ADRA Live! Weltwärts Quifd-Siegel

Die Tücken des Unterrichts



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Freitag, 13. November 2015 von ADRAlive-Team

Ein Bericht des ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Salomo über seine Arbeit in einer Grundschule in Costa Rica.

Eine rundum außerordentlich und überwiegend Grün bewachsene Terasse zwischen einigen schnell vorbeiziehenden Wolken mit Meeresblick ist das, was ich meine Umgebung nenne. Eine sehr nette Wohn-, Spazier- und Kochgemeinschaft zeigt mir wie das Eheleben in 40 Jahren aussehen könnte. Unsere Arbeitgeberin läd uns des Öfteren zu sich zum Essen ein. Man leiht uns, was wir brauchen. Man fragt uns, wie es uns geht. Wir verstehen uns sehr gut. Die Busanbindungen liegen günstig für gelegentliche Ausflüge an andere Ecken des Paradieses. Die Gemeinde zeigt ihre Herzlichkeit in Form von reichlich Einladungen und kleinen Aufmerksamkeiten. Ich übe mich in Dankbarkeit für diese Umstände. Das hätte ich so nicht erwartet, als ich mich bei ADRA beworben habe.

Eine ganz „normale“ Unterrichtsstunde

Lehrer zu sein ist lustig. Es ist auch anstrengend, nervig, herausfordernd und neu. Da Lehrer sein meine Hauptaufgabe ist, folgt ein kleiner ehrlicher Einblick:

Einer der 4 Klassenräume der Schule ist der Computerraum. Die Besonderheit der Lage dieses Raumes beschränkt sich nicht nur auf die Tatsache, dass man im Fußballfeld steht, wenn man die Tür aufmacht und heraus tritt. Oder um es aus einer anderen Perspektive zu beschreiben: wenn man das Pausenklingeln hört und wie gewöhnlich die Tür des Raumes öffnet, in dem man die nächste Unterrichtsstunde verbringt und ebenfalls wie gewöhnlich den Ball rein schießt, handelt es sich bei dem Computerraum, um genau den Raum, in den ein ungläubig schauender, verwirrter deutscher 18 Jähriger hineingeht, auf dessen Stirn sich im Zuge der Aufwärtsbewegung seiner Augenbrauen langsam 3 Falten bilden. Dieser ist dann erstmal ganz ruhig, was etwas wie „die Ruhe vor dem Sturm“ andeutet. Nur ist es nicht der zu erwartende Sturm einer Zurechtweisung. Nein, es ist ein Hurrikan von 80 Minuten Computerunterricht mit der 4. und 5. Klasse. Und irgendwie empfindet es nur der Lehrer als Sturm.

Ich befinde mich also gerade auf den Weg in Richtung Tür um den Rest der Klasse herein zu bitten, der das unüberhörbare Pausenklingeln überhört hat. Ich hebe den Ball vom Boden auf und klemme ihn unter meinen rechten Arm. Dem Jungen sage ich mit wenigen Worten, dass diese Aktion eben unangebracht war. Er schaut demütig auf den Boden, aber wir wissen beide, dass er das gerade ziemlich lustig findet. Er geht auf seinen Platz, ich gehe weiter zur Tür. Ich rufe ein paar Namen in den Schulhof und lehne mich an den Türrahmen. Nach ein paar Sekunden überkommt es mich. Ich kann es nicht lassen und kicke den Ball während ich mich langsam von der Tür löse zu einem Schüler einer anderen Klasse. Nachdem ich das 0 : 1 verloren habe, bemerke ich, dass mittlerweile alle für mich relevanten Schüler im Klassenraum sind. Ich nicke dem kleinen Gewinner zu und weise ihn darauf hin, dass doch bereits Unterricht sei. Ich betrete den Klassenraum.

Mir kommt eine warnende Geräuschflut entgegen. Ich nehme zwei bekannte aber stark verzerrte Klavierstücke war, die irgendwo zwischen dem Geschrei von J. und K. und dem Geschnatter von B., T., D. und V. und den Geräuschen aus dem Nachbarraum untergehen. Zwei Schüler bemerken mich und fragen direkt, was wir heute machen. Wie immer antworte ich, dass sie nicht so neugierig sein sollen und freue mich darüber, dass sie neugierig sind.

Excel-Unterricht unter „verschärften“ Bedingungen

Der Computerraum ist ungünstig aufgebaut. Die Tafel steht in der Mitte des Raumes. Es gibt 12 Computer samt Zubehör, die an der Wand entlang von der Tafel abgewendet stehen. Davon funktionieren fünf Computer, einige Tastaturen, fünf Mäuse und vier Monitore. Die Computer sind spanisch eingestellt, haben Betriebssysteme von Windows 97 bis Windows 7 und von Computer zu Computer variieren die Office Programme. Meine Aufgabe ist es, elf Schüler in Excel oder was halt an ähnlichen Programmen vorhanden ist, auf Englisch zu unterrichten. Die 4. Klasse kann kaum Englisch, die 5. fließend. Das bildet im großen und ganzen eine exzellente Grundlage.

Ich stelle mich vor die Tafel und habe damit zumindest ein Großteil der Klasse im Blick. Es soll los gehen. Ich rufe „Silencio“. Niemand bemerkt mich. Ich pfeife einmal laut. Alle drehen sich erschrocken um. Ich sage leise „Silencio“. Eine Schülerin die durch das Pfeifen besonders erschrocken ist – die Unterhaltung muss sehr vereinnahmend gewesen sein – meckert: “ Ohh Proooff.“ Ich lächle schadenfroh zurück. Die Aufmerksamkeit habe ich, Herausforderung Nummer zwei ist es nun, die Klasse in Gruppen aufzuteilen, sodass jeder irgendwie einem Computer zugeordnet ist, die sich gegenseitig ablenkenden Schüler aber räumlich möglichst weit getrennt sitzen.

