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Eine Reise in eine unbekannte Welt



Geschrieben am Samstag, 01. November 2008 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

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Hi Leute,
wir schreiben den 25. Oktober dieses Jahres als ich mich auf eine kühne Reise in die Vergangenheit aufmachte, von der ich allerdings selber noch nichts wusste. Lasst mich am besten am folgenden Ereignis meine Erzählung beginnen.

Am Anfang war eine Einladung, eine Einladung zu einer Taufe, zu der Taufe von Ines (eine Erzieherin im Kindergarten). Die erste Herausforderung bestand erstmal zu einer mir bis dahin fremden Kirchengemeinde zu gelangen, die man mit einem Bus nicht direkt erreichen kann. Habe mir schon vorgestellt, wie ich da sitzen würde, mit einem Blatt Papier und zusehe, wie Ines wild darauf herum kritzelt. Schlimm bei dieser Vorstellung würde sein, dass ich genau wusste, dass ich so wohl nie zu dieser Gemeinde gelangen würde. Daher war ich heil froh, als ich am Freitagmorgen erfuhr (die Taufe war am Samstag), dass meine Nachbarn ebenfalls mitkommen. So schloss ich mich ihnen, zusammen mit Daniel (meinem Mitbewohner), einfach an. So machten wir vier Ahnungslosen uns auf den Weg auf eine Reise in eine unbekannte Welt… 

Als wir die Gemeinde erreicht hatten, sah ich voller erstaunen, dass dies erst der Anfang war. Vor mir befanden sich zwei weitere kleine Reisebusse, die uns von hier aus weiter transportieren würden. Nachdem ich es mir in meinem Sitz gemütlich gemacht hatte, war ich schon gespannt, wo es denn jetzt hingehen würde, denn ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie Bariloche verlassen.

Wir folgten einige Zeit der Hauptstraße, bis wir irgendwann nach rechts abbogen. Es war eine Abbiegung auf das Abstellgleis der modernen Welt. Die Straße war längst keine Betonstraße mehr, sondern zu einer breiten Schotterpiste geworden. Die Berge um uns herum flachten ab und wurden zu einer mir sehr vertrauten Umgebung. Ich befand mich nun nicht mehr in Argentinien, sondern in den Highlands, die ich auf meiner Englandreise größten Teils mit dem Zug aber auch zu Fuß durchquerte. Es sah nach einer perfekten Kopie aus. Ich vermisste nur die Steinmauern und die vielen Schafe. Dafür gab es hier in Argentinien duzende Pferde die unseren Weg kreuzten.

Nachdem wir nach ca. 30 Minuten an einem kleinen See angekommen waren, dachte ich, nun das wäre fürs erste das Ende, denn mir wurde gesagt, dass die Taufe an einem Fluss oder See stattfinden würde. Als der Bus vor uns nicht langsamer wurde, wusste ich, dass es noch weiter ging. Nach einer weiteren halben Stunde und einer Steigung, bei der unser Busfahrer vier Versuche brauchte, um sie zu meistern, wurde ich vom vielem aus dem Fenster schauen müde. Also legte ich einen kleinen Vormittagsschlaf ein, denn Neues würde es da draußen eh nicht mehr zu sehen geben, denn diese Landschaft erstreckt sich über hunderte von Kilometern. Nach einer weiteren halben Stunde wachte ich dann aus meinem Schlaf aus, denn der Bus hatte eine Pause gemacht. Es hieß, dass er hier halten wird und wir den Rest laufen sollten. Nicht weil wir kurz vor unserem Ziel waren, sondern weil der Bus an einer etwa zehn Metern großen Pfütze angehalten hatte. Es sah echt nicht gut aus. Die Busfahrer trauten sich nicht weiterzufahren. Ich kann sie verstehen, denn die Pfütze war nicht gerade ein flaches Gewässer. Erst als der Geländewagen, der hinter uns her gefahren war, ohne Probleme diese Stelle passierte, machten sich die Busfahrer ebenfalls an den Versuch. Wir stiegen alle aus und umrundeten die Pfütze, oder den kleinen See, damit der Bus nicht so schwer war. Zu unserer großen Freude gab es keine Probleme und so fuhren wir auch die letzten 20 Minuten weiter mit dem Bus.

Nach etwa  1 Stunde und 45 Minuten waren wir dann endlich an unserem Ziel angelangt. Es war eine kleine Schule, die umringt von 2 Häusern ein Dorf ergibt. Ich war sehr verwundert, dass es hier überhaupt eine Schule gibt, denn bis auf 2 Menschen und einigen Häusern, hatten wir keine Menschenseele auf unserem Weg getroffen. Auf dem langen Weg kam es mir so vor, als würde jeder Kilometer der uns weiter in das Land trieb, ein Jahr zurück in die Geschichte der Menschheit bringen. Hier gibt es keine Autos. Ein Pferd ist hier das A & O. Die Menschen leben hier von dem, was sie selber erwirtschaften und haben wohl nur sehr selten in ihrem Leben Geld gesehen. Warum denn auch? Was will man mit Geld, wenn man dafür nichts kaufen kann. In der Schule erzählte mir man, dass die meisten Schüler an die 1-3 Stunden in die Schule laufen oder reiten, um unterrichtet zu werden. Wenn ich dran denke, wie sehr es mich aufregt, dass ich jeden Tag an die 1:30 Stunden meiner wertvollen Zeit damit verbringe in meinem Bus zu sitzen und es mich von Tag zu Tag mehr aufregt, konnte ich mir vorstellen wie sehr diese Kinder etwas lernen wollen.

Die Taufe war super schön, was allerdings bei der wunderschönen Landschaft nicht so schwer ist. Ich habe auch zum ersten Mal eine komplette Predigt auf Spanisch verstanden, dass einzige was mich enttäuscht hat war das Essen, welches eigentlich nur aus kalter Pizza bestand.

Naja dafür war eben die Umgebung umso schöner. Es wurden insgesamt fünf Leute getauft. Drei in dem Fluss der ungefähr 40 Meter neben der Schule vorbei fließt und die anderen beiden in einem Taufbecken. Nach einem herrlichen Sabbat machten wir uns dann so gegen 17 Uhr auf den Rückweg.

In der darauffolgenden Woche hab ich bei meiner Arbeit wieder etwas Neues lernen dürfen. Wie setzt man Fensterrahmen in ein Haus ein! Habe die ganze Woche damit verbracht morgens mit Veto (dem Schreiner) Fensterrahmen in das zukünftige Waisenheim zu setzen, damit dort endlich Glasfenster eingebaut werden können. So kann dort ein Alarmsystem installiert werden, damit das Haus geschützt ist vor ungebetenen Gästen. Weiterhin soll ein Schlafzimmer und ein Badezimmer eingerichtet werden, damit dort jemand übernachten kann. Was den Kindergarten an ging, gab es in dieser Woche eigentlich nichts Spannendes zu berichten.

Liebe Grüße

Marcelo

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