Frühling in allen seinen Farben – einfach wunderschön.

Als Auslandsfreiwilliger könnte man jeden Abend irgendeine Geschichte über die Arbeit erzählen und auch wenn es sich für manch anderen vielleicht nicht immer nach Abenteuer anhört macht doch der Alltag die meiste Zeit eines solchen Aufenthalts aus. Genau um diesen Alltag geht es. Genau diesen Alltag heisst es, im Kinderheim zu gestalten. Die eigenen Stärken und Interessen können einem in vielem behilflich sein. Vivian und ich haben beispielsweise angefangen, Mal- und Zeichenunterricht zu geben. Das ein oder andere Mal kommt man schon noch ein bisschen ins stutzen, wenn die Kinder mit ihren Bildern ankommen und eine Meinung von dir haben wollen, wie von einem Lehrer. Ich saß doch selber noch vor einem Jahr in der Schule. Genauso habe ich mich gefreut, als Nicko – einer unserer Heimschüler – seinen ersten Skatetrick geschafft hat. Wenn dann der schnelle Blick kommt, ob man es auch ja mitbekommen hat, ist man selbst ein bisschen stolz.

Mit Kindern zu arbeiten bedeutet für mich, den Moment zu leben. Kinder haben nur den Moment und nur in diesem kann man sie erreichen. Es ist auch manchmal das daneben sitzen und zuhören, ihnen zeigen, dass man Interesse an ihnen hat.

Ich bin unheimlich dankbar hier zu sein und diese Zeit erleben zu dürfen.

1 Kommentar »
ADRA Deutschland e. V. | Robert-Bosch-Straße 10 | 64331 Weiterstadt | Impressum | Layout © rasani.design | Umsetzung / Webdesign Thoxan.com