Es gibt Proteste. Nur wenige sind mit ihrer Gruppe zufrieden. Ich verweise auf die vergangene Woche und auf die Chance mir dieses mal Disziplin zu beweisen. Damit geben sich erstmal alle zähneknirschend geschlagen. Alle außer V.. V. beginnt eine Rede darüber, wie ungerecht sie doch immer behandelt wird, unter Miteinbezug der Fehler jedes einzelnen Mitschülers in der vergangenen Woche. Ich will sie unterbrechen, aber sie denkt gar nicht daran aufzuhören. Dann nehme ich ihr das Wort aus dem Mund und sage ihr, dass ich das entscheide, und dass das nur gerecht ist, wieder mit einem Verweis auf die vergangen Woche. Sie holt wieder aus und sagt, dass sie das nicht gerecht findet. Langsam hebe ich den Stift im Richtung Tafel, wo die Benehmensliste meinen Arm nahezu anzieht. Ich komme ihrer Spalte immer näher. Sie redet weiter. Dann, oh dann, ist es so weit. Ich setze an. Sie redet weiter. Ich male ein 🙁 in ihre Spalte. Sie ist still. Ich finde es innerlich urstlustig, dass das funktioniert hat und noch lustiger finde ich,  dass sie erst aufhört, als der traurige Smiley schon drin steht. Also ICH hätte an ihrer Stelle ja dann erst RECHT weitergemacht. Oder einfach mal kurz vorher aufgehört. Aber naja, kann ja jeder machen wie er will.

Die Unterrichtsstunde beginnt.. oder doch nicht?

Ich möchte die Aufgabe für den Anfang der Stunde ansagen. Ein Schüler sitzt immernoch vor seinem Handy, was mir jetzt erst auffällt, da er das erste Mal wirklich ruhig ist. Er spielt ein Spiel, bei dem er durch das drücken von 3 oder 4  Feldern zum richtigen Zeitpunkt eine Klaviermelodie erzeugt. Ich bemerke genervt, dass es der Flohwalzer ist. Wenn bei diesem Spiel die Melodie die Motivation sein soll, würde das bei mir bei diesem netten Stück auch umgedreht funktionieren, denke ich. Die Felder treffen damit die Melodie nicht erklingt. Immerhin weiß ich jetzt, wieso meine Schüler vorhin Chopin op.9 No. 2 und irgendwas anderes gehört haben. Ich halte meine Hand vor seine Nase und das Handy verschwindet nur halb aber dafür sehr schnell in seiner viel zu kleinen Hosentasche.

Die erste Aufgabe soll mir ein bisschen Zeit schaffen, damit ich die Sachaufgabe für Excel an die Tafel schreiben kann. Außerdem hab ich Lust auf etwas Witziges. Sie sollen die Schule am Computer irgendwie so darstellen, dass sie gerne zur Schule gehen würden. Nach meiner Ansage drehen sich die meisten um und melden sich an. Eine Schülerin ruft mich, weil die Tastatur nicht geht. Ich stecke den Anschluss rein. Funktioniert immer noch nicht. Ich nehme eine der anderen Tastaturen zur Hand, die überall im Raum rumliegen und schließe sie an. Immer noch nicht. Mittlerweile rufen mich 2 andere Schülerinnen ununterbrochen. Ich wiederhole mehrmals, dass sie sich gedulden sollen. Wollen sie aber scheinbar nicht. Die 3. Tastatur passt. Ich gehe zur nächsten Schülerin. Sie meint die Anmeldung ist kaputt. Ich drücke auf die Feststelltaste und gehe weiter. Das Problem der nächsten Schülerin ist, dass der Bildschirm schwarz bleibt. Ich entschuldige mich kurz bei der Nachbargruppe, dass ich mal kurz ihren Bildschirm trennen muss um zu sehen ob der andere funktioniert. Leider ist es die Gruppe von V. Sie protestiert wild und schlägt mit der Hand auf den Tisch. Sie sagt jetzt sei ihre ganze Mühe umsonst gewesen und alles gelöscht. Ich versichere ihr, dass noch alles da ist und stecke den „kaputten“ Bildschirm an ihren Computer. Bildschirm funktioniert, V.’s Arbeit ist auf einmal auf dem Bildschirm der Nachbargruppe zu sehen. V. will es nicht verstehen und verzieht das Gesicht, das ich immer ziehe, wenn man mich um einen Schokoladenpudding betrügt. Ich stöpsel wieder um, das Gesicht verwandelt sich langsam wieder zurück. Der Computer soll seit einiger Zeit schon kaputt sein, sagt mir auf einmal jemand. Ich teile die Gruppe auf die anderen Gruppen auf und nun kuscheln die Schüler platzbedingt miteinander. Inzwischen haben alle, die an funktionierender Technik sitzen, angefangen zu arbeiten. Bis auf J.

J. beginnt mit einem Pappkarton, den er irgendwo im Regal gefunden hat, auf T. einzuschlagen. T. findet das sehr lustig, malt aber nebenbei seine Traumschule weiter. Als J. meinen Blick bemerkt schmunzelt er verlegen dem Boden entgegen und legt die Pappe vorsichtig neben seinem Stuhl ab.

Ich gehe zur Tafel und beginne die Sachaufgabe anzuschreiben, im Ohr ein komisches Jucken, das sich irgendwann als Flohwalzer entpuppt. Ziel der Stunde ist es, zu lernen, wie man die Kalkulationsfunktionen benutzt und aus Texten Informationen in eine Tabelle einordnet. Auf einmal höre ich ein lautes „I believe I can fly“, gar nicht so schlecht gesungen. Ich drehe mich um. V. liegt auf dem Rücken und simuliert mit den Armen ein Flugzeug, während sie aus vollem Herzen singt. Die anderen Kinder sind unbeeindruckt und arbeiten relativ ruhig. Sie schaut mich an lacht und sagt, sie sei fertig.

