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Die erste Mail aus dem fernen Afrika



Geschrieben am Donnerstag, 03. Juli 2008 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

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Am Dienstag Abend bin ich endlich gut im Heri Hospital angekommen. Soviel Neues auf einmal hatte ich schon lange net mehr und man kann gar net alles aufnehmen.

Der Flug allein war schon echt spannend. Sonntag abends auf dem Frankfurter Flughafen wollte ich grad einchecken, da sperren sie den ganzen Bereich der Airline und schließen die Schalter. Wahrscheinlich hatte irgendein koffer undefinierbare Dinge geladen. Als wir dann wieder einchecken konnten, standen wir natürlich wieder ziemlich weit hinten. Dann war mein Handgepäck zu schwer und so musste ich noch Sachen in den Koffer packen. Schließlich saß ich dann irgendwann glücklich im Flugzeug. Neben mir saß ein junger Mann, 28 Jahre, der schon am Check in hinter mir stand. Ich fand es ganz lustig mit ihm, weil er auch erst das erste Mal mit so einer großen Maschine fliegt. Da waren wir wenigstens beide Anfänger. Leider konnte ich ziemlich schlecht schlafen, weil die Sitze doch irgendwie unbequem waren und es außerdem echt eng war. Aber anderen ging es ähnlich wie meinem Nachbar.

6.30 Uhr am 10.03.08 sind wir in Dubai gelandet. Ist schon ein toller Airport, aber die Hitze hat mir erst mal zu schaffen gemacht. Da ich nicht so richtig wusste, wo es hin geht und mein Nachbar auch nicht, haben wir dann zusammen neu eingecheckt und unsere Gates gesucht. Als wir sie schließlich gefunden hatten, haben wir wollten wir uns schnell auf der Toilette frisch machen und dann wieder treffen. Es hat dann doch länger gedauert und so musste ich ihn dann förmlich suchen. Ich hatte ihn gerade mit den Augen gefunden und drehte mich nur kurz zu der Anzeigetafel um. Als ich mich dann wieder umdrehte, konnte ich ihn nicht mehr finden. Ok, jeder mag denken, was er will, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Gott mir einen Engel geschenkt hatte, denn genau da, wo er verschwand, wusste ich dann wieder, wo ich hin musste.
Im Flug nach Dar-es- Salaam saß ein Mädchen aus Kalifornien neben mir, dass mal längere Zeit in Tansania gearbeitet hat und jetzt wieder auf Besuch kommt. Sie hat geholfen eine Schule für Waisen zu gründen und sie wollen auch noch ein Gesundheitszentrum eröffnen. Als sie gehört hat, was ich in Tansania mache, war sie gleich total begeistert und meinte ich könnte sie gern in Dar mal besuchen kommen. Sie hat mir auch angeboten bei ihr in Dar zu schlafen für die eine Nacht, aber dann ist ihr eingefallen, dass sie diese Nacht gar nicht in Dar übernachtet und so hat sich das Angebot zerschlagen. Angekommen in Dar am Flughafen war es echt chaotisch. Alle möglichen Leute wollten ein Visum haben und es war ein totales Gewühle. Dazu kam, dass es brühtend heiß und total schwül war. Mein koffer war natürlich einer der letzten und so hatte ich schon fast Panik, dass er nicht da ist. Wenn du rauskommst, wirst du gleich von einer Menge von Taxifahrern bedrängt. Die Kalifornierin hat mir dann ein sicheres Taxi besorgt, weil sie auch besser handeln und englisch konnte als ich. Dieses hat mich dann zum YWCA- Jugendherberge gebracht. Auf der Fahrt dorthin habe ich Afrika leben das erste Mal gespürt und ich war echt schockiert über die Häuser, die teils echt marode waren. Dann standen total viele Menschen am Straßenrand und der Verkehr war echt chaotisch. Das YWCA war schlicht, aber man hatte ein Moskitonetz und einen Deckenventilator. Die erste Nacht unter dem Moskitonetz war nicht so toll, weil es total heiß war trotz des Ventilators. So konnte ich ziemlich schlecht schlafen.

