ADRA Live! Weltwärts Quifd-Siegel

Ich beginne Sambia lieben zu lernen



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 10. Oktober 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht des Freiwilligen Joscha, der seit zwei Monaten ein Kinderheim in Sambia unterstützt.

Ohne Vorstellungen und ohne Erwartungen saß ich Anfang August im Flugzeug und habe versucht, mir auszumalen, wie ich das folgende Jahr erleben würde und was dieses Jahr mit mir macht. Dabei hatte ich nur sehr wenige Informationen über mein Einsatzland im Vorhinein gesammelt, da Erfahrungsberichte sehr rar zu finden sind, ich jedoch auch komplett unvoreingenommen an die neue Situation herangehen wollte. Da ich ein aufgeschlossener und neugieriger Mensch bin, dachte ich mir, werde ich mich an die neue Kultur schon gewöhnen. So kam es dann auch. Nach zwei Monaten in Sambia beginne ich nicht nur, mich an das Land zu gewöhnen, ich beginne, es lieben zu lernen.

Eine friedliche und gastfreundliche Kultur

Die sambische Kultur ist eine sehr offene, friedliche und gastfreundschaftliche Kultur. Die Unterschiede zur eher verschlossenen deutschen Mentalität werden sofort bewusst, wenn man sich in der Öffentlichkeit bewegt, beispielsweise auf den zahlreichen Märkten frisches Gemüse kauft. Man wird gefühlt von jedem Dritten begrüßt und in nette Unterhaltungen verwickelt, aus denen man oft viel mitnehmen kann. Natürlich fällt man als einer der wenigen Weißen in meiner neuen Heimatstadt mehr auf und viele haben auch die Absicht, mir etwas zu verkaufen. Dennoch gilt es in der sambischen Kultur als unfreundlich nicht zu grüßen. Wenn man auf eine Begrüßung nicht reagiert, könnten einige sogar denken, dass man mental nicht mehr ganz fit ist. Die Freude fällt dann natürlich groß aus, wenn ich meinen Gegenüber in der einheimischen Sprache Bemba begrüßen und ein paar Worte in seiner Sprache wechseln kann. „Mulishani“-„Bwino. Mulishani“ ist dann auch nicht so schwer zu lernen. Schwierig wird es dann aber, wenn ich mich in andere Regionen begebe, da es in Sambia 72 verschiedene Stämme mit eigener Sprache gibt.
Sehr inspirierende Unterhaltungen über Religion, das sambische Liebesleben und das allgemeine Lebensverständnis habe ich mit meinen gleichaltrigen Arbeitskollegen, die jetzt aber wieder ganztags in der Universität sind, und einigen anderen neuen Bekannten geführt.

Kinder sind eben Kinder!

Die Offenheit wurde mir auch im Projekt entgegengebracht. Direkt in der Nacht meiner Ankunft sollte ich Mr.Pat (Pàdraig Ò Fainìn), der Direktor von Sables Nua und der Organisation ZAMDA, und seine Frau Madam Ima treffen. Als ich aus dem Minibus gestiegen bin, wurde ich auch schon gleich von zehn Kindern umarmend begrüßt. Zeit für eine richtige Begrüßung gab es vorerst noch nicht, da mich das nette irische Ehepaar direkt in meine Unterkunft gebracht hat, dafür hatte ich die nächsten Wochen dann aber Zeit genug.
Da ich genau in den Ferien angekommen bin, hatte ich vier ruhige Wochen nur mit den circa 20 Jungs, die in Sables Nua dauerhaft untergebracht sind. Sie haben zum Teil keine Verwandten mehr, wo sie unterkommen können oder die Situation lässt es nicht zu, bei ihrer Familie untergebracht zu werden. Trotz dieser Umstände und prägenden Erlebnissen in sehr jungen Jahren sind die Jungs zum Großteil sehr aufgeschlossen und immer bereit für Spaß – Kinder sind eben Kinder!
Die Tage haben wir mit dem Bewässern des wunderschönen Schulgeländes (welches wie der Name „Nua“ (Neu) sagt, erst 3 Jahre alt ist) und zahlreichen sportlichen Aktivitäten verbracht. Begeistert waren die Kinder, als ich ihnen zeigte, wie man Papierflieger bastelt und wir anschließend einen Weitwurf-Wettbewerb veranstaltet haben. Zudem organisiert Mr. Pat Nachmittage bei nahegelegenen Swimmingpools und Judo Trainingseinheit für die Jungs, aber auch für die Mädchen aus der Schule.
Als die Schule wieder anfing, war auf dem Schulgelände mit 170 Schülerinnen und Schülern etwas mehr Trubel. Der Alltag änderte sich für mich in sofern, dass ich, nachdem alle Schüler ihr Frühstück zu sich genommen hatten und in den Klassen verschwunden waren, erst beim Geschirrspülen mithalf und danach noch mehr im eigenen Gemüsegarten arbeitete. In 18 Linien von mehr als 20 Meter Länge bauen wir Tomaten, Kohlrabi, Kohl, Zwiebeln und Spinat an, welche Mittags von allen und Abends von den Heimkindern als gesunde Beilage zu dem typischen Maisbrei Nshima gegessen werden.
Nach dem Mittagessen, beginnen für alle die Nachmittags-Aktivitäten. Neben sportlichen Aktivitäten wie Fußball, Basketball, Volleyball, Netzball, Tischtennis und Fitness wird auch viel Musik mit traditionellen Trommeln gespielt und dazu getanzt und gesungen.

Ich genieße jeden Tag mehr

Obwohl jetzt die warme Zeit beginnt und es von Tag zu Tag heißer wird, was Sport am Nachmittag sehr anstrengend macht, genieße ich jeden Tag mehr als den vorherigen. So langsam hat man sich an das Leben hier gewöhnt und einige Bekanntschaften gemacht, sodass es auch außerhalb der Arbeit im Projekt nie langweilig wird. Ich freue mich sehr, diese Möglichkeit eines Freiwilligen Dienstes wahrgenommen zu haben und bin gespannt auf die noch folgenden zehn Monate. Ich weiß jetzt schon, dass es mir der Abschied hier sehr schwer fallen wird und ich in den nächsten Monaten die Leute und das Land noch mehr ins Herz schließen werde!

