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Leben und Arbeiten in Lesotho



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 03. März 2020 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht von Leoni, die mit ADRAlive! ein weltwärts-Jahr in Lesotho verbringt.

LEBEN

Lesotho ist ein kleines Königreich, welches gänzlich von Südafrika umschlossen ist. Es ist das einzige Land, das ausnahmslos über 1000 Metern liegt, weshalb es seinem Beinamen „The Kingdom in the Sky“ (Königreich im Himmel) alle Ehre macht.

Die Bastho sind ein gastfreundliches und heiteres Volk, auch wenn es im Land viel Armut, eine hohe Arbeitslosen-Quote und eine der höchsten HIV-Raten weltweit gibt.

Ich wohne in Teyateyaneng, meistens T. Y. abgekürzt, einer Stadt mit ca. 75.000 Einwohnern auf dem Gelände eines kleinen privaten Krankenhauses, dem Centre for Equal Health Access Lesotho.

Ich bin in einer Wohngemeinschaft mit anderen lokalen und internationalen Freiwilligen untergebracht. Mein Apartment ist mit Elektrizität und fließendem Wasser ausgestattet, ein Privileg für Lesotho. Hier zu leben ist wie auf einem kleinen Bauernhof zu sein, es gibt viele Enten, Hühner, Schweine, zwei Hunde und Jack das Pferd. Lässt man seine Tür unbeaufsichtigt offenstehen, kann Jack schon mal zur Tür reinschauen oder ein Schaf ins Apartment spazieren.

Ich fühle mich sicher in Lesotho und kann mich mit öffentlichen Verkehrsmitteln während des Tages frei bewegen. Eine Taxifahrt in die Stadt dauert weniger als 10 Minuten und kostet umgerechnet gerade mal 50 Cent.

In meiner Freizeit mache ich viele Wanderungen in den umliegenden Bergen und lange Spaziergänge in der traumhaften Landschaft von Lesotho.

ARBEITEN

Ich arbeite für die NAJOJO BETTER LIVING MISSION ASSOCIATION (NBLMA), einem ambulanten Pflegedienst und der ersten Organisation in Lesotho, die kostenfreie Palliativpflege anbietet. NBLMA hat sich auf eine ganzheitliche Begleitung von Patienten spezialisiert und bietet psychische, soziale, emotionale, spirituelle und physische Unterstützung an. Aktuell werden ca. 45 Patienten in umliegenden Dörfern und Kommunen versorgt. Alle Patienten leiden an chronischen und lebenslimitierenden Erkrankungen wie z.B. HIV, Krebs oder neurologischen Krankheitsbildern.

Das multiprofessionelle NBLMA Team besteht aus Ärzten, Gesundheits- und Krankenpflegern, Physiotherapeuten, Sozialarbeitern und Psychologen. Die Mitarbeiter setzen sich aus internationalen und lokalen Freiwilligen zusammen.

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Lesotho unterscheiden sich sehr von denen in Deutschland. Ich brauchte Zeit, um mit den vielen Schicksalen und schweren Erkrankungen, aber auch geringeren hygienischen Standards umgehen zu können. Hier habe ich aber viel Unterstützung von meinen Kollegen und anderen Freiwilligen erfahren.

Aktuell betreue ich eine kleine Gruppe an Patienten, die ich wöchentlich besuche. Durch die regelmäßigen Besuche kann ich gute Beziehungen zu den Patienten und ihren Familien aufbauen sowie Veränderungen in Form von Fort- und Rückschritten erkennen.

Zu meinen Aufgaben gehören Pflegeanamnesen, die Dokumentation von Vitalzeichen, Wundverbände und das Begleiten von Patienten zu Check-ups. Die Tätigkeit für NBLMA ist interessant und vielfältig. Die Zusammenarbeit mit Kollegen aus verschiedenen Professionen und Hintergründen ist bereichernd, ermöglicht ein vernetztes Arbeiten und gibt mir die Möglichkeit viel zu lernen. Neben meinen pflegerischen Aufgaben helfe ich bei der Organisation von Spendenaktionen, der Öffentlichkeitsarbeit für NBLMA und dem Halten und Erstellen von Präsentationen und Trainings zum Thema Palliative Care.

Mittlerweile habe ich mich gut in Lesotho eingelebt und ich bin sehr gespannt auf die kommenden fünf Monate!

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Bienvenidos en Arequipa!



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 08. Januar 2020 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht von Noah, der mit ADRAlive! ein weltwärts-Jahr in Peru verbringt.

Am Anfang waren die Berge. Wüste, braune Riesen soweit das Auge reicht. Nur wenige Spitzen sind von dünnem Schnee bedeckt. Straßen münden aus dem Nichts und schlängeln sich an den stummen Wächtern der Anden vorbei. Autos befahren die einsamen Wege. Dann schießen Ruinen aus dem Boden. Erst vereinzelt, nun werden es immer mehr. Aus Ruinen werden Blechhütten, Ziegelbauten und dann kleine Häuser mit rotweißen Fahnen. Erste Kreuzungen sind zu sehen. Winzige Punkte wuseln aus und in die Gebäude, die nun immer höher wachsen. Der Staub wird weniger und die Autos mehr. Ein komplexes Netz aus Straßen, Gassen und Brücken säumt den einstigen Wüstenboden. Zivilisation ist in die leere Landschaft eingekehrt. Nur ein Vulkan am Stadtrand erinnert noch daran, dass die Natur sich ihren Platz eines Tages wiederholen wird. Ein majestätischer Anblick, der einem seine Bedeutungslosigkeit vor Augen führt. Man verliert sich darin…
Dann plötzlich eine Stimme. „Bitte anschnallen und Sitze geradestellen. Das Flugzeug setzt nun zur Landung an. „Bienvenidos en Arequipa!“

Meine Nase lief und ich schwitzte während ich auf mein Gepäck wartete. Die trockene Luft heißt Einen Willkommen in der „weißen Stadt“. Glücklicherweise holte man mich direkt vom Flughafen ab. Ohne Vorkenntnisse ziehen Einen die Taxis hier gnadenlos ab. María Elena, die Direktorin des Projekts, in dem ich nun ein Jahr lang arbeiten werde, begrüßte mich zusammen mit ihrem Mann Mauricio und fuhr mich zum Gelände. Auf dem Weg dorthin durfte ich nun die Stadt auf Augenhöhe betrachten. Rote Ziegel, staubige Straßen und etliche Stände zogen am Autofenster vorbei. Dann kamen wir endlich an. Aus der Ferne sah man bereits das von Zaun umgebene Grundstück. Auf dem Eingangstor stand „Nuestro Hogar“, „Asociación alemana Ayúdame“ etc. und das Ganze dann nochmal auf Deutsch. Das Grundstück der Kindertagesstätte ähnelt ein bisschen dem Paradies oder zumindest dem, was ich mir darunter vorstelle: Mit Steinen gepflasterte Wege, hohe Bäume, rot gestrichene Häuser und Klassenräume mit Holztüren und Vintage Glasfenstern, ein riesiger Gemüsegarten, der sich wie ein Drache um ein Schloss um das halbe Gelände zieht, ein runder Platz mit romantischer Aussicht auf die landwirtschaftlichen Felder und die Stadt in der Ferne und der riesige Park mit den bunten Rutschen und Schaukeln, deren Farben bei untergehender Sonne langsam verschmelzen. Nuestro Hogar, und ja ich schreibe ohne Gänsefüßchen weil es auch wortwörtlich Nuestro Hogar war, fühlt sich an wie der Film „L´auberge espagnole“ falls den jemand gesehen hat.  Fazit: Hier lässt es sich ein Jahr aushalten!

Mein ganzes Leben hatte ich mir ein großes Zimmer gewünscht. Drei Umzüge später und immer noch hatte ich ein kleines Zimmer. Beim Vorbereitungsseminar wurden wir gewarnt unsere Erwartungen besser zurückzuschrauben, aber als ich mein Zimmer im Nuestro Hogar sah, war ich überwältigt. Ich blickte in das größte Zimmer, in dem ich je gewohnt hatte. Vier Wände, Kleiderschrank, Tisch, Regal, zwei Betten und eine extra Matratze für Gäste. Die zwei Fenster in meinem Zimmer waren von roten Gardinen bedeckt, weshalb ich es auch das „rote Zimmer“ nenne. 

Am nächsten Morgen wurde mir von den hilfsbereiten Mitarbeiterinnen mitgeteilt, dass die kommende Woche eine Huelga (Streik) ansteht. Ergo: Zu gefährlich für die Kinder und Schüler zur Tagesstätte zu kommen. Frisch in Peru angekommen, war ich also erstmals arbeitslos. Genauso arbeitslos wie ein Großteil der Demonstranten. Ich hätte also ruhig mitdemonstrieren können. Da die Busse nicht fuhren, war ich aber gut beschäftigt mit rumlaufen, um meine Einkäufe zu erledigen. Dadurch lernte ich das Viertel sehr gut kennen und erklärte mich bereits am Ende dieser monotonen Woche zum Urgestein des Cayma-Ghettos. Aus dem Gringo wurde ein waschechter realer Arequipeno mit Street-Creedibility!

Zum Glück war meine Zeit allein nach einer Woche endlich vorbei. Vom Flughafen durfte ich meinen Mitpraktikanten Jan-Paul abholen. Der sympathische Berliner hatte zuvor ein halbes Jahr in Valparaíso, Chile verbracht und dort ein Praktikum im Senat absolviert. Danach wollte er einer Arbeit nachgehen, die mal so gar nichts mit seinem Studium Politikwissenschaften zu tun hat. So fand der rothaarige Gringo mit chilenischem Akzent seinen Weg nach Arequipa um mit mir und Mariyana, der Freiwilligen, die einen Monat nach uns ankommen sollte, ein halbes Jahr im Nuestro Hogar zu arbeiten. Jan und ich verstanden uns sofort sehr gut. Nachdem sich die angespannte Situation in der Stadt etwas beruhigt hatte, konnten wir endlich mit der Arbeit beginnen und die Kinder kennenlernen, die uns die nächsten Monate über auf Trab halten würden. Um 8 Uhr beginnt für uns die Arbeit. Zusammen gehen wir erst mal in den Klassenraum der „Nidos“ (Nest). Hier kommen die ganzen Kindergartenkinder, die Nidos und Vorschüler, die Iniciales an und trinken ein Glas Milch und frühstücken Brot mit Palta (Avokado), Butter oder Wurst. Von dort aus trennen sich dann die Wege der Praktikanten. Jan bleibt hierbei mit den Nidos während ich mit den Iniciales und der Profesora Miss Delsi in einen anderen Klassenraum gehe. Dann geht der Spaß auch so richtig los!

Zuerst spielen die Kinder mit Legos, Puzzeln, Spielzeugautos etc. auf dem Tisch oder auf einem Teppich am Boden. Meine bescheidene Aufgabe den Kindern die Spielzeuge zu geben gestaltet sich wirklich nicht einfach. „Mío! Nooo, mío. Profesor, yo yo yo!!!“ Streit um die immer gleichen Spielzeuge ist Alltag und Teilen oder zusammen spielen ein Fremdwort für die kleinen Racker. Anschließend geht es nach dem Aufräumen zum Arbeiten. Das heißt Miss Delsi oder ich zeichnen was auf die Tafel (z.B. die Zahlen von 5 bis 10, eine sommerliche/winterliche Landschaft, Buchstaben, Meerestiere usw.). Nachdem über das Thema gesprochen und Fragen gestellt wurden, teilen wir die Hefte aus und die Kinder zeichnen oder erledigen dem Thema entsprechende Aufgaben. Sobald sie fertig sind, dürfen sie kreativ werden und zeichnen. Selbst einfache Formen wie Kreise sind für viele Kinder noch ein Problem, weshalb es immer eine Freude ist, wenn man sieht, dass ein Kind Fortschritte macht, Formen erkennt und diese auf Papier bringt. Zum Abschluss ihrer Arbeiten gibt´s dann entweder den „OsitoPoh-Stempel“ (gut gemacht) oder ein „Puede-Mejorar-Stempel“. Das Kind weiß dann, da ist noch Luft nach oben.

Natürlich müssen sich die Kinder nach so anstrengender Arbeit stärken. In der sogenannten „Hora de fruta“ packen die Kinder ihre mitgebrachten gesunden Snacks aus und wir essen gemeinsam. Als Praktikant holt man sich dann seinen Snack aus der Küche. Den Kindern beim Schälen helfen und die Schalen zum einem Kompostloch im Garten zu bringen sind die Hauptaufgaben. Mit Mandarinenkernen lassen sich übrigens die besten Tischschlachten führen, selbstverständlich nur wenn die Profesora nicht hinschaut.

Sind alle fertig, bekommt jeder einen stylischen Buckethat aufgesetzt und wir rennen wie die Wilden in den Park. In der grünen Oase des Nuestro Hogar wird gerannt, gesprungen, geturnt, gefangen, gerauft und Rotz und Wasser geheult, wenn man mal auf die Schnauze fällt, was dank der lustigen, unkoordinierten Bewegungen von Kindern andauernd passiert. Man darf dann trösten, schlichten und bestrafen. Gerade mit den Jungs zu kämpfen macht übelst Laune und so manch ein Tag vergesse ich, dass ich selber kein Kind mehr bin. Kurz vor 12 verlassen wir, ääh ne Verzeihung, schleppen und ziehen wir die verschwitzen Ninos aus dem Park raus. Die kommen verständlicherweise nicht freiwillig mit. Zurück im Klassenzimmer hole ich dann zur vollen Stunde das leckere Mittagessen aus der Küche. Wir Praktikanten essen dann gemeinsam mit den Kindern am Tisch. Leider leichter gesagt als getan. Meistens lassen sich die Kinder ablenken, schlafen ein, essen übertrieben langsam oder gar nicht. Eine Ausbildung zum Motivationscoach wäre für das Mittagessen super hilfreich. Mit jedem Satz erinnert man die Kinder daran weiter zu essen und nicht mit dem Löffel zu spielen oder wie ein Zombie ein Loch in die Luft zu starren. Hat dann schließlich das letzte Kind aufgegessen geht es zum Zähneputzen mit der Profesora. Im Klassenzimmer wird dann sauber gemacht und mit dem Geschirr zum Spülbecken gegangen. Nach dem Abtrocknen ist es dann auch schon vollbracht! Während die Kinder sich für ihren Mittagsschlaf auf die Matratzen legen geht es für mich in die zweistündige Mittagspause. In der Zeit kommen die ganzen Schüler im Nuestro Hogar an. Es gibt drei Schulgruppen, die nach Alter aufgeteilt sind: Escolares uno, dos y tres.

Pünktlich um 15 Uhr trete ich in das Zimmer der Escolares dos (8 bis 12-Jährige) und helfe ihnen bei den Hausaufgaben. Wie alle Schüler auf der Welt haben sie oft Probleme mit Mathe und eine Aufmerksamkeitsspanne so lang wie ein zerbrochenes Lineal. Wirklich erschreckend sind aber ihre Englisch- bzw. fehlenden Englischkenntnisse. Völlig überfordert stehen sie vor ihren Hausaufgaben und verstehen kein Wort. Das Problem ist aber ganz klar auf die Schule und den Unterricht dort zurückzuführen. Meine Wenigkeit, kann dann nur noch versuchen, das Wichtigste aufzuarbeiten und den Schaden zu minimieren. Trotz all dem macht es einen Heidenspaß mit den Jungs und Mädels herum zu blödeln. Zwischendurch habe ich dann die Ehre die legendäre „Mazamorra“ zu holen. Das sind verschiedene Breie, die jeden Tag frisch von der Küche aus Kinoa, Obst, Vanille oder Schokolade zubereitet werden. Für mich gibt es einen extra großen Teller und ich hau immer ordentlich rein. Wenn die Schüler ihre Hausaufgaben erledigt und dass der Profesora glaubhaft verkauft haben, dürfen sie in den Park. In der Zwischenzeit spüle ich ab und schließe mich danach dem heiteren Miteinander im Park an. Streichelt die Sonne langsam den Horizont und die Vulkane und Gebirge färben sich rosa ruft die Profesora die Kinder zurück in die Klasse. Es ist 6 Uhr und die Eltern und Schulbusse kommen zum Abholen. Feierabend!

An den Wochenenden dauert es nicht lange, bis ich die Kinder schon wieder vermisse. Die kleinen Teufelsbraten wachsen einem sehr schnell ans Herz und für mich sind sie jetzt schon wie eine Familie. An Liebe mangelt es im Nuestro Hogar auf jeden Fall nicht. Die Kinder hier zeigen offen ihre Zuneigung.

Als letztes würde ich noch gerne ein paar Wörter über das Zusammenleben mit den anderen Freiwilligen verlieren, da das ein wichtiger Bestandteil des Auslandsjahres ist und viel davon abhängt, wie man mit seinen Kollegen klarkommt. Das Jan und ich uns Bombe verstehen hatte ich schon erwähnt. Inzwischen kam auch unsere bulgarische Mitgesellin Mariyana an und die WG war komplett. Na ja und dann ging alles bergab…
Ne Quatsch! Wir drei verstehen uns blendend und die Chemie stimmt genau. Im Arbeitsalltag unterstützen wir uns und Haushaltsaufgaben wie Eier kaufen werden gerecht verteilt. Gibt es doch mal ein Problem kann offen drüber gesprochen werden. Ich bin sehr dankbar mit den beiden im Projekt zu sein und lebe nicht mit zwei Kollegen, sondern mit zwei Freunden zusammen! Gemeinsam waren wir schon in Puno und auf dem Titikaka See. Für Weihnachten und Neujahr sind wir nach Lima geflogen und von dort aus die Küste entlang bis zur Insel Páracas. Weihnachten am Strand hat vorher auch noch keiner von uns erlebt. Langeweile scheint mir in Peru aber sowieso unmöglich: Jede Woche unterscheidet sich von der vergangenen und mein Leben war noch nie so aufregend. Weiterhin bin ich gespannt darauf was das Jahr noch so bringt und genieße einfach die Freiheit und Ungebundenheit. Es gäbe noch so viel zu erzählen aber aus Zeitgründen lege ich vorerst den Mantel des Schweigens über meine Zeit in Arequipa. In diesem Sinne, Cuídense y hasta pronto en la ciudad blanca!

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„Madam Mone, how are you?“



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 17. Dezember 2019 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Anemone, die ihren weltwärts-Dienst mit ADRAlive! in Ghana verbringt.


Es ist tatsächlich real geworden, ich bin jetzt schon zweieinhalb Monate in meinem Projekt in Accra, der Hauptstadt von Ghana. Es ist verrückt wie schnell die Zeit vorbei ging und wie schnell ich mich hier schon wie zuhause fühle. Insgesamt bin ich hier für 10 Monate, zusammen mit Lisa, einer ziemlich guten Freundin, die ich schon seit einigen Jahren kenne.

Let the world support one another“
So lautet das Motto der Universal Wonderful Street Academy (UWSA), unserer Projektschule. Die NGO ist in Jamestown, einem sehr armen Teil der Hauptstadt von Ghana. Jamestown ist zugleich ein historisch sehr wichtiger Teil der Stadt, da dort einmal der größte Hafen Accra‘s war. Heute ist die komplette Gegend verarmt und der nahegelegene Strand eine Art Slum, das Fishing Village. Jamestown ist bunt, laut und sehr geschäftig. Das komplette Leben findet direkt auf der Straße statt. Dort wird gekocht, Haare werden geflochten, Kinder gebadet und gegen Abend wird direkt auf der Straße geschlafen. Die Schule bietet den Straßenkindern aus der Gegend hier eine Chance auf Bildung, die sich sonst einfach nicht leisten könnten. Es ist eine Seltenheit, wenn ein Schüler noch bei beiden Elternteilen lebt. Viele der Kinder müssen nach der Schule noch arbeiten, indem sie zum Beispiel Obst auf der Straße verkaufen. Es ist beeindruckend wie stark die Kinder sind, denn viele haben ein unvorstellbar hartes Leben. In Ghana sind viele Schulen Privatschulen, welche hohe Schulgelder verlangen. Hier bekommen die Kinder kostenlos ihre Schuluniform, zwei Mahlzeiten am Tag und einen gewaltfreien Ort zum lernen. Jedes Kind der UWSA hat seine eigene Geschichte, durch welche es hier an der Schule angenommen wurde. Insgesamt gehen circa 120 Jungen und Mädchen hier zur Schule. Sie sind nach ihrem Wissensstand in vier Klassen aufgeteilt und werden von drei Lehrern und zwei Lehrerassistentinnen unterrichtet. Jeder Tag läuft circa gleich ab. Die Schule beginnt um 8:00 Uhr mit einer kurzen Begrüßung auf dem Schulhof. Es wird gebetet und gesungen und dann beginnt auch schon der Unterricht. Frühstück gibt es dann um 9:00 Uhr, anschließend ist eine Stunde Pause. Der Unterricht geht bis zum Mittagessen um 13:00 Uhr, dann ist eine Stunde Pause und dann geht es weiter mit Unterricht beziehungsweise Workshop. Der Schultag endet um 16:00 Uhr mit dem Assembly.

Meine Arbeit in der Schule
Unser erster Schultag war direkt richtig gut. Es war ein Mittwoch, da ist morgens immer Worship. Den lauten und fröhlichen Gesang hörten wir schon außerhalb des Klassenzimmers und da wuchs meine Freude, die Kinder endlich kennenzulernen. Wir wurden dann auch direkt in jeder Klasse vorgestellt. Madam Lisa und Madam Mone werden wir hier genannt, auch wenn die Kinder uns bis heute noch ständig verwechseln. Nach der kurzen Vorstellung gab es Frühstück für die Kinder und die erste große Pause fing an. Von einem großen Haufen gelb uniformierter Kinder umgeben, fand ich mich auf dem Schulhof wieder. Klatschspiele, how-are-you, Madam, Madam… so geht das jede Pause. Die Kinder haben unendlich viel Energie und ich habe in meinem Leben noch nie so viele Klatschspiele gekannt, beziehungsweise gespielt, wie in diesen zweieinhalb Monaten. Uns wurde gesagt wir sollen einfach den Schulalltag beobachten, uns sozusagen selbst einarbeiten und bei Fragen können wir immer zu einem Lehrer oder anderen Angestellten in der Schule. So hat das auch ziemlich gut funktioniert. Unsere Aufgaben in der Schule sind sehr vielfältig und so gehen die Tage hier oft ganz schnell vorbei. Im Unterricht unterstützen wir die Lehrer, indem wir die Haus- und Klassenaufgaben kontrollieren, Aufgaben an die Tafel schreiben oder schwächeren Schülern helfen.

