ADRA Live! Weltwärts Quifd-Siegel

In der Ruhe liegt die Kraft



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 27. April 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht des ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Jannis über seinen Freiwilliendienst an einer Grundschule in Costa Rica.

„Ein ganzes Jahr?“ – Das ist die Reaktion die ich meistens bekomme, wenn ich von Urlaubern gefragt werde wie lange ich in Costa Rica bleibe. Ich konnte es am Anfang auch nicht fassen.

Costa Rica, „die reiche Küste“, ist nun seit 8 Monaten mein Zuhause. Wo andere Urlaub machen, habe ich das Vergnügen meinen Freiwilligendienst zu leisten. Quasi direkt nach dem Abi ging es für mich nicht nur auf die andere Seite der Welt, sondern auch auf die andere Seite des Klassenzimmers. Ich arbeite nämlich in einer adventistischen Grundschule als Lehrer für Science, Englisch, Musik und Deutsch. Mit buchstäblich Null Erfahrung als Lehrer plötzlich vor einer Klasse zu stehen, war zu Beginn natürlich eine Herausforderung. Ich habe zwar 12 Jahre lang Lehrern im Unterricht zugeguckt, aber selber zu unterrichten ist noch einmal eine ganz andere Sache. Aber an Herausforderungen wächst man bekanntlich.

Unterricht mit Hindernissen

Leider ist Disziplin hier anders als in deutschen Grundschulen. Neben dem Unterrichten muss ich auch dauerhaft die Kinder davon abhalten, herumzulaufen, sich auf den Boden zu legen, ihre Nachbarn zu ärgern oder Zahnpasta aus der Tube zu naschen. Nicht immer leicht. Zum Glück habe ich nur maximal 7 Kinder in einer Klasse, trotzdem kann das schon mal echt anstrengend sein.

Nach 8 Monaten hat sich allerdings einiges eingespielt. Inzwischen habe ich selbst ein wenig Erfahrung als Lehrer. Die Anforderungen an mich selbst habe ich etwas heruntergeschraubt und nun akzeptiere ich auch einen bestimmten Anteil von Chaos in meinem Unterricht. Den kann ich nämlich nicht verhindern und so ist es gleich viel weniger stressig.
Damit bin ich auch der Lebensweise der Ticos (Costa Ricaner) näher gekommen, die leben nämlich mit vollster Stressvermeidung. Pünktlichkeit verursacht nur Stress, also weg damit. Schule ist gerade ein bisschen zu viel? Dann machen wir morgen einfach frei. Das ist der Tico-Lifestyle.

Auf Spanisch bitte

Costa Rica liegt in Lateinamerika, man spricht also Spanisch. Am Anfang kannt ich auf Spanisch nur „Vamos a la playa“, inzwischen läuft das allerdings besser. Ich unterrichte meistens auf Spanisch und da man den ganzen Tag mit Spanisch umgeben ist, lernt man das fast wie von selbst. Zu Beginn hat man natürlich noch mehr gelernt, aber trotzdem müssen mir meine Schüler noch ab und zu auf die Sprünge helfen. So bringe ich denen den Stoff bei und sie mir Spanisch. Wir helfen uns gegenseitig.
Es sprechen auch leider viele Leute Englisch. Warum leider? Wenn ich mein Spanisch üben will und jemanden auf Spanisch anspreche, brauchen die keine zwei Sätze um zu begreifen, dass ich eigentlich nur begrenzt Spanisch spreche. Also sind sie so nett und antworten auf Englisch. Danke, aber nein Danke, ich würde doch viel lieber Spanisch reden.
Wenn dann jedoch Einheimische im vollen Tico-Tempo mit mir reden wollen, verstehe ich auch nur Bahnhof.

Bis jetzt hatte ich eine echt tolle Zeit hier und ich freue mich auf die Zeit, die ich noch vor mir habe. Ich weiß schon, dass ich die Kinder vermissen werde, wenn ich wieder nach Hause fliege, aber so ist das leider. Bis dahin werde ich mein Bestes geben ein guter Lehrer zu sein.

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Ein Schritt ins Ungewisse



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 05. April 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Paula, die in Bulgarien ihren Freiwilligendienst macht.

Als ich mich vor knapp einem Jahr dafür entschied nach Bulgarien zu gehen, wusste ich nicht, was mich erwartet. Ich hatte keine Vorstellung vom Land, nur eine grobe Ahnung, was genau ich in meinem Projekt machen werde und die oft gestellte Frage „Aber warum denn Bulgarien?!“ konnte ich mir selbst nicht wirklich beantworten. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es das Richtige ist und stand ohne wirkliche Begründung voll hinter meiner Entscheidung. Und das habe ich in mittlerweile sieben Monaten im Projekt auch noch keinen Tag bereut!

So nah und doch so anders

Anders als die meisten meiner Mitfreiwilligen verbringe ich die Zeit meines Freiwilligendienstes nicht am anderen Ende der Welt. Man könnte vielleicht gerade so vom anderen Ende Europas sprechen. Mit dem Flieger könnte ich in etwas mehr als zwei Stunden wieder Zuhause sein. Bulgarien ist kein Entwicklungsland, trotzdem ist vieles anders. Obwohl Sofia sich auf den ersten Blick nicht großartig von einer normalen deutschen Großstadt unterscheidet, fällt bei genauerem Hinsehen doch immer wieder auf, dass man sich im ärmsten Land der EU Mitgliedsstaaten befindet. Löhne und der Lebensstandard sind generell niedriger und unfertige oder halb verfallene, aber trotzdem bewohnte Häuser sind keine Seltenheit, nicht nur in den Randbezirken. Die Kultur und generelle Einstellung sind zwar prinzipiell europäisch geprägt, dennoch musste ich mich erst daran gewöhnen, dass alles etwas langsamer, entspannter und spontaner von Statten geht als Zuhause. Auch einige Probleme, wie zum Beispiel die Einstellung der Bevölkerung den lokalen Roma gegenüber, wurden schnell deutlich.

Für mehr Akzeptanz und Toleranz

Das ist der Punkt, an dem mein Projekt ansetzt. Unter dem Titel „Young people for tolerance“ arbeiten wir mit Kindern und Jugendlichen in Schulen, Jugendzentren oder auch mal an der Universität. Themen wie Menschenrechte, Diskriminierung und Toleranz stehen hier in den Schulen nicht unbedingt auf dem Lehrplan und müssen daher von außerhalb kommen. Mit spielerischen Workshops versuchen wir Interesse daran zu wecken, zum Nachdenken anzuregen und weit verbreitete Vorurteile zu hinterfragen.
Leicht ist das nicht immer. Interesse von den Schülern ist selten von vornherein gegeben. Verständigungsprobleme sind keine Seltenheit und auf einmal vor einer Klasse zu stehen, statt mittendrin zu sitzen, immer noch ungewohnt für mich. Oft sind nur drei bis vier Kinder aktiv dabei und dann meistens auch eher aktiv gegen das, was wir vermitteln wollen. Doch wenn zwei dieser Kinder am Ende der Stunde nach vorne kommen, fragen wann wir wiederkommen oder einräumen, dass die Vorurteile und Stereotypen möglicherweise nicht auf alle Roma oder Flüchtlinge zutreffen und man über einiges noch ein bißchen nachdenken könnte, weiß ich, dass es nicht umsonst war.

Ich bin angekommen

Ich habe Bulgarien in den letzten sieben Monaten als ein Land voller Kontraste, mit einer wunderschönen, völlig unterschätzten Natur und viel mehr jungen Freiwilligen aus ganz Europa als ich jemals gedacht hätte, erlebt. Ich durfte unglaublich viele neue Erfahrungen sammeln, schätze auch den nicht immer spannenden Büroteil meiner Arbeit und kämpfe mit der Aussprache der praktisch nur aus Konsonanten bestehenden, bulgarischen Wörter. Ich kann immer noch nicht glauben, wie schnell die ersten sieben Monate vergangen sind und freue mich auf die nächsten vier. In einem Land, von dem ich vor einem Jahr nicht einmal genau wusste, wo es liegt und einem Projekt, über das ich kaum mehr wusste, als dass es etwas mit Kindern zu tun hat und auch Büroarbeit enthält, habe ich wirklich das Gefühl angekommen zu sein.

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Regen bringt Segen



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Donnerstag, 17. März 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Mirka, die ein Jahr in Sambia lebt und in einem Hospiz arbeitet.

In Sambia ist gerade Regenzeit. Land und Leute freuen sich, dass die Temperaturen etwas sinken, das Land fruchtbar wird, Vorräte aufgefüllt werden können und Stauseen zur Stromerzeugung sich füllen.

Regen beherrscht die Tage

Morgens um 7 Uhr.  Beim Anschalten des Wasserkochers stelle ich fest, es ist Stromausfall. Verdammt ich werde es nie lernen, dass jeden Tag für 8 Stunden nach einem festen Plan der Strom abgeschaltet wird. Viel Regen wird den Stausee hoffentlich bald mit genug Wasser füllen, um Sambia und seine Nachbarländer mit Strom zu versorgen. Also gibt’s heute keinen Kaffee☹
Beim Zähneputzen fällt mir auf, dass der Wasserdruck sehr niedrig ist, da die Pumpe, die unser Wasser aus dem Bohrloch in den Tank pumpt elektronisch funktioniert. Ich bin aber froh, dass überhaupt noch Wasser aus dem Hahn kommt und ich noch schnell meine Trinkflasche füllen kann.
Mit Regenjacke im Gepäck verlasse ich mit meinem Mountainbike unser nobles Grundstück. Der Regen hat die Landschaft sehr grün gemacht. Das Gras sprießt hoch, so dass man die kleinen Lehmhäuser der Einheimischen teilweise kaum mehr sieht. Schon früh am Morgen sieht man Männer mit Sicheln sich durch das hohe Gestrüpp kämpfen und das Gras bearbeiten. Überall wächst Mais. Fast jede Familie baut um ihr Haus oder auf kleinen Farmen zur Regenzeit Mais an. Dieser wird zu Maismehl verarbeitet um Nshima (Maisbrei) zuzubereiten. Dies ist das Hauptnahrungsmittel hier in Sambia. Er wird bis zu drei Mal am Tag gekocht und mit Blattgemüse, Bohnen, Hühnchen, Erdnüssen, Ei, Fisch, Raupen oder Ratten gegessen

Auf der Straße treffe ich auf viele Fußgänger und Radfahrer, die teilweise mit dicken Jacken, Mützen und Handschuhen bekleidet sind. Für sambische Verhältnisse ist es bei 20 Grad kühl. Die Sonne scheint. Mir begegnen Frauen in bunter Kleidung mit Körben voller Obst, Gemüse, Frittas (frittierte Teigteile) oder anderen Gütern auf dem Kopf. Kinder werden in Chitenge (Stoffen) auf den Rücken gebunden. Hühner werden in Plastiktüten transportiert. Kinder laufen teilweise weite Strecken in Schuluniformen zur Schule. Radfahrer kämpfen sich mit schweren Lasten, wie Ziegen, Schweinen, mehreren Kisten voller Tomaten, riesigen Säcken mit Holzkohle über die lehmigen und schlammigen Straßen, die voller Pfützen und Schlammlöchern sind. Autos sind braun gesprenkelt vom Schlamm.

Regen macht gesellig!

Angekommen im Hospiz, in dem ich arbeite, werde ich zunächst von den Kindern aus der Vorschule nebenan herzlich mit Umarmungen begrüßt. Wir pfegen im Hospiz hauptsächlich an HIV/AIDS erkrankte Menschen. Viele sind an schwerwiegenden Infektionen erkrankt, wie z.B Tuberkulose. Viele Patienten haben ihre HIV Medikamente abgesetzt und leiden jetzt an den Auswirkungen. Ebenso betreuen wir auch Kinder mit starker Unterernährung. Meine Aufgabe ist es, mich um die Patienten zu kümmern. Als Krankenschwester pflege ich die Patienten und sorge für ihr Wohlbefinden, soweit es mir möglich ist. Das Team besteht aus Krankenschwestern und Pflegehelfern. Alle arbeiten als Volontäre und bekommen ein geringes Taschengeld.

Gegen Nachmittag ziehen dunkle Wolken auf, es grummelt und blitzt in der Ferne. Eine frische Brise kommt auf. Regen kündigt sich an und schon geht es los. Schnell holen wir unsere Patienten rein die zuvor draußen saßen und etwas frische Luft genossen haben.  Es schüttet wie aus Eimern, die Welt steht still. Jeder bleibt wo er ist und es heißt warten. Meistens aber nicht lange. Termine werden verschoben bis der Regen aufhört, niemand verlässt seinen trockenen Ort.

Auf dem Rückweg von der Arbeit gegen 17 Uhr nieselt es noch etwas. Kinder spielen und baden lautstark kreischend in den Pfützen. Frauen tragen Plastiktüten auf dem Kopf um ihre Kunsthaare vor dem Regen zu schützen. Ich bin nach fünf Metern braun mit Schlamm besprenkelt. Zuhause angekommen gönne ich mir zu meiner größten Zufriedenheit eine warme Dusche und einen schönen Instant-Kaffee. Ich bin froh, dass ich das Privileg habe, diesen Luxus zu genießen. Ich denke an viele meiner Kollegen und all die Leute hier, die nun in ihren  Lehmhütten mit leckenden Dächern und überschwemmten Böden ohne fließend Wasser und Strom sitzen. Sie haben alle ihre Gefäße zusammen gesucht, um das Regenwasser zum Waschen und Duschen aufzufangen.

Ganz anders als in Deutschland, wird hier der Alltag der Einheimischen und auch mein Alltag vom Wetter regiert. Für mich ist es eine neue und interessante Erfahrung auf genügend Regen angewiesen zu sein, aber auch die Schwierigkeiten die dieser bringt im Alltag zu bewältigen.

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Ein Leben, so ganz anders als gewohnt



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 02. März 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht des ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Maxi, der ein Jahr auf den Philippinen lebt und arbeitet.

Seit ich hier auf den Philippinen bin, habe ich gemerkt wie klein die Welt doch war, in der ich zuvor gelebt habe. Ich glaube jeder kennt den Spruch: „Andere Länder, andere Sitten“. Aber so richtig nachvollziehen kann man das erst, wenn man es selbst am eigenen Körper erlebt hat. Es wird einem bewusst, dass in anderen Ländern viele Dinge einfach anders gemacht werden. Auf einmal wird einem klar, für wie selbstverständlich man fließendes Wasser oder permanenten Strom gehalten hat.

Nichtsdestotrotz bietet ein solches Jahr im Ausland eine unvorhersehbare Anzahl an schönen Eindrücken und aufregenden Erfahrungen. Ich bin jetzt seit fast 7 Monaten hier und habe so viele Eindrücke gesammelt, wie mein ganzes Leben zuvor noch nicht. Zudem sind die Philippinen, in die ich entsendet wurde, ein sehr schönes und naturnahes Land. Der Campus, auf dem ich lebe, liegt etwas entfernt von der nächsten Stadt. Dafür habe ich das schönste Panoramabild, was man sich nur vorstellen kann. Das Gelände ist auf zwei Seiten von Bergen umschlossen, was besonders schön in der Abenddämmerung zur Geltung kommt.

Mein Tagesablauf

Mein Tag beginnt um 6:00 Uhr mit dem Frühstück. Es gibt zu jeder Mahlzeit am Tag Reis zu essen, was am Anfang eine ganz schöne Umgewöhnung erforderte. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Um 7:00 Uhr startet dann der offizielle Tag, mit einer morgendlichen Andacht.
Nach dieser Andachtszeit habe ich ungefähr 1½ Stunden Zeit, um mich auf meinen Unterricht vorzubereiten. Der Großteil der Jungen, die zwischen 9 und 21 Jahren alt sind, geht auf öffentliche Schulen. Nur einige wenige werden auf unserem Campus unterrichtet. Meine Unterrichtszeit ist von 9:30 Uhr bis 11:30 Uhr. In dieser Zeit unterrichte ich die Kinder in Englisch und Mathe. Manchmal kann das Unterrichten recht anstrengend sein, doch wir haben immer viel zu Lachen und deswegen verfliegt die Zeit jeden Tag wie im Flug. Danach gibt es Mittagessen und nach dem Essen eine Mittagspause. Es ist das ganze Jahr über sehr warm auf den Philippinen, weswegen jeder mittags Siesta macht. Am Nachmittag wird dann im Gemüsegarten gearbeitet. Danach ist Hausaufgabenbetreuung für diejenigen Schüler angesagt, die auf öffentliche Schulen geschickt werden. Vor dem Abