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Ausreise- und Rückkehrerseminar 2012



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 05. September 2012 von ADRAlive-Team

Rückkehrer und Ausreisende des ADRA „weltwärts“-Freiwilligendienstes 2012/2013

Vom 30.Juli bis 12. August trafen sich wieder die ADRA-Auslandsfreiwilligen für das Jahr 2012/2013 und die Rückkehrer, die erst kürzlich von ihrem erfahrungsreichen Jahr im Ausland zurückgekehrt sind, zu einem gemeinsamen Seminar in Darmstadt. Die Hilfsorganisation ADRA Deutschland hatte sie in die Darmstädter Jugendherberge eingeladen, um den zukünftigen FSJlern im Ausland nützliche Informationen für ihre Reise und den Aufenthalt in einer neuen Kultur mit auf den Weg zu geben und mit den Rückkehrern ihre Erfahrungen zu besprechen. Dabei gab es für die frisch aus dem Ausland gekommenen FSJlerinnen und FSJler auch die Gelegenheit, den zukünftigen Auslandsfreiwilligen von ihrem Jahr zu berichten, ihnen Mut zuzusprechen und eventuelle, unnötige Bedenken aus dem Weg zu räumen.

Nach den Vorgaben des BMZ bereitete ADRA die „neuen Freiwilligen“ auf ein spannendes Jahr im Ausland für den Freiwilligendienst „weltwärts“ vor. 16 junge Männer und Frauen wurden während des zweiwöchigen Seminars  intensiv auf ihre Einsätze in Albanien, Costa Rica, Kenia, Mexiko und der Republik Moldau vorbereitet.

Die Themenschwerpunkte waren

  • Entwicklungspolitik
  • Sicherheitstraining
  • Tropenmedizin
  • Kulturunterschiede
  • Einführung in die Projekte durch die zurückgekehrten Freiwilligen
  • pädagogische Hilfestellungen zur Arbeit mit Kindern
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Ein Jahr als Krankenschwester in Tansania



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 14. August 2012 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht der ADRA „weltwärts“-Freiwilligen Natalie über ihr Jahr als Krankenschwester in Tansania

Afrika – beim Gedanken an dieses Land hatte ich schon immer viele farbenfrohe Bilder im Kopf – bunte Kleider, fröhliches Kinderlachen, Musik, Hitze, Staub und der Geruch eines Lagerfeuers. Seit 10 Monaten bin ich nun schon auf diesem Kontinent und durfte Tansania näher kennenlernen. Einige Vorstellungen über den farbenfrohen Kontinent haben sich bewahrheitet, andere wiederum nicht. Seit September 2011 bin ich mit drei anderen ADRA Freiwilligen für ein Jahr als Krankenschwester in Tansania, dem Land am Indischen Ozean.

Die Arbeit

Wir arbeiten im Heri Advetist Hospital, das ca. eine Stunde Autofahrt von der nächsten Stadt, Kigoma, entfernt liegt. Das Krankenhaus liegt auf einem Berg in dem kleinen Dorf Maniovu – es zählt zur ärmsten Region in ganz Tansania. Nur ein geringer Anteil der älteren Einwohner konnte die Schule besuchen. Sie leben seit ihrer Geburt in Maniovu und hatten kaum die Möglichkeit und die Mittel, ihre Region zu verlassen. Sie leben mit ihren Familien, vielen Kindern und wenn sie Geld haben, mit einer oder mehreren Kühen und Hühnern in einem kleinen aus Lehm gebauten Haus. Täglich arbeiten sie auf dem Feld, um dann anschließend den Ertrag auf dem Markt zu verkaufen. Der Verdienst daraus ist alles, was sie zum Leben haben – kein Wunder also, dass sie ihre Kinder nicht zur Schule schicken können.

Seit 5 Monaten arbeite ich nun im OP des Heri Hospitals. Ich bin examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin (eine ganz normale Krankenschwester :)) Meine Arbeitszeiten sind von Montag-Freitag jeweils von 08- ca. 16 Uhr, natürlich gibt es Operationen die etwas länger dauern und so kommt es auch mal vor, dass es nicht 16 Uhr, sondern 20 Uhr wird.