In unserer Arbeit sind wir ziemlich frei, sodass wir auch selbstständig mit kleineren Gruppen zum Lernen in die Bücherei gehen können. Dann nehmen wir häufig die Beginners, um mit ihnen Zahlen, Farben oder Schreiben zu üben. Die Klasse der jüngsten Schüler ist einfach zu turbulent für einige Schüler, um sich im Unterricht richtig konzentrieren zu können. Um die Lehrerinnen der Beginners zu entlasten, gehen wir Mittags oft mit den Kleinsten auf den Pausenhof und spielen Spiele. In ihrem Alter können sie noch nicht den ganzen Tag stillsitzen, dafür haben sie zu viel Energie. Ansonsten üben wir in der Bücherei mit den älteren Schülern oft lesen, da selbst einige in der höchsten Klasse noch Probleme damit haben. Es ist sehr gerne gesehen, wenn wir uns mit eigenen Ideen in die Schule einbringen und so wollen wir auch bald Mathenachhilfe und einem Schülerbibelkreis anfangen. Vor den Pausen sind wir als Freiwillige für die Essensausgabe zuständig, dann wird gebetet und in der Pause können wir frei mit den Kindern spielen, klatschen, Zeit verbringen und sie besser kennenlernen. Die Kinder kommen gerne in die Schule, sind ganz stolz auf ihre Schuluniform, auch wenn diese oft kaputt und dreckig ist. Den bereits erwähnten Workshop am Nachmittag leiten wir jetzt sogar alleine. Aus lokalen Materialien wie Perlen oder Stoffen basteln und nähen wir Dinge, die dann im Universal Wonderful Shop verkauft werden. Die Sachen werden vor Ort und in Deutschland verkauft und dienen somit als weitere Einnahmequelle für die Schule. Auch außerhalb des Unterrichts verbringen wir gerne und viel Zeit in der Schule. Jeden Nachmittag trainiert die Culture Group auf dem Schulhof. Die Gruppe tanzt traditionelle Tänze begleitet von einigen Trommlern. Die Tänzer und Trommler sind alle so unglaublich talentiert und stark. Sie sind alle in unserem Alter, also haben wir durch sie auch gleichaltrige Freunde an der Schule. Da wir die ersten Langzeit-Freiwilligen an der Schule sind, machen sie sich sogar die Mühe uns ihre Tänze beizubringen, sodass wir jetzt sogar schon zwei gemeinsame Auftritte mit der Gruppe hatten.

Meine Erfahrungen 
Ich kann sagen, dass ich ziemlich froh bin, mich für einen Freiwilligendienst entschieden zu haben. Ich gehe richtig gerne in die Schule, auch an den Wochenenden verbringen wir viel Zeit dort, dann meist mit den Leuten der Culture Group. Ich habe all die Kinder schon so in mein Herz geschlossen. Wenn man auf die Schule zuläuft wird man von Weitem schon begrüßt, Kinder rufen unsere Namen und springen einem in die Arme. Die Schüler sind so schön unkompliziert, es stört keinen, wenn die Uniform beim Spielen dreckig wird, oder wenn ein Keks runterfällt, wird dieser einfach trotzdem gegessen. Viele Kinder haben Narben, Narben die zeigen wie hart das Leben für einige von ihnen tatsächlich ist. Sie sind schon in jungem Alter so selbstständig, daher ist es so schön, dass sie in der schule einfach Kind sein können. Wir als Freiwillige können selbst einiges von den Kindern lernen. Accra ist ebenfalls beeindruckend. Die Stadt zeigt beide Extreme, arm und reich. Auf unserem Schulweg zum Beispiel kommen wir am Bankenviertel vorbei. An riesigen, modernen Gebäuden, deren Glasfassaden die Macht von Geld demonstrieren. Direkt neben den hohen Zäunen, die die Banken umgeben, liegen Menschen. Oft sieht man sie erst gar nicht, da einfach der komplette Körper verstaubt, dreckig und leblos aussieht. Es ist schrecklich, einfach daran vorbei zu laufen. Manche Schicksale, die wir hier kennengelernt haben, auch von Schülern aus der Schule, sind schwer zu verarbeiten. Ich denke an allen neuen Erfahrungen, die man hier macht, kann man selbst wachsen. Und auch nach meinen ersten zweieinhalb Monaten hier, ist immer noch an jedem Tag irgendetwas neu, fremd, beeindruckend und lehrreich. Manchmal kommt mir Alles vor wie eine verrückte neue Welt, an anderen Tagen fühle ich mich richtig angekommen und als wäre ich schon ewig hier. Ich bin so voller Eindrücke der neuen Kultur, der Stadt, der Armut und den Menschen. Es ist irgendwie schwer so die Gefühle zu beschreiben und die Erfahrungen auszudrücken, aber ich kann sagen, dass ich gerne hier bin und dass ich glücklich bin.

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Willkommen in Zentralasien



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 15. Oktober 2019 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht von Isabel, die ihren weltwärts-Dienst mit ADRAlive! in Kirgisien verbringt.

Für mich ging es vor zwei Monaten nach Kirgisien, um meinen Freiwilligendienst in der Hauptstadt Bischkek anzutreten. Nach einer langen Anreise bin ich gut angekommen und wurde herzlich von zwei Mitarbeitern von ADRA-Kyrgyzstan am Flughafen empfangen. Nachdem sie mir die Stadt ein bisschen gezeigt haben und mir bei den ersten Besorgungen geholfen haben, sind wir zu meinem neuen Zuhause gefahren. Ich arbeite hier für ADRA-Kyrgyzstan und da wohne ich auch, im Gebäude der Organisation. Ich habe mein eigenes Zimmer und alles, was man sonst noch braucht, ist auch im Gebäude vorhanden: eine Küche, eine Dusche, ein Bad. Das ADRA-Gebäude ist voller Leben und es wird nie langweilig, es ist immer etwas los. Abends, nach der Arbeit, werden noch verschiedene Kurse angeboten, zum Beispiel Flamenco-Kurse in dem Fitnessraum oder Kunstkurse im Atelier, bei denen ich teilweise auch dabei bin.

ADRA-Kyrgyzstan setzt sich vor allem in der Hauptstadt, aber auch in anderen Gebieten des Landes, mit verschiedenen Projekten, für benachteiligte Bevölkerungsgruppen ein. Im Moment laufen hier zwei Projekte. In einem von ihnen unterstützt ADRA gehörlose und schwerhörige Menschen in Bischkek und arbeitet daran, ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. In dem anderen Projekt geht es um die Vorbeugung von Diabetes, dieses leitet eine Ärztin, die bei ADRA arbeitet.

Meine Aufgaben

Meine Aufgaben sind sehr vielfältig. Zum einen arbeite ich im Büro, an verschiedenen Dokumenten. Ich habe zum Beispiel schon einige Dokumente übersetzt und andere überarbeitet oder aktualisiert.