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Ein Traum wird wahr!



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 19. September 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht des ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Michael über seine ersten Wochen in einem Kinderdorf in Bolivien.

Nach einer 23-stündigenAnreise kamen wir endlich und etwas erschöpft in Cochabamba an. Am Flughafen warteten bereits unser Mentor und der Dorfvater mit seiner Frau. Nachdem wir die nächsten Schritte besprochen hatten, fuhren wir in das Haus unseres Mentors, wo wir die nächsten zwei Wochen verbringen würden. Dieses Haus ist zwar im mediterranen Stil gebaut, jedoch erlebten wir den von uns bekannten deutschen Luxus.
Danach erst durften wir das echte bolivianische Leben im Kinderdorf erleben. In den ersten zwei Wochen konnten wir unter anderem die Großstadt kennenlernen, das Stadtleben miterleben, uns an den Straßenverkehr gewöhnen und alle Wege für unser Visum erledigen. Das Besondere am bolivianischen Straßenverkehr ist, dass es keine Fußgängerampeln gibt und einfach viele der uns bekannten Regeln fehlen. Wenn man als Fußgänger hier die Straße überqueren will, muss man stets warten bis die Autos Rot haben oder gar keine mehr angefahren kommen. Am besten rennt man zur seiner eigenen Sicherheit einfach über die Straße. Zwar gibt man oft Rücksicht aufeinander, aber bei den Geschwindigkeiten kann immer etwas passieren. Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, sollte man sich stets auf große Schlaglöcher, plötzliches Bremsen und hohe Geschwindigkeiten gefasst machen.

Willkommen!

So hatten wir uns gefühlt, als wir das erste Mal das Gelände des Kinderdorfes betreten hatten. Unser Kinderdorf liegt mitten im Regenwald und circa 30 Minuten vom nächsten Dorf mit Einkaufsmöglichkeiten entfernt. Bis zur nächsten Großstadt sind es drei Stunden mit dem Taxi durch den dichten Dschungel und es geht über knapp 5000 Meter hohe Berge.
Es gibt hier sehr viele Kinder, die in dem Arm genommen werden möchten oder einfach einer Umarmung bedürfen. So langsam lernt man auch nach und nach die Namen der Kinder und ihre Charakterzüge kennen. Offen und liebenswürdig sind sie hier allesamt! Am Anfang kommunizierte man mit ihnen in den wenigen Wörtern, die man in den drei Jahren Schule zuvor gelernt hatte, aber tagtäglich lernt man dutzende neue Wörter dazu. Und im Notfall kommuniziert man doch wieder mit Händen und Füßen 🙂
Englisch können nur eine Handvoll Leute und diese dann nur sehr wenig. Es gibt hier drei Mahlzeiten am Tag. Zwar haben alle etwas weniger Geld als in Deutschland, aber dafür ist das meiste auch dreimal billiger. Zu Essen gibt es täglich Reis, Bohnen und Bananen. An Bananen mangelt es wirklich nicht, obwohl momentan Winter in Bolivien ist. Das bedeutet, dass es vom Wetter her sehr wechselhaft ist mit Regen und Sonne bei 25 Grad Celsius und die Bananenernte derzeit sehr schlecht ausfällt, da es in den letzten Tagen auch mal unter 15 Grad Celsius war. Dennoch gibt es jeden Tag so viele Bananen.

Die Freude wächst – Die Tage vergehen!

Wir sind schon seit knapp sechs Wochen hier und fühlen uns schon wie richtige Bolivianer! Jeden Tag beginnt die Arbeit um 8:30 Uhr. Wer um 9 Uhr da ist, der ist mit der Zeit gut dabei. In den ersten Wochen hatten wir in der Schreinerei des Kinderdorfes gearbeitet und konnten schon einiges dazu lernen. Allgemein kann man hier jeden Tag etwas Neues entdecken und erleben, sei es das Brot backen in der örtlichen Bäckerei im Kinderdorf, diverse Früchte ernten, wie Bananen oder Avocado oder man sieht auch neue Insekten, Vögel oder irgendwelche Affenarten, die auf den Dächern der Stadt rumklettern.
Je länger man hier ist, desto dankbarer ist man für die Sachen, die man hier hat. Sei es warmes Wasser beziehungsweise überhaupt Wasser im Badezimmer oder auch ein Auto ohne richtig funktionierende Gangschaltung und Tachoanzeige, welches uns durch die steinigen Straßen und über die vielen Schlaglöcher sicher ins nächste Dorf bringen kann. Noch möchte ich auch noch gar nicht nach Hause, da es momentan sehr spannend ist! Für mich – trotz der Bescheidenheit hier – jeder Tag ein Geschenk, dass ich überhaupt hier sein kann und so viel neues Erleben darf!

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Am liebsten noch länger bleiben…



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 23. Mai 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Simone über ihre Arbeit im Kilimanjaro Orphanage Centre.

Das wünschen sich doch viele: Andere Länder sehen, neue Dinge erleben, etwas Besonderes tun. Ich habe die Möglichkeit bekommen, das zu tun und musste dabei feststellen, dass es manchmal doch herausfordernder und schwieriger ist, als ich gedacht hatte.

Leichte Startschwierigkeiten

Als wir am 12. August 2015 am Kilimanjaro Airport ankamen, waren wir voller Tatendrang und Energie. Ich hatte mich darauf eingestellt, an einer Schule mit Albinokindern zu arbeiten. Meiner Vorfreude wurde jedoch ein Dämpfer verpasst, als wir am nächsten Tag erfuhren, dass die Schule nichts davon wusste, dass Freiwillige kommen sollten. Für die ersten Wochen arbeiteten wir also erst einmal an einer anderen Schule, jedoch nur übergangsweise, bis wir schließlich doch an die Albinoschule konnten.

Wir waren dort die ersten Freiwilligen und so mussten wir zunächst mit der Direktorin und den Lehrern herausfinden, was Freiwillige überhaupt so machen. Es war schwierig Aufgaben für uns zu finden, für die es nicht schon jemanden gab. So verbrachten wir die meiste Zeit mit der Kindergartengruppe, wo wir gemeinsam mit den beiden Lehrerinnen die 6 Kinder unterrichteten. Nach wenigen Wochen wechselte ich dann an ein Waisenheim in Moshi, das gerne weitere Freiwillige hätte. Das ganze Hin und Her machte es mir immer wieder schwer, mich einzuleben und richtig anzukommen.