Der Arbeitstag beginnt jeden Morgen um 8 Uhr. Wir starten mit einer gemeinsamen Andacht mit allen Krankenhausmitarbeitern. Nach den allgemeinen Bekanntmachungen gehen wir dann an unsere Arbeit. Wir arbeiten zu sechst – drei Krankenschwestern, eine Helferin und zwei Anästhesiepfleger – mit zwei Ärzten im OP. Unsere morgendliche Arbeit besteht darin, den OP zu reinigen, den Boden wischen, alle Materialien aufzufüllen und die Instrumente und OP Tücher zu sterilisieren. Die Operationen beginnen in der Regel eine Stunde nach unserer Putzaktion. In der Anfangszeit durfte ich bei allen Operationen dabei sein, um zu lernen, wie man assistiert und wie die einzelnen Instrumente heißen. Nach ein paar Wochen Einarbeitung, durfte ich dann bei vielen Operationen assistieren oder instrumentieren. Das ist sehr spannend für mich, da ich noch nie zuvor im OP gearbeitet hatte. Vieles ist neu und ich kann einiges dazu lernen. Nicht selten stellt auch die Sprache ein Hindernis dar, da ein paar OP-Mitarbeiter kaum Englisch sprechen. Gemeinsam haben wir das aber bis jetzt gut gemeistert. Ja ich kann sagen, dass ich im OP sehr viel Spaß habe, es ist eine tolle Zeit. Natürlich gibt es auch da hin und wieder kleinere zwischenmenschliche Probleme, aber das ist eine gute persönliche Schule für mich.

Zwischen den Operationen machen wir immer mal wieder einen Verbandswechsel. Leider musste ich dabei auch schon feststellen, dass die Menschen hier ein anderes Verständnis von Hygiene und Sterilität haben, was oft sehr erschreckend ist. Auch stehen keine ausreichenden Möglichkeiten für eine adäquate Wundversorgung zur Verfügung. Aber man lernt schnell, die vorhandenen Mittel bestmöglich einzusetzen. Und es ist erstaunlich, dass selbst hochinfizierte Wunden heilen. Vor ein paar Wochen kam ein älterer Mann (siehe Foto) mit einem großen Abszess am Hinterkopf zu uns in den OP. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie diese große infizierte Wunde heilen sollte, mit einer einfachen Jodbehandlung. Jetzt, ein paar Wochen später, ist die Wunde tatsächlich vollständig verheilt. Ich staune immer wieder, wie hier alles irgendwie doch funktioniert – Gott sei Dank dafür!

Ein Jahr als Krankenschwester in Tansania – mein Fazit

Wenn ich die letzten Monate Revue passieren lasse, staune ich, wie viele Herausforderungen ich schon meistern durfte – mit Gottes Hilfe! Und das erstaunt mich wirklich. Ich komme immer wieder zu dem Schluss, dass dieses Jahr in Afrika mich wirklich auf das Leben vorbereitet. Dafür bin ich sehr dankbar!

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Ein neues Zuhause – für mich und die Hühner



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 07. August 2012 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht des ADRA“weltwärts“-Freiwilligen Ulugshan

Kurz nachdem ich in Argentinien ankam, schlüpften in unserem neuen Zuhause die kleinen Küken, auf die sich hier alle freuten. Neues Leben, das allen etwas Hoffnung gab. Innerhalb weniger Monate war der ganze Hühnerstall mit kleinen, gelben Küken gefüllt.

Und auch wir fühlten uns, als seien wir geschlüpft – in ein neues Leben mit vielen neuen Erfahrungen. Ich kann mich noch genau an unseren ersten Tag erinnern. Nach einem langen Flug und einer nicht enden wollenden Fahrt durch die Pampa, kamen wir endlich in San Carlos de Bariloche an. Es war schon sehr spät. Marco der Projektleiter und seine Frau empfingen uns sehr freundlich, auf argentinische Art, mit einem Beso auf die rechte Wange. Ich war ziemlich müde und freute mich, als Marco uns zum Centro Esperanza führte, wo wir übernachten sollten.

In den folgenden Tagen zeigte Marco uns die Stadt und etwas von der Natur. Er stellte uns die Mitarbeiter vor und klärte uns über unsere Arbeit auf. Bariloche ist eine schöne Stadt, die sehr viel Natur bietet: viele Seen, Berge und schöne Landschaften. Jedoch hat die ganze Region mit der Asche zu kämpfen, die vom Wind hergetragen wird. Viele Tiere sterben, weil sie nichts zu fressen finden.

Um die Hühner vor der Witterung zu schützen, sollten David und ich mit dem Hausmeister den Hühnerstall renovieren. Wir bauten zuerst die Dachkonstruktion, es musste lackiert, geschweißt und geschraubt werden – mit den Hühnern, die überall herumwuseln, ist das gar nicht so einfach. Es sind sehr neugierige Tiere, ständig auf der Suche nach Würmern. Außerdem haben wir den Stall um einige Quadratmeter erweitert, nachdem einige Hühner dazugekauft wurden. Es sind nun insgesammt 59 Hühner. Leider fehlt das Geld, um den Stall komplett zu renovieren und so den Tieren vollen Schutz zu bieten.

In den vergangenen Monaten habe ich sehr viele Eindrücke gesammelt, die Kultur besser kennengelernt, angefangen die Sprache zu sprechen und viel von der Natur gesehen. In die argentinische Küche wurden wir auch eingeführt, angefangen haben wir mit Pizza und Brot. Ich bin gespannt womit wir aufhören werden.