Außerdem arbeite ich auch bei den Projekten mit. Hauptsächlich arbeiten wir gerade an dem Projekt mit den Gehörlosen und Schwerhörigen und immer, wenn Kurse oder Vorträge im Rahmen des Projektes stattfinden, bin ich dabei und unterstützte das ADRA-Team bei den Vorbereitungen und bei der Durchführung. Diese finden zum Teil hier im ADRA-Gebäude statt, oft fahren wir jedoch auch woanders hin, wie zum Beispiel zu anderen Organisationen oder zu Schulen für Gehörlose. In den kostenlosen Vorträgen, die ADRA-Kyrgyzstan den gehörlosen und schwerhörigen Menschen anbietet, geht es um Themen, die für sie sehr wichtig sind. ADRA klärt diese Menschen über ihre Rechte auf, da viele von ihnen nichts über ihre Rechte und Möglichkeiten wissen und auch über das Thema Gesundheit, da ihnen auch hier viele Kenntnisse fehlen. Zudem geht es ADRA darum, ihnen zu ermöglichen eine Arbeitsstelle zu finden, was hier für beeinträchtigte Menschen keine Selbstverständlichkeit ist. Dafür werden ihnen verschiedene Kurse angeboten, die ihre Chancen darauf ,eine Arbeitsstelle zu finden, erhöhen. ADRA bietet ihnen zum Beispiel Computerkurse an und Kurse, in denen sie lernen, wie und wo sie sich für eine Arbeitsstelle bewerben können. Einigen von ihnen soll bald sogar ermöglicht werden, ihr eigenes Business zu eröffnen, da ADRA-Kyrgyzstan für diesen Zweck ein bestimmter Geldbetrag zur Verfügung gestellt worden ist. Dies ist gerade in Planung, doch die Arbeit mit Gehörlosen erfordert meist viel Zeit und Flexibilität und vor allem viel Geduld.

Dafür bereitet die Arbeit mit ihnen aber auch viel Freude. Unsere Teilnehmer des Projektes verbreiten immer gute Laune und zeigen uns immer wieder, wie dankbar sie für ADRA´s Arbeit sind. Und das gemeinsame Tee und Kaffee trinken nach den Vorträgen sind sowohl für unsere Teilnehmer, als auch für uns das Highlight, da wir dort die Möglichkeit haben uns mit ihnen auszutauschen und sie kennenzulernen, jedenfalls soweit die Kommunikation dies zulässt. Ohne Übersetzer kann dies nämlich ganz schön kompliziert werden, aber dafür lernt man nebenbei die Gebärdensprache.

Ein weiteres Highlight war Mitte August das Seminar am Issyk-Kul See, welches ADRA-Kyrgyzstan im Rahmen des Projektes veranstaltet hat. Auf dem Seminar wurden ebenfalls Vorträge gehalten und Kurse durchgeführt, in denen es um die Arbeitsbeschaffung ging. Jedoch war es zudem auch noch eine großartige Möglichkeit für unsere Teilnehmer, unter Menschen zu kommen, soziale Kontakte zu knüpfen und von ihrem Alltag abzuschalten. All dies ist für sie gar nicht so  einfach, da sie große Kommunikationsschwierigkeiten mit der „sprechenden Gesellschaft“ haben. Doch durch die Teilnahme an dem Projekt konnten sie viele neue Menschen kennenlernen und Freunde finden. ADRA unterstützt sie also nicht nur dabei, Arbeit zu finden, sondern integriert diese Menschen auch ein Stück weit in die Gesellschaft.

Zudem bin ich teilweise auch bei den verschiedenen Kursen, die im ADRA-Gebäude angeboten werden, dabei und unterstütze diejenigen, die sie durchführen. Es kann auch manchmal passieren, dass jemand, der einen Kurs leitet, spontan nicht da ist und ich dann darum gebeten werde, diesen zu übernehmen. So habe ich zum Beispiel vor kurzem spontan einigen Omis im Computerkurs eine E-Mail Adresse eingerichtet und ihnen beigebracht E-Mails zu schreiben. Spontanität und Offenheit sind hier ein Muss.

Bald werde ich anfangen meine eigenen Kurse zu geben, und zwar Deutschkurse.

Wie man sieht bestehen meine Aufgaben hier aus allem Möglichen. Doch genau das gefällt mir, da meine Tätigkeiten dadurch sehr abwechslungsreich und vielseitig sind und jeder Tag anders ist.

Über meinen Arbeitsplatz

ADRA Kyrgyzstan ist nicht groß. Insgesamt arbeiten zwölf Mitarbeiter im Büro, dadurch herrscht hier eine angenehme, familiäre Atmosphäre.

Jeder Tag beginnt mit einer gemeinsamen Morgenandacht und einem Gebet in der Küche. Kurz nachdem sich alle in ihre Büros verteilt und etwas gearbeitet haben, versammeln sich wieder alle in der Küche, zum traditionellen „morgendlichen Teetrinken“. Man kann sich dort einfach nur wohl fühlen und gerne dort arbeiten, vor allem, weil alle Mitarbeiter sehr freundliche Menschen sind, sich alle gut verstehen und alle füreinander da sind und sich gegenseitig unterstützen und helfen.

Meine ersten Eindrücke vom Land

In der kurzen Zeit die ich bisher hier bin, habe ich schon viele tolle Menschen kennengelernt. Die Leute hier sind sehr herzlich, offen und gastfreundlich. Sie sind aber auch sehr entspannt und lassen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Pünktlichkeit spielt hier für die meisten Menschen keine große Rolle. All das sind Eigenschaften, an die man sich als Deutscher erst einmal gewöhnen muss. Aber umso mehr begeistert mich die offene und lebensfrohe Art der Kirgisen immer wieder und dass sie immer bereit sind, anderen zu helfen wo sie können.

Kirgisien ist ein vielfältiges und aufregendes Land voller Kultur und Traditionen, in dem es nie langweilig wird. Die Natur ist wild, wunderschön und ebenfalls sehr vielfältig. Es gibt mehrere wunderschöne Seen, wie den Issyk-Kul See, oder die Berge, die man sogar von Bischkek aus sehen kann, weil sie nicht weit weg sind. Das Klima hier ist, wie ich finde, perfekt. Im Sommer ist richtiger Sommer, mit hohen Temperaturen und sehr viel Sonne und im Winter ist auch wirklich Winter, das heißt Minustemperaturen, wie wir sie uns in Deutschland gar nicht vorstellen können und eine Menge Schnee. Ansonsten scheint hier fast immer die Sonne und Regen gibt es nur vereinzelt an einigen Tagen.

Es gefällt mir in Kirgisien sehr gut und obwohl ich noch nicht so lange hier bin, fühle ich mich schon ziemlich wohl. Mittlerweile habe ich mich gut hier eingelebt und bin gespannt, was die nächsten zehn Monate noch so mit sich bringen.

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Das Land der Croissants!



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 01. Oktober 2019 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht von Anna, die ihren weltwärts-Dienst mit ADRAlive! in Albanien verbringt.

Bei diesem Titel würde man wohl eher an Frankreich denken, aber da war man wohl noch nie in Albanien. Die in Folie abgepackten Croissants mit allerlei Füllungen findet man an jeder Straßenecke – die dazugehörigen Verpackungen leider auch. Markant an Tirana ist außerdem das Kabellabyrinth in der Luft, die Straßenhunde, Obststände und Cafés alle 10 Meter. Zudem findet man in jeder Straße mindesten ein Brautmodengeschäft, sodass man annehmen könnte, Albaner würden nicht nur einmal in ihrem Leben heiraten. Und das ist jetzt nicht auf die Scheidungsrate bezogen, die liegt hier nämlich deutlich unter dem deutschen Durchschnitt! Generell wird Familienleben hier sehr GROßGESCHRIEBEN und selbst als Gast ist man Teil der Familie, sodass man immer und überall Hilfe bekommt. An einem Nachmittag sind Rebekka (meine Mitfreiwillige) und ich im Park spazieren gewesen und weil das Wetter so schön war (das ist es hier nahezu immer!), wollten wir uns an das Ufer des Sees setzten. Kaum saßen wir 2 min am Wasser, kam auch schon ein älterer albanischer Herr, der sich mit uns mehr oder weniger versucht hat zu unterhalten. Nachdem eher verunglückten Versuch verließ er uns wieder, um nur 5 min später mit einer Decke zurückzukommen, auf die wir uns dann setzen durften. Unsere ersten Wörter „ Faleminderit, Mirupafshim, Po, Jo“ haben den Albanern jedoch ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert.

Nach 2 Monaten fühlt es sich schon wie nach Hause kommen an. Ich lebe in der Hauptstadt Albaniens und sie ist niemals still.

ARBEIT

Jeden Tag laufen wir 5 Minuten zum ADRA Büro und starten den Morgen mit einer Andacht. Danach übersetzen wir Texte, sortieren Bilder ein und basteln für die Schulen. Die Aufgaben gestalten sich hier als sehr vielfältig und jedes Talent was man hat, kann man hier gerne einsetzen und weiterentwickeln. Im Anschluss geht es meistens in die verschiedenen Projekte: Roma-Community Fushe- Kruje, Gemeinschaftszemtrum Tirana, etc. Wir beobachten und knipsen so viele Fotos wie möglich, um die besten Bilder dann auf den sozialen Medien zu teilen oder Berichte auf die Webseite zu laden. Ab und zu schneide ich auch Videos zusammen, bei denen die geleistete Arbeit von ADRA Albanien immer am besten zur Geltung kommt. Hin und wieder passiert es auch, dass ich am Nachmittag die Zeit total übersehe, da ich so fokussiert bei der Arbeit bin. Wir wurden zu Beginn herzlich von unserem ADRA Albanien Team aufgenommen. Die Arbeitsatmosphäre ist typisch albanisch, sehr entspannt und niemals Zeitdruck! In Albanien sieht man es mit der Pünktlichkeit nicht so eng. 5 kann halb 6 oder auch 6 Uhr bedeuten, sodass ich als typisch „Deutsche“ schon viel gewartet habe.

Roma-Gesellschaft

Roma zu sein bedeutet als Mädchen mit 14 zu heiraten, in diesem Alter die Schule zu verlassen und dann Kinder zu bekommen und das restliche Leben sich um diese zu kümmern. Deshalb können auch viele Erwachsene noch nicht lesen und schreiben, vom Rechnen ganz zu schweigen. Aus diesem Grund geht ADRA Albania in die Randgruppen der albanischen Gesellschaft. Wir bringen den Eltern und Kindern das Lesen und Schreiben spielerisch bei. Ab und zu wird auch etwas Praktisches wie z.B Kochen gelehrt. Wenn wir zu den verschiedenen Projekten fahren, sieht man auf den ersten Blick nur die Armut der Menschen. Aber auch die Kinder, die immer am Lachen sind und sich riesig freuen, wenn man Bilder von ihnen macht. Da kann man gar nicht anders als den Kindern ein Lächeln zurück zu schenken.

Kindergarten

Jeden Freitag haben wir das Privileg in den Kindergarten zu gehen und mit den Kindern zu singen, zu spielen und Geschichten zu erzählen. Bei dem ersten Teil komme ich auch immer ganz schön ins Schwitzen! Wer hätte gedacht das Kinderlieder singen, sich als ein Workout herausstellt. Ich sag nur: „Head and shoulders, knees and toes“.  Für mich ist es immer wieder erstaunlich wie schnell die Kinder die Lieder lernen.

Bis jetzt habe ich in Albanien durchweg gute Erfahrungen machen dürfen. Die Bevölkerung ist stets gastfreundlich, hilfsbereit und sie haben immer ein Lächeln im Gesicht. Ich schätze in dem Projekt Albanien die Vielfalt und Freiheit der einzelnen Aufgaben und fühle mich hier sehr wohl.

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Albanien – meine zusammengewürfelte Schönheit



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 09. Januar 2019 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Marie, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr mit ADRAlive! in Albanien verbringt.

„Du machst dein Auslandsjahr in Albanien?“, „Wo lag das nochmal?“ und „Was willst du denn da?“ waren die häufigsten Reaktionen auf meine Neuigkeit, dass ich meinen Freiwilligendienst in Tirana, der Hauptstadt eines mir bis dato völlig fremden Landes, verbringen würde. Eigentlich war nämlich der Plan, dass meine Reise nach Sri Lanka gehen sollte, allerdings klappte etwas mit dem Visum nicht und so wurde mir und meiner Projektpartnerin Jeanine kurzerhand etwa zwei Wochen vor der eigentlichen Ausreise vorgeschlagen,  einfach alle Pläne über Bord zu werfen und nach Albanien zu fliegen. Nach dem ersten Schock waren es nur noch wenige Wochen bis zu unserem Flug und die Nervosität stieg. Bald darauf packten wir unsere Koffer, steckten das Albanisch-Wörterbuch und den Reiseführer ein und flogen am 14. August 2018 in ein Land, von dessen Kultur und Menschen wir absolut keinen blassen Schimmer hatten.

Unsere Eingewöhnung

Schnell wurde uns klar, dass Albanien doch exotischer ist als erwartet, auch wenn es „nur“ zwei Stunden mit dem Flieger entfernt ist. Gewöhnen mussten wir uns an herunterhängende Stromkabel und Wasserschläuche, die zu Beginn scheinbar aus dem Nichts vor einem auftauchten, zutrauliche Straßenhunde, die einem einfach so bis vor die Haustür folgen oder bis zum nächsten Supermarkt begleiten, die albanische Gemütlichkeit, wo aus einem Termin um 8:30 Uhr ganz entspannt mal ein Termin um 10:00 Uhr werden kann und nicht zu vergessen das Ja-und-Nein-Sagen (zu „Ja“ sagt man hier „Po“ und schüttelt den Kopf und zu „Nein“ sagt man „Jo“ und nickt – verrückt, oder?). Angekommen waren wir in einem heißen und recht trockenen Sommer, welcher sich aber seit November zu einem regnerischen, nass-kalten Herbst entwickelt hatte. Einfacher war es dann schon, sich an die gemütlichen Kaffeepausen mit Freunden und Kollegen zu gewöhnen. Trotz der Zeit, die wir zum Eingewöhnen benötigten, sahen wir Tirana sehr schnell als unser neues Zuhause an und verliebten uns in diese Stadt, die scheinbar komplett zufällig aus verschiedensten Gebäuden zusammengewürfelt war – Gemüse- und Obststände neben Luxusboutiquen, Fischläden neben Drogerien und Hochzeitsausstattern an jeder Ecke. Wie meine amerikanische Freundin Jade, die ebenfalls ihr Auslandsjahr in Albanien verbringt, sagen würde: „Tirana is just so random!“.

Eine ganz normale Arbeitswoche

Unsere erste richtige Aufgabe bestand darin, eine unserer späteren Arbeitsstellen, den adventistischen „Kopshti“ (Kindergarten) mit einigen selbst gemalten Bildern zu verschönern. Dabei waren wir besonders stolz auf unser Sonnensystem, welches nun im Schlafraum der Kinder zu bewundern ist.
Im Allgemeinen sieht die Arbeitswoche etwa folgendermaßen aus: Montags, mittwochs und donnerstags sind immer die Highlights meiner Woche, denn da besuchen wir drei verschiedene Schulen rund um Tirana und helfen bei den zum Teil recht chaotisch ablaufenden Zusatzklassen, wo mit Roma-Kindern und lernschwachen Kindern gerechnet, gebastelt und sogar auch mal ganz traditionell albanisch getanzt und gesungen wird. Neu dazu gekommen ist für uns der Deutschunterricht, welcher jedes Mal mein Herz erwärmt, denn diese großen Kinderaugen zu sehen, die voller Bewunderung glänzen, wenn man das Alphabet für sie aufsagt, erwärmt mir jedes Mal das Herz und ist der perfekte Lohn für meine Arbeit.

