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Eine Zeit voller Segen



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 12. März 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Fleur, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr in einem Waisenheim in Tansania absolviert.

Dass ich nach dem Abitur ins Ausland möchte, war mir schon lange klar. Als ich dann aber wirklich im Flugzeug saß, konnte ich kaum glauben, dass diese Zeit, von der ich immer sprach, nun wirklich beginnt. Nun würde ein neues Kapitel in meinem Leben losgehen, eine Zeit voller neuer Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen.

Mein neues Zuhause

Fernab von der Großstadt, mitten im Grünen und nur ein paar Minuten entfernt vom indischen Ozean – bei dieser Beschreibung denkt man wohl eher an einen Urlaubsort, doch ich spreche hier vom Waisenheim „Dunia ya Heri“, was übersetzt „Erde des Segens“ heißt. Nach den nun fast 7 Monaten, die ich hier schon verbracht habe, kann ich sagen, dass dieser Ort mein zweites Zuhause geworden ist. An diesem Ort ist es grün soweit das Auge reicht – die Pflanzenwelt zeigt hier ihre facettenreiche Vielfalt auf unterschiedlichste Art und Weise. Doch das Wichtigste ist: Es ist ein Ort, an dem die Kinder wohl behütet aufwachsen können.

Meine Tätigkeiten

Dieses Waisenheim wurde erst vor gut zwei Jahren gegründet, aus welchem Grund ich die erste Freiwillige in diesem Projekt bin. Meine Arbeit teilt sich hauptsächlich in zwei verschiedene Bereiche auf: die Arbeit im Garten und die Arbeit mit den Kindern. Im Garten erledige ich Tätigkeiten wie beispielsweise neue Samen auszusäen, das Gemüse und die Früchte zu ernten und natürlich all die Pflanzen zu gießen – das Wichtigste bei den hohen Temperaturen.

Zurzeit sind hier im Waisenheim 12 Kinder, die zwischen 4 Wochen und 5 Jahre alt sind. Sie sind voll im Alltag mit eingebunden und haben ihre eigenen Tätigkeiten, vom Füttern der Hühner bis hin zum Abwaschen des Geschirrs. In den letzten 7 Monaten sind die Kinder mir sehr ans Herz gewachsen und ich verbringe sehr gerne Zeit mit ihnen – ob beim Puzzeln, Malen, Singen oder Spielen. Es ist schön mit anzusehen, wie schnell sie Stück für Stück dazulernen.

Neben den erwähnten Hühnern gibt es hier auch noch Ziegen, Katzen, zwei Hunde, einen Bussard und Aasgeier, Schildkröten und einen Ara – also einen halben Zoo, um den ich mich unter anderem auch kümmere.

Dankbar

Mir bleiben nun hier noch etwas mehr als zwei Monate, bevor es für mich wieder zurück nach Deutschland geht. Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, bin ich einfach nur dankbar. Ich bin dankbar für all die Momente und Erfahrungen, die ich hier schon machen durfte. Dankbar für die neuen Freundschaften, die ich hier schließen durfte. Dankbar für die Kinder, die mit ihrem Lachen mein Herz jeden Tag aufs Neue mit Freude füllen. Dankbar für all das, was ich in den letzten Monaten alles dazulernen durfte.

In den kommenden Jahren soll das Waisenheim bis zu 60 Kindern ein Zuhause schenken können und ich bin mir sicher, dass dieser Ort für sie und alle, die dort hinkommen, ein echter Segen sein wird.

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Die Chance, zu wachsen



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Ein Bricht von Regina, die ein Freiwilliges Soziales Jahr in Albanien absolviert.

Vor der Ausreise war es noch unbegreifbar, dass ich ein Jahr in einem fremden Land verbringen werde und nun heißt es für mich schon Halbzeit! Seit sechs Monaten bin ich in Tirana, der Hauptstadt Albaniens. Das verrückte Autofahren, das leckere Obst und der tägliche Besuch im Café machen es mir jeden Tag aufs Neue ganz klar, dass ich in einem anderen Land bin!

Der Schulalltag aus einer neuen Perspektive

Meinen Freiwilligendienst mach ich bei ADRA Albanien und unterstütze dort das Team. ADRA Albanien hat zurzeit drei aktive Projekte in Tirana. In diesen Projekten gehen wir in verschiedene Schulen, um dort „Zusatzklassen“ zu halten. Diese Zusatzklassen werden vor allem von Grundschulkindern mit Lernschwierigkeiten und Roma-Kindern besucht. Wir üben mit den Kindern Mathematik und ihre Lese- und Rechtschreibfähigkeiten. Spiele dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Letzteres gehört zu meiner Hauptaufgabe. Im Gegensatz zum üblichen Frontalunterricht ist es für die Kinder etwas wirklich Neues und Tolles, gemeinsam zu singen und zu spielen. Meine Mitfreiwillige und ich versuchen mit Spielen den Kindern wieder Spaß an der Schule zu bereiten. Manchmal ist das gar nicht so leicht, wenn man nicht einmal die Sprache spricht. Aber durch so manche Herausforderung lernt man, über sich hinauszuwachsen und sich aus seiner Komfortzone zu trauen.

Neben den Zusatzklassen arbeiten wir im ADRA Büro. Dort ist die Dokumentation Teil unserer Aufgabe. Wir schreiben Berichte, kümmern uns um die digitale Dokumentation der Zusatzklassen und helfen den anderen Mitarbeitern bei Aufgaben, die gerade anstehen.

