ADRA Live! Weltwärts Quifd-Siegel

Mexiko: Ein Jahr, das sich lohnt



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 17. Mai 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Sandy über ihr Jahr in Mexiko.

Tortillas, Sombreros – Drogenkrieg und Mafia. Ein Jahr als Englischlehrerin in Mexiko. Wie aufregend!
Das und ein paar kleine Details waren alles, was ich von diesem Land vorher wusste.

Erste Eindrücke und Faszinationen

Als ich frisch auf dem Flughafen angekommen und daraufhin zu unserem Projekt gefahren bin, war ich schon ziemlich fasziniert von dem Chaos, den Häusern, einheimischen Gesichtern, Bananen-Plantagen, Bäumen und dem Klima. Alles war und ist einfach wortwörtlich eine komplett andere Welt!

Die Realität

Nun aber befand ich mich im Unterricht als Englischlehrerin auf der Unversität Linda Vista. Dort sollte ich der „Teacher“ für Mittel-, Oberstufe bis hin zur Universität sein. Mit ungefähr null Unterrichts-Erfahrung habe ich angefangen Klassen von bis zu vierzig Schülern zu unterrichten, die dabei aber mindestens genauso alt sind wie ich. Man könnte meinen, dass diese älteren Schüler die etwas Ruhigeren und Vernünftigeren wären, die interessierter und motivierter sind als die jüngeren. Pustekuchen! Nicht hier. „Finished class!“, heißt es oft. Gerade mit dieser Klasse voller „Clowns“ und auch manch anderen war es oft herausfordernd und anstrengend. Auch was die Kultur und die ganz andere, entspannte und spontane Lebensweise der Mexikaner angeht, musste ich mich erst daran gewöhnen.

Doch die Zeit vergeht, man schaut sich um und ich muss sagen, dass ich zu meinen Schülern sowas wie eine Beziehung aufbauen konnte. Mit meiner Studenten-Klasse gibt es keinen Unterricht, wo ich nicht mindestens einmal herzhaft mitlachen muss und es ist schön, sich mit Schülern auch über eigene Interessen austauschen zu können. Lehrer sein ist nicht immer leicht, aber es kann auch Spaß machen. Und wenn man den Menschen hier dadurch noch helfen kann, dann ergibt der Freiwilligendienst auch einen Sinn.

Linda Vista ist mein Zuhause geworden

Über neun Monate sind bereits vergangen und ich verbringe die Tage mitnichten nur im Klassenzimmer. Hier geht man zur Mensa, unterhält sich mit den Leuten, macht Sport, Musik, wird kreativ und macht bei Veranstaltungen der Uni sowie der Gemeinde mit. Hier ist immer etwas los. Und es ist einfach schade zu wissen, dass ich in nicht mal drei Monaten schon wieder gehen muss, nachdem ich mich hier so richtig eingelebt und noch mehr Lust bekommen habe, bei den verschiedenen Aktivitäten mitzumachen. Die Menschen auf dem Campus sind sehr nett und freundlich. Linda Vista ist wie ein zweites Zuhause für mich geworden und ich freue mich sagen zu können, dass ich diesen Ort wirklich lieb gewonnen habe.

Mexiko als Land ist mehr als nur Tortillas, Sombreros, Drogenkrieg oder Mafia. Zudem habe ich bis jetzt nicht nur Menschen helfen können, sondern auch viel über mich selbst gelernt und bin persönlich gewachsen. Deswegen bin ich dankbar und froh, dass ich durch ADRA die Möglichkeit bekommen habe, einen Freiwilligendienst in Mexiko auf der Universität Linda Vista machen zu dürfen und bin schon auf die restlichen Tage gespannt, die noch folgen werden.

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Every Child is a Vision of Hope



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 03. Mai 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Mona über ihre Arbeit mit Straßenkindern auf den Philippinen.

Das Projekt: Straßenkinder aus Manila

Das „Rose of Sharon House of Friendship“ ist eine Einrichtung in der Nähe Manilas, in der Straßenkinder im Alter von zwei bis achtzehn Jahren ein Zuhause finden. Sie wird von der „Visions of Hope Foundation“ finanziert. Matilda und ich sind nun seit neun Monaten als Freiwillige Teil des Mitarbeiterteams vor Ort und helfen so gut wir können, z. B. bieten wir eine Betreuung für die Kinder an. Besonders in den zwei Sommerferien-Monaten ist unser Tagesplan voll. Mal mit allen Kindern, mal in den kleineren Hausgruppen versuchen wir den Tag gemeinsam zu gestalten. Es wird gespielt, getanzt, gemalt oder im Wasser des hauseigenen Pools abgekühlt.

Neuerdings gibt es T-Shirts mit verschiedenen Motiven, die man erwerben kann, um die Foundation und damit auch das Leben und die Ausbildung der Kinder zu unterstützen. Auch die Mitarbeiter und wir als Freiwillige haben ein T-Shirt und tragen es einheitlich bei Veranstaltungen oder wenn Besucher kommen. Eines der T-Shirts trägt den Aufdruck: Every Child is a Vision of Hope.

Every Child

„Unsere“ Kinder kommen von der Straße. Sie haben Dinge durchgemacht, die ich mir kaum vorstellen kann. Sie haben schulische Probleme, können nicht lange still sitzen, wollen alles haben und können uns gegenüber auch mal recht aggressiv werden.
Auch wenn es scheint, als gäbe es wenig Hoffnung für ein Kind, das in den für die Entwicklung entscheidenden wichtigen ersten Jahren so viel negativ Prägendes durchgemacht hat, ist es doch immer eine Frage der eigenen Perspektive: Was sehe ich in diesem Kind? Sehe ich seine Vergangenheit oder seine Zukunft?

Vision of Hope

Im normalen Schulalltag kann nicht alles gefördert werden, was in den Kindern positiv angelegt ist. Dazu reichen die Mittel nicht aus und es gibt zu wenig qualifizierte Lehrkräfte. Auf den Philippinen befinden wir uns in einem Entwicklungsland, dessen Schul- und Bildungswesen nicht mit dem deutschen vergleichbar ist.
In der Zukunft dieser Kinder aber sehe ich Hoffnung: Hoffnung auf ein besseres Leben. Hoffnung auf eine gute Ausbildung mit Aussichten auf einen festen Job. Hoffnung, es eines Tages einmal besser machen zu können als die eigenen Eltern.
Hier im „Rose of Sharon House“ pflanzen und sähen wir diese Hoffnung in den Kindern. Wir fördern ihr Können und ihre Talente, denn sie sind kreativ, neugierig, wissbegierig, voller Energie und noch so vieles mehr.