Den Rest des Tages und jeden Dienstag sind wir den ganzen Tag im Büro, kümmern uns um die Social-Media-Accounts von ADRA, schreiben Berichte und Artikel und auch ab und an Übersetzungen. Freitags gehen wir dann in den Kindergarten. Wir tauften die Kinder liebevoll unsere „kleinen Monster“, denn albanische Kleinkinder spielen wirklich nochmal in einer anderen Liga!

Ich ging ohne jegliche Erwartungen in ein für mich komplett unbekanntes Land und nach nur wenigen Monaten wurde es zu meinem zweiten Zuhause und der in meinen Augen schönste und für mich passendste Ort, um mein FSJ zu verbringen. Wenn mich heute Leute fragen, warum ich ausgerechnet nach Albanien gegangen bin, antworte ich jedes Mal: „Klar, Albanien ist nicht weit weg und mag für dich als nichts Besonderes erscheinen, doch in meinen Augen ist dieses Land gefüllt mit so vielen hilfsbereiten und weltoffenen Menschen, einer interessanten Landesgeschichte, einer wunderschönen, sehr traditionellen Kultur, unerwarteten Orten, die zu Besuchen einladen und einer anderen Art von Exotik, die man sich nicht einmal im Traum vorstellen könnte, denn dieses Land wird viel zu einfach unterschätzt!“

Ich erinnere mich auch gern immer wieder an etwas, was meine Mama mir kurz vor meiner Abreise mit auf den Weg gab: „Die besten Dinge im Leben sind meist die, die unerwartet geschehen.“ Und damit sollte sie definitiv Recht behalten!

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Das Privileg, hier sein zu dürfen



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 08. Januar 2019 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Julian, der sein Freiwilliges Soziales Jahr mit ADRAlive! in Bolivien absolviert.

Der Beginn des Abenteuers

Die ersten zweieinhalb Monate in meinem Projekt – das Kinderheim “El Sauce“ in Bolivien – sind nun schon um. Und was soll ich sagen? Sie vergingen wie im Flug!
Meistens ein Indiz dafür, dass man alles um sich herum vergisst, weil man sich pudelwohl fühlt. Wie sieht das bei mir aus?
Die allererste Zeit hier, sprich gut die ersten zwei Wochen, ging es für mich Schlag auf Schlag. Jeden Tag etwas Neues entdecken, jeden Tag etwas Neues (kennen-) lernen, sich jeden Tag ein bisschen wohler fühlen, denn die Sprache, vor der ich am meisten Respekt hatte, stellte mich gar nicht vor solche Herausforderungen, wie anfangs befürchtet hatte – dem Schulspanisch sei Dank.
Ich fühlte mich schnell nicht mehr ganz so in der Fremde, da die anfangs Fremden keine Fremden mehr waren.

Was mache ich hier überhaupt?

Der Kontakt zu den Kindern war zu Beginn meiner Zeit hier gar nicht so intensiv vorhanden. Ich weiß, es klingt paradox, wenn man in einem Kinderheim wohnt und arbeitet, welches zur Zeit 23 Kinder beherbergt. Doch war das für mich Realität, was aber fast gänzlich meiner Arbeit hier im Projekt “verschuldet“ war. Meine Arbeit beinhaltete nämlich das, was das Projekt am Leben hält: das Feld.
“El Sauce“ generiert neben Spendeneinnahmen auch eigene Gelder, indem einmal pro Woche eigens angebautes Obst und Gemüse an Kunden verkauft wird. Die Besonderheit: es ist alles Bio, für bolivianische Verhältnisse eine Rarität.
Meine Aufgabe besteht also darin, die Felder zu bewirtschaften, sprich sie mit einem Spaten „umzukloppen“, Unkraut zwischen den Pflanzen zu entfernen, die Obstbäume und Büsche für die “Tragzeit“ vorzubereiten und natürlich die Dinge, die wir angepflanzt, haben am Mittwoch, dem Erntetag, zu ernten.
Seit gut einem Monat bekommen wir nun aber ab und zu auch abwechslungsreichere Aufgaben von unserem Chef aufgetragen. Beispielsweise sollte dem Eingangsbereich vom Jungenhaus, Casa 1, das zudem das Haupthaus und Anlaufsort für Besucher darstellt, ein neuer “Look“ verpasst werden. So waren wir also kurzum gute vier Tage am Streichen, bis der Raum in neuem Glanz erschien.

Aktuell sind wir dabei, zum ersten Mal eine Internetverbindung in das Projekt zu holen. Dazu sollten wir zwei Masten mit Antennen zum Verstärken des Signals aufstellen und um diese mit Strom zu versorgen, verlegen wir aktuell ein gut 800 Meter langes Stromkabel unter die Erde.

“Nueve meses mas“ ~ neun weitere Monate

Die Arbeit ist anstrengend, doch sie macht Spaß. Du tust hier Dinge, die du noch nie zuvor in deinem Leben gemacht hast. Du lernst dazu und wächst an dir selber – etwas Besseres gibt’s nicht.
Und auch das schon angesprochene Thema mit dem wenigen Kontakt mit den Kindern regulierte sich. Dreimal die Woche haben wir nun eineinhalb-stündige “Workshops“ mit den Kids, bei denen sie handwerkliche Dinge lernen sollen.
Es ist also wirklich ein guter Mix aus allem, der mir auf jeden Fall Lust auf mehr macht und mich sehr positiv und voller Motivation auf die nächsten, höchstwahrscheinlich noch wunderbaren neun Monate in meinem Abenteuer blicken lässt.

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Helfen und sich helfen lassen – mit dem nötigen Feingefühl



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 29. Oktober 2014 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Hannah über ihre Erfahrungen in Bolivien.

„Give me hands to touch the hurting“ – So wird es in einem Lied der NebbletFamiliy gesungen. Die darin ausgedrückte Bitte beinhaltet auch den Wunsch zu helfen – mit dem nötigen Feingefühl.
Jeder Freiwillige geht mit der Motivation „helfen“ zu wollen ins Ausland, doch am Ende stellt sich einem die Frage, ob man wirklich helfen konnte? Wurde nachhaltig etwas verändert oder war der Einsatz umsonst, da die Menschen nach dem Abschied möglicherweise wieder in ihre alten Tagesabläufe zurückfallen? Fragen wie diese waren ständige Begleiter in den letzten Wochen in Bolivien.

Gerade bei der Arbeit mit Kindern können Veränderungen ihrer Verhaltensweisen bzw. Ergebnisse der Erziehung nicht von den einen auf den anderen Tag erwartet werden. Doch wenn 11 Monate Zeit, Nerven, Liebe und Geduld investiert werden, wird schon die kleinste Veränderung bemerkt – mit dem nötigen Feingefühl. Für die Arbeit mit den Jungen im Kinderheim „Foundacion Sión“ wird das genannte Feingefühl benötigt und auch entwickelt. Die Kinder spielen, machen Hausaufgaben, raufen miteinander und streiten. Vor allem beim Letztgenannten muss sich langsam herangetastet werden. Das Lösen von Konfliktsituationen zwischen den Jungen ist jedes Mal eine Herausforderung, da jedes Kind seine eigene Sicht auf die Dinge hat und auf sein Recht pocht. Die Perspektive des Kindes zu verstehen und eine Lösung für die Streitenden zu finden, dabei sind Geduld und Neutralität gefragt. Auch wenn es bei jedem neuen Streit, bei jeder kleinen Diskussion so scheint, als ob die Jungen nichts dazu gelernt hätten, lernen sie doch schon währenddessen eine Menge. Und sei es nur, leiser zu streiten, damit wir nichts davon mitbekommen.