Am nächsten Tag hat mich derselbe Taxifahrer gegen 10.00 Uhr wieder zum Airport gebracht und gegen 12.00 Uhr konnte ich dann einchecken. Dort habe ich ein weiteres Wunder erlebt, weil ich 8 kg Übergepäck hatte und eigentlich hätte zahlen müssen. Aber die Dame war so gnädig und ich durfte das Freigepäck eines anderen Passagiers mit nutzen, der kein Gepäck hatte. Auch mit dem Handgepäck gab es keine Probleme, obwohl es viel schwerer war als in Frankfurt. Danke Jesus. Die Maschine war viel kleiner als die anderen Flugzeuge und so hat man auch Start und Landung mehr gespürt. Dementsprechend hatte ich auch mit meinem Magen zu kämpfen, aber die Übelkeit erfolgreich unterdrücken können. Nach 3 h bin ich dann sicher in Kigoma gelandet. Von dort hat mich Dickson Matiko, der Business Leiter der Klinik abgeholt. Er ist sehr nett und hatte auch einen anderen Fahrer dabei. Dann sind wir durch die Straßen von Kigoma gefahren, mit immer wieder großen Schlaglöchern. Am Rande waren wieder Menschen ohne Ende, die vor ihren Hütten oder Läden standen und gearbeitet haben oder auch nicht. Als Weiße fällt man echt auf und alle Leute starren ein an. Ein kleiner Junge hat mich mit großen Augen angeschaut und Mzungu (Weiße) gesagt, dann ist er immer näher gekommen. Aber das war nicht bösartig. Wo wir dann im Auto saßen hat er mir dann noch zugewunken. Das fand ich süß. So began unsere abenteuerliche Fahrt mit dem Landrover nach Heri, das noch 2, 5 h von Kigoma entfernt liegt. Die Straße ist nicht geteert, sondern nur aus Lehm und Sand. Sie hatte teils große Löcher und wenn es geregnet hat, dann verwandelt sich alles in ein Schlammparadies und das war auch bei uns der Fall, aber wir hatten ein gutes Auto. Ich hatte aber trotzdem echt Angst, dass wir stecken bleiben oder gar umfallen, weil wir so schräg gefahren sind. Unterwegs ist ein LKW vor uns steckengeblieben und das hat erstmal einige Zeit gekostet. Die Einheimischen warten dann nur darauf ihn gegen Cash aus dem Schlamm zu ziehen. Immer wieder hast du an den Straßenrändern Leute gesehen, die gelaufen sind auch bei Dunkelheit und ohne Beleuchtung. Ringsrum um die Straßen außerhalb von Kigoma standen Bananen- und Mangrovenstauden. Gegen 22.00 uhr sind wir dann endlich am Heri Hospital angekommen. Maleika, die Freiwillige Krankenschwester aus der Schweiz, hat schon auf mich gewartet. Wir schlafen zusammen in einem Haus. Ich war echt geschafft und so bin ich nach dem Essen gleich ins Bett gefallen.

Heute 12.03. habe ich erste Eindrücke vom Heri bekommen. 8.00 Uhr ist immer eine Andacht (heute mit Dr. Oster aus Dänemark, der grad zu Besuch ist). Es wird auch immer alles ins Englisch übersetzt, Gott sei dank. Danach hat mir Maleika das ganze Krankenhausgelände gezeigt. Die Einrichtung kann ich nicht so richtig beschreiben. Ich schick euch da mal Bilder. Es ist auch nicht zu vergleichen mit Deutschland. Ich werde jetzt auch erstmal nicht im OP arbeiten, sondern auf der Frauenstation. Die Pflegedienstleiterin hat mich heute eingewiesen. Leider habe ich nicht alles verstanden, auch wenn es auf Englisch war. Aber sie haben hier auch einen besonderen Accent dabei. Hier gibt es keine Küche, die für Patienten das Essen kocht, sondern das bringen die Angehörigen. Und auch die Morgenwäsche übernehmen die Angehörigen. Die Schwestern sind zuständig für die Medikamente und Schreibkram. Zwischenzeitlich stehen sie auch mal rum. Da habe ich aber auch noch net so recht durchgeblickt. Bin echt gespannt, wenn ich morgen auf Station gehe, weil die meisten dort auch nur Swahili können. Dann habe ich bei 2 Endoskopien zugeschaut, das sind Magenspiegelungen. Ja, da staunt ihr, dass so was hier gemacht wird. Es wurde gesponsert, aber fragt mich jetzt bitte nicht von wem. Auf jeden Fall ist es das einzige in Westtansania. Hier gibt es auch solche Krankheiten wie Magengeschwür und Heliobacter Pylori, das ist ein Bakterium, was solches auslösen kann.

OK. Ich werde euch bald berichten, wie es mir geht. Aber für´s erste genug. Sonst habt ihr auch alle eine Reizüberflutung so wie ich…

Seid lieb gedrückt. Vermiss euch!

Vielen Dank für eure Gebete und alles andere (PS: ihr lieben aus der Vogtlandjugend, vielen vielen Dank für das tolle Geschenk! Echt der Wahnsinn! Hab mich riesig gefreut! Hab euch lieb, und alle anderen auch natürlich)

LG Lydia

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