Weltwärts, ADRA Live und wir Freiwillige

Dank ADRA Live und dem Weltwärts-Programm haben Matilda und ich als Freiwillige die Möglichkeit, mit unserem After-School-Program ein Jahr lang den Kindern zugewandte Betreuung und gute, gemeinsame Erfahrungen zu vermitteln, die ihnen kindgerechte Erlebnisse bieten und ihre Talente positiv ausbauen. Obwohl wir selbst gerade erst die Schule beendet haben, bringen wir dennoch Erfahrungen aus unserer eigenen Kindergarten- und Schulzeit mit.
Durch Spenden aus Deutschland haben wir viele Spiele und kindgerechtes Material zur Verfügung gestellt bekommen. Das kannten und hatten die Kinder in dieser Form vorher gar nicht. Mit Hilfe kreativer Bastel- und Malangebote versuchen wir, Konzentration und Kreativität zu fördern. Beim Tanzspiel haben wir viel Spaß gemeinsam – genauso, wie das gemeinsame Backen zugleich Spaß, Verantwortung und ein (leckeres) Erfolgserlebnis bietet. Wir geben den Kindern Raum, sich zu entwickeln und zu entfalten.
Wenn man sieht, welche Fortschritte unsere Kinder in diesen neun Monaten gemacht haben, ist es die Anstrengungen und Mühe wert. Obwohl es für uns manchmal kleine Dinge sind – unsere Zeit und Aufmerksamkeit für wenige Minuten – bedeutet es den Kindern sehr viel.

Meine Erfahrung, meine Hoffnung

Die Arbeit ist für uns nicht immer einfach und bleibt eine tägliche Herausforderung. Aber jedes einzelne Kind hier ist für mich ein lebendiges Zeichen der Hoffnung – der Hoffnung auf ein besseres Leben. Ich erwarte und hoffe, dass dieses eine Jahr meines Lebens, das ich hier für die Kinder investiere, für sie und ihre nächsten Jahre positiv prägend sein wird.
Zugleich ist es prägend für mich selbst. Ich lerne zu schätzen, was ich habe, und lerne dankbar zu sein. Es ist ein Privileg, in Deutschland in eine liebende Familie hinein geboren zu sein, eine gute Schulausbildung zu haben und sich frei für ein Studium und einen Beruf entscheiden zu können.
Die Kinder im „Rose of Sharon House“ wachsen ohne ihre Eltern und Bezugspersonen auf. Sie haben nicht viele Menschen, die ihr Leben beständig begleiten, sie bestärken, ihnen Orientierung sind, sich mit Liebe und Zuneigung ihnen zuwenden. Die Mitarbeiter und wir versuchen unser Bestes, den Kindern diese fehlende Wertschätzung auf ihrem Lebensweg mitzugeben.

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In der Ruhe liegt die Kraft



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 27. April 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht des ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Jannis über seinen Freiwilliendienst an einer Grundschule in Costa Rica.

„Ein ganzes Jahr?“ – Das ist die Reaktion die ich meistens bekomme, wenn ich von Urlaubern gefragt werde wie lange ich in Costa Rica bleibe. Ich konnte es am Anfang auch nicht fassen.

Costa Rica, „die reiche Küste“, ist nun seit 8 Monaten mein Zuhause. Wo andere Urlaub machen, habe ich das Vergnügen meinen Freiwilligendienst zu leisten. Quasi direkt nach dem Abi ging es für mich nicht nur auf die andere Seite der Welt, sondern auch auf die andere Seite des Klassenzimmers. Ich arbeite nämlich in einer adventistischen Grundschule als Lehrer für Science, Englisch, Musik und Deutsch. Mit buchstäblich Null Erfahrung als Lehrer plötzlich vor einer Klasse zu stehen, war zu Beginn natürlich eine Herausforderung. Ich habe zwar 12 Jahre lang Lehrern im Unterricht zugeguckt, aber selber zu unterrichten ist noch einmal eine ganz andere Sache. Aber an Herausforderungen wächst man bekanntlich.

Unterricht mit Hindernissen

Leider ist Disziplin hier anders als in deutschen Grundschulen. Neben dem Unterrichten muss ich auch dauerhaft die Kinder davon abhalten, herumzulaufen, sich auf den Boden zu legen, ihre Nachbarn zu ärgern oder Zahnpasta aus der Tube zu naschen. Nicht immer leicht. Zum Glück habe ich nur maximal 7 Kinder in einer Klasse, trotzdem kann das schon mal echt anstrengend sein.

Nach 8 Monaten hat sich allerdings einiges eingespielt. Inzwischen habe ich selbst ein wenig Erfahrung als Lehrer. Die Anforderungen an mich selbst habe ich etwas heruntergeschraubt und nun akzeptiere ich auch einen bestimmten Anteil von Chaos in meinem Unterricht. Den kann ich nämlich nicht verhindern und so ist es gleich viel weniger stressig.
Damit bin ich auch der Lebensweise der Ticos (Costa Ricaner) näher gekommen, die leben nämlich mit vollster Stressvermeidung. Pünktlichkeit verursacht nur Stress, also weg damit. Schule ist gerade ein bisschen zu viel? Dann machen wir morgen einfach frei. Das ist der Tico-Lifestyle.

Auf Spanisch bitte

Costa Rica liegt in Lateinamerika, man spricht also Spanisch. Am Anfang kannt ich auf Spanisch nur „Vamos a la playa“, inzwischen läuft das allerdings besser. Ich unterrichte meistens auf Spanisch und da man den ganzen Tag mit Spanisch umgeben ist, lernt man das fast wie von selbst. Zu Beginn hat man natürlich noch mehr gelernt, aber trotzdem müssen mir meine Schüler noch ab und zu auf die Sprünge helfen. So bringe ich denen den Stoff bei und sie mir Spanisch. Wir helfen uns gegenseitig.
Es sprechen auch leider viele Leute Englisch. Warum leider? Wenn ich mein Spanisch üben will und jemanden auf Spanisch anspreche, brauchen die keine zwei Sätze um zu begreifen, dass ich eigentlich nur begrenzt Spanisch spreche. Also sind sie so nett und antworten auf Englisch. Danke, aber nein Danke, ich würde doch viel lieber Spanisch reden.
Wenn dann jedoch Einheimische im vollen Tico-Tempo mit mir reden wollen, verstehe ich auch nur Bahnhof.