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Meine Erfahrung namens „Bolivien“



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Ein Bericht von der Freiwilligen Natasha, die sechs Monate in Bolivien verbringt.

Eine holprige Ankunft

Da stand ich also, ganz plötzlich in Bolivien, von dem einen auf den anderen Tag. Ohne Geld, ohne Empfang, ohne Schlaf und mit nur spärlichen Spanisch-Kenntnissen, und es wollte irgendwie keiner kommen und mich abholen! Als sich am Ende dann herausstellte, dass meine zukünftige Chefin und ich einfach nur eine Stunde lang aneinander vorbeigelaufen waren und sie mir plötzlich fröhlich winkend entgegenlief, während im Hintergrund noch der Ausruf nach einer gesuchten „Natasha van der Plas“ ertönte, da war ich schon eine Spur erleichtert.

Ich staunte nicht schlecht, als ich dann den ersten Schritt nach draußen trat: die holprigen Straßen, die schwüle Luft, die Palmen, die Straßenverkäufer, der staubige Boden. Nur eine Sache hatte ich tatsächlich von Zuhause mitgebracht, nämlich das Wetter! Denn es regnete in Strömen und umso mehr wunderte es mich, dass einige der Mitarbeiter des Projektes zusammen mit meinen beiden Riesen-Koffern hinten auf die Ladefläche des Pick-Ups verbannt und somit dem nassen Wetter komplett ausgesetzt wurden. Mich setzte man auf die nicht mit Anschnallgurten versehene Rückbank und ließ mich dort erst einmal verblüfft sitzen.

Endlich angekommen verstaute ich erst einmal mein Gepäck in meinem neuen Zuhause und wollte mich, erschöpft von der langen 24-stündigen Reise, prompt auf die Couch plumpsen lassen, brach mir aber fast das Steißbein dabei und nahm gleichzeitig zur Kenntnis, dass die Möbel hier wohl nicht so komfortabel sind wie bei uns in Deutschland. Ich würde noch Vieles lernen müssen. Nur wusste ich das damals noch nicht…

Profesora alemana

Nun war ich schon einige Zeit hier und hatte auch schon einiges gelernt. Mein Spanisch war besser geworden, ich hatte meinen Jetlag ausgeschlafen und vor allem hatte ich mich auf der Arbeit gut eingearbeitet.

Unser Projekt nennt sich „Fundacion Sion“ und ist eine Übermittagsbetreuung, die vormittags stattfindet. Eltern, die gezwungenermaßen ganztägig arbeiten müssen und somit nicht viel Zeit für ihre Kinder finden, können sie von uns betreuen lassen. Hier ein kleiner Tagesablauf:

Morgens um 7 Uhr beginnt für uns der Tag. Wir bereiten ein ausgewogenes Frühstück für die Kinder vor, die dann nach und nach bei uns eintrudeln. Um die Unpünktlichkeit ein wenig zu drosseln, haben Myriam und ich ein Punktesystem mit Smileys erstellt, wobei die Kinder für Pünktlichkeit einen lachenden Smiley und für Unpünktlichkeit dementsprechend einen traurigen Smiley bekommen. Bevor gegessen wird, gibt es eine Andacht für die Kinder, die abwechslungsreich mal mit dem Buch, mal mit einem kleinen Filmchen oder einfach mal ganz spontan in einer gestikulierten Erzählung dargebracht wird. Nach dem Frühstück werden erst einmal die Zähnchen geputzt, danach die Hausaufgaben erledigt. Dies gestaltet sich als gar nicht so einfach. Wer sich den Suchverlauf unserer Übersetzer-App anschaute, konnte durch die gefilterten Suchbegriffe „Hör zu!“, „Setz dich hin!“ und „Mach weiter!“ den Ablauf der Hausaufgabenbetreuung erahnen. Wenn ich ein Wort nennen müsste, was diese Betreuung am besten beschreiben würde, dann wäre „Verzweiflung“ das passendste Wort, denn zugegebenermaßen ist es nicht gerade einfach, Aufträge zu verteilen, wenn die Kinder einen noch gar nicht so gut verstehen können und dir sowieso auf der Nase herumtanzen.

Aber auch das änderte sich schlagartig, als wir die Kinder immer besser kennen lernten und uns von ihnen ein wenig mit der Sprache helfen lassen konnten. Hier erfährt man besonders, dass Kinder von Natur aus immer am ehrlichsten sind und somit natürlich auch die besten Lehrer für uns.

Später allerdings schlüpften wir in die Rolle des Lehrers, und zwar im anschließendem Programm. Unserem Programm. Da es zu dieser Zeit nicht sehr viele Mitarbeiter gab, hatten wir relativ viel Spielraum, die Workshops zu gestalten. Zwischen Backen und Kochen, Englisch und Musik, Sport und Gartenarbeit oder dem ultimativen Kurs „Müll“ von Myriam, hatten die Kinder immer viel zu lernen.

Nach den Workshops sorgten wir dafür, dass alle Kinder frisch geduscht und frisiert in ihren Schuluniformen am Tisch saßen, damit das Essen serviert werden konnte. Am Anfang ist das gar nicht so einfach, wenn man noch nicht so viel Zeitmanagement hat und sein Spanisch eher der Gebärdensprache gleicht. Die Kinder mussten danach als Nachmittagsschulgänger nämlich direkt in die Schule gebracht werden und da viele Kinder beim Essen ganz gerne trödeln, konnte das Ganze auch sehr chaotisch werden. Vor allem, wenn wir danach noch mit ihnen das ganze Heim putzen mussten! Waren die Kinder dann einmal in der Schule, konnten wir ein wenig aufatmen und hatten ein bisschen Zeit für uns.

Allerdings ging das Programm am Wochenende gleich weiter mit den Pfadfindern, mit denen wir viel unternahmen, zum Beispiel uns mit ihnen auf vielen diversen Veranstaltungen aufhielten. War es das Camporee, ein Verkaufsmarkt oder ein Marching-Wettbewerb, unser Club „Cerenid“ war immer vorne dabei. So natürlich auch wir zwei Freiwillige.

Eine komplett andere Welt

Zugegebenermaßen hatte ich anfangs oft mit meiner Ungeduld zu kämpfen. Würde mich eine Person fragen, welche Sache am schwierigsten für mich war, dann würde ich mit der Unpünktlichkeit, die in dieser Kultur herrscht, antworten.

Tatsächlich hatte ich mich relativ schnell an die sanitären Umstände vor Ort hier gewöhnt. Dass es keine richtige Dusche gibt, sondern nur einen Schlauch. Dass die Toilette oft nicht abspülen wollte. Dass das Toilettenpapier in den Mülleimer geworfen werden muss. Dass man hier Gasflaschen zum Kochen benutzen muss. Dass ich hier auf einmal mein Geschirr abspülen musste und meine Sachen nicht einfach gemütlich in einer Spülmaschine deponieren konnte.

Aber das war genau das, was ich hier verstehen lernte: Dass man mit sehr viel weniger leben kann. Schaut man sich andere Häuser hier in Bolivien an, sieht man manchmal Hütten, die nicht einmal mit einer Haustür ausgestattet sind, sondern provisorisch mit Leintüchern als Sichtschutz über den Türrahmen drapiert sind. Waschbecken, die lose ohne jegliche Rohre einfach auf einige hölzerne Gestelle gesetzt werden, sodass das Wasser auf die Erde ablaufen kann. Ganz zu schweigen von der Küche, die sich meist als ein kleines, tragbares Feuergestell zum Kochen und ein kleines Tischchen zum Schneiden entpuppt. Natürlich angeschlossen an einer Gasflasche, die zum Auffüllen immer wieder zur Tankstelle geschleppt werden muss!

Wenn ich all das hier sehe, dann kann ich nur sagen, dass ich unser Häuschen, welches ich vorher als eher einfacher betrachtete, jetzt als luxuriös ansehe. Ganz zu schweigen von dem Haus, in dem ich vorher in Deutschland gelebt habe!

Ich bin wirklich sehr froh, dass ich die Zeit hier erleben durfte, dass ich den Kindern etwas auf den Weg mitgeben konnte, und dass ich meine Erfahrungen und Eindrücke, die ich hier so zahlreich gewonnen habe, wieder mit nach Hause nehmen darf!

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Meine schöne neue Welt



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Ein Bericht der Freiwilligen Sophia, die ein Jahr in einer peruanischen Kindertagesstätte verbringt.

Ein Neues Land

03. August 2017 – Mein großes Abenteuer beginnt. Wie lange habe ich im Voraus davon geträumt, mich darauf gefreut und mich gefragt, ob das alles wirklich so eine gute Entscheidung war. Ja, Abschied nehmen fiel mir nicht leicht. Aber nach den ersten drei Monaten hier in Peru habe ich die Entscheidung, mit ADRA für ein Jahr ins Ausland zu gehen, noch kein einziges Mal bereut! In der Anfangszeit war ich einfach nur überwältigt von allem, was ich erlebte. Wenn ich die Tür meines Zimmers öffne schaue ich direkt auf einen Vulkan, auf dem Markt kann man Früchte kaufen, von denen ich vorher noch nie etwas gehört hatte und das Müllauto spielt die Melodie von „Under the Sea“ aus „Arielle“ ab, wenn es durch die Straßen der Stadt fährt. Was für ein spannendes und wunderschönes Land!

Neue Erfahrungen

Aber auch, wenn ich die Welt durch eine rosarote Brille sah, kehrte der Alltag ein und ich musste lernen, dass nicht immer alles so läuft, wie geplant. In der Arbeit mit Kindern ist kein Tag wie der andere. Man ist praktisch dazu gezwungen, sich auf Neues einzulassen, Dinge nicht so verkrampft zu sehen und darüber lachen zu können, wenn man die Situation nicht mehr im Griff hat. Und dabei liebe ich es doch, alles im Griff zu haben. In diesen Momenten wächst man über sich hinaus und lernt unglaublich viel dazu. Generell bin ich die Lernende. Die Verhältnisse aus denen die Kinder kommen, lassen mich meinen eigenen Lebensstil reflektieren und auch sonst gibt es einiges, was mir erst durch die Arbeit hier richtig bewusstgeworden ist.

Neue Aufgaben

Normalerweise ist mein Arbeitsalltag sehr gut organisiert. Hier in der Kindertagesstätte „Nuestro Hogar“ („Unser Zuhause“) unterstütze ich die „Lehrerin“ bei ihren Aufgaben. Wir bereiten die jüngeren Kinder auf die Schule vor oder helfen den älteren Kindern am Nachmittag bei den Hausaufgaben. Das klingt weniger anstrengend, als es in der Realität ist. Wenn die Sprache kein Problem mehr darstellt finden sich neue Herausforderungen – langweilig war es bis jetzt noch nie. Ein weiterer Bereich unserer Arbeit hier ist das Putzen. Manchmal macht es den Anschein, als würde man uns leicht gegen eine Spülmaschine eintauschen können. Aber genau dafür bin ich hier – um mich mit meinen Fähigkeiten einzubringen. Wenn ich dadurch eine helfende Hand sein kann nehme ich auch die Berge an Geschirr als Herausforderung, gerne an. Besonders viel Spaß habe ich allerdings, wenn wir in den Park gehen, damit sich unsere Schützlinge austoben können. In den Momenten, in denen sie sich an den kleinsten Dingen erfreuen, mich in den Arm nehmen oder mir durch ihre Zahnlücken heraus ein Lächeln schenken, weiß ich, dass ich hier genau richtig bin.

Neue Kultur – Neue Menschen

Da die Kinder das Projekt am Abend wieder verlassen und auch das Wochenende mit ihren Familien verbringen, haben wir viel Zeit, die Kultur und neue Menschen kennenzulernen. Dabei kommt es zu Begegnungen, die uns die Herzlichkeit und Offenheit dieser Kultur verdeutlichen oder zu Momenten, die uns einfach nur sprachlos machen. Uns sind hier viele Möglichkeiten geboten, unsere Freizeit abwechslungsreich zu gestalten. Ich lebe gemeinsam mit meiner Mitfreiwilligen in unserem eigenen kleinen Häuschen, was ebenfalls dazu beiträgt, dass wir sehr frei in der Gestaltung unseres Lebens hier sind. Meine Heimat vermisse ich natürlich, allerdings habe ich hier ein weiteres Zuhause gefunden. Peru ist „mein Peru“ geworden. Es läuft hier vieles anders ab, als ich es aus unserem Heimatland gewöhnt bin, aber ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, all diese neuen Erfahrungen machen zu dürfen. Ich genieße die Zeit hier sehr, erkunde diese, für mich neue Welt und freue mich schon auf die kommenden, erlebnisreichen Monate.

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Bolivianische Planung und andere Herausforderungen



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Freitag, 09. März 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Myriam, die ihr Auslandssemester in Bolivien absolviert.

Mein Studium sieht im fünften Semester ein Auslandssemester vor und ich habe mich der Herausforderung gestellt, dieses gemeinsam mit ADRA in Bolivien zu absolvieren. In diesem Auslandssemester muss ich ein didaktisches Projekt planen und in meinen ersten zwei Monaten hier in Bolivien habe ich gemerkt, dass ich für diese Aufgabe genau am richtigen Ort angekommen bin. Ich war anfangs sehr unsicher, ob sich Studium und Freiwilligendienst unter einen Hut bringen lassen und es ist auch sehr herausfordernd gewesen, aber umso mehr Chancen zum Lernen hatte ich.

Die Anfangszeit

In meinen ersten zwei Wochen hier habe ich mir fast jeden Tag gewünscht, wieder nach Hause fliegen zu dürfen. Ich hatte nicht viel zu tun, weil ich sehr viele Sachen nicht machen konnte, da ich noch kein Spanisch sprach. Ich habe nicht verstanden, was die Leute von mir wollten und konnte die Kinder nicht loben oder auffordern, irgendwas zu machen. Ich wusste nicht, wie ich die Fragen stelle, die ich hatte, und konnte mir nicht vorstellen, hier jemals ein Projekt leiten zu können. Aber ich habe gute Freunde gefunden und glücklicherweise hatte ich sehr geduldige Spanischlehrer. In der Anfangszeit hat mir das Internet sehr geholfen, da ich so Kontakt mit meiner Familie haben konnte und mein Heimweh etwas geringer wurde. Meine Überforderung war allerdings komplett, als meine Schwester verkündete, dass sie im Sommer nächstes Jahr heiraten würde und ich ihre Trauzeugin sein sollte.

Licht am Ende des Tunnels

Nach einigen weiteren Wochen habe ich gemerkt, wie eine Veränderung eintrat. Nachdem ich etwas das Chaos der bolivianischen Planung verstanden hatte, konnte ich den Tagesablauf besser verstehen. Ich habe mich an die Aufgaben und Kinder gewöhnt und verstand nun die Sprache etwas besser. Nach den ersten Monaten hatte ich mich eingelebt und hatte kaum noch Zeit, an Deutschland zu denken, weil ich so viel Spaß an der Unterrichtsvorbereitung und am Unterrichten hatte. Ich möchte mit den Kindern etwas Umweltbewusstsein teilen und ihnen das am Gegenstand Müll vermitteln. Somit habe ich schon eine ziemlich gute Voraussetzung für ein Projekt, da ich eine Grundlage und ein Ziel habe. Auch der Englischunterricht macht mir super viel Spaß, obwohl ich kein Stück darauf vorbereitet war, hier als Lehrerin zu fungieren. Dank Youtube und Pinterest ist das auch mit wenig sprachlichen Möglichkeiten und Materialen gut möglich und ich merke, wie ich immer kreativer werde, den Unterricht zu gestalten.

Wie es wohl weitergeht

Am Ende meines halben Jahres hier werde ich sicher sagen können, dass ich viel gelernt habe und es eine gesegnete Zeit in Bolivien war. Gerade weil nicht immer alles glatt lief und super geplant war. Ich darf jeden Tag neue Erfahrungen machen.  Die Kraft, Liebe und Geduld, die ich versuche den Kindern zu geben, bekomme ich in einer Umarmung oder einem Lächeln von den Kindern zurück. Ich liebe den Austausch der Kulturen und bin gespannt, was ich hier noch alles erleben darf.

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Im Kinderdorf „El Sauce“



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Ein Bericht von Diana, die ein Jahr im bolivianischen Kinderdorf „El Sauce“ verbringt.

Ein Jahr bin ich nun mit meiner Mitfreiwilligen Larina Knirr in Bolivien im Kinderdorf „El Sauce“. Das Kinderdorf befindet sich in Samaipata. Dieses Dorf liegt eine dreistündige Autofahrt von Santa Cruz, der größten Stadt Boliviens, entfernt.

El Sauce hat drei Kinderheime: ein Jungenheim, ein Mädchenheim und ein Heim für junge Mütter. Larina und ich wurden im Mädchenheim als Hauseltern eingesetzt.
Unser Alltag sieht so aus, dass wir die Mädchen jeden Morgen zur Schule aufwecken und mit ihnen gemeinsam frühstücken und Andacht halten. Während die Kinder in der Schule sind, bereiten wir das Mittagessen vor. Nach zwei Monaten haben wir uns schon so langsam an die Bolivianische Küche gewöhnt! Mittags essen wir gemeinsam mit den Kindern und kümmern uns im Anschluss darum, dass alle ihre Aufgaben machen, die sie im Hause zu erledigen haben. Am Nachmittag haben die Mädchen meistens freie Zeit, in der sie entweder malen, lesen, spielen oder in der wir gemeinsam Gesellschaftsspiele spielen. Jeden Abend findet eine gemeinsame Andacht nach dem Abendessen statt.

So in etwa sieht mein Arbeitsalltag aus, mit immer mal wieder mehr oder weniger kleinen Abweichungen. Es freut mich vor allem, dass uns die Teenager bei der Hausarbeit fleißig unter die Arme greifen, was unseren Alltag enorm erleichtert. Da mir die Mädchen immer gern beim Spanisch lernen helfen, fällt es mir schon viel leichter, mich zu verständigen.

Ich bin froh hier sein zu dürfen und habe die Mädchen sehr ins Herz geschlossen. Nach nur zwei Monaten habe ich mich in meinem neuen Zuhause und in meiner neuen Rolle als Hausmama schnell und gut eingelebt und bin gespannt was mich die nächsten neun Monate noch erwartet.

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Ungeahnte Möglichkeiten



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Freitag, 09. März 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Dominik, der in einem Kinderheim in Bolivien vielfältige Erfahrungen sammelt.

Das etwas ungewöhnliche Jahr in Bolivien ist jetzt schon fast vorüber. Im Kopf wird mir allmählich klar, dass ich mich langsam verabschieden muss von meinen Lieben hier. Wenn ich zurückdenke, macht sich schnell ein großes Lächeln in meinem Gesicht breit.
Mein Partner Caleb und ich hatten die Ehre, bei Samaipata im wunderschönen Herzen Boliviens in einem Kinderdorf zu arbeiten, welches Waisen- und Straßenkindern sowie Teenagermüttern mit ihren Babys ein Zuhause gibt. An meine Ankunft kann ich mich noch gut erinnern, als wäre es gestern gewesen. Mit den Wörtern „graçias“, „sí“ und vor allem „mañana“ (morgen), die mir mein Vater am Flughafen noch mit auf den Weg gab, mit dem Hinweis, dass letzteres ein wichtiges Wort in Südamerika sei. So konnte das Abenteuer Bolivien beginnen. Die ersten Monate haben wir fast ausschließlich in unserem Bio-Garten verbracht. Mit dem Gewinn wird das Kinderheim zu einem Teil finanziell unterstützt. Ohne Erfahrung und mit Geduld der erfahrenen Gartenarbeiter durften wir Schritt für Schritt die Kunst und die Weisheiten erlernen, um prachtvolle Erträge zu produzieren. Ich hätte mir nie erträumt, dass ich Gartenarbeit so schätzen und lieben würde. Ich habe es als sehr erfüllend erfahren dürfen, mein angebautes Gemüse Wochen später wieder essen oder verkaufen zu können.

Man wird zum Schweizer Taschenmesser.

Mit Regelmäßigkeit sind immer wieder neue motivierte Helfer gekommen, um das Projekt zu unterstützen –  leider haben uns auch wieder viele verlassen. Dies hatte zur Folge, dass in den unterschiedlichsten Bereichen irgendwann mal Not am Mann war, wodurch wir die Möglichkeit genutzt haben, auszuhelfen wo es ging, um neue Aufgabenfelder zu erkunden, damit wir noch mehr Erfahrungen sammeln konnten. So haben wir auch zwischendurch immer wieder mal auf die Kinder aufgepasst oder im Büro ausgeholfen, ein paar Fahrdienste erledigt oder auf dem Markt Gemüse und Obst für das Projekt eingekauft oder besser gesagt verhandelt. So wurde langsam offensichtlich, dass überall Hilfe gebraucht wird und überall geholfen werden kann. Ich durfte die Erfahrung machen, dass es nie perfekt sein muss, jedoch der Wille zu helfen zählt und man einiges kann ändern. Es war nicht immer einfach für mich, wie beispielsweise, als ich mit meinem rudimentären Spanisch auf die Kinder aufgepasst habe, welche mich gerne nervlich an meine Grenzen brachten.

Wie eine große Familie

Wenn ich im Projekt bin, fühlt es sich an wie ein Zuhause. Schnell war klar, dass die Bedeutung dieses Wortes den Kontinent gewechselt hat. Im Kinderheim ist schön zu sehen, wie jeder jedem hilft, mit dem was er hat und kann, auch wenn das in den meisten Fällen nicht viel ist. Wenn man unterwegs ist, lernt man schnell neue Freunde kennen und es ist schon fast selbstverständlich, dass man dadurch auch ein Dach über den Kopf hat für die nächsten Tage. Gerne nimmt man sich Zeit für Besucher und Freunde und alles andere rückt in den Hintergrund.

Ein Land mit viel Potential

Bolivien ist eines der an Bodenschätzen und fruchtbarer Erde reichsten Länder Südamerikas. Es gibt eine große Variation an Früchten, was das Herz gerne mal ein paar „Saltos hüpfen“ lässt. Dazu ist es noch gesegnet mit verschiedensten Klimazonen von kalt bis tropisch und mit unberührter Natur. Es kann schon fast in Frage gestellt werden, warum dieser großartige Fleck auf der Landkarte ein Entwicklungsland ist. Leider fehlt es an guter kostenloser Bildung, wodurch viele nicht wissen, wie sie mit ihren Schätzen umgehen können, was dann gerne gut gebildete Ausländer übernehmen. Es ist notwendig, vor Ort den Menschen zu helfen und sie auszubilden, um einen langfristigen Nutzen zu bewirken. Deshalb bin ich sehr froh und dankbar, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde, dieses Land und die Menschen dort ein wenig zu unterstützen.

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Aus dem Tal der Ahnungslosen



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 19. Juli 2017 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Florian, der ein Freiwilliges Jahr in Bolivien mit geistig und körperlich beeinträchtigten Menschen absolvierte.

Fast wie erwartet

Aus unserem Heimatland Deutschland ist man ja so manchen Luxus und geregelten Tagesablauf gewöhnt. Was mich in den ersten Tagen, Wochen und Monaten in Bolivien erwartete, war dagegn alles andere als geregelt und normal für mich. Offen für jegliche Herausforderungen, jedoch mit reichlich Erwartungen, kam ich mit meinen drei anderen Mitfreiwilligen am Flughafen unserer Stadt Santa Cruz de La Sierra zeitig am Morgen an. Der erste Tag in Südamerika. Nachdem unsere Mentoren uns pünktlich bei Ankunft unseres Fliegers abgeholt hatten, durften wir in unserem Projektstandort in Santa Cruz unser erstes Frühstück zu uns nehmen, welches nicht sehr reichhaltig und lecker war. So stellte sich mir die Frage, wie es erst im Dorf auf dem Land aussehen würde, wo sich der Hauptstandort unseres Projektes befindet. Ein Teil der Kultur durften wir direkt mit Beginn der Visumbeantragung erfahren. Ämter werden geöffnet und geschlossen, wie es gerade recht ist. Stundenlange Wartezeiten für eine Unterschrift oder ein Blick auf ein Zettelchen. Und für die Deutschen, die ja sowieso mehr Geld haben, gleich mal etwas mehr Geld verlangen.

Ein harter Brocken

Mit einem mit Nahrungsmitteln gefüllten Kleinbus starteten wir die zwei Stunden dauernde Fahrt bis in den Ort, wo wir für ein Jahr leben würden. Noch immer offen für alles, was auf uns zukommen sollte, sind wir in der Nacht im Projekt angekommen. Was wir von der Fahrt mitbekommen haben, war reichlich Verkehr, schlechte Straßen und das Hupen von jedem zweiten Auto. Es war dunkel und von der versprochenen schönen Landschaft noch nichts zu sehen. Dafür eine Überraschung als wir ankamen. Der Sternenhimmel über uns erstrahlte so kräftig, wie ich ihn noch nie gesehen hatte. Dies war der Punkt, an dem ich feststellte, ich befinde mich wirklich in einem Dorf, abgeschnitten von der Außenwelt in der Mitte Boliviens. Gerade kommt man aus dem deutschen gewohnten Luxus und wird wie eine Spielfigur in ein anderes Land gesetzt. Ohne die Sprache und die Menschen zu kennen. Unser Dorf stellte sich als einer der schönsten Orte heraus, die ich bisher gesehen hatte. Eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen, ein Ort, umgeben von Bergen, mit nahegelegenem Fluss.
Die ersten zehn Monate wuschen wir unsere Wäsche mit der Hand. Die einzige Stromquelle, die wir nutzen konnten, waren drei Solarpanel auf dem Dach. Es war Stromsparen angesagt. Zum Handy laden, was man eigentlich nicht benötigte, da es ja eh keinen Empfang gab, war der Strom ausreichend. Für mich waren die ersten Wochen nach der Ankunft kein großes Problem. Obwohl wir in der ersten Arbeitswoche in Bereiche eingespannt wurden, die für mich erstmal ein hartes Stück Brot waren, wie Patienten duschen und Windeln wechseln.

Ein unbeschriebenes Buch

Wie ich bald feststellte, ist das Projekt erst wenige Monate zuvor an diesen Standort gekommen, somit wurden die ersten zwei Monate nicht nur für die Freiwilligen, sondern auch für die Leiter ein Experiment. Erst nach drei Monaten haben wir aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse, zusammen mit unseren Leitern und einem Übersetzer, einen Arbeitsplan ausgearbeitet. Doch selbst dieser Arbeitsplan wurde noch einige Male geändert. Das größte Problem, welches ich wohl hatte, waren die mangelnden Sprachkenntnisse, was ich mir aber selbst zuschreiben konnzr. Ich fühlte mich in kürzester Zeit sehr wohl in meinem Projekt und war voll eingespannt in die schöne, doch ziemlich chaotische Arbeit. Ich würde behaupten, nach etwa acht Monaten haben wir alle zusammen ein gutes und funktionierendes Konzept der Arbeitsverteilung ausgearbeitet, in dem ich sehr viel Kontakt mit den Patienten führen durfte.

Lebensbereichernde Geschichten und Erfahrungen

Zu Beginn des Jahres befanden sich 21 Patienten und vier Freiwillige im Dorf. Die Anzahl der Patienten ist bis zum zehnten Monat reichlich gestiegen. Später hatten wir 36 Patienten und sieben Freiwillige mit stetig wachsender Anzahl. Jeder Patient bringt seine Geschichte mit. Das Reden mit den Patienten oder Aktivitäten mit den Patienten, wie Spiele spielen, sportliche Übungen mit Beinen und Armen, haben mich in dem ganzen Jahr viel begleitet. Es ist für mich unglaublich, diese Erfahrung zu machen, Menschen zuzuhören, die einfach gern erzählen wollen, da sie vorher niemanden hatten. Wir betreuen Menschen, die im Rollstuhl sitzen aufgrund Amputationen oder Unfällen, Menschen, die kein Augenlicht haben sowie geistig Beeinträchtigte, die auf der Straße lebten, meist auch mit Babys. Unser Projekt ist bis zu diesem Jahr das einzige Projekt seiner Art in Bolivien geblieben. Es gibt zahlreiche Kinderheime hier in Bolivien, jedoch nur ein Projekt, welches Menschen aufnimmt, die schon aus ihrem Kindes- oder Jugendalter heraus sind.

Unendliche Dankbarkeit

Mit der Hilfe Gottes, den zahlreichen Gebeten und den Freiwilligen von ADRA sowie Freiwilligen, die uns an Wochenenden helfen, haben wir die Möglichkeit jeden Tag drei Mahlzeiten für die Patienten zuzubereiten und ausreichend Kleidung und notwendige Medikamente sowie Hygieneartikel zur Verfügung zu stellen. Wir verfügen über einen großen Obst- sowie Gemüsegarten, in dem uns zu fast jeder Zeit Früchte und Gemüse geschenkt werden. Es macht mich glücklich, mit dem Traktor loszufahren, um Früchte für die kommende Woche zu holen und morgens den Garten zu gießen, um später Tomaten ernten zu können.

Dieses Freiwillige Jahr in Bolivien hat mir eine weitere große Familie geschenkt. Eine Familie aus allen Patienten und Freiwilligen, die man ungern loslässt. Ich bin unendlich froh, die Möglichkeit bekommen zu haben, mein Leben in dieser Weise zu prägen, mit den eigenen Händen helfen zu können und ein Land mit seiner Kultur kennenlernen zu dürften. Trotz einigen Problemchen, wie keinen Kontakt zu seiner Familie zu haben oder Tage ohne Strom zu erleben, konnte ich durch die Menschen und die Natur, täglich neue Kraft schöpfen und mein Freiwilliges Soziales Jahr mit „Adra weltwärts“ genießen.

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Die Liebe meines Lebens



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 12. Juli 2017 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der Freiwilligen Lena, die ein Freiwilliges Soziales Jahr in Sambia absolviert.

Die Entscheidung ein FSJ zu machen, stand schon lange fest für mich. Doch was es wirklich heißt, ein Jahr in einem fremden Land und einer fremden Kultur zu arbeiten und zu leben, war mir damals noch überhaupt nicht klar. Aber es ist unglaublich. Mein Leben hat sich komplett verändert, vom Schulalltag direkt nach Sambia in den Berufsalltag eines Hospizes. Und das Spannendste: Dieses Leben ist MEIN Leben geworden. Ich kann mir nicht einmal mehr vorstellen ein anderes zu führen.

Das Projekt, meine Arbeit und meine Familie

Ich arbeite im Projekt „Ranchhod Community Services & Hopice“ (RCSH) und dort direkt im Hospiz. Das Hospiz nimmt aber nicht nur Menschen auf, die auf Palliativpflege angewiesen sind, sondern wir behandeln auch Wunden (z.B. Druckgeschwüre), kurieren opportunistische Krankheiten von HIV, wie Tuberkulose, und geben älteren Menschen, um die sich niemand mehr kümmert, ein zu Hause.
Bei meiner Arbeit hier entdecke ich Krankheitsbilder, die mir in Deutschland wahrscheinlich niemals unterkommen würden und lerne, wie sie mit den begrenzten Ressourcen bewältigt werden können. Doch noch interessanter sind die Geschichten und Schicksale, die jeder Patient mit sich bringt und in die ich einen tiefen Einblick bekomme. HIV ist ein ganz großes Thema und prägt die Menschen hier und so auch ihr Leben. Natürlich ist es nicht immer einfach, diese Geschichten zu verarbeiten und auch mit dem Tod, der allgegenwärtig ist, umzugehen. Doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran und findet seinen Weg. Zudem sind die Mitarbeiter unseres Projektes wie eine große Familie, in die ich aufgenommen wurde, worüber ich unendlich dankbar bin. Der Zusammenhalt und der Umgang untereinander sind etwas ganz Besonderes und jeder Einzelne ist mir ans Herz gewachsen.

Der Ort, an dem einem Spaß und Liebe entgegenspringen

Neben dem Hospiz führt das Projekt RCSH auch ein Kinderzentrum für Kinder, die sehr arm sind und entweder ein oder beide Elternteile verloren haben. Hauptsächlich geht es darum, den Kindern zwei Mahlzeiten pro Tag zu ermöglichen, zusätzlich werden sie aber auch in einer Art Vorschule auf die Schule vorbereitet. Zu Festen, wie z.B. Weihnachten oder Ostern versuche ich immer mit den Kindern etwas ganz Besonderes zu machen und ihnen auch ein wenig unserer Kultur nahezubringen. Es ist wahnsinnig schön zu sehen, wie interessiert und offen sie sind, Neues zu lernen und wie viel Spaß es ihnen bereitet.

Hilfe, wo möglich

Über die Arbeit im Projekt hinaus unterstützt das RCSH auch noch Großmütter in den Armenvierteln, unterernährte Babys, Kinder in anderen Schulen und jeden, der dringend Hilfe benötigt. Das RCSH bietet Familienplanung an und führt HIV-Tests mit anschließender Beratung durch und unsere Mitarbeiter pflegen auch Leute daheim.

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Bilder im Kopf…



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Donnerstag, 06. Juli 2017 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der Freiwilligen Alwina, die für ein Jahr an der „Voice Secondary School“ in Tansania arbeitet.

Oha – was für ein Jahr das doch ist! Mit jedem einzelnen Tag sind nun tatsächlich elf Monate in einem anderen Land, ja sogar auf einem anderen Kontinent, zum Leben erwacht. Mit wahrlich unterirdischen Erwartungen machten meine Mitfreiwillige Beryl und ich uns auf nach Tansania. Noch daheim hat man sich selbst nicht erlaubt vorzustellen, wie dieses Jahr ablaufen würde. Und nun sitze ich hier, den Kopf voller Bilder – von Orten, Menschen und Momenten.

…von Orten

Verrückt. Da befindet man sich in seiner heimatlichen Umgebung und nach knapp 16 Stunden sieht die Welt auf einmal ganz anders aus. Kurz gesagt – ziemlich tansanisch. Unsere neue Heimat liegt mitten im Grünen. Usa River ist umgeben von alten, tiefverwurzelten Bäumen, frischen Maisfeldern und buntgetüpfelten Büschen. Kleine und große Flüsse, die sich wie Adern ihren Weg bahnen und in der Umgebung ergießen, verleihen diesem Ort seinen Puls. Wenn der Tag sich verabschiedet und die letzten Sonnenstrahlen ihren Auftritt haben, erblickt man eine wahre Schönheit – den Mount Meru. Ob von Wolken geziert oder durch die Sonne erleuchtet, dieser Berg ist für mich nicht mehr wegzudenken. Durch ein paar Abenteuer konnten wir die rotsandigen Steppen bis zum Horizont verfolgen, die Aussicht während einer Bergwanderung genießen, die weißpulvrigen Strände Sansibars entlangspazieren, das Usambaragebirge auf der Ladefläche eines Pickups hinunterrasen und uns mit Sonnenuntergängen am Viktoriasee beschenken lassen. Doch was wären all die vielen Orte ohne jemanden an der Seite zu haben.

…von Menschen

Beryl und ich sind gemeinsam an der „Voice Secondary School“ eingesetzt. Ein Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, denjenigen eine Stimme zu geben, die sonst vermutlich untergehen würden. Da wir die allerersten Freiwilligen in diesem Projekt sind, mussten wir erstmal klarkommen und schauen, was für Aufgaben wir uns suchen. Nun kann ich Kunstunterricht geben, in den Nachmittagen Theater und Poetry anbieten und in der Freizeit mit in der Küche helfen. Das Schulteam hat uns superherzlich aufgenommen und die Schüler – ja, sie sind der Grund weshalb man erst so richtig Lust auf den Unterricht hat. So oft bin nicht ich diejenige, die lehrt, sondern vielmehr diejenige, die von den Schülern gelehrt und inspiriert wird. Baba Daniel und Mama Pendo sind die Gründer der Schule und gleichzeitig auch unsere waschechte tansanische Familie, die uns mit allem umsorgt. Die kleinen Töchter Joy und Glory lassen keine Langeweile aufkommen und sind für jeden Spaß zu haben. Doch uns umgeben hier noch so viele mehr. Kinder, die von der Straße angelaufen kommen, uns an die Hand nehmen und ein Stückchen begleiten. Marktfrauen, dessen Rufe vom Straßenrand erhallen und die gerne mal zwei Tomaten mehr in die Tüte packen. Schneiderinnen, die nicht müde werden Änderungen vorzunehmen. Kleine Babys, die den Nachmittag versüßen. Köche, mit denen man lachen, schnibbeln und schweigen kann. Ein Schnitzer, der mit seiner rauen Art gerne Weisheiten teilt. Faltige Gesichter, die Bände sprechen. Fremde, die uns nicht als Fremde behandeln. Und mittendrin wir.

…von Momenten

Wir, die wir Momente erleben und sammeln dürfen. Jeden Tag aufs Neue, ob schöne oder weniger schöne. Wenn ich so durch meine Tagebücher (oja, Plural) blättere, wird mir bewusst, dass ich mir am liebsten ein Päckchen Tansania schnüren würde, um es mitzunehmen. Aber so läuft das nicht. Um dieses Jahr lässt sich keine Schleife binden. Vielmehr kann man sich die Augen öffnen lassen, um zu Träumen, ohne sich daran zu verlieren, um zu Tun, ohne das Stillstehen zu vergessen, und um zu Verstehen, ohne immer die passenden Worte finden.

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