5 Minuten später.
Ich unterbreche alle bei ihren Zeichnungen. Der Großteil hat sich für Paint entschieden. Ich lasse jede Gruppe auf Englisch vorstellen, was sie gemalt haben und wieso. Ich finds überwiegend lustig. Mein Favorit, eine Schule Made of German Chocolate.

5 Minuten später.
Alle arbeiten an ihren Tabellen in Excel. Ich beobachte, beantworte Fragen und ärgere mich über meinen Ohrwurm.

10 Minuten später.
Die meisten haben alle Daten eingegeben und knobeln daran, wie das mit der Kalkulationshilfe funktioniert. M. hat es wie immer als erste verstanden, fragt aber trotzdem nochmal und will es erklärt bekommen. V. schreibt währenddessen jede Zahl einzeln in die Tabelle. Ich sage ihr, dass es einfacher geht und ich möchte, dass sie diesen Weg versteht und zumindest ausprobiert. Sie findet das Ungerecht und beschwert sich wieder. M. beginnt währenddessen die Aufgabe zu beenden. Ich geh zur Tafel, unterbreche alle und schreibe eine Formel als Tipp an. Einige schauen verwirrt.

1 Minute später.
Die meisten sind dahinter gekommen. Ich werde von jeder Gruppe einzeln gefragt, ob das so stimmt und wie sie es gemacht haben. Ich lasse M. zu den verbleibenden gehen, die noch Probleme haben und erklären. Ich widme mich wieder V.

V. hat nämlich aufgehört zu arbeiten. Sie streikt. Sie sagt mir, dass sie die Aufgabe blöd findet und das nicht machen wird. Ich denke kurz nach. Sie hat recht, stelle ich fest. Die Aufgabe ist blöd bzw. Excel zu unterrichten generell. Aber war ja nicht meine Idee. Ich schlage ihr vor zur Direktorin zu gehen und ihr zu sagen, was sie von Excel und dem Unterricht hält, am besten noch zu betonen wie vorzüglich sie sich benimmt. Ich gehe zur Tür mache sie auf und schaue sie an. Sie bleibt wie gebannt sitzen und starrt mich an. Dieses Duell gewinne diesmal ich.

5 Minuten später.
V. ist nach M. die Erste, die mit der Aufgabe fertig ist. Die Stunde ist fast vorbei. D. ist fasziniert, dass sie nicht selber rechnen musste und sich das Ergebnis automatisch angleicht, wenn sie die Zahlen ändert. Der Rest verlässt stürmisch das Klassenzimmer, als ich die Pause ankündige.

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Ein guter Start



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 26. Oktober 2015 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Emily über ihren Start im Kinderheim „Rainbow“ in Moldawien.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich morgens aufgestanden bin und wusste, heute geht es los, heute steigst du in den Flieger und kommst erst in einem Jahr zurück. So richtig realisieren konnte ich das allerdings nicht. Natürlich fiel mir der Abschied schwer, aber ich empfand auch eine große Vorfreude, sich endlich in das Abenteuer zu stürzen, worauf ich mich die letzten Monate vorbereitet habe und vorbereitet wurde.

Ein herzlicher Empfang

Wir wurden von unserem Mentor vom Flughafen abgeholt und zu unserer Wohnung gebracht. Da diese direkt gegenüber des Kinderheims „Regenbogen der Hoffnung“, meiner neuen Arbeitsstelle, liegt, konnten wir an diesem Abend auch gleich noch die Kinder kennenlernen. Auf einmal saßen wir alle in einem Raum, konnten sie nicht verstehen und sie uns nicht, fühlten uns aber trotzdem gleich wohl. Bereits an unserem ersten Arbeitstag wurden wir begeistert in die Kinderzimmer gezogen und nach dem UNO-Spiel gefragt, dass wir bis jetzt schon so oft gespielt haben.

Genau das Richtige!

In den letzten drei Monaten hatten wir viel zu lachen, aber auch viel zu verarbeiten, weil es so viele neue Eindrücke waren. Aber wir haben auch gemerkt, dass man nicht aufgeben darf, egal wie verwirrend die Sprachschwierigkeiten sind, wie beängstigend die Hauptstadt ist oder wie anders die medizinische Versorgung. In Chisinau finden wir uns jetzt zurecht, unser rumänisch wird immer besser und den ersten Krankheitsfall haben wir mittlerweile auch überwunden. Wir wissen, dass wir von allen erdenklichen Seiten unterstützt werden, dass wir aus einem bestimmten Grund hier sind und uns so gut es geht einbringen möchten. Und da man von den Kindern so unglaublich viel zurückbekommt – sei es eine Umarmung, ein aufmunterndes Video oder die Dankbarkeit dafür, dass wir einfach nur da sind – wurde ich noch einmal bestärkt, dass es das Richtige ist, was ich hier mache.

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(Fast) eingelebt auf den Philippinen



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 06. Oktober 2015 von ADRAlive-Team

Ein Bericht des ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Deven über seine ersten Erlebnisse auf den Philippinen.

Als wir vom Flughafen abgeholt wurden, fiel uns gleich auf: Hier ist vieles anders. Der Verkehr ist für deutsche Verhältnisse chaotisch, aber trotzdem baut niemand einen Unfall. Selber fahren würde ich mich gar nicht trauen. Ab fünf Uhr merke ich, dass es schon dunkel wird. Ja, um fünf! Und zu jeder Mahlzeit gibt es Reis, auch wenn man Nudeln oder Kartoffeln isst.