Bis jetzt hatte ich eine echt tolle Zeit hier und ich freue mich auf die Zeit, die ich noch vor mir habe. Ich weiß schon, dass ich die Kinder vermissen werde, wenn ich wieder nach Hause fliege, aber so ist das leider. Bis dahin werde ich mein Bestes geben ein guter Lehrer zu sein.

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Ein Schritt ins Ungewisse



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 05. April 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Paula, die in Bulgarien ihren Freiwilligendienst macht.

Als ich mich vor knapp einem Jahr dafür entschied nach Bulgarien zu gehen, wusste ich nicht, was mich erwartet. Ich hatte keine Vorstellung vom Land, nur eine grobe Ahnung, was genau ich in meinem Projekt machen werde und die oft gestellte Frage „Aber warum denn Bulgarien?!“ konnte ich mir selbst nicht wirklich beantworten. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es das Richtige ist und stand ohne wirkliche Begründung voll hinter meiner Entscheidung. Und das habe ich in mittlerweile sieben Monaten im Projekt auch noch keinen Tag bereut!

So nah und doch so anders

Anders als die meisten meiner Mitfreiwilligen verbringe ich die Zeit meines Freiwilligendienstes nicht am anderen Ende der Welt. Man könnte vielleicht gerade so vom anderen Ende Europas sprechen. Mit dem Flieger könnte ich in etwas mehr als zwei Stunden wieder Zuhause sein. Bulgarien ist kein Entwicklungsland, trotzdem ist vieles anders. Obwohl Sofia sich auf den ersten Blick nicht großartig von einer normalen deutschen Großstadt unterscheidet, fällt bei genauerem Hinsehen doch immer wieder auf, dass man sich im ärmsten Land der EU Mitgliedsstaaten befindet. Löhne und der Lebensstandard sind generell niedriger und unfertige oder halb verfallene, aber trotzdem bewohnte Häuser sind keine Seltenheit, nicht nur in den Randbezirken. Die Kultur und generelle Einstellung sind zwar prinzipiell europäisch geprägt, dennoch musste ich mich erst daran gewöhnen, dass alles etwas langsamer, entspannter und spontaner von Statten geht als Zuhause. Auch einige Probleme, wie zum Beispiel die Einstellung der Bevölkerung den lokalen Roma gegenüber, wurden schnell deutlich.

Für mehr Akzeptanz und Toleranz

Das ist der Punkt, an dem mein Projekt ansetzt. Unter dem Titel „Young people for tolerance“ arbeiten wir mit Kindern und Jugendlichen in Schulen, Jugendzentren oder auch mal an der Universität. Themen wie Menschenrechte, Diskriminierung und Toleranz stehen hier in den Schulen nicht unbedingt auf dem Lehrplan und müssen daher von außerhalb kommen. Mit spielerischen Workshops versuchen wir Interesse daran zu wecken, zum Nachdenken anzuregen und weit verbreitete Vorurteile zu hinterfragen.
Leicht ist das nicht immer. Interesse von den Schülern ist selten von vornherein gegeben. Verständigungsprobleme sind keine Seltenheit und auf einmal vor einer Klasse zu stehen, statt mittendrin zu sitzen, immer noch ungewohnt für mich. Oft sind nur drei bis vier Kinder aktiv dabei und dann meistens auch eher aktiv gegen das, was wir vermitteln wollen. Doch wenn zwei dieser Kinder am Ende der Stunde nach vorne kommen, fragen wann wir wiederkommen oder einräumen, dass die Vorurteile und Stereotypen möglicherweise nicht auf alle Roma oder Flüchtlinge zutreffen und man über einiges noch ein bißchen nachdenken könnte, weiß ich, dass es nicht umsonst war.

Ich bin angekommen

Ich habe Bulgarien in den letzten sieben Monaten als ein Land voller Kontraste, mit einer wunderschönen, völlig unterschätzten Natur und viel mehr jungen Freiwilligen aus ganz Europa als ich jemals gedacht hätte, erlebt. Ich durfte unglaublich viele neue Erfahrungen sammeln, schätze auch den nicht immer spannenden Büroteil meiner Arbeit und kämpfe mit der Aussprache der praktisch nur aus Konsonanten bestehenden, bulgarischen Wörter. Ich kann immer noch nicht glauben, wie schnell die ersten sieben Monate vergangen sind und freue mich auf die nächsten vier. In einem Land, von dem ich vor einem Jahr nicht einmal genau wusste, wo es liegt und einem Projekt, über das ich kaum mehr wusste, als dass es etwas mit Kindern zu tun hat und auch Büroarbeit enthält, habe ich wirklich das Gefühl angekommen zu sein.

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Regen bringt Segen



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Donnerstag, 17. März 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Mirka, die ein Jahr in Sambia lebt und in einem Hospiz arbeitet.

In Sambia ist gerade Regenzeit. Land und Leute freuen sich, dass die Temperaturen etwas sinken, das Land fruchtbar wird, Vorräte aufgefüllt werden können und Stauseen zur Stromerzeugung sich füllen.

Regen beherrscht die Tage

Morgens um 7 Uhr.  Beim Anschalten des Wasserkochers stelle ich fest, es ist Stromausfall. Verdammt ich werde es nie lernen, dass jeden Tag für 8 Stunden nach einem festen Plan der Strom abgeschaltet wird. Viel Regen wird den Stausee hoffentlich bald mit genug Wasser füllen, um Sambia und seine Nachbarländer mit Strom zu versorgen. Also gibt’s heute keinen Kaffee☹
Beim Zähneputzen fällt mir auf, dass der Wasserdruck sehr niedrig ist, da die Pumpe, die unser Wasser aus dem Bohrloch in den Tank pumpt elektronisch funktioniert. Ich bin aber froh, dass überhaupt noch Wasser aus dem Hahn kommt und ich noch schnell meine Trinkflasche füllen kann.
Mit Regenjacke im Gepäck verlasse ich mit meinem Mountainbike unser nobles Grundstück. Der Regen hat die Landschaft sehr grün gemacht. Das Gras sprießt hoch, so dass man die kleinen Lehmhäuser der Einheimischen teilweise kaum mehr sieht. Schon früh am Morgen sieht man Männer mit Sicheln sich durch das hohe Gestrüpp kämpfen und das Gras bearbeiten. Überall wächst Mais. Fast jede Familie baut um ihr Haus oder auf kleinen Farmen zur Regenzeit Mais an. Dieser wird zu Maismehl verarbeitet um Nshima (Maisbrei) zuzubereiten. Dies ist das Hauptnahrungsmittel hier in Sambia. Er wird bis zu drei Mal am Tag gekocht und mit Blattgemüse, Bohnen, Hühnchen, Erdnüssen, Ei, Fisch, Raupen oder Ratten gegessen