Ich freue mich auf das, was das Jahr noch mit sich bringen wird und hoffe, dass es noch mehr gute Erfahrungen sein werden, die ich zurück nach Deutschland nehmen kann.

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1 Jahr als Lehrer in Mexiko



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 03. Juli 2012 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht des ADRA „weltwärts“-Freiwilligen Paul

Seit über zehn Jahren entsendet ADRA Deutschland Freiwillige nach Mexiko zum Colegio Pacifico, um für die adventistische Universidad de Navojoa zu arbeiten. Das Arbeitsfeld der FSJler hat sich in dieser Zeit immer wieder geändert. Angefangen von Heimerziehern, über die Arbeit im Universitäts-Kindergarten, bis zum Erteilen von Englisch- und Deutschunterricht in der Schule, aber auch im universitären Sprachinstitut. Auch die Köche der Mensa freuen sich immer über Hilfe oder auch die Reinigungskräfte der Studentenschlafsäle, je nachdem, wie es der Stundenplan zulässt.

ADRA schickt ja schon seit vielen Jahren Freiwillige nach Mexiko. Das ist wohl auch der Grund, warum unser Umfeld sich sehr schnell an uns gewöhnte. Und auch für uns war es keine allzu starke Umstellung, zumindest was die Infrastruktur hier in Mexiko betrifft. Einzig der Zustand einiger Gebäude ist mit unter schlechter als Zuhause. Anders verhält es sich jedoch mit der Mentalität der Mexikaner. Im Allgemeinen sind die Menschen hier wesentlich geselliger und redseliger, als in Deutschland. Auf meinen Erkundungstouren in den umliegenden Dörfern und Städten wurde ich schon oftmals von Fremden auf meine Herkunft angesprochen. Als eher distanzierte Person – ich bin eben ein Deutscher 🙂 – ist es schon seltsam in solchen Situationen, in denen ich lieber meinen Gedanken nachhänge, eine lange Konversation über Deutschland und die Arbeit hier zu führen. Problematisch wird es dann, wenn sich ein kontaktfreudiger Mexikaner durch meine Reserviertheit gekränkt fühlt, was leider auch schon vorgekommen ist.

Als Lehrer in Mexiko

Die Arbeit im Sprachinstitut ist im Grunde relativ leicht. Wenn man im Englischunterricht halbwegs gute Noten bekommen hat, kann man sich gut als Lehrer in Mexiko engagieren. Man bereitet seine Stunden im Voraus vor und trifft sich dann mit seinen Schülern über den Tag verteilt in den Räumlichkeiten des Instituts. Die angebotenen Kurse übersteigen den normalen Englischunterricht aus Deutschland vom Niveau in der Regel nicht. Zudem sind die Kurse relativ klein, weil viele Studenten und externe Schüler nebenbei noch andere Verpflichtungen haben und sie daher zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Kurse besuchen. Beispielsweise habe ich einen Kurs mit nur einem einzelnen Schüler, der eine intensive Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch auf Englisch braucht. Wir treffen uns daher vier mal wöchentlich à vier Stunden, gehen ein Buch für „Business English“ durch und unterhalten uns so weit wie möglich auch auf Englisch. Ob er es letztlich schaffen wird seinen Traumjob zu bekommen, kann ich nicht sagen, da ich meine Schüler natürlich nicht dazu zwingen kann, immer pünktlich zu sein und ihre Hausaufgaben gewissenhaft anzufertigen.

Ich bin jedenfalls gespannt, was im nächsten Semester noch alles als Lehrer in Mexiko auf mich zukommt, wenn die Kurse evtl. doch größer ausfallen könnten.

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FAH in Tansania: Herausforderungen erweitern den Horizont



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Freitag, 01. Juni 2012 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht der ADRA „weltwärts“-Freiwilligen Madeleine

Eine berührende Geschichte

Seit einiger Zeit absolviere ich mein FAH in Tansania. Dort lernte ich Beccy kennen. Beccy ist 11 Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder Benjamin in unserem Dorf, nicht weit entfernt vom Heri Hospital, indem ich momentan arbeite. Beccy hat uns mit ihren großen braunen, warmen Kulleraugen und dem unwiederstehlichen Lächeln sofort in ihren Bann gezogen. Die Kleine hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Ihr Vater verließ die Familie vor langer Zeit. Seitdem ist die arbeitslose Mutter dafür verantwortlich, die beiden Kinder alleine großzuziehen. Ihre eigene Mutter und die Schwiegermutter unterstützen sie nach besten Kräften, um den täglichen Lebensunterhalt zu sichern. Sie verkaufen auf dem Markt selbstgemachten Bananensaft und bauen Mais und Bohnen an.