Die ersten Tage haben wir in Manila verbracht. Nachdem wir unser Visum zum ersten Mal verlängert haben, ging es auch schon auf den Magdalena-Campus. Dort wurden wir erst mal den Mitarbeitern und den Kindern vorgestellt. Die Leute hier sind sehr nett und wir haben schnell versucht, uns an das Campusleben anzupassen, also feste Essenszeiten, früh schlafen gehen und früh aufstehen.

Der Unterricht ist eine echte Herausforderung

In den darauffolgenden Wochen haben sich unser Tagesplan und unsere Aufgaben verdeutlicht. Vormittags gehen die Jungs in eine staatliche Schule und nachmittags ist es unsere Aufgabe, ihnen mit den Hausaufgaben zu helfen und Nachhilfe zu geben. Das geschieht meistens in den Fächern Englisch und Mathe. Auf dem Campus selbst gibt es aber noch eine Schule für Kinder mit Lernschwierigkeiten. Vormittags unterrichten wir in dieser Schule. Ich unterrichte Englisch, mein Kollege Maxi unterrichtet Mathe. Es ist eine echte Herausforderung diesen Unterricht zu geben, zumal die Jungs nicht gut Englisch sprechen und die Sprachbarriere vieles erschwert, aber man schafft es doch, sich irgendwie zu verständigen. Falls es einmal wirklich nicht klappt, sind ältere Schüler und Teacher Christine nicht weit.
Zudem organisieren wir einmal die Woche einen Spieleabend für die Jungs. Egal ob Kartenspiele oder Reise nach Jerusalem, die Kinder machen immer mit sehr viel Energie mit.

Es warten kleine Abenteuer

Außerhalb des Campus warten auch kleine Abenteuer auf uns. Wir sind zu acht in einem Tricycle in die nächste Stadt gefahren. Ein Tricycle muss man sich als Motorrad mit selbst gebautem Beifahrerwagen vorstellen. Das Picknick am Fluss war auch abenteuerlich. Geschirr braucht man nicht! Man stellt das Essen einfach auf frisch abgerissene Bananenblätter und isst alles mit den Fingern.

Nach zwei Monaten hier kann ich sagen, dass mir die Arbeit mit den Jungs echt Spaß macht und dass sie mir schon ans Herz gewachsen sind. Auch wenn manche Sachen anders sind, traue ich mich zu behaupten: Ich habe mich (fast) eingelebt.

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Der Funke ist übergesprungen!



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Freitag, 25. September 2015 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Patricia über ihre Ankunft in Bolivien.

Nach dem langen Flug von Deutschland aus kamen wir endlich und etwas erschöpft in Santa Cruz de la Sierra an. Am Flughafen wartete bereits unsere neue Chefin Maria Jose und ihr Assistant Fernando auf uns. Beide begrüßten uns herzlich auf die hier übliche Art: Kuss auf die rechte Wange und fester Händedruck. Dannach ging es auch schon auf zu unserer ersten Autofahrt in Bolivien. Der Fahrstil unterscheidet sich wesentlich von dem, was wir gewöhnt sind. Anschnallen gilt hier nur für den Fahrer, ab und zu auch für den Beifahrer. Andere Fahrgäste haben meist nicht die Möglichkeit, zumal oft die Sicherheitsgurte gar nicht erst angebracht sind. Genießen kann man die Fahrten hier wahrlich selten. Egal ob Überholverbot, Kreuzung oder sogar Löcher in der Straße, alles wird rasant hinter sich gelassen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Das Wichtigste bei einem Auto ist hier die Hupe, mit der nicht gespart wird und gute Bremsen, da man nie weiß, aus welcher Richtung welches Gefährt angerast kommt.

Anfangsschwierigkeiten werden mit Humor genommen

Die ersten zwei Wochen verbrachten wir in dem neuen Kinderheim, das zu der Zeit unseres Einzuges gehörig viel Arbeit vertragen konnte. Zum Glück waren unsere Zimmer bereits bezugsfertig. Das Duschen gestaltete sich anfangs auch als ein Abenteuer. Die Duschen funktionieren hier wie Wasserkocher. Je kleiner der Wasserstrahl, desto schneller erwärmt sich das Wasser und desto wärmer kann man duschen. Ab und zu bekommt man auch einen kleinen Stromschlag zur Begrüßung, wenn man den Schalter umlegt, um das Wasser zu erhitzen. Genauso freundlich wie die Leute einen hier begrüßen, wird man auch von den Steckdosen willkommen geheißen. Der Funke springt sprichwörtlich jedes Mal aufs neue über, wenn man sein Handy oder den Wasserkocher einstecken möchte.

Ein Wirrwarr aus verschiedensten Farben und Gerüchen

Das Abenteuer mit der Stichflamme beim Entzünden des Gasherdes ist bereits ein Teil unserer täglichen Kochroutine geworden. Sowie der hiesige Brauch, zu allem Reis zu essen. Die Küche ist an sich um einiges fettiger, da wirklich alles frittiert wird. Selbst die Nudeln vor dem Kochen. Zum Ausgleich gibts frisches Obst vom Markt, der hier ein Labyrinth aus sich türmenden Lebensmitteln darstellt. Unser Retter Fernando, der uns jedesmal aus dem Wirrwarr von verschiedensten Farben und Gerüchen führt, ist unter anderem auch für den Einkauf der Lebensmittel verantwortlich. In Deutschland waren wir unterschiedlichen Gerichten verfallen. Hier ist unser Herz im Sturm von dem reichen und einzigartigen Geschmack der Papaya erobert worden.