Auf der Straße treffe ich auf viele Fußgänger und Radfahrer, die teilweise mit dicken Jacken, Mützen und Handschuhen bekleidet sind. Für sambische Verhältnisse ist es bei 20 Grad kühl. Die Sonne scheint. Mir begegnen Frauen in bunter Kleidung mit Körben voller Obst, Gemüse, Frittas (frittierte Teigteile) oder anderen Gütern auf dem Kopf. Kinder werden in Chitenge (Stoffen) auf den Rücken gebunden. Hühner werden in Plastiktüten transportiert. Kinder laufen teilweise weite Strecken in Schuluniformen zur Schule. Radfahrer kämpfen sich mit schweren Lasten, wie Ziegen, Schweinen, mehreren Kisten voller Tomaten, riesigen Säcken mit Holzkohle über die lehmigen und schlammigen Straßen, die voller Pfützen und Schlammlöchern sind. Autos sind braun gesprenkelt vom Schlamm.

Regen macht gesellig!

Angekommen im Hospiz, in dem ich arbeite, werde ich zunächst von den Kindern aus der Vorschule nebenan herzlich mit Umarmungen begrüßt. Wir pfegen im Hospiz hauptsächlich an HIV/AIDS erkrankte Menschen. Viele sind an schwerwiegenden Infektionen erkrankt, wie z.B Tuberkulose. Viele Patienten haben ihre HIV Medikamente abgesetzt und leiden jetzt an den Auswirkungen. Ebenso betreuen wir auch Kinder mit starker Unterernährung. Meine Aufgabe ist es, mich um die Patienten zu kümmern. Als Krankenschwester pflege ich die Patienten und sorge für ihr Wohlbefinden, soweit es mir möglich ist. Das Team besteht aus Krankenschwestern und Pflegehelfern. Alle arbeiten als Volontäre und bekommen ein geringes Taschengeld.

Gegen Nachmittag ziehen dunkle Wolken auf, es grummelt und blitzt in der Ferne. Eine frische Brise kommt auf. Regen kündigt sich an und schon geht es los. Schnell holen wir unsere Patienten rein die zuvor draußen saßen und etwas frische Luft genossen haben.  Es schüttet wie aus Eimern, die Welt steht still. Jeder bleibt wo er ist und es heißt warten. Meistens aber nicht lange. Termine werden verschoben bis der Regen aufhört, niemand verlässt seinen trockenen Ort.

Auf dem Rückweg von der Arbeit gegen 17 Uhr nieselt es noch etwas. Kinder spielen und baden lautstark kreischend in den Pfützen. Frauen tragen Plastiktüten auf dem Kopf um ihre Kunsthaare vor dem Regen zu schützen. Ich bin nach fünf Metern braun mit Schlamm besprenkelt. Zuhause angekommen gönne ich mir zu meiner größten Zufriedenheit eine warme Dusche und einen schönen Instant-Kaffee. Ich bin froh, dass ich das Privileg habe, diesen Luxus zu genießen. Ich denke an viele meiner Kollegen und all die Leute hier, die nun in ihren  Lehmhütten mit leckenden Dächern und überschwemmten Böden ohne fließend Wasser und Strom sitzen. Sie haben alle ihre Gefäße zusammen gesucht, um das Regenwasser zum Waschen und Duschen aufzufangen.

Ganz anders als in Deutschland, wird hier der Alltag der Einheimischen und auch mein Alltag vom Wetter regiert. Für mich ist es eine neue und interessante Erfahrung auf genügend Regen angewiesen zu sein, aber auch die Schwierigkeiten die dieser bringt im Alltag zu bewältigen.

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Ein Leben, so ganz anders als gewohnt



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 02. März 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht des ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Maxi, der ein Jahr auf den Philippinen lebt und arbeitet.

Seit ich hier auf den Philippinen bin, habe ich gemerkt wie klein die Welt doch war, in der ich zuvor gelebt habe. Ich glaube jeder kennt den Spruch: „Andere Länder, andere Sitten“. Aber so richtig nachvollziehen kann man das erst, wenn man es selbst am eigenen Körper erlebt hat. Es wird einem bewusst, dass in anderen Ländern viele Dinge einfach anders gemacht werden. Auf einmal wird einem klar, für wie selbstverständlich man fließendes Wasser oder permanenten Strom gehalten hat.

Nichtsdestotrotz bietet ein solches Jahr im Ausland eine unvorhersehbare Anzahl an schönen Eindrücken und aufregenden Erfahrungen. Ich bin jetzt seit fast 7 Monaten hier und habe so viele Eindrücke gesammelt, wie mein ganzes Leben zuvor noch nicht. Zudem sind die Philippinen, in die ich entsendet wurde, ein sehr schönes und naturnahes Land. Der Campus, auf dem ich lebe, liegt etwas entfernt von der nächsten Stadt. Dafür habe ich das schönste Panoramabild, was man sich nur vorstellen kann. Das Gelände ist auf zwei Seiten von Bergen umschlossen, was besonders schön in der Abenddämmerung zur Geltung kommt.

Mein Tagesablauf

Mein Tag beginnt um 6:00 Uhr mit dem Frühstück. Es gibt zu jeder Mahlzeit am Tag Reis zu essen, was am Anfang eine ganz schöne Umgewöhnung erforderte. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Um 7:00 Uhr startet dann der offizielle Tag, mit einer morgendlichen Andacht.
Nach dieser Andachtszeit habe ich ungefähr 1½ Stunden Zeit, um mich auf meinen Unterricht vorzubereiten. Der Großteil der Jungen, die zwischen 9 und 21 Jahren alt sind, geht auf öffentliche Schulen. Nur einige wenige werden auf unserem Campus unterrichtet. Meine Unterrichtszeit ist von 9:30 Uhr bis 11:30 Uhr. In dieser Zeit unterrichte ich die Kinder in Englisch und Mathe. Manchmal kann das Unterrichten recht anstrengend sein, doch wir haben immer viel zu Lachen und deswegen verfliegt die Zeit jeden Tag wie im Flug. Danach gibt es Mittagessen und nach dem Essen eine Mittagspause. Es ist das ganze Jahr über sehr warm auf den Philippinen, weswegen jeder mittags Siesta macht. Am Nachmittag wird dann im Gemüsegarten gearbeitet. Danach ist Hausaufgabenbetreuung für diejenigen Schüler angesagt, die auf öffentliche Schulen geschickt werden. Vor dem Abendbrot ist schließlich noch Zeit für sportliche Aktivitäten, wie Fußball, Volleyball oder Basketball. Nach dem Abendessen werden Karten oder Schach gespielt. Auch Spiele wie Uno oder Ligretto werden fast jeden Abend herausgeholt.