Das „Kilimanjaro Orphanage Centre“


Nun arbeite ich seit November 2015 im Kilimanjaro Orphanage Centre, zusammen mit derzeit drei anderen Freiwilligen.
In dem Heim wohnen derzeit 53 Kinder im Alter zwischen 4 und 17 Jahren. Nicht alle der Kinder sind tatsächlich Waisen. Einige kommen auch aus armen Familien, deren Eltern nicht genug Geld aufbringen können, sie zu versorgen oder aus anderweitig schwierigen Umständen.

Die älteren Kinder nehmen morgens um 6:30 Uhr den Bus zur Schule und kommen mittags um 17:00 Uhr wieder zurück. Dann essen sie und waschen ihre Schuluniform. Abends machen sie Hausaufgaben.

Bisher habe ich diese Kinder nur selten gesehen, da ich nicht in der Nähe des Heims gewohnt habe, sondern jeden Tag den Bus (Daladala) nehmen musste und somit nur im Heim war, wenn die meisten Kinder in der Schule waren. Denn tagsüber ist im Kilimanjaro Orphanage Vorschulunterricht für bedürftige Kinder aus der Nachbarschaft und auch Kinder aus anderen Waisenheimen.

Zusammen mit zwei der anderen Freiwilligen unterrichte ich die etwas größeren Vorschulkinder, während die Lehrerin die Kleineren unterrichtet. Außerdem helfen wir in der Küche und dabei, den Hof sauber zu halten bzw. wieder sauber zu machen.

Etwa gegen 11 Uhr gibt es in der Regel Uji. Das ist ein schleimiger Brei aus Reismehl, Maismehl, Zucker und  Wasser. Am Anfang mochte ich ihn überhaupt nicht, weil er so süß und schmierig ist, aber je öfters ich ihn gegessen habe, desto mehr mochte ich ihn. Inzwischen spiele ich schon mit dem Gedanken, mir auch in Deutschland zum Frühstück Uji zu machen. Den anderen Freiwilligen ging es ähnlich. Man gewöhnt sich halt an alles.

Der Unterricht geht bis zum Mittagessen, meistens um 1 Uhr. Zum Mittag gibt es entweder: Ugali (Maisbrei) mit Kohl oder Fischsuppe, Reis mit Bohnen oder Kohl, oder Makande (Mais und Bohnen). Sehr lecker!

Anschließend legen sich die Kinder bis 4 Uhr Nachmittags zum Mittagsschlaf hin und gehen danach nach Hause. In der Zeit bereite ich den Unterricht vor und räume das Chaos, das vom Unterricht übriggeblieben ist, auf.
Vor wenigen Tagen bin ich in eine Gastfamilie in der Nähe des Waisenheims umgezogen, um nicht nur den Tag mit den Vorschulkindern verbringen zu können, sondern auch den Nachmittag und Abend mit den Heimkindern.

Ich fühle mich hier richtig wohl!

Nun bin ich schon seit 9 Monaten hier und zwischendurch hab ich mir mal gewünscht wieder Zuhause zu sein, weil alles so anders gelaufen ist, als ich es erwartet habe und als ich es mir gewünscht hatte.
Dann gab es aber auch immer wieder Momente, in denen wir dachten, wir müssen wieder zurück nach Deutschland, da wir unglaublich viele Probleme mit dem Visum hatten und immer noch haben.

Nach so vielen Monaten fange ich jedoch langsam an, mich hier richtig wohl zu fühlen. Dabei sind es jetzt nur noch drei Monate und ich merke mehr und mehr, dass ich noch gar nicht zurück möchte. Lange Zeit kannte ich dieses Gefühl gar nicht und das Jahr kam mir scheinbar endlos vor, aber je näher das Ende kommt, desto mehr wünsche ich mir noch länger hier bleiben zu können!

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Mexiko: Ein Jahr, das sich lohnt



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 17. Mai 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Sandy über ihr Jahr in Mexiko.

Tortillas, Sombreros – Drogenkrieg und Mafia. Ein Jahr als Englischlehrerin in Mexiko. Wie aufregend!
Das und ein paar kleine Details waren alles, was ich von diesem Land vorher wusste.

Erste Eindrücke und Faszinationen

Als ich frisch auf dem Flughafen angekommen und daraufhin zu unserem Projekt gefahren bin, war ich schon ziemlich fasziniert von dem Chaos, den Häusern, einheimischen Gesichtern, Bananen-Plantagen, Bäumen und dem Klima. Alles war und ist einfach wortwörtlich eine komplett andere Welt!

Die Realität

Nun aber befand ich mich im Unterricht als Englischlehrerin auf der Unversität Linda Vista. Dort sollte ich der „Teacher“ für Mittel-, Oberstufe bis hin zur Universität sein. Mit ungefähr null Unterrichts-Erfahrung habe ich angefangen Klassen von bis zu vierzig Schülern zu unterrichten, die dabei aber mindestens genauso alt sind wie ich. Man könnte meinen, dass diese älteren Schüler die etwas Ruhigeren und Vernünftigeren wären, die interessierter und motivierter sind als die jüngeren. Pustekuchen! Nicht hier. „Finished class!“, heißt es oft. Gerade mit dieser Klasse voller „Clowns“ und auch manch anderen war es oft herausfordernd und anstrengend. Auch was die Kultur und die ganz andere, entspannte und spontane Lebensweise der Mexikaner angeht, musste ich mich erst daran gewöhnen.

Doch die Zeit vergeht, man schaut sich um und ich muss sagen, dass ich zu meinen Schülern sowas wie eine Beziehung aufbauen konnte. Mit meiner Studenten-Klasse gibt es keinen Unterricht, wo ich nicht mindestens einmal herzhaft mitlachen muss und es ist schön, sich mit Schülern auch über eigene Interessen austauschen zu können. Lehrer sein ist nicht immer leicht, aber es kann auch Spaß machen. Und wenn man den Menschen hier dadurch noch helfen kann, dann ergibt der Freiwilligendienst auch einen Sinn.