Beccy kam mit der Knochenkrankheit Rachitis auf die Welt, die meist auftritt, wenn die Mütter während der Schwangerschaft zu wenig Vitamin D zu sich genommen haben. Zudem leidet sie unter der Glasknochenkrankheit, d.h. schon bei kleinen Stößen oder Unachtsamkeiten besteht jeder Zeit die Gefahr eines Knochenbruchs. So habe ich Beccy vor 8 Monaten kennengelernt. Wir besuchten sie in ihrem Zuhause und ihre Mutter erzählte uns, dass sie seit 4 Monaten nicht mal mehr in der Lage sei, sich auf allen Vieren fortzubewegen und sie über starke Schmerzen in ihrem linken Arm klage. Die Mutter konnte nicht ins Krankenhaus kommen, da sie nicht über das nötige Geld verfügte, um Beccy behandeln zu lassen.

Wir entschlossen uns, die Kleine abzuholen und im Krankenhaus untersuchen zu lassen. Zu unserem Erschrecken ergaben die Röntgenbilder, dass Beccy unter einem massiven Bruch des linken Oberarmes litt und die Ärzte diagnostizierten mehrere ältere Brüche, die nicht behandelt worden waren. Man sah eine deutliche Veränderung der Wirbelsäule, der Brustkorb war nicht altersentsprechend gewachsen und ihre Beine wiesen deutliche Deformierungen auf.

Ein Rollator für Beccy

Nach diesem Befund entschloss ich mich, der kleinen Beccy soweit als möglich physiotherapeutisch zu helfen, damit sie wieder in der Lage sein würde, sich selbstständig fortzubewegen und dadurch unabhängiger zu sein. Zudem kontaktierte ich eine Bekannte, die sich um eine entsprechende medikamentöse Versorgung kümmerte. Unser Tischler James baute eigens für Beccy einen Rollator, der auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist, mit dem sie aufrecht laufen kann, der ihre Lungen entlastet und ihre Muskeln dazu stimuliert, ihren Oberkörper zu tragen.

Seit dieser Zeit ist ein halbes Jahr vergangen, Beccy wird immer mutiger und ist in der Lage, eine Strecke von 5 Metern selbstständig mit einem Stock zurückzulegen. Ihrer Mutter kaufte ich von den Spendengelder eine Ziege und einen Bock, damit sie die kleinen Ziegen auf dem Markt verkaufen kann und mit diesem Geld ihren Kindern eine ausgewogenere Ernährung geben und die Krankenhauskosten für Beccy decken kann.

Wenn Grenzen schwinden: Mein FAH in Tansania

Es ist für mich immer wieder eine Ehre, zu Beccy nach Hause eingeladen zu werden. Sie geben, obwohl sie nichts haben, sie sind freundlich, obwohl ihre Lebenssituation oft zum heulen ist, sie haben immer ein Lächeln und ein nettes Wort übrig, obwohl die Sorgen ihnen die Luft zum atmen nehmen. Es fasziniert mich, mit welcher Einstellung Beccy und ihre Familie ihr Leben hier meistern, welch ein Gottvertrauen und einen unverrückbaren Glauben sie an den tag legen. Es animiert mich, mich aufzumachen, neue Dimensionen in meinem eigenen Leben zu erkunden, die Herausforderung anzunehmen, mich auf neue Situationen einzulassen und fremde Dinge auszuprobieren. Es erweitert einem die Grenzen, die man vorher als „Leitplanken“ empfand und es ist so toll zu spüren, dass ich diese Entscheidung, ein Jahr nach Tansania zu gehen, mit keiner Sekunde bereue, denn ich würde mich selbst beschneiden, wenn ich diese Geschenke, die Gott für mich vorbereitet hat, nicht annehmen würde.

Kurz gesagt: Ich bin froh, dass ich mit ADRA mein FAH in Tansania absolvieren kann.

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Hola amigos!



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 14. Mai 2012 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht des ADRA „weltwärts“-Freiwiligen David

Die Zeit hier vergeht echt schnell. Zugegeben, als wir hier in Bariloche, Argentinien ankamen, war ich doch noch etwas skeptisch, ob dieses Jahr das Richtige für mich sein würde. Mittlerweile kann ich aber mit Sicherheit sagen, dass es wirklich eine gute Entscheidung war, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen.

Ich arbeite vor allem im handwerklichen Bereich, da hier sehr viel renoviert werden muss. Zum Beispiel haben wir das Büro im Kindergarten, den Nähraum und die Schreinerei angestrichen. Da letztes Jahr ein Vulkan ausgebrochen ist, sah der Campus sehr grau aus. Das brachte uns auf die Idee, den Eingangsbereich des Kindergartens mit einer Mauer und einem Blumenbeet zu verschönern. Dieses Projekt durften wir komplett selbst planen und durchführen.

Der Kindergarten

Jetzt hat das neue Kindergartenjahr angefangen und wir werden uns mehr im Kindergarten einbringen. Zwei Ideen, die wir umsetzen wollen, sind zum einen sportliche Aktivitäten mit den Kindern, in denen sie lernen, als Team zu denken und zusammenzuhalten. Zum anderen wollen wir Musikunterricht geben und mit den Kindern eigene Instrumente basteln.