Die Zeit ging im Nachhinein sehr schnell um und verändert wurde viel, auch nachhaltig. Dabei beziehe ich mich nicht nur auf Tagesabläufe, das Umräumen von Möbeln, die Ernährung oder Spiele. Die Kinder und wir haben uns aneinander gewöhnt, jetzt können wir einschätzen in welcher Situation wer wie reagiert. Jetzt wissen wir, welches Spiel angesagt ist und wer Hilfe bei den Aufgaben für die Schule braucht. Die Kinder haben sich verändert und in den meisten Fällen zum Positiven. Wörter wie „Bitte“ und „Danke“ sind in ihrem Wortschatz vorhanden und ein Großteil weiß sie auch zu benutzen. Doch was noch viel wichtiger ist: die Kinder uns, sie haben mich verändert – mit dem nötigen Feingefühl. Wenn es auch in den Monaten hier nicht ganz einfach war, so haben wir uns gegenseitig dadurch getragen und voneinander gelernt, zum Beispiel hat unser Jüngster Lesen und Schreiben gelernt und im Gegenzug durfte ich lernen, dass es sich lohnt, sich mit ihm hinzusetzen und zu üben, auch wenn wir beide manchmal dazu keine Lust hatten. An dem Ergebnis, dass er jetzt schon kurze Geschichten lesen kann, erfreuen wir uns beide. Veränderungen, Erfolge und Misserfolge begleiten uns unser ganzes Leben lang, Erwachsene wie Kinder. Ich habe in diesem Jahr viel mehr von den Kindern gelernt, als sie von mir und die Arbeit mit ihnen hat mich sehr erfüllt.

„Give me hands to touch the hurting“ – Jeder kann helfen und etwas verändern und mit Dankbarkeit und großer Zufriedenheit kann ich sagen, dass ich nicht nur „Foundacion Sión“ unterstützen konnte, sondern die Kinder auch bei mir etwas verändert haben.

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Moldawien: 11 Monate zwischen „Privet“ und „Salut“



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 02. April 2014 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Jessica über ihre bisherigen Erfahrungen in der Republik Moldau

“Ich gehe nach Moldawien.“ „Was, wohin gehst du?“  Das waren die häufigsten Reaktionen, die ich auf meinen Einsatzort für mein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland bekommen habe. Und zugegeben: Ich wusste auch nicht besonders viel über die kleine Republik zwischen Rumänien und der Ukraine, die offiziell Republik Moldau genannt wird. Doch jetzt weiß ich, dass es nicht nur ein Land zwischen zwei Ländern, sondern auch zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen ist: nämlich der russischen wie auch der rumänischen. Das merkt man schon alleine daran, dass die Menschen hier zwei Sprachen nahezu perfekt beherrschen. Jeden Morgen riefen mir die Kleinen ein „privet“ oder „salut“ entgegen. „Privet“ ist russisch und „salut“ rumänisch – beides bedeutet übersetzt „hallo“.

Diese Zweisprachigkeit ist eine Sache, die ich an den Kindern im Kinderheim „Curcubeul Speranței“ („Regenbogen der Hoffnung“) sehr bewundere, der Einrichtung, in der ich mein Auslandsjahr verbringe. Zur Zeit haben wir circa 20 Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen im Heim – die Anzahl wechselt aber ständig: „alte“ Kinder gehen und „neue“ kommen. Die Trennung ist immer wieder ein emotionaler Augenblick, weil man durch die enge Zusammenarbeit die Kinder echt lieb gewonnen und eine Beziehung zu ihnen aufgebaut hat.

Einer der größten Vorteile an unserem Projekt ist, dass wir jeden Tag mit den Kindern zusammenarbeiten und an ihrem Leben Anteil haben können. Wir helfen ihnen bei den Hausaufaben, basteln und spielen mit ihnen. Dabei stell ich immer wieder fest, wie kreativ und sportlich „meine“ Kinder sind. Auch wenn sie und die Arbeit wirklich anstrengend sein können, sind sie trotzdem eine Bereicherung für mein Leben. Man muss lernen sich durchzusetzen und eine gewisse Verantwortung zu haben.  Auf der anderen Seite muss man auch ein guter Freund und Zuhörer mit guten Ratschlägen sein. Dieser Spagat zwischen Autoritätsperson und „großer Schwester“ ist nicht immer ganz einfach. Umso schöner ist es, wenn man merkt, dass zum Beispiel die Hilfe bei den Hausaufgaben Früchte trägt und die Kinder nach der Schule freudestrahlend von ihren guten Noten erzählen. Das motiviert mich immer wieder, weiter zu machen.

Auch wenn diese letzten sieben Monate mit einigen Hochs und Tiefs verbunden waren, freue ich mich schon sehr auf die kommenden vier Monate in der kleinen, aber feinen Republik Moldau.

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„Ein Lächeln lässt für einen Moment die Schönheit der Seele aufleuchten.“



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 03. Februar 2014 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Hannah Luise über ihre bisherigen Erfahrungen in Kenia.

Afrika, Kenia, Kajiado. Das Mädchenheim und die Schule für Massai-Mädchen. Ich versuche zu verstehen und zu akzeptieren, jeden Tag ein bisschen mehr – mit Sprüngen zurück und Schritten nach vorne.

Vor vier Monaten wurde ich von über 120 Mädchen in Kenia begrüßt, über 200 Hände haben sich in meinen Haaren vergraben und fasziniert meine Haut berührt und es brauchte nicht lange, da hatte ich über 120 Herzen in mein eigenes geschlossen. 

Es ist ein Einlassen, ein wagen. Schon ist man nicht mehr nur noch die „Weiße in der Bibliothek“ und die Lehrerin mit den neuen Spielideen und den komischen neuen deutschen Worten. Lässt man sich darauf ein, werden neue Grenzen und Weiten erfahren. Die verschiedensten Rollen werden eingenommen, je nachdem, wie sehr es die Mädchen zulassen. Ist es als Diskussionspartner, Trostspender, stiller Zuhörer, Pflaster-Verteiler, Gebetspartner, Gute-Nacht-Geschichten-Erzähler oder Komiker. Wenn ich eine Geschichte vorlese und in strahlende Mädchenaugen schaue, wenn sie begeistert in die Hände klatschen bei einem neuen Kisuaheli-Wort von mir, wenn sie mir mit einem breiten Lächeln im Gesicht in die Arme laufen oder wenn sie sich an meine Schulter lehnen und flüstern „ich lieb‘ dich“. Das sind Momente, in denen mir immer wieder bewusst wird, warum ich hier bin. Momente, die mir zeigen, dass ich hier am richtigen Ort, zur richtigen Zeit bin und dass ich die Möglichkeit habe die Liebe, die ich erfahren durfte, weiterzugeben. Jedes einzelne Lächeln und Strahlen in den Augen ist wertvoll und so unendlich kostbar! Es beweist Hoffnung und Zuversicht!

Nicht immer ist es mir bewusst, dass es nicht einfach Mädchen sind, die von ihrer Familie zur Grundschule geschickt wurden, nein. Jedes Mädchen hat seine eigene, prägende Geschichte mit sich zu tragen. Eine Geschichte, die es verfolgt. Verheiratet mit einem 80-jährigen Mann, beschnitten, ein Baby bekommen, obwohl selbst noch Kind – das ist nur eine der vielen Geschichten, die mir hier begegnen. Geschichten, die weitreichend sind und mit denen die Mädchen versuchen, zurecht zu kommen. Aber nun sind sie hier, sitzen in ihrem Klassenraum, lesen intensiv in ihren Büchern und arbeiten hart. Es ist die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die sie antreibt – die Zuversicht, dass es einmal besser werden kann. Und ich darf sie auf einem kleinen Teil dieser Strecke begleiten.

Das Leuchten in den Augen und der Blick auf die Zukunft, dafür lohnt es sich zu kämpfen, dafür lohnt es sich zu hoffen!

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