Meine außerschulischen Aktivitäten

An Wochenenden unternehme ich mit den Mitarbeitern, die auch auf dem Campus leben, häufiger Aktivitäten. Ich werde oft zum Essen eingeladen, was meiner Figur nicht so gefällt, dafür aber meinem Magen. Es schmeckt immer sehr lecker. Manchmal werde ich auch zu Mitarbeitern nach Hause eingeladen, wo das Essen immer besonders gut schmeckt. Man kann dann sehen, wie die Mitarbeiter so leben. Ich habe auch schon einmal den Bürgermeister, von einem Teil der Hauptinsel der Philippinen, kennengelernt. Er war sehr freundlich, so wie fast jeder in den Philippinen.

Ich bin der Meinung, dass jeder in seinem Leben, einmal eine solche Erfahrung machen „muss“. Es kann sehr hart sein, so weit von seiner Familie und seinen Freunden entfernt zu sein, aber die Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe, werden mich definitiv mein ganzes Leben begleiten. Ich bin sehr zufrieden mit dem Projekt, in das ich gekommen bin. Es tut gut, eine andere Kultur zu erleben und neue Freunde zu finden, die ganz anders sind als man selbst.

 

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„Ich habe das Gefühl wirklich am richtigen Ort zu sein…“



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 23. Februar 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Hannah, die sechs Mädchen im Kinderheim „El Sauce“ in Bolivien betreut.

Es ist morgens halb sechs, die Sonne ist noch nicht aufgegangen und die wunderschöne Berglandschaft, die uns umgibt, liegt noch im Nebel. Wahrscheinlich ist es trotzdem jetzt schon wärmer als zurzeit tagsüber in Deutschland. Das einzige was ich jedoch bewusst wahrnehme, ist das verschlafene Grunzen meiner Mitfreiwilligen, das mir zu verstehen gibt, dass ich die Kinder aufwecken soll. Ein neuer Tag beginnt. Ein Tag der wie immer mit müden Kindern anfängt, die ich jetzt irgendwie motivieren muss schnellstmöglich aufzustehen, damit die nächsten Programmpunkte reibungslos ablaufen: gemeinsame Andacht, Morgensport, Frühstück. Danach Schulsachen packen, Bett machen, den verlorenen Schuh suchen, die schon fertigen Mädchen frisieren, Abschiedsküsschen und ab in die Schule. Jetzt herrscht erst einmal Ruhe… und ich habe Zeit mich und mein Haus vorzustellen.

Ein neues Heim für vernachlässigte Kinder

Ich heiße Hannah, bin 18 Jahre alt und nach meinem Abi mit zwei weiteren Freiwilligen nach Bolivien geflogen, um in einem Heim für ehemalige Straßenjungen in Santa Cruz zu arbeiten. Hier angekommen existierte von dem Heim nur das Haus, das erst einmal renoviert werden musste. Und so wechselten wir nach drei Monaten nach Samaipata, in das Kinderheim „El Sauce“. Hier sind wir für sechs Mädchen im Alter von sechs bis sechzehn Jahren verantwortlich. Wenn ich beschreiben soll, was meine Aufgaben sind, dann sage ich meistens, dass die Person sich einfach vorstellen soll, was ihre Mutter tut. Unser Job ist es mit den Kindern zu leben. Wir erfüllen ihre Grundbedürfnisse, doch da ist so viel mehr… Alle diese Kinder wurden von der Regierung aus ihren Familien genommen, sei es weil teilweise die ganze Familie alkoholabhängig war oder weil die Kinder missbraucht wurden. Jedes Kind hat seine eigene Geschichte und so braucht auch jedes ein unterschiedliches Maß an Aufmerksamkeit. Was sie jedoch alle brauchen ist Liebe. Wir versuchen ihnen diese durch zuhören, helfen, aber auch durch Regeln und Grenzen zu zeigen, insgesamt also ein schönes Heim zu bieten.

Kreativität, Spiel & Spaß

Das mit dem schönen Heim gelingt oft gut, wir sind kreativ, basteln Karten, haben diverse Traditionen erfunden, wie einen Tag in der Woche eine „room competition“ zu machen, bei der jeder sein Zimmer aufräumen und schön machen muss und dann gemeinsam Punkte vergeben werden. Sonntags spazieren wir ins vierzig Minuten entfernte Dorf und essen eine Empanada (typisch bolivianische Teigtaschen mit Käse die so unglaublich fettig und lecker sind), laufen über den Markt oder setzen uns auf die „Plaza“.

Ein weiteres Highlight war die Prinzessinnen Party einen Monat zuvor: alle Mädchen des Heims waren eingeladen sich in Schale zu werfen und in das „Schloss auf dem Berg“ zu kommen. Neben einem tollen Essen gab es ein Spieleprogramm, bei dem immer zwei Gruppen in Eigenschaften einer Prinzessin gegeneinander antreten musste. Ein Beispiel: Um euren Prinzen von euch zu überzeugen, müsst ihr selbstbewusst und wie eine Dame euren Weg gehen. Nehmt ein Buch, legt es euch auf den Kopf und versucht so schnell und grazil wie möglich den folgenden Parcour zu durchqueren. Aber Vorsicht! Auf dem Boden liegen Rosen, die ihr einsammeln und mitnehmen müsst!

Immer wieder neue Herausforderungen

Alles in allem ist es ein weiter und nicht immer ganz klar definierter Aufgabenbereich. So waren wir beispielsweise an einem Sabbat in der Gemeinde und es stand die Sabbatschule an. Leider war der Leiter nicht da und so musste spontan jemand die Gruppe übernehmen. Und wer würde sich da besser anbieten, als eine deutsche Freiwillige, die grade erst Spanisch gelernt hat? So stellen sich mir immer wieder Herausforderungen. Sei es vegan zu kochen, ein Mädchen zu trösten, das ihre Eltern vermisst oder drei Tage lang ohne fließendes Wasser zu leben.
Die größte Herausforderung für mich persönlich ist jedoch der Gedanke, dass diese Kinder wirklich niemanden haben, der die Liebe ihrer Eltern ersetzen kann und wir sie lediglich einen Teil ihres Lebens begleiten und ihnen einen guten Weg zu leben zeigen können.
Doch in diesen Situationen durfte ich erfahren, dass Gott tatsächlich da ist und hilft. Wenn ein Kind seinen Kopf in meinen Schoß legt und mir sagt, das es nicht will, dass ich gehe oder ein anderes zum ersten mal alleine betet und dabei nicht „Dios“ (Gott), sondern „Josh“ (den Freiwilligen aus dem Jungshaus) zur Andacht einlädt, dann wird mein Herz ganz weit und ich habe das Gefühl wirklich am richtigen Ort zu sein und einen Unterschied zu machen.

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Do small things with great love



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 26. Januar 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Rebecca über Ihre Lehrtätigkeit an der Universität Linda Vista in Mexiko.

„Und, was denkst du über Mexiko?“ – das ist eine Frage, die mir hier schon sehr häufig gestellt wurde und diese Frage ist gar nicht mal so leicht zu beantworten. Als ich erfahren habe, dass ADRA mich ausgewählt hat, meinen Freiwilligendienst in Mexiko abzuleisten, wusste ich zugegebenermaßen nicht besonders viel über dieses Land. Mexiko – was denke ich über Mexiko? Ich lasse meine Gedanken schweifen und früher oder später werden wohl viele, genauso wie ich vor meiner Abreise, an den Schlagzeilen der Zeitungen hängen bleiben:

„Elf Tote bei Drogenkrieg in Mexiko“, „Der lange Arm der Gewalt reicht bis zu uns“, „Hungrig, verwahrlost, zum Betteln gezwungen“, „Polizei entdeckt 800 Meter langen Drogentunnel“, „Ein Land aus dem Lot“

Ein Jahr in einem Entwicklungsland leben und arbeiten, in welchem Themen wie Drogenkriege, Gewalt, Korruption, Armut und Ungerechtigkeit nicht nur als schwarze Druckbuchstaben auf einem Zeitungspapier zu lesen sind, sondern Realität des täglichen Lebens sind. Eine Herausforderung? – Mit Sicherheit. Ein Abenteuer? – Keine Frage. Doch was genau würde uns erwarten in dem Land, das uns bisher nur als Fleck auf einer Weltkarte, aus Nachrichten und Zeitungsartikeln bekannt war?

180 degree turn

Mexiko, Chiapas, Universität Linda Vista – der Ort, den ich nun schon seit fast einem halben Jahr mein Zuhause nennen darf. Ein behüteter, grüner Campus mitten in den Bergen, bei dem die Auswirkungen der Schlagzeilen erst einmal weit entfernt scheinen. Mein geregeltes und geordnetes Schülerleben habe ich nun gegen einen leicht chaotischen und spontanen Alltag auf einem Uni-Gelände eingetauscht, meine gewohnte Alltagssprache Deutsch gegen Spanisch und Englisch, mein morgentliches Müsli gegen ein paar Bohnen und Tortillas, Europa gegen Lateinamerika, Euro gegen mexikanische Pesos, deutsche Autobahnen gegen schlechte und kurvige Straßen in den Bergen, die Amseln auf meinem Dach gegen ein paar Kolibris vor meinem Klassenzimmerfenster …  UND: meine Rolle als Schülerin gegen die als Lehrerin – eine 180° Wendung! Und zwar nicht nur deshalb, weil ich nun plötzlich auf der anderen Seite des Klassenzimmers an der Tafel stehe und nicht mehr, wie all die Jahre zuvor, auf einem Stuhl hinter meinem Tisch, als eine von vielen Schülern.

365 new days, 365 new chances

Als ich mich entschieden habe nach Mexiko zu gehen, wusste ich, dass sich in meinem Leben vieles verändern würde. Abenteuer und Herausforderungen würden auf mich warten und ja, auch eine große Umstellung meines bisher gewohnten Lebens. Wir Menschen sind doch oft so gestrickt, dass wir Angst vor Veränderungen haben, da das Gewohnte uns ein Gefühl von Sicherheit gibt. Doch ich wollte in diesem Jahr genau das nicht in all den Änderungen sehen – Angst. Sondern im Gegenteil,  in jedem dieser 365 Tage steckt eine neue Chance. Eine Chance zu lernen und Herausforderungen anzunehmen, statt daran zu verzweifeln, über sich selbst hinauszuwachsen, etwas Neues entdecken und erleben, Erfahrungen fürs Leben sammeln und jeden Tag aufs Neue versuchen, mit Gottes Hilfe sein Bestes zu geben.

Do small things with great love

Obwohl sich mit meiner Entscheidung ins Ausland zu gehen, viele Dinge in meinem Leben verändert haben, ist mir doch eine Sache geblieben: die Schule. Als frisch gebackene Abiturientin steige ich in den Flieger, steige wieder aus und befinde mich wieder an einer Schule, nur diesmal als Lehrerin. Wer hätte gedacht, dass das so schnell gehen könnte? Auf der Universität Linda Vista unterrichte ich Englisch in der Mittel- und Oberstufe sowie in den Studentenklassen und separat gebe ich einen kleinen Deutschkurs. Ich habe nie ein Lehramt-Studium abgeschlossen und mein Wissen für das Fach Englisch beschränkt sich lediglich auf das, was ich selbst in meiner Schulzeit gelernt habe. Klingt also nicht nur nach einer unheimlichen Herausforderung, sondern ist es auch. Viele Herausforderungen neigen oft dazu, sich in Überforderungen zu verwandeln. Man hat das Gefühl man geht einen Schritt nach vorne und zwei wieder zurück – die Schüler wollen doch überhaupt nichts lernen! Doch wenn man mit den großen Dingen überfordert ist, muss man sich an die kleinen Dinge erinnern und diese anpacken. Ich erinnere mich daran, meinen Fokus nicht auf ein Jahr zu legen, sondern auf jeden einzelnen Tag dieser 365 Tage und auf die Chancen und Möglichkeiten, die dieser Tag bietet. Die Möglichkeit, das was du tust mit Liebe und Freude zu füllen, jeden Tag zu etwas Besonderem zu machen, egal wie groß die Herausforderungen sind. Man nimmt sich so viele Dinge für dieses Jahr vor, man möchte helfen und etwas bewirken, denn dafür bin ich schließlich hier. Und oft ist man dann enttäuscht, wenn man merkt, dass man nicht so viel tun und helfen kann, wie man gerne möchte.  You cannot help everyone, but everyone can help someone. Dabei kommt es nicht darauf an, was oder wie viel du tust, sondern wie du es tust. Und wenn du nur einen Hauch im Leben eines einzelnen Menschen veränderst, so ist es das wert. Denn manchmal sind es die Kleinigkeiten, die den großen Unterschied machen!