„Gott, mein einziger Freud“

Auch die ein oder andere Glaubenserfahrung durfte ich hier machen. Eine davon möchte ich euch kurz erzählen:

Anfang Januar sind wir mit unserem Projektleiter in das Landesinnere gefahren. Als wir unterwegs in einem Dorf eine Pause machten, uns auf eine Mauer im Park setzten und uns unterhielten, wurden wir plötzlich von einem Betrunkenen angepöbelt. Er schrie uns an, was wir hier machen würden und ob das Auto uns gehöre. Dabei schlug er ständig auf die Mauer. Unser Projektleiter erklärte ihm, dass wir in einem Projekt in Bariloche arbeiten würden und das Auto nicht uns gehöre, sondern der Organisation, die das Projekt leite. Daraufhin fragte der Mann unseren Projektleiter, woher er kommen würde und meinte noch, dass wir bestimmt sehr reich seien, weil wir so ein Auto fuhren. Unser Leiter antwortete, dass er Schweizer sei, aber dass das keine Rolle spiele, da wir vor Gott alle gleich seien, egal aus welchem Land oder Teil der Erde wir stammten. Auf einmal wurde der Betrunkene ruhig und meinte, dass dann Gott sein einziger Freund sei, weil die Dorfbewohner ihn alle für einen Idioten hielten. Unser Leiter erwiderte, dass gerade diese Menschen, die so etwas behaupten, wirklich arm seien.

Dann erzählte er uns seine Lebensgeschichte: Seine Eltern wollten ihn nie haben und grenzten ihn immer aus der Familie aus, obwohl er immer hart gearbeitet hatte. Er fing an zu trinken, da er dachte, dass er die Probleme nicht anders lösen könne. Während des Erzählens fing der Mann an zu weinen. Unser Leiter meinte zu ihm, dass wir ihn besuchen würden, wenn wir das nächste Mal kommen und er dies möchte. Er bedankte sich und bejahte. Außerdem entschuldigte er sich dafür, dass er uns am Anfang so angepöbelt hatte.

Ich finde es sehr interessant, wie sich der Umgang dieses Mannes mit uns veränderte, als wir anfingen über Gott zu sprechen und ihn nicht mit Vorurteilen bombardierten. Das hat sein Herz so stark berührt, dass er auf einmal nett zu uns wurde und uns sogar seine Lebensgeschichte erzählte.

Ich bin mir sicher, dass wir in den kommenden Monaten noch viele Erfahrungen machen und viel lernen werden.

In diesem Sinne

„Que dios les bendiga“

David

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Hilfe und ihre Grenzen



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 30. April 2012 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht der ADRA „weltwärts“-Freiwilligen Miriam

Nachdem wir im Urlaub und auf dem Zwischenseminar waren, hat uns nun das Leben und der Alltag im Heri Hospital wieder. Es ist im Umkreis von 65km das einzige Krankenhaus. Die nächste Stadt Kigoma ist 60km entfernt. Das Krankenhaus liegt inmitten einer armen Region, in der die Menschen in Lehmhütten leben und ihre Äcker mit Bananenbäumen und Tomaten bepflanzen. Das Leben ist sehr einfach und kaum einer kann Englisch. Deshalb sind wir auch oft die letzte Anlaufstelle. Manche Patienten versuchen vorher ihr Glück beim lokalen „Doktor“, der ihren Rücken mit einem Rasiermesser bearbeitet, um die bösen Geister zu vertreiben.

Arbeit auf der Männerstation

Hier im Krankenhaus gibt es drei Stationen: Den Kreißsaal mit Wochenstation, die Frauen- und Kinderstation und die Männerstation, auf der ich arbeite. Die 18 chirurgischen Betten sind immer wieder besetzt mit Patienten, die Arm- oder Beinbrüche durch Unfälle mit dem Motorrad haben oder weil sie vom Baum gefallen sind. Außerdem haben wir oft Patienten, die infizierte Wunden am Bein haben. Die sind teilweise so schlimm, dass das Bein amputiert werden muss. Ab und zu kommen auch Patienten mit Verbrennungen. Auf der internistischen Seite mit sieben Betten sind die meisten Patienten an Malaria erkrankt, aber auch Patienten mit Anämie, Diabetes oder Schlaganfällen sind dabei.

Als ich mit meiner Arbeit hier begann, war ein zwei-jähriges Mädchen namens Savelina schon einige Wochen da. Sie ist auf der Männer-Station, weil ihr Vater bei ihr ist und auf sie aufpasst.
Beim Spielen ist sie gestürzt und hat sich den Oberschenkel gebrochen. Es konnte nicht operiert werden, weil der Knochen sich entzündet hatte. Viele Antibiotika wurden ausprobiert, aber keines half. Savelina schrie immer ganz laut, wenn wir ihr wieder Antibiotika spritzen mussten und auch beim Verbandswechsel durften wir ihren Rock nicht mal bis zur Wunde hochziehen, aber kaum haben wir sie wieder in Ruhe gelassen, war sie das liebste Mädchen. Ich habe die Kleine sehr schnell ins Herz geschlossen. Am Anfang hatte sie Angst vor uns Weißen, aber das hat sich schnell gelegt. Eines Tages schenkte ich ihr ein kleines Kuscheltier. Am ersten Tag hatte sie noch Angst davor und schmiss es weg, wenn ich es zu ihr legte, aber schon am nächsten Tag spielte sie damit.