Linda Vista ist mein Zuhause geworden

Über neun Monate sind bereits vergangen und ich verbringe die Tage mitnichten nur im Klassenzimmer. Hier geht man zur Mensa, unterhält sich mit den Leuten, macht Sport, Musik, wird kreativ und macht bei Veranstaltungen der Uni sowie der Gemeinde mit. Hier ist immer etwas los. Und es ist einfach schade zu wissen, dass ich in nicht mal drei Monaten schon wieder gehen muss, nachdem ich mich hier so richtig eingelebt und noch mehr Lust bekommen habe, bei den verschiedenen Aktivitäten mitzumachen. Die Menschen auf dem Campus sind sehr nett und freundlich. Linda Vista ist wie ein zweites Zuhause für mich geworden und ich freue mich sagen zu können, dass ich diesen Ort wirklich lieb gewonnen habe.

Mexiko als Land ist mehr als nur Tortillas, Sombreros, Drogenkrieg oder Mafia. Zudem habe ich bis jetzt nicht nur Menschen helfen können, sondern auch viel über mich selbst gelernt und bin persönlich gewachsen. Deswegen bin ich dankbar und froh, dass ich durch ADRA die Möglichkeit bekommen habe, einen Freiwilligendienst in Mexiko auf der Universität Linda Vista machen zu dürfen und bin schon auf die restlichen Tage gespannt, die noch folgen werden.

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Every Child is a Vision of Hope



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 03. Mai 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Mona über ihre Arbeit mit Straßenkindern auf den Philippinen.

Das Projekt: Straßenkinder aus Manila

Das „Rose of Sharon House of Friendship“ ist eine Einrichtung in der Nähe Manilas, in der Straßenkinder im Alter von zwei bis achtzehn Jahren ein Zuhause finden. Sie wird von der „Visions of Hope Foundation“ finanziert. Matilda und ich sind nun seit neun Monaten als Freiwillige Teil des Mitarbeiterteams vor Ort und helfen so gut wir können, z. B. bieten wir eine Betreuung für die Kinder an. Besonders in den zwei Sommerferien-Monaten ist unser Tagesplan voll. Mal mit allen Kindern, mal in den kleineren Hausgruppen versuchen wir den Tag gemeinsam zu gestalten. Es wird gespielt, getanzt, gemalt oder im Wasser des hauseigenen Pools abgekühlt.

Neuerdings gibt es T-Shirts mit verschiedenen Motiven, die man erwerben kann, um die Foundation und damit auch das Leben und die Ausbildung der Kinder zu unterstützen. Auch die Mitarbeiter und wir als Freiwillige haben ein T-Shirt und tragen es einheitlich bei Veranstaltungen oder wenn Besucher kommen. Eines der T-Shirts trägt den Aufdruck: Every Child is a Vision of Hope.

Every Child

„Unsere“ Kinder kommen von der Straße. Sie haben Dinge durchgemacht, die ich mir kaum vorstellen kann. Sie haben schulische Probleme, können nicht lange still sitzen, wollen alles haben und können uns gegenüber auch mal recht aggressiv werden.
Auch wenn es scheint, als gäbe es wenig Hoffnung für ein Kind, das in den für die Entwicklung entscheidenden wichtigen ersten Jahren so viel negativ Prägendes durchgemacht hat, ist es doch immer eine Frage der eigenen Perspektive: Was sehe ich in diesem Kind? Sehe ich seine Vergangenheit oder seine Zukunft?

Vision of Hope

Im normalen Schulalltag kann nicht alles gefördert werden, was in den Kindern positiv angelegt ist. Dazu reichen die Mittel nicht aus und es gibt zu wenig qualifizierte Lehrkräfte. Auf den Philippinen befinden wir uns in einem Entwicklungsland, dessen Schul- und Bildungswesen nicht mit dem deutschen vergleichbar ist.
In der Zukunft dieser Kinder aber sehe ich Hoffnung: Hoffnung auf ein besseres Leben. Hoffnung auf eine gute Ausbildung mit Aussichten auf einen festen Job. Hoffnung, es eines Tages einmal besser machen zu können als die eigenen Eltern.
Hier im „Rose of Sharon House“ pflanzen und sähen wir diese Hoffnung in den Kindern. Wir fördern ihr Können und ihre Talente, denn sie sind kreativ, neugierig, wissbegierig, voller Energie und noch so vieles mehr.

Weltwärts, ADRA Live und wir Freiwillige

Dank ADRA Live und dem Weltwärts-Programm haben Matilda und ich als Freiwillige die Möglichkeit, mit unserem After-School-Program ein Jahr lang den Kindern zugewandte Betreuung und gute, gemeinsame Erfahrungen zu vermitteln, die ihnen kindgerechte Erlebnisse bieten und ihre Talente positiv ausbauen. Obwohl wir selbst gerade erst die Schule beendet haben, bringen wir dennoch Erfahrungen aus unserer eigenen Kindergarten- und Schulzeit mit.
Durch Spenden aus Deutschland haben wir viele Spiele und kindgerechtes Material zur Verfügung gestellt bekommen. Das kannten und hatten die Kinder in dieser Form vorher gar nicht. Mit Hilfe kreativer Bastel- und Malangebote versuchen wir, Konzentration und Kreativität zu fördern. Beim Tanzspiel haben wir viel Spaß gemeinsam – genauso, wie das gemeinsame Backen zugleich Spaß, Verantwortung und ein (leckeres) Erfolgserlebnis bietet. Wir geben den Kindern Raum, sich zu entwickeln und zu entfalten.
Wenn man sieht, welche Fortschritte unsere Kinder in diesen neun Monaten gemacht haben, ist es die Anstrengungen und Mühe wert. Obwohl es für uns manchmal kleine Dinge sind – unsere Zeit und Aufmerksamkeit für wenige Minuten – bedeutet es den Kindern sehr viel.