“Do everything with so much love in your heart that you would never want to do it any other way.”

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Vorweihnachtszeit mal anders



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 08. Dezember 2015 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Cindy über Tansania und das „Kilimandscharo Orphanage Center“ in Pasua.

Lieder wie „Feliz Navidad“, „Jingle Bells“, „Stille Nacht“ in englischer Vision höre ich zurzeit beinahe täglich und überall… und das in Tansania, wo – man wird es kaum für möglich halten – zurzeit auch die Weihnachtszeit eingeläutet wird. Die Kassen in den Supermärkten und die Palmen vor den Banken sind mit Weihnachtsbeleuchtung und Girlanden geschmückt, Plastiktannenbäume, einen Weihnachtsmarkt und einen in Menschengröße singenden und tanzenden  Plastikweihnachtsmann vor dem Eingang des Supermarktes gibt es auch. Habt ihr euch so Afrika vorgestellt? Nein? Ich auch nicht.

Karibu in Tansania – das Land voller Überraschungen

Jeden Morgen mit Sonnenschein aufwachen, jeden Tag unzählig und vielfältig frisches Obst, an dem man sich so richtig satt essen kann, jeden Tag das Lachen und die Liebe der Kinder spüren und herumalbern, jeden Tag etwas Neues entdecken, jeden Tag mit – und voneinander lernen und kostbare Erfahrungen sammeln. Jeden Tag völlig anders und überraschend erleben – mit Höhen und Tiefen. Jeden Tag erlebe ich hier in Tansania auf ganz besondere und vielseitige Art und Weise.  Tansania, das Land in dem ich seit gut 4 Monaten lebe. Nie hatte ich eine Vorstellung von Afrika, als wie ich sie aus Filmen oder Bildern kannte.

Umso beeindruckender und nachhaltiger sind all die Erfahrungen, die ich hier sammle. Zum Beispiel der Besuch bei den Massai und die Faszination der Schönheit dieses Stammes; die Weiten der Steppen von Afrika, die mich mit ihrer Schönheit sowohl in der Trocken- als auch in der Regenzeit immer wieder staunen lassen; die bunte Tierwelt oder der Umgang der Afrikaner mit uns weißen Menschen. Nie zuvor ist mir der Unterschied zwischen schwarz und weiß so sehr aufgefallen wie hier. Für jeden Einheimischen bin ich hier ein Mzungu, was so viel heißt wie  ,,weißer Mensch“, der in den meisten Vorstellungen der Afrikaner natürlich wohlhabend ist. Egal ob ich einkaufen gehe, in einem Dalla Dalla (das sind die Kleinbusse hier) sitze oder nur durch die Straßen laufe, alle nennen mich Mzungu und rufen nach mir. Kinder und Erwachsene fassen meine Haut und meine Haare an. Alle bestaunen mich und ja, auch kleine Kinder kommen auf mich zu und verlangen von mir, dass ich ihnen Geld gebe. Oftmals komme ich mir in solchen Situationen weltfremd vor. Nie hätte ich gedacht, dass ich nur durch meine Hautfarbe solch eine Aufmerksamkeit auf mich ziehen und anders behandelt werde würde. Am Anfang war das für mich sehr befremdlich und selbst jetzt bedarf es noch einige Gewöhnung.

Ja, ich muss sagen mit meinem Schritt nach Afrika zu gehen, bin ich nicht nur in ein anderes Land abgetaucht, nein – auch in eine völlig andere Welt. Die dritte Welt.
Ich will mal nicht so tun, als ob ich hier im Paradies gelandet bin. Neben den vielen schönen Seiten gibt es auch viele Schattenseiten Afrikas, die ebenfalls an mir nicht vorbeigehen und oft Unverständnis, Traurigkeit und viele Fragen in mir hinterlassen. Es ist nicht immer leicht Dinge hin- und anzunehmen, die man überhaupt nicht kennt beziehungsweise, die man selbst vielleicht ganz anders machen würde. Oft fällt es mir auch schwer einzugestehen, dass ich so viel helfen möchte – es aber nicht kann.

„Today is today, tomorrow is tomorrow.“

Besonders wenn man die Armut auf den Straßen, in den Augen der Menschen oder an der äußeren Erscheinung sieht. Solche Momente machen mir bewusst, in welchem Reichtum und Luxus wir leben und wie unterschiedlich Länder sein können, auch wenn wir auf einem Planeten leben. Wie oft wir viele Dinge nicht zu schätzen wissen, weil sie für uns einfach selbstverständlich sind. Ja oft frage ich mich hier, wie die Menschen sich überhaupt über Wasser halten und überleben können und wieso der Großteil eigentlich nicht längst schon verzweifelt ist. Aber hier in Tansania gilt das Motto:  ,,Today is today, tomorrow is tomorrow“.

Doch manchmal ist die Mentalität der Afrikaner auch schon ein wenig witzig. Ich sag nur : ,,Pole Pole“, was so viel heißt wie : ,,Langsam“. Ja auch das ist eine Lebenseinstellung der Tansanier – keinen Stress machen. Aus einem Land zu kommen, in dem Zeit, Druck und Pünktlichkeit den Arbeitsalltag bestimmen und dann in Tansania zu landen, in einem Land, wo es völlig egal ist, ob man drei Stunden später zu einer Verabredung oder zur Arbeit erscheint oder es nicht für wichtig angesehen wird, Absprachen einzuhalten, ist als wenn man plötzlich alles auf den Kopf stellt. Ja daran muss man sich wirklich erstmal gewöhnen und wenn doch ab und zu der deutsche Arbeitswille durchkommt und vielleicht etwas Unmut aufkommt, weil es einfach nicht so klappt wie man es sich denkt oder vielleicht wünscht, weil kulturelle Faktoren deine Pläne kreuzen, bekommt man nur ein „Don’t worry.“ zu hören. Doch mittlerweile habe ich mich gut daran gewöhnt und nehme es mit Humor und Leichtigkeit. Diese Mittel sind ganz wichtig, um in Tansania seinen Freiwilligendienst ohne Unmut überstehen zu können. Ein wichtiger Punkt, den ich hier in Tansania bereits gelernt habe.

Im Waisenheim…

Mein Fsj leiste ich im „Kilimandscharo Orphanage Center“ in Pasua ab. Pasua ist ein kleiner Ort nahe der Stadt Moshi, die im Norden Tansanias liegt. Besser gesagt am Fuße des Kilimandscharo. Schon allein der Arbeitsweg ist einmalig, da man jeden Morgen, bei wolkenlosen Himmel den Kilimandscharo in seiner vollen Pracht genießen und bewundern kann. Und wenn man dann zu der Tür des Waisenheims reinkommt, wird man mit herzlichen Kinderlachen, dicken Umarmungen oder einem verschmitzen Lachen begrüßt. Und wenn der Tag mal so richtig in Stimmung kommen soll, holt man einfach einen Fußball raus und beginnt ein Fußballmatch. 😉

Das Kilimandscharo-Orphanagecenter besuchen 58 Kinder von denen circa 30 das Orphanage als ihr zu Hause nennen. Jeden Tag aufs neue bin ich von der Offenheit, der Freude sowie der Hilfsbereitschaft der Kinder überrascht. Doch ein Blick hinter alledem zeigt auch, dass die Kinder und Jugendlichen bereits ein schweres Päckchen mit sich tragen. Und wenn man dann noch die Geschichten hört, ist das eigentlich nur zum heulen. Aufgesammelt auf der Straße, weil das ihr bisheriges zu Hause war; zu Waisenkindern geworden, weil die Eltern verstorben sind oder das Heim als letzter Zufluchtsort, weil die Familien durch Armut das Kind nicht ernähren konnten. Aber gerade aufgrund der vielen Schicksalsschläge und Gemeinsamkeiten, habe ich das Gefühl das die Kinder immer enger zusammen wachsen und bereits wie eine kleine Familie sind. Jeder passt auf den anderen auf.

Meine Aufgaben im Orphanage sind vielfältig, neben Teacher für die Vorschuklasse bin ich gleichzeitig Köchin, Fußballspieler oder einfach mal eine Freundin, die die Kinder und Jugendlichen zum Reden, Kuscheln und Zuhöhren brauchen. Mama für alles könnte man meinen derzeitigen Job also auch nennen und ich mag ihn sehr, da mich die Kinder ebenfalls unglaublich viel lehren und weil ich so viel Liebe, Umarmungen oder ein einfaches und ehrlich gemeintes Danke mit einem zaghaften Lächeln zurückbekomme.

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Too blessed to be stressed



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 23. November 2015 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Matilda über ihre Arbeit am Campus der „Visions of Christian School“ auf den Philippinen.

Die Philippinen – ein Land der Kontraste. Lärmende Städte und stille Natur, schicke Wohnviertel und obdachlose Kinder, ein zusammengeflicktes Tricycle neben einem aufgemotzten SUV. Und ich mittendrin: in Puypuy, einem kleinen Ort zwei Stunden entfernt von der Hauptstadt Manila.

Das “Rose of Sharon House of Friendship”

Hier lebe ich mit über 80 ehemaligen Straßenkindern auf dem Campus der Visions of Hope Christian School “Rose of Sharon House of Friendship”. Der jüngste der Bewohner hier ist gerade mal 2 Jahre alt, die ältesten sind 17. Einige der Kinder haben keine Eltern mehr, viele aber noch wenigstens ein Elternteil. Von denen wurden die Kinder jedoch so vernachlässigt, dass sie hierhergeschickt wurden oder den Eltern standen die Mittel zur Versorgung ihrer Kinder einfach nicht zur Verfügung. Unterernährung, physische und psychische Gewalt, Missbrauch – davon merkt man im Alltag auf dem Campus nicht mehr viel. Die Kinder sind fröhlich und voller Energie, offen für Neues und für fremde Menschen.

Unser „After School Program“

Erst mit der Zeit bemerkt man die Folgen: Die Kinder sind sehr anhänglich und brauchen viel körperliche Nähe. Besonders die Jungen aber auch einige Mädchen haben Probleme mit Aggressionen. Sich an Strukturen zu halten fällt vielen schwer, das Gleiche gilt leider auch für die Regeln in unserem Klassenraum. Wir haben ein „After School Program“ aufgebaut, das wir hier täglich mit den lernbehinderten und den zurückgebliebenen Kindern veranstalten. Basteln und Malen, Tanzen und Singen, Backen, Spiele spielen – kleine Dinge, die die Kinder hier doch sehr zu schätzen wissen.

Es ist oft schwierig, man braucht viel Energie und Liebe und vor allem Geduld. Wenn die Kinder trotz aller Mühen lieber schlafen als zum Unterricht zu erscheinen und die Kinder, die da sind, die Hälfte unserer Unterrichtsmaterialien mitgehen lassen, hat man einfach keine Lust mehr. Aber in diesen Momenten kommt dann plötzlich eine der kleinsten Bewohnerinnen des Rose of Sharons um die Ecke, und wenn sie dich entdeckt, dann grinst sie dich so begeistert an, dass dir das Herz schmilzt. Oder wir erklären den großen Mädels, dass am nächsten Tag kein Unterricht stattfindet und sie beschweren sich enttäuscht. Oder das chronisch unterbesetzte Lehrpersonal ist genauso erleichtert über unsere Hilfe, wie wir froh sind über die Möglichkeit, sie unterstützen zu können.

Too blessed to be stressed

Aber ich will mal nicht so tun, als wäre ich nur hier, um zu helfen: Ich lerne zehn Mal mehr Dinge, als ich die Kinder lehre – oder wohl eher zu lehren versuche. Eine neue Kultur, eine neue Sprache, neue Werte, neue Rezepte. Neue Menschen, die auch in jungem Alter schon so viel Schlimmes erlebt haben. Und nicht nur die ehemaligen Straßenkinder, auch bei einigen Geschichten aus der Kindheit der Mitarbeiter läuft mir ein Schauer über den Rücken. Und doch: Sie haben alle ihr Lachen nicht verloren.

„Be thankfull“ heißt es oft, und wenn einem das schwerfällt: „Count your blessings!“ Sich nicht unterkriegen lassen, Lebensfreude statt Selbstmitleid, die kleinen Dinge genießen. Die Leute lachen viel und machen Späße, und sie essen viel langsamer als ich es aus Deutschland kenne. Das ganze Leben läuft nach dem Motto „Gott wird’s schon richten“. Es läuft vieles nicht so wie geplant, aber darum sorgt sich niemand. Stattdessen wird einfach nicht mehr groß geplant – irgendwie wird es schon klappen. Und auch wenn es mich immer verrückt macht, irgendwie klappt es dann doch immer –  und ohne Stress lebt es sich ohnehin leichter. Egal ob „Dritte Welt“ oder „Erste Welt“, überall findet man genug Gründe, um zu sagen: „I am too blessed to be stressed.“

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