Nach zwei Monaten im Krankenhaus kamen die Ärzte zu dem Entschluss, dass sie ihr nicht mehr helfen können. Dem Vater wurde gesagt, dass es zwei Möglichkeiten gäbe. Entweder er führe mit der Kleinen in ein anderes Krankenhaus, indem ein Wundabstrich gemacht werden könne und der Kleinen dann das richtige Antibiotika geben werden könnte oder ihr Bein müsste amputiert werden. Ich bin sehr froh, dass sich der Vater für die erste Möglichkeit entschied, obwohl das mit sehr hohen Kosten verbunden war. Leider weiß ich nicht, wie es ihr jetzt geht, aber ich hoffe, dass das Bein operiert werden konnte.

Die Grenzen der Hilfe

Oft kann man den Menschen hier nur begrenzt helfen, z.B. weil die nötigen Untersuchungsgeräte fehlen. Viele Männer sind schon an Dingen gestorben, die in Deutschland hätten geheilt werden können. Meistens weiß man nicht einmal genau, was der Patient hat. Man tappt im Dunkeln. Die Ärzte, Krankenschwestern und Klinik Officer – Ärzte, die vier Jahre studiert haben – tun ihr Bestes, aber oft hilft es nicht. Manchmal können wir einfach nur daneben stehen und müssen mit ansehen wie der Patient stirbt. Das ist sehr ernüchternd.

Dennoch mache ich die Arbeit hier gerne und freue mich über jeden Patienten, der gesund das Krankenhaus verlassen kann.

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„Uji-Time“



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Freitag, 27. April 2012 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Lilli

„Lilliiii“, höre ich Peter meinen Namen rufen, als ich um 9:00 Uhr den Aufenthaltsraum im Babyheim betrete. Es ist „Uji“- Zeit. Uji, so heißt der Maisbrei, den die Kinder hier jeden Morgen bekommen. Peter deutet mit seinem kleinen Finger auf die bereits vorbereiteten Frühstücksschälchen und wiederholt: „Lilli, Uji Uji!“. Er liebt diesen Brei und kann es kaum erwarten, dass es endlich los geht. Während Peter mit den anderen älteren Kindern selbstständig essen darf, werden die jüngeren Kinder von den Nannys und uns Freiwilligen gefüttert. So startet quasi jeder Tag für mich, hier im Babyheim „Cradle of love“.

Unsere 48 Kinder

Nach acht Monaten im Babyheim kenne ich mittlerweile alle individuellen Vorlieben und Eigenarten unserer 48 Kinder. Der zweijährige Peter mag keine Luftballons und braucht Zeit, um sich an neue Betreuungspersonen zu gewöhnen. Sein Zwillingsbruder Eric hingegen ist ein Troublemaker, der sich alle 10 Minuten neue Herausforderungen sucht, gerne auf Tische klettert und nur selten weint. Die gerade einmal ein Jahr alte Rehema ist eine Kämpfernatur. Sie ist zierlich und sieht damit so unschuldig aus, hat jedoch keine Skrupel ihre Zähne auch mal als Waffe einzusetzen, wenn ihr etwas nicht passt. Jedes unserer Kinder ist einzigartig und hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Ich bin sehr dankbar, dass ich sie auf ihrem Weg ein Stück weit begleiten kann.

Jeden Tag gibt es etwas zu lachen und oft sind es Kleinigkeiten, die mir für immer in Erinnerung bleiben. Mit zu den schönsten Momenten gehören Augenblicke, in denen wir sehen können, dass ein Kind Fortschritte gemacht hat, zum Beispiel wenn es ein neues Wort gelernt hat, es sich traut selbständig zu gehen oder keine Windel mehr braucht, weil es nun zum „Potty“ geht.

Es ist faszinierend, zu beobachten, wie kreativ Kinder mit manchen Sachen umgehen. Anstatt – wie erwartet – mit den Spielzeugen aus den zwei Körben zu spielen, entscheiden Eric und Peter sich lieber für die Aufbewahrungskörbe und lassen die Spielzeuge links liegen. Das zeigt mir immer wieder, wie anders und offen Kinder ihr Umfeld betrachten und welches Potenzial dahinter verborgen ist. Es fordert mich auch heraus, mein Umfeld aus einer neuen Perspektive zu beobachten und meinen Blick für neue, vielleicht unerwartete Dinge zu öffnen.