Meine Erfahrung, meine Hoffnung

Die Arbeit ist für uns nicht immer einfach und bleibt eine tägliche Herausforderung. Aber jedes einzelne Kind hier ist für mich ein lebendiges Zeichen der Hoffnung – der Hoffnung auf ein besseres Leben. Ich erwarte und hoffe, dass dieses eine Jahr meines Lebens, das ich hier für die Kinder investiere, für sie und ihre nächsten Jahre positiv prägend sein wird.
Zugleich ist es prägend für mich selbst. Ich lerne zu schätzen, was ich habe, und lerne dankbar zu sein. Es ist ein Privileg, in Deutschland in eine liebende Familie hinein geboren zu sein, eine gute Schulausbildung zu haben und sich frei für ein Studium und einen Beruf entscheiden zu können.
Die Kinder im „Rose of Sharon House“ wachsen ohne ihre Eltern und Bezugspersonen auf. Sie haben nicht viele Menschen, die ihr Leben beständig begleiten, sie bestärken, ihnen Orientierung sind, sich mit Liebe und Zuneigung ihnen zuwenden. Die Mitarbeiter und wir versuchen unser Bestes, den Kindern diese fehlende Wertschätzung auf ihrem Lebensweg mitzugeben.

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In der Ruhe liegt die Kraft



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 27. April 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht des ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Jannis über seinen Freiwilliendienst an einer Grundschule in Costa Rica.

„Ein ganzes Jahr?“ – Das ist die Reaktion die ich meistens bekomme, wenn ich von Urlaubern gefragt werde wie lange ich in Costa Rica bleibe. Ich konnte es am Anfang auch nicht fassen.

Costa Rica, „die reiche Küste“, ist nun seit 8 Monaten mein Zuhause. Wo andere Urlaub machen, habe ich das Vergnügen meinen Freiwilligendienst zu leisten. Quasi direkt nach dem Abi ging es für mich nicht nur auf die andere Seite der Welt, sondern auch auf die andere Seite des Klassenzimmers. Ich arbeite nämlich in einer adventistischen Grundschule als Lehrer für Science, Englisch, Musik und Deutsch. Mit buchstäblich Null Erfahrung als Lehrer plötzlich vor einer Klasse zu stehen, war zu Beginn natürlich eine Herausforderung. Ich habe zwar 12 Jahre lang Lehrern im Unterricht zugeguckt, aber selber zu unterrichten ist noch einmal eine ganz andere Sache. Aber an Herausforderungen wächst man bekanntlich.

Unterricht mit Hindernissen

Leider ist Disziplin hier anders als in deutschen Grundschulen. Neben dem Unterrichten muss ich auch dauerhaft die Kinder davon abhalten, herumzulaufen, sich auf den Boden zu legen, ihre Nachbarn zu ärgern oder Zahnpasta aus der Tube zu naschen. Nicht immer leicht. Zum Glück habe ich nur maximal 7 Kinder in einer Klasse, trotzdem kann das schon mal echt anstrengend sein.

Nach 8 Monaten hat sich allerdings einiges eingespielt. Inzwischen habe ich selbst ein wenig Erfahrung als Lehrer. Die Anforderungen an mich selbst habe ich etwas heruntergeschraubt und nun akzeptiere ich auch einen bestimmten Anteil von Chaos in meinem Unterricht. Den kann ich nämlich nicht verhindern und so ist es gleich viel weniger stressig.
Damit bin ich auch der Lebensweise der Ticos (Costa Ricaner) näher gekommen, die leben nämlich mit vollster Stressvermeidung. Pünktlichkeit verursacht nur Stress, also weg damit. Schule ist gerade ein bisschen zu viel? Dann machen wir morgen einfach frei. Das ist der Tico-Lifestyle.

Auf Spanisch bitte

Costa Rica liegt in Lateinamerika, man spricht also Spanisch. Am Anfang kannt ich auf Spanisch nur „Vamos a la playa“, inzwischen läuft das allerdings besser. Ich unterrichte meistens auf Spanisch und da man den ganzen Tag mit Spanisch umgeben ist, lernt man das fast wie von selbst. Zu Beginn hat man natürlich noch mehr gelernt, aber trotzdem müssen mir meine Schüler noch ab und zu auf die Sprünge helfen. So bringe ich denen den Stoff bei und sie mir Spanisch. Wir helfen uns gegenseitig.
Es sprechen auch leider viele Leute Englisch. Warum leider? Wenn ich mein Spanisch üben will und jemanden auf Spanisch anspreche, brauchen die keine zwei Sätze um zu begreifen, dass ich eigentlich nur begrenzt Spanisch spreche. Also sind sie so nett und antworten auf Englisch. Danke, aber nein Danke, ich würde doch viel lieber Spanisch reden.
Wenn dann jedoch Einheimische im vollen Tico-Tempo mit mir reden wollen, verstehe ich auch nur Bahnhof.

Bis jetzt hatte ich eine echt tolle Zeit hier und ich freue mich auf die Zeit, die ich noch vor mir habe. Ich weiß schon, dass ich die Kinder vermissen werde, wenn ich wieder nach Hause fliege, aber so ist das leider. Bis dahin werde ich mein Bestes geben ein guter Lehrer zu sein.

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Ein Schritt ins Ungewisse



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 05. April 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Paula, die in Bulgarien ihren Freiwilligendienst macht.

Als ich mich vor knapp einem Jahr dafür entschied nach Bulgarien zu gehen, wusste ich nicht, was mich erwartet. Ich hatte keine Vorstellung vom Land, nur eine grobe Ahnung, was genau ich in meinem Projekt machen werde und die oft gestellte Frage „Aber warum denn Bulgarien?!“ konnte ich mir selbst nicht wirklich beantworten. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es das Richtige ist und stand ohne wirkliche Begründung voll hinter meiner Entscheidung. Und das habe ich in mittlerweile sieben Monaten im Projekt auch noch keinen Tag bereut!

So nah und doch so anders

Anders als die meisten meiner Mitfreiwilligen verbringe ich die Zeit meines Freiwilligendienstes nicht am anderen Ende der Welt. Man könnte vielleicht gerade so vom anderen Ende Europas sprechen. Mit dem Flieger könnte ich in etwas mehr als zwei Stunden wieder Zuhause sein. Bulgarien ist kein Entwicklungsland, trotzdem ist vieles anders. Obwohl Sofia sich auf den ersten Blick nicht großartig von einer normalen deutschen Großstadt unterscheidet, fällt bei genauerem Hinsehen doch immer wieder auf, dass man sich im ärmsten Land der EU Mitgliedsstaaten befindet. Löhne und der Lebensstandard sind generell niedriger und unfertige oder halb verfallene, aber trotzdem bewohnte Häuser sind keine Seltenheit, nicht nur in den Randbezirken. Die Kultur und generelle Einstellung sind zwar prinzipiell europäisch geprägt, dennoch musste ich mich erst daran gewöhnen, dass alles etwas langsamer, entspannter und spontaner von Statten geht als Zuhause. Auch einige Probleme, wie zum Beispiel die Einstellung der Bevölkerung den lokalen Roma gegenüber, wurden schnell deutlich.

Für mehr Akzeptanz und Toleranz

Das ist der Punkt, an dem mein Projekt ansetzt. Unter dem Titel „Young people for tolerance“ arbeiten wir mit Kindern und Jugendlichen in Schulen, Jugendzentren oder auch mal an der Universität. Themen wie Menschenrechte, Diskriminierung und Toleranz stehen hier in den Schulen nicht unbedingt auf dem Lehrplan und müssen daher von außerhalb kommen. Mit spielerischen Workshops versuchen wir Interesse daran zu wecken, zum Nachdenken anzuregen und weit verbreitete Vorurteile zu hinterfragen.
Leicht ist das nicht immer. Interesse von den Schülern ist selten von vornherein gegeben. Verständigungsprobleme sind keine Seltenheit und auf einmal vor einer Klasse zu stehen, statt mittendrin zu sitzen, immer noch ungewohnt für mich. Oft sind nur drei bis vier Kinder aktiv dabei und dann meistens auch eher aktiv gegen das, was wir vermitteln wollen. Doch wenn zwei dieser Kinder am Ende der Stunde nach vorne kommen, fragen wann wir wiederkommen oder einräumen, dass die Vorurteile und Stereotypen möglicherweise nicht auf alle Roma oder Flüchtlinge zutreffen und man über einiges noch ein bißchen nachdenken könnte, weiß ich, dass es nicht umsonst war.

Ich bin angekommen

Ich habe Bulgarien in den letzten sieben Monaten als ein Land voller Kontraste, mit einer wunderschönen, völlig unterschätzten Natur und viel mehr jungen Freiwilligen aus ganz Europa als ich jemals gedacht hätte, erlebt. Ich durfte unglaublich viele neue Erfahrungen sammeln, schätze auch den nicht immer spannenden Büroteil meiner Arbeit und kämpfe mit der Aussprache der praktisch nur aus Konsonanten bestehenden, bulgarischen Wörter. Ich kann immer noch nicht glauben, wie schnell die ersten sieben Monate vergangen sind und freue mich auf die nächsten vier. In einem Land, von dem ich vor einem Jahr nicht einmal genau wusste, wo es liegt und einem Projekt, über das ich kaum mehr wusste, als dass es etwas mit Kindern zu tun hat und auch Büroarbeit enthält, habe ich wirklich das Gefühl angekommen zu sein.

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Regen bringt Segen



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Donnerstag, 17. März 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Mirka, die ein Jahr in Sambia lebt und in einem Hospiz arbeitet.

In Sambia ist gerade Regenzeit. Land und Leute freuen sich, dass die Temperaturen etwas sinken, das Land fruchtbar wird, Vorräte aufgefüllt werden können und Stauseen zur Stromerzeugung sich füllen.

Regen beherrscht die Tage

Morgens um 7 Uhr.  Beim Anschalten des Wasserkochers stelle ich fest, es ist Stromausfall. Verdammt ich werde es nie lernen, dass jeden Tag für 8 Stunden nach einem festen Plan der Strom abgeschaltet wird. Viel Regen wird den Stausee hoffentlich bald mit genug Wasser füllen, um Sambia und seine Nachbarländer mit Strom zu versorgen. Also gibt’s heute keinen Kaffee☹
Beim Zähneputzen fällt mir auf, dass der Wasserdruck sehr niedrig ist, da die Pumpe, die unser Wasser aus dem Bohrloch in den Tank pumpt elektronisch funktioniert. Ich bin aber froh, dass überhaupt noch Wasser aus dem Hahn kommt und ich noch schnell meine Trinkflasche füllen kann.
Mit Regenjacke im Gepäck verlasse ich mit meinem Mountainbike unser nobles Grundstück. Der Regen hat die Landschaft sehr grün gemacht. Das Gras sprießt hoch, so dass man die kleinen Lehmhäuser der Einheimischen teilweise kaum mehr sieht. Schon früh am Morgen sieht man Männer mit Sicheln sich durch das hohe Gestrüpp kämpfen und das Gras bearbeiten. Überall wächst Mais. Fast jede Familie baut um ihr Haus oder auf kleinen Farmen zur Regenzeit Mais an. Dieser wird zu Maismehl verarbeitet um Nshima (Maisbrei) zuzubereiten. Dies ist das Hauptnahrungsmittel hier in Sambia. Er wird bis zu drei Mal am Tag gekocht und mit Blattgemüse, Bohnen, Hühnchen, Erdnüssen, Ei, Fisch, Raupen oder Ratten gegessen

Auf der Straße treffe ich auf viele Fußgänger und Radfahrer, die teilweise mit dicken Jacken, Mützen und Handschuhen bekleidet sind. Für sambische Verhältnisse ist es bei 20 Grad kühl. Die Sonne scheint. Mir begegnen Frauen in bunter Kleidung mit Körben voller Obst, Gemüse, Frittas (frittierte Teigteile) oder anderen Gütern auf dem Kopf. Kinder werden in Chitenge (Stoffen) auf den Rücken gebunden. Hühner werden in Plastiktüten transportiert. Kinder laufen teilweise weite Strecken in Schuluniformen zur Schule. Radfahrer kämpfen sich mit schweren Lasten, wie Ziegen, Schweinen, mehreren Kisten voller Tomaten, riesigen Säcken mit Holzkohle über die lehmigen und schlammigen Straßen, die voller Pfützen und Schlammlöchern sind. Autos sind braun gesprenkelt vom Schlamm.

Regen macht gesellig!

Angekommen im Hospiz, in dem ich arbeite, werde ich zunächst von den Kindern aus der Vorschule nebenan herzlich mit Umarmungen begrüßt. Wir pfegen im Hospiz hauptsächlich an HIV/AIDS erkrankte Menschen. Viele sind an schwerwiegenden Infektionen erkrankt, wie z.B Tuberkulose. Viele Patienten haben ihre HIV Medikamente abgesetzt und leiden jetzt an den Auswirkungen. Ebenso betreuen wir auch Kinder mit starker Unterernährung. Meine Aufgabe ist es, mich um die Patienten zu kümmern. Als Krankenschwester pflege ich die Patienten und sorge für ihr Wohlbefinden, soweit es mir möglich ist. Das Team besteht aus Krankenschwestern und Pflegehelfern. Alle arbeiten als Volontäre und bekommen ein geringes Taschengeld.

Gegen Nachmittag ziehen dunkle Wolken auf, es grummelt und blitzt in der Ferne. Eine frische Brise kommt auf. Regen kündigt sich an und schon geht es los. Schnell holen wir unsere Patienten rein die zuvor draußen saßen und etwas frische Luft genossen haben.  Es schüttet wie aus Eimern, die Welt steht still. Jeder bleibt wo er ist und es heißt warten. Meistens aber nicht lange. Termine werden verschoben bis der Regen aufhört, niemand verlässt seinen trockenen Ort.

Auf dem Rückweg von der Arbeit gegen 17 Uhr nieselt es noch etwas. Kinder spielen und baden lautstark kreischend in den Pfützen. Frauen tragen Plastiktüten auf dem Kopf um ihre Kunsthaare vor dem Regen zu schützen. Ich bin nach fünf Metern braun mit Schlamm besprenkelt. Zuhause angekommen gönne ich mir zu meiner größten Zufriedenheit eine warme Dusche und einen schönen Instant-Kaffee. Ich bin froh, dass ich das Privileg habe, diesen Luxus zu genießen. Ich denke an viele meiner Kollegen und all die Leute hier, die nun in ihren  Lehmhütten mit leckenden Dächern und überschwemmten Böden ohne fließend Wasser und Strom sitzen. Sie haben alle ihre Gefäße zusammen gesucht, um das Regenwasser zum Waschen und Duschen aufzufangen.

Ganz anders als in Deutschland, wird hier der Alltag der Einheimischen und auch mein Alltag vom Wetter regiert. Für mich ist es eine neue und interessante Erfahrung auf genügend Regen angewiesen zu sein, aber auch die Schwierigkeiten die dieser bringt im Alltag zu bewältigen.

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Ein Leben, so ganz anders als gewohnt



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 02. März 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht des ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Maxi, der ein Jahr auf den Philippinen lebt und arbeitet.

Seit ich hier auf den Philippinen bin, habe ich gemerkt wie klein die Welt doch war, in der ich zuvor gelebt habe. Ich glaube jeder kennt den Spruch: „Andere Länder, andere Sitten“. Aber so richtig nachvollziehen kann man das erst, wenn man es selbst am eigenen Körper erlebt hat. Es wird einem bewusst, dass in anderen Ländern viele Dinge einfach anders gemacht werden. Auf einmal wird einem klar, für wie selbstverständlich man fließendes Wasser oder permanenten Strom gehalten hat.

Nichtsdestotrotz bietet ein solches Jahr im Ausland eine unvorhersehbare Anzahl an schönen Eindrücken und aufregenden Erfahrungen. Ich bin jetzt seit fast 7 Monaten hier und habe so viele Eindrücke gesammelt, wie mein ganzes Leben zuvor noch nicht. Zudem sind die Philippinen, in die ich entsendet wurde, ein sehr schönes und naturnahes Land. Der Campus, auf dem ich lebe, liegt etwas entfernt von der nächsten Stadt. Dafür habe ich das schönste Panoramabild, was man sich nur vorstellen kann. Das Gelände ist auf zwei Seiten von Bergen umschlossen, was besonders schön in der Abenddämmerung zur Geltung kommt.

Mein Tagesablauf

Mein Tag beginnt um 6:00 Uhr mit dem Frühstück. Es gibt zu jeder Mahlzeit am Tag Reis zu essen, was am Anfang eine ganz schöne Umgewöhnung erforderte. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Um 7:00 Uhr startet dann der offizielle Tag, mit einer morgendlichen Andacht.
Nach dieser Andachtszeit habe ich ungefähr 1½ Stunden Zeit, um mich auf meinen Unterricht vorzubereiten. Der Großteil der Jungen, die zwischen 9 und 21 Jahren alt sind, geht auf öffentliche Schulen. Nur einige wenige werden auf unserem Campus unterrichtet. Meine Unterrichtszeit ist von 9:30 Uhr bis 11:30 Uhr. In dieser Zeit unterrichte ich die Kinder in Englisch und Mathe. Manchmal kann das Unterrichten recht anstrengend sein, doch wir haben immer viel zu Lachen und deswegen verfliegt die Zeit jeden Tag wie im Flug. Danach gibt es Mittagessen und nach dem Essen eine Mittagspause. Es ist das ganze Jahr über sehr warm auf den Philippinen, weswegen jeder mittags Siesta macht. Am Nachmittag wird dann im Gemüsegarten gearbeitet. Danach ist Hausaufgabenbetreuung für diejenigen Schüler angesagt, die auf öffentliche Schulen geschickt werden. Vor dem Abendbrot ist schließlich noch Zeit für sportliche Aktivitäten, wie Fußball, Volleyball oder Basketball. Nach dem Abendessen werden Karten oder Schach gespielt. Auch Spiele wie Uno oder Ligretto werden fast jeden Abend herausgeholt.

Meine außerschulischen Aktivitäten

An Wochenenden unternehme ich mit den Mitarbeitern, die auch auf dem Campus leben, häufiger Aktivitäten. Ich werde oft zum Essen eingeladen, was meiner Figur nicht so gefällt, dafür aber meinem Magen. Es schmeckt immer sehr lecker. Manchmal werde ich auch zu Mitarbeitern nach Hause eingeladen, wo das Essen immer besonders gut schmeckt. Man kann dann sehen, wie die Mitarbeiter so leben. Ich habe auch schon einmal den Bürgermeister, von einem Teil der Hauptinsel der Philippinen, kennengelernt. Er war sehr freundlich, so wie fast jeder in den Philippinen.