„Wir freuen uns auf jeden neuen Tag…“

Unsere Hauptaufgabe ist es momentan das Kinderheim auf Vordermann zu bringen, damit die Kinder bald kommen können. Obwohl dieses Projekt eine Tagesstätte für Kinder wird, bleibt die Bezeichnung eines Heims bestehen, vor allem da auch Mütter mit ihren Kindern gelegentlich übernachten werden. Das Dach ist bereits erneuert worden und die Malerarbeiten nähern sich dem Ende. Dank vieler starker Hände werden die Wände also bunter, der Boden glänzender und die Zimmer bewohnbarer. Wir hoffen alle bis Anfang Oktober fertig zu werden und die Kinder aufzunehmen, auf die wir uns schon freuen. Bis dahin wird der Putzlappen und der Besen noch einige Male geschwungen werden müssen, aber trotzdem freuen wir uns auf jeden neuen Tag und die Überraschungen, die er mit sich bringt!

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„Keine Vorurteile haben und jeden Menschen so annehmen wie er ist.“



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 21. Juli 2015 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Bella über ihre Erfahrungen an der Linda Vista Universität in Mexiko.

Mexiko anders als erwartet

Mexiko – ein Land, bei dem viele Menschen an Sonne, Strand und Meer oder an Tequila und Drogenkartelle denken. Auch mir ging es nicht wirklich anders. Doch erst einmal hier angekommen, lernt man die vielen anderen Facetten dieses wunderschönen Landes kennen. Da ich davon ausging, dass es hier in Mexiko sehr warm ist (ist ja schließlich ein tropisches Land), habe ich hauptsächlich sommerliche Kleidung eingepackt. Das mag zwar für viele Orte Mexikos stimmen, aber für die Universität Linda Vista leider nicht. Während es im Sommer recht angenehm ist und das Klima dem deutschen Sommer ähnelt, kann es im Winter doch mal ganz schön kalt werden. Da musste ich mir nachträglich doch noch warme Pullover kaufen 😀

Respekt muss man sich verdienen

Aber kommen wir zum wirklich wichtigen Thema. Was mache ich hier überhaupt? Ich arbeite als Englischlehrerin für alle möglichen Altersgruppen. Nicht etwa als Nachhilfelehrerin, nein. Sondern als ganz normale Lehrerin mit Klassengrößen von 10 bis 25 Schülern. Besonders am Anfang war es nicht leicht. Da muss man sich erstmal daran gewöhnen, den ganzen Unterricht vorzubereiten und vor allem aber musste ich mir erstmal den nötigen Respekt meiner Schüler erarbeiten. Das war gar nicht so einfach. Besonders nicht bei den Schülern, die älter sind als ich. Doch nach einiger Zeit haben wir uns kennengelernt und eine wirklich gute Beziehung zueinander aufgebaut. Irgendwie schließt man dann doch alle seine Schüler ins Herz (auch die, die vielleicht öfter mal Unfug machen). Da bekommt man dann zum Geburtstag einen Kuchen und andere Geschenke oder man lässt sich während des Unterrichts mal dazu hinreißen, nicht Englisch zu lernen, sondern über das Leben im Allgemeinen zu reden. Diese Zeiten sind immer besonders schön, weil man seine Schüler da alle noch besser kennenlernt.

 Schüler ins Herz geschlossen

Nach all dieser Zeit hier in Mexiko habe ich aber vor allem eins gelernt: keine Vorurteile zu haben und jeden Menschen so anzunehmen wie er ist. Vielleicht sind Menschen anders als wir, aber das heißt nicht, dass sie schlechter sind. Sie sind ganz einfach anders. Und wenn man dann erstmal über seinen Tellerrand hinausschaut, merkt man, dass man auch diese Menschen in sein Herz schließen kann!

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Ein Jahr Linda Vista



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 23. Juni 2015 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Lina über ihre bisherigen Erfahrungen an der Linda Vista Universität in Mexiko.

Meine Arbeit an der Campus Linda Vista Universität in Mexiko

Ich bin für ein Jahr auf dem wunderschönen Campus der Linda Vista Universität und arbeite als Englisch-Lehrerin in der Unter-/ Mittel- und Oberstufe und halte Universitätskurse. Die Universität liegt mitten in den Bergen, fernab von Städten, aber sehr schön in die Natur eingebettet. Man ist eingerahmt von Wald, Bergen und das kleine Dorf „Pueblo Nuevo Solistahuacan“ liegt fünf Minuten mit dem Taxi entfernt. Dort findet man alles, was man braucht! Meine Arbeit als Lehrerin ist sehr anstrengend, aber dafür abwechslungsreich und sehr prägend. Die Schüler haben einen unglaublichen Einfluss, wenn man mit ihnen ein komplettes Jahr verbringt. Auf dem Campus selbst gibt es die verschiedenen Fakultäten der Universität, eine Mensa, ein Jungen- und Mädchen-Internat, die Gemeinde, und einen kleinen Campus-Laden wo man das Nötigste kaufen kann (zu unheimlich überteuerten Preisen!).

Unheimlich viel gelernt!

Ich habe in diesem Jahr bis jetzt schon unheimlich viel erlebt und habe mich persönlich sehr weiterentwickelt! Es prägt sehr, mit anfangs fremden Menschen zusammenleben zu müssen und in einem Land zu sein, dessen Sprache man kaum spricht (in meinem Fall gar nicht). Jedoch kann ich versichern, dass man sich sehr schnell an die mexikanische Lebensweise gewöhnt, denn sie sehr herzlich und offen ist! Obwohl die Gemeinde konservativ ist, was in den lateinamerikanischen Ländern so üblich ist, zwingen sie einem nichts auf und sind nicht aufdringlich, wenn man andere Ansichten des Glaubens vertritt. Die Menschen hier sind ganz wunderbar und helfen, wo sie nur können. Trotz allem sollte man sich vielleicht einen Kindle oder iPad mitnehmen und sich ein paar gute Bücher herunterladen, denn in der Regenzeit ist die Freizeitgestaltung stark beschränkt. Nichtsdestotrotz ist es eine wunderbare Erfahrung, die mich Gott näher bringt, viel reifer und zu einem besseren Menschen gemacht hat.

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„Wieder etwas gelernt!“



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 25. Mai 2015 von ADRAlive-Team

Ein Bericht des ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Johannes über seine bisherigen Erfahrungen auf den Philippinen.

Mein Leben war schon vor meinem Freiwilligendienst auf den Philippinen ein stetes Ausdenken, Ausschau halten, Ausprobieren. Von Wissbegier angetrieben, lebte ich lange Zeit auf recht turbulente Weise vor mich hin. Alles wollte ich wissen oder zumindest mehr, als alle anderen. Ich lernte dies und dann jenes, während ich erstgenanntes wieder vergaß. Ich meinte, für meine Lebenssuppe das perfekte Rezept gefunden zu haben, indem ich nur übermütig mehr und mehr Zutaten hinzugab, anstatt nach einem besonderen Geschmack zu suchen. Erfolg und Zufriedenheit würden folgen, davon war ich überzeugt, wie der Mann, der versuchte, dem Regenbogen nachzulaufen. Genau diese Einblicke aber, die ich aufgrund meines Ehrgeizes haben durfte, wusste ich dabei nie wirklich wertzuschätzen.

Neue Erfahrung führt zum Umdenken

Erst eine ganz neue Erfahrung bewirkte dann mein Umdenken: mein einjähriger Freiwilligendienst am CCT Campus für Straßenkinder in Magdalena auf den Philippinen. In die Rolle des Lehrers, Vorbilds und Freunds dieser Kinder und Jugendlichen gestoßen, war ich plötzlich nicht mehr nur für meinen eigenen Lernfortschritt verantwortlich. Vielmehr war plötzlich von Bedeutung, was ich meinen Schülern beizubringen vermag, den wohl unbelehrbarsten Wesen auf diesem Planeten.
– Unbelehrbar, weil sie bereits alles wissen, was sie wissen müssen, nämlich, um auf der Straße zu überleben. Was kann ich einem Kind noch mitgeben, das halb so groß ist wie ich, aber schon weit mehr durchgestanden hat, als ich in meinen schlimmsten Albträumen?
– Unbelehrbar, weil sie alles wissen, was sie wissen sollen. Was kann ein mit Perspektiven überschütteter Träumer, wie ich, einem Kind, dem selbst die Trägerorganisation kaum einen Schulabschluss zutraut, über seine eigene, offensichtlich begrenzte Zukunft erzählen?
– Unbelehrbar natürlich auch, weil sie im Grunde auch nichts wissen wollen, diese Kinder, die scheinbar noch nie einen Gedanken an Lebenssinn und Lebensziele verschwendet haben.

Und auf einmal kam ich mir so fehl am Platz vor, mein Kopf angefüllt mit nutzlosen Daten und Fakten, Ideen aus einer anderen Welt. Ich konnte für diese Kinder kein Brot der Erkenntnis backen, wie ich mir das vielleicht gewünscht hatte, denn das gute, alte Mehl des Wissens gab es hier einfach nicht im Angebot. Selbst der Weizen des Interesses wollte erst gepflanzt werden, als ein kleiner Samen der Inspiration im fruchtbaren Acker der Liebe und des Vertrauens. Dies ist also meine Aufgabe: Mit Enthusiasmus und gutem Vorbild den Kindern die Lust zum Lernen, zum Schaffen, zum Werden einzuhauchen.

„In der Realität ist es nicht Wissen, sondern Weisheit, die uns Menschen wirklich verändert…“

Das Prinzip dieser Methode ist natürlich die Einfachheit des Lernangebots. Um die Kinder zu erreichen, musste ich von meinen eigenen intellektuellen Ansprüchen Abstand nehmen. Und während ich das Gefühl hatte, Eindruck bei meinen Schülern zu hinterlassen, schien mein eigener Lernfortschritt gleichsam auf der Strecke zu bleiben. Mit der Zeit hatte ich mehr und mehr das Gefühl abzustumpfen, auf der Stelle zu laufen. Ich hungerte nach Wissen, außer Acht lassend, dass Wissen, wie es kommt und geht, für die Seele, für das Leben kaum Bedeutung hat. Im Leben lernt man nicht, wie einst in der Schule, wo Lernfortschritt etwas Messbares ist, auf Fleiß allein beruhend. In der Realität ist es nicht Wissen, sondern Weisheit, die uns Menschen wirklich verändert – die Lehren des Lebens. Wir sind uns meist nicht bewusst, wenn wir diese lernen, noch weniger können wir die Auswirkungen des Gelernten erfassen.
Oft lernen wir am Meisten, wenn wir meinen, überhaupt nichts Neues zu erfahren. Wenn wir planlos sind, fassen wir die größten Visionen. Wenn wir uns fremd fühlen, lernen wir zu schätzen, was wir haben. Immer wenn wir uns in Eintönigkeit wähnen, suchen wir nach den Schätzen unseres Lebens. Und immer wenn wir verzweifelt sind und aufgeben wollten, sind wir bereits dabei, unsere Erwartungen zu übertreffen.

„Ich habe in Magdalena ein Zuhause gefunden.“

Denn es geht im Leben nicht darum, in Ruhe und Sicherheit zu sein. Es geht ja nicht einmal darum, Antworten zu finden. Es geht nur darum, die richtigen Fragen zu stellen und nie aufzuhören, Fragen zu stellen. Antworten schenkt uns Gott immer zum richtigen Zeitpunkt.
Ja, vor allem meine Beziehung zu Gott hat sich während meines Dienstes vertieft. Gott, der jeden Moment meines Lebens gestaltet, um mich zu belohnen oder zu belehren, diesen Gott habe ich in den Herausforderungen meines Dienstes gefunden. Mein Vertrauen zu Ihm wächst mit jeder Schwierigkeit, die ich meistern darf. Seit Gott mein Lehrer ist, kenne ich meinen Weg, zu dem ich, selbst wenn ich dann und wann einmal irre, immer wieder zurück finden kann.
Acht Monate sind mittlerweile vergangen. Ich habe in Magdalena ein Zuhause gefunden und bin dennoch ein völlig Fremder. Mein Alltag ist ein wundervoller Mix aus überraschenden und ermüdenden, nervtötenden und unbeschreiblich schönen Ereignissen. Ich lerne – bewusst und unbewusst. Ich lebe. Immer noch. Endlich. Sinnvoll.

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„Bloß keine Erwartungen haben!“



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Sonntag, 08. Februar 2015 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Gesine über ihre bisherigen Erfahrungen in Albanien.

Aller Anfang ist schwer

„Bloß keine Erwartungen haben!“ Das habe ich bei jedem ADRA-Seminar gesagt und ich meinte es auch so. Aber natürlich hat sich jeder von uns 17 Weltentdeckern Gedanken gemacht, wie es sein wird, wie es aussehen, riechen und sich anfühlen wird.

Als Lisa und ich in unser Auslandsjahr nach Albanien gereist sind, wurden wir von viele unerwarteten Dingen überrascht. Von kleinen Dingen wie, dass man hier entweder ohne Probleme zu spät sein kann oder eine Stunde vor der Verabredung im Bett liegend angerufen wird, derjenige sei jetzt schon da und man solle doch bitte auch ganz schnell auftauchen – oder von großen Dingen, wie drei Wochen keine Arbeit zu haben, weil buchstäblich ganz Tirana Urlaub macht.

Als die Arbeit dann begann, war der Start schwer. Die Sprache war schwer, das morgendliche Aufstehen ebenso … Anstatt, dass ich sofort Vorschulunterricht mit Roma-Kindern machen konnte, saßen wir beide im Büro und fragten uns, warum für uns nichts voranzugehen schien. Und da merkte ich, dass ich natürlich Erwartungen an die Zeit hier in Albanien gehabt hatte. Aber wie geht man nun damit um, wenn diese scheinbar enttäuscht werden? Das war meine größte Herausforderung in den vergangenen dreieinhalb Monaten.

Ins Bett verkriechen kam für mich nicht in Frage!

Optimismus, Beschäftigung und niemals die Hoffnung aufgeben

Ich habe gelernt, hat man diese Mittel zur Verfügung, kann man unglaublich viel erreichen. Mein Leben hat sich durch sie total verändert. Ich habe jetzt Hobbys, denen ich nachgehe, Freunde, mit denen ich mich treffen und Orte zu denen ich gehen kann, Möglichkeiten meine von Gott gegebenen Gaben einzubringen – nicht zuletzt im Unterricht, der nun auch begonnen hat!

Dreimal die Woche fahre ich jetzt nach Fushe Kruja, eine Stadt in der Nähe von Tirana, in der ADRA Albaniens aktuelles Projekt mit einer Roma Gemeinde stattfindet. Dreimal die Woche bereite ich mich auf den Unterricht mit zwei- bis achtjährigen Roma-Kindern vor, die vom „Ich bin ein Kind,“ bis zum ABC noch alles lernen. Und dreimal die Woche werde ich von ihrem Lachen und ihren Begrüßungen „umgehauen“, staune über die Freude in ihren Gesichtern und die Freude, die sie in meinem Herzen auslösen.

Und schon macht die Arbeit Spaß, die Sprache erschließt sich Stück für Stück und es gibt 1.000 Gründe, für die man es liebt, morgens aufzustehen und ein Weltentdecker zu sein.

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Ein Jahr im Kinderheim „Regenbogen der Hoffnung“



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 04. November 2014 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Luise über ihre bisherigen Erfahrungen in der Republik Moldau.

Unsere Arbeit im Kinderheim „Regenbogen der Hoffnung“

Seit Anfang September bin ich nun hier, in der schönen Republik Moldau. Ich realisiere es erst jetzt (nach über einem Monat), dass ich diesen Schritt gewagt habe, für ein Jahr in einem fremden Land tätig zu sein. Und ich weiß, dass ich es nie bereuen werde 🙂 Gemeinsam mit einer anderen Freiwilligen, ihr Name ist Rebecca, arbeite ich im Kinderheim „Regenbogen der Hoffnung“ mit über 20 Kindern im Alter von 7 bis 17 Jahren zusammen. Diese Kinder kommen aus schwierigen Familienverhältnissen zu uns und finden hier ein geordnetes und liebevolles Zuhause. Von Anfang an waren sie sehr offen uns gegenüber und wir genossen schon am ersten Arbeitstag einige zaghafte Umarmungen, die nach einiger Zeit zu stürmischen Begrüßungen umschwenkten. 🙂

Wir als Freiwillige im Kinderheim „Regenbogen der Hoffnung“ haben wir die Aufgaben, als Hauswirtschaftler, Hausmeister, Nachhilfelehrer, Erzieher, Schwester und Freundin zu agieren. Das Erlernen der Sprache ist im Moment noch eine der größten Herausforderungen, die wir zu bewältigen haben. Deswegen sind wir gleichzeitig auch Schüler. Unsere Rumänischlehrerin sowie die Kinder helfen uns, die rumänische Sprache näher zu bringen. Aber bis wir richtig sprechen können, werden wohl noch einige Monate vergehen.

Rebecca und ich sehen weitere, wichtige und spezielle Aufgaben für uns, die uns jeden Tag motivieren. „Hoffnung geben, Liebe und Vertrauen schenken, Freude machen und erziehen“. Gerade weil die Kinder im Regenbogen der Hoffnung unsere Nähe und Zärtlichkeit suchen, merken wir wie nötig sie Liebe und Geborgenheit brauchen. Gott schenke uns die Kraft, seine Liebe an sie weiterzugeben!

Das Drumherum

Ich habe mich schnell an die Unterschiede zu Deutschland gewöhnt, z. B. an das Bus- und Autofahren, den Fahrstil, dreistündige Gottesdienste, die „Mülltrennung“, günstige Nahrungsmittel, an das viele leckere Obst auf dem Piata (Wochenmarkt), wild herumlaufende Katzen und Hunde, die an Containern ihr Zuhause gefunden haben, an die Andersartigkeit der Musik sowie an das schöne Wetter hier in Moldova. Wir haben im Moment Herbst und er kommt uns viel viel schöner vor als in Deutschland, da die Sonne wunderschön durch die bunten Blätter scheint.

Wir erlebten in dieser Zeit schon etliche schöne Ereignisse, wie z.B. typisch moldauische Konzerte oder einfach einen tollen Spaziergang durch das Dorf bzw. über den Piata. Wir begegneten lieben Menschen, die uns halfen in Chisinau, der Großstadt von Moldova, zurechtzufinden. Froh sind wir über die große Gemeinde mit den zahlreichen Jugendlichen, die wir hoffentlich noch besser kennenlernen werden und über unseren Mentor, der für uns schon in der kurzen Zeit, wie ein großer Bruder geworden ist! Für dies alles sind wir Gott echt dankbar. Dankbar bin ich auch für das, was noch kommen mag und freue mich so sehr auf diesen Moment eine ordentliche rumänische Konversation zu führen. 🙂

Ich blicke voller Zuversicht auf die kommenden 10 Monate! 🙂

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Helfen und sich helfen lassen – mit dem nötigen Feingefühl



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 29. Oktober 2014 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Hannah über ihre Erfahrungen in Bolivien.

„Give me hands to touch the hurting“ – So wird es in einem Lied der NebbletFamiliy gesungen. Die darin ausgedrückte Bitte beinhaltet auch den Wunsch zu helfen – mit dem nötigen Feingefühl.
Jeder Freiwillige geht mit der Motivation „helfen“ zu wollen ins Ausland, doch am Ende stellt sich einem die Frage, ob man wirklich helfen konnte? Wurde nachhaltig etwas verändert oder war der Einsatz umsonst, da die Menschen nach dem Abschied möglicherweise wieder in ihre alten Tagesabläufe zurückfallen? Fragen wie diese waren ständige Begleiter in den letzten Wochen in Bolivien.

Gerade bei der Arbeit mit Kindern können Veränderungen ihrer Verhaltensweisen bzw. Ergebnisse der Erziehung nicht von den einen auf den anderen Tag erwartet werden. Doch wenn 11 Monate Zeit, Nerven, Liebe und Geduld investiert werden, wird schon die kleinste Veränderung bemerkt – mit dem nötigen Feingefühl. Für die Arbeit mit den Jungen im Kinderheim „Foundacion Sión“ wird das genannte Feingefühl benötigt und auch entwickelt. Die Kinder spielen, machen Hausaufgaben, raufen miteinander und streiten. Vor allem beim Letztgenannten muss sich langsam herangetastet werden. Das Lösen von Konfliktsituationen zwischen den Jungen ist jedes Mal eine Herausforderung, da jedes Kind seine eigene Sicht auf die Dinge hat und auf sein Recht pocht. Die Perspektive des Kindes zu verstehen und eine Lösung für die Streitenden zu finden, dabei sind Geduld und Neutralität gefragt. Auch wenn es bei jedem neuen Streit, bei jeder kleinen Diskussion so scheint, als ob die Jungen nichts dazu gelernt hätten, lernen sie doch schon währenddessen eine Menge. Und sei es nur, leiser zu streiten, damit wir nichts davon mitbekommen.

Die Zeit ging im Nachhinein sehr schnell um und verändert wurde viel, auch nachhaltig. Dabei beziehe ich mich nicht nur auf Tagesabläufe, das Umräumen von Möbeln, die Ernährung oder Spiele. Die Kinder und wir haben uns aneinander gewöhnt, jetzt können wir einschätzen in welcher Situation wer wie reagiert. Jetzt wissen wir, welches Spiel angesagt ist und wer Hilfe bei den Aufgaben für die Schule braucht. Die Kinder haben sich verändert und in den meisten Fällen zum Positiven. Wörter wie „Bitte“ und „Danke“ sind in ihrem Wortschatz vorhanden und ein Großteil weiß sie auch zu benutzen. Doch was noch viel wichtiger ist: die Kinder uns, sie haben mich verändert – mit dem nötigen Feingefühl. Wenn es auch in den Monaten hier nicht ganz einfach war, so haben wir uns gegenseitig dadurch getragen und voneinander gelernt, zum Beispiel hat unser Jüngster Lesen und Schreiben gelernt und im Gegenzug durfte ich lernen, dass es sich lohnt, sich mit ihm hinzusetzen und zu üben, auch wenn wir beide manchmal dazu keine Lust hatten. An dem Ergebnis, dass er jetzt schon kurze Geschichten lesen kann, erfreuen wir uns beide. Veränderungen, Erfolge und Misserfolge begleiten uns unser ganzes Leben lang, Erwachsene wie Kinder. Ich habe in diesem Jahr viel mehr von den Kindern gelernt, als sie von mir und die Arbeit mit ihnen hat mich sehr erfüllt.

„Give me hands to touch the hurting“ – Jeder kann helfen und etwas verändern und mit Dankbarkeit und großer Zufriedenheit kann ich sagen, dass ich nicht nur „Foundacion Sión“ unterstützen konnte, sondern die Kinder auch bei mir etwas verändert haben.

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