Fazit

In den letzten 8 Monaten im Babyheim habe ich so einige Erfahrungen machen können. Viele waren schön, manche traurig, wieder andere haben mich zum nachdenken angeregt. Manche Erfahrungen haben mich sicherlich auch geprägt. Ich habe so viel von diesen kleinen Menschen gelernt und möchte keine Minute meiner Zeit mit ihnen missen!

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Ein Jahr bei den Kindern in Moldawien



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 25. Januar 2012 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht des ADRA „weltwärts“-Freiwilligen Claudio

Die Zeit vergeht wie im Flug. Nun bin ich schon über vier Monate in Moldawien und fühle mich hier sehr wohl.

Die ersten Wochen: Aufregung pur
Die ersten Wochen meines Freiwilligendienstes waren sehr aufregend, da für mich vieles neu war: neue Wohnung, neue Gemeinde und auch neue Freunde. Vor allem aber durfte ich mich über weitere vier Wochen puren Sommer freuen.

Im Tonstudio von ADRA Moldawien

Kaum waren wir in Moldawien angekommen, erwartete uns schon die erste spannende Aufgabe. Christian und ich durften gemeinsam mit Eva, einer ehemaligen ADRA-Freiwilligen, einen Werbefilm über das Kinderzentrum „Curcubeul Sperantei“ (Regenbogen der Hoffnung) in deutscher Sprache aufnehmen. Das war sehr aufregend und hat uns allen viel Spaß gemacht.

Alltägliche Aufgaben im Zentrum
Das Kinderzentrum „Curcubeul Sperantei“ befindet sich in einem kleinen Ort namens Vadul lui Voda, 30 Kilometer von der Hauptstadt Chisinau entfernt. Diese Strecke fahren wir täglich in Kleinbussen, die zwar eng und nicht selten überfüllt sind, uns aber viel schneller ans Ziel bringen, als die normalen Busse. Vormittags, wenn die Kinder noch in der Schule sind, haben wir Zeit, den Mitarbeiterinnen zu helfen. Bei dem großen Gelände und den vielen aktiven Kindern fallen ständig Reparaturen und Sanierungen an. So hatten Christian und ich zum Beispiel Gelegenheit, das Gartentor neu zu lackieren. Jetzt erstrahlt es wieder in neuem Glanz und kann hoffentlich noch einige Jahre seinen Zweck erfüllen.

Zurzeit beherbergt das Heim 14 Kinder im Alter von 4 bis 16 Jahren, mit denen wir jeden Tag zusammen essen, spielen und lernen.  Aber auch die anfallenden Hausarbeiten, wie zum Beispiel die Grundreinigung der Schlafzimmer erledigen wir zusammen. Oft spielen wir mit den Kindern draußen im großen Garten oder gehen mit ihnen an den naheliegenden Fluss, um dort mit ihnen zu schwimmen – vorausgesetzt natürlich, das Wetter spielt mit. Es macht mir großen Spaß, Zeit mit den Kindern zu verbringen und mit ihnen viele tolle Sachen zu erleben.

Stadtfest von Chisinau

Am 14. Oktober 2011 feierte die Hauptstadt ihren 575. Geburtstag. Im Rahmen der Feierlichkeiten gab es im Stadtzentrum mehrere Bühnen mit Live-Musik, Imbissstände und Ausstellungen jeglicher Art. Auch wir vom Kinderzentrum waren mit einem Stand vertreten. Um Spenden für das Kinderheim zu sammeln, haben wir dort verschiedene Aktivitäten und Gewinnspiele angeboten. Es gab einen Stand zum Kinderschminken und wer wollte, konnte sein Glück an unserem selbst gebastelten Glücksrad versuchen oder einen selbst gemachten Kühlschrankmagneten erwerben. Insgesamt war das Kinderheim mit der Aktion sehr erfolgreich, dank der Hilfe von über 20 freiwilligen Mitarbeitern aus den Ortsgemeinden und natürlich den Kindern aus dem Heim.

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Kajiado Mädchenschule: 105 Mädchen – 105 Storys



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 17. Oktober 2011 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht der ADRA „weltwärts“-Freiwilligen Charlene

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Ein Jahr lang habe ich für das „Adventist Education and Rehabilitation Centre“ in Kajiado und die 105 Mädchen dort gearbeitet. Der Arbeitsbereich war sehr umfangreich, morgens und nachmittags unterrichtete ich die Mädchen in Deutsch, Life Skills und der Computerarbeit, erledigte Büroarbeiten und assistierte den anderen Lehrern. Während den Pausen spielte ich mit den Schülern oder redete mit ihnen über Neuigkeiten und persönliche Sorgen. Nach der Schule ging es dann weiter mit Fuß-, Volley- und Netball. Nebenbei putzte ich mit ihnen, räumte auf, schloss die Klassenzimmer auf und zu und nähte zerrissene Kleider. Abends besuchte ich sie ab und zu bei ihren Vorbereitungen für die Schule oder beim Essen.