Ich bin der Meinung, dass jeder in seinem Leben, einmal eine solche Erfahrung machen „muss“. Es kann sehr hart sein, so weit von seiner Familie und seinen Freunden entfernt zu sein, aber die Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe, werden mich definitiv mein ganzes Leben begleiten. Ich bin sehr zufrieden mit dem Projekt, in das ich gekommen bin. Es tut gut, eine andere Kultur zu erleben und neue Freunde zu finden, die ganz anders sind als man selbst.

 

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„Ich habe das Gefühl wirklich am richtigen Ort zu sein…“



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 23. Februar 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Hannah, die sechs Mädchen im Kinderheim „El Sauce“ in Bolivien betreut.

Es ist morgens halb sechs, die Sonne ist noch nicht aufgegangen und die wunderschöne Berglandschaft, die uns umgibt, liegt noch im Nebel. Wahrscheinlich ist es trotzdem jetzt schon wärmer als zurzeit tagsüber in Deutschland. Das einzige was ich jedoch bewusst wahrnehme, ist das verschlafene Grunzen meiner Mitfreiwilligen, das mir zu verstehen gibt, dass ich die Kinder aufwecken soll. Ein neuer Tag beginnt. Ein Tag der wie immer mit müden Kindern anfängt, die ich jetzt irgendwie motivieren muss schnellstmöglich aufzustehen, damit die nächsten Programmpunkte reibungslos ablaufen: gemeinsame Andacht, Morgensport, Frühstück. Danach Schulsachen packen, Bett machen, den verlorenen Schuh suchen, die schon fertigen Mädchen frisieren, Abschiedsküsschen und ab in die Schule. Jetzt herrscht erst einmal Ruhe… und ich habe Zeit mich und mein Haus vorzustellen.

Ein neues Heim für vernachlässigte Kinder

Ich heiße Hannah, bin 18 Jahre alt und nach meinem Abi mit zwei weiteren Freiwilligen nach Bolivien geflogen, um in einem Heim für ehemalige Straßenjungen in Santa Cruz zu arbeiten. Hier angekommen existierte von dem Heim nur das Haus, das erst einmal renoviert werden musste. Und so wechselten wir nach drei Monaten nach Samaipata, in das Kinderheim „El Sauce“. Hier sind wir für sechs Mädchen im Alter von sechs bis sechzehn Jahren verantwortlich. Wenn ich beschreiben soll, was meine Aufgaben sind, dann sage ich meistens, dass die Person sich einfach vorstellen soll, was ihre Mutter tut. Unser Job ist es mit den Kindern zu leben. Wir erfüllen ihre Grundbedürfnisse, doch da ist so viel mehr… Alle diese Kinder wurden von der Regierung aus ihren Familien genommen, sei es weil teilweise die ganze Familie alkoholabhängig war oder weil die Kinder missbraucht wurden. Jedes Kind hat seine eigene Geschichte und so braucht auch jedes ein unterschiedliches Maß an Aufmerksamkeit. Was sie jedoch alle brauchen ist Liebe. Wir versuchen ihnen diese durch zuhören, helfen, aber auch durch Regeln und Grenzen zu zeigen, insgesamt also ein schönes Heim zu bieten.

Kreativität, Spiel & Spaß

Das mit dem schönen Heim gelingt oft gut, wir sind kreativ, basteln Karten, haben diverse Traditionen erfunden, wie einen Tag in der Woche eine „room competition“ zu machen, bei der jeder sein Zimmer aufräumen und schön machen muss und dann gemeinsam Punkte vergeben werden. Sonntags spazieren wir ins vierzig Minuten entfernte Dorf und essen eine Empanada (typisch bolivianische Teigtaschen mit Käse die so unglaublich fettig und lecker sind), laufen über den Markt oder setzen uns auf die „Plaza“.

Ein weiteres Highlight war die Prinzessinnen Party einen Monat zuvor: alle Mädchen des Heims waren eingeladen sich in Schale zu werfen und in das „Schloss auf dem Berg“ zu kommen. Neben einem tollen Essen gab es ein Spieleprogramm, bei dem immer zwei Gruppen in Eigenschaften einer Prinzessin gegeneinander antreten musste. Ein Beispiel: Um euren Prinzen von euch zu überzeugen, müsst ihr selbstbewusst und wie eine Dame euren Weg gehen. Nehmt ein Buch, legt es euch auf den Kopf und versucht so schnell und grazil wie möglich den folgenden Parcour zu durchqueren. Aber Vorsicht! Auf dem Boden liegen Rosen, die ihr einsammeln und mitnehmen müsst!

Immer wieder neue Herausforderungen

Alles in allem ist es ein weiter und nicht immer ganz klar definierter Aufgabenbereich. So waren wir beispielsweise an einem Sabbat in der Gemeinde und es stand die Sabbatschule an. Leider war der Leiter nicht da und so musste spontan jemand die Gruppe übernehmen. Und wer würde sich da besser anbieten, als eine deutsche Freiwillige, die grade erst Spanisch gelernt hat? So stellen sich mir immer wieder Herausforderungen. Sei es vegan zu kochen, ein Mädchen zu trösten, das ihre Eltern vermisst oder drei Tage lang ohne fließendes Wasser zu leben.
Die größte Herausforderung für mich persönlich ist jedoch der Gedanke, dass diese Kinder wirklich niemanden haben, der die Liebe ihrer Eltern ersetzen kann und wir sie lediglich einen Teil ihres Lebens begleiten und ihnen einen guten Weg zu leben zeigen können.
Doch in diesen Situationen durfte ich erfahren, dass Gott tatsächlich da ist und hilft. Wenn ein Kind seinen Kopf in meinen Schoß legt und mir sagt, das es nicht will, dass ich gehe oder ein anderes zum ersten mal alleine betet und dabei nicht „Dios“ (Gott), sondern „Josh“ (den Freiwilligen aus dem Jungshaus) zur Andacht einlädt, dann wird mein Herz ganz weit und ich habe das Gefühl wirklich am richtigen Ort zu sein und einen Unterschied zu machen.

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