Jederzeit war ich für die Mädchen da, ob sie ein Pflaster brauchten, über ihr Zuhause oder Probleme in der Schule reden wollten, neugierige Fragen über fremde Länder hatten, oder einfach nur in den Arm genommen werden wollten.

Am Anfang war es schwierig all ihre Namen zu lernen und sie auseinander zu halten. Doch nach und nach lernte ich nicht nur ihre Namen, sondern auch ihre Eigenheiten, ihre Kultur, ihre Sprache und ihre ganz persönliche Geschichte kennen. Genitalbeschneidung, frühe Verheiratung, Armut und Gewalt haben die Mädchen aus ihrem Heimatort im Busch zum Rescue Centre in Kajiado geführt. Meist wurden sie nach den schrecklichen Ereignissen gerettet, einige Male aber auch kurz davor. Manchmal sind sie alleine dort, manchmal mit ihrer Schwester oder Cousine. Einige unter ihnen haben schon ein Kind, auch wenn man es ihnen nicht ansieht. Wenn man sie im Chor singen sieht oder beim Fussballspielen, scheint die Vergangenheit so fern zu sein. Doch dann gibt es Momente, in denen die Mädchen traurig sind, sich alleine fühlen. Was die Kinder ganz besonders brauchen ist Liebe. Daher versuchte ich während meines Aufenthalts, ihnen eine große Schwester zu sein.

Hier noch zwei Geschichten, die ich in der Mädchenschule erlebte und die mich stark bewegt haben.

Naomi: Hochzeit als letzter Ausweg?

Ich sitze im Gottesdienst und lausche dem Mädchenchor. Alle tragen dieselbe Uniform und doch sind sie so verschieden. Ausdrucksstark beginnt eine Frau in afrikanischer Tracht, den Kindern eine Geschichte zu erzählen. Ich kann ihr nicht zuhören, denn in meine Gedanken drängen sich ganz andere Geschichten – die Geschichten der Mädchen. Ich sehe Naomi vorne stehen mit dem Rücken zu mir in ihrem blauen Gottesdienstkleid. Ihre Mutter starb früh, beschnitten wurde sie im Alter von acht Jahren. Auf Grund einer Dürre verlor ihr Vater viele Kühe und schuldete daher seinem Kuhhirten Geld. Die einzige Lösung als Gegenleistung, schien seine neunjährige Tochter Naomi zu sein. Kurz nach der Hochzeit vergewaltigte der neue Ehemann die neunjährige Naomi mehrmals, bis sie wegen starken Blutungen ins Krankenhaus musste. Naomi erzählte es einer Krankenschwester. Nach ihrer Entlassung suchte dann das Jugendamt Naomi im Buschland der Massai, um sie aus der Situation zu befreien. Naomi wurde gefunden und nach Kajiado in die Mädchenschule gebracht. Hier geht sie nun zur Schule und darf ihre Kindheit erleben. Sie ist jetzt 10 Jahre alt und geht in die 1. Klasse.

Catherine: Es gibt noch Hoffnung

Ich stehe mit Catherine unter unserem „Zahnbürstenbaum“ und wir bürsten uns mit einem präparierten kleinen Zweig unsere Zähne bis sie weiß glänzen. Ein kleines Flugzeug zieht einen weißen Streifen am Himmel. Das fasziniert Catherine. Sofort will sie alles über das Fliegen wissen. Ob es gefährlich ist, was man sehen kann, wie lange man nach Deutschland fliegt. Dann erzählt sie mir stolz und mit strahlenden Augen über ihr Massaidorf und die Massais. Vor sieben Jahren kam Catherine mit ihrer Schwester in die Mädchenschule und besucht jetzt die 8. Klasse, die Abschlussklasse. Während ihres gesamten Aufenthalts in der Mädchenschule ärgerte sich ihr Vater über diese Situation. Er wollte Catherine – als sie neun Jahre alt war – eigentlich an ihren Halbbruder verheiraten, einen Mörder. Doch die beiden Kinder fanden in der Mädchenschule Schutz und Zuflucht. Das gefiel dem Vater gar nicht. Doch eines Tages tauchte er in der Mädchenschule auf, ein Grinsen im Gesicht. Seine ausgeleierten Ohrläppchen wippten fröhlich mit, als er auf die Schule zuschritt. In seiner Hand hielt er ein Brot, als Geschenk für die Leiterin der Mädchenschule. Der Grund seiner Reise: Er wollte Frieden schließen: Frieden mit sich, der Leiterin und seinen beiden Töchtern. Voller Stolz erzählt er nun in seinem Dorf von seinen Töchtern, die schon so weit in der Schule gekommen sind und jetzt kurz vor dem Abschluss stehen. Ein Lachen – ein Lachen der Erleichterung auf beiden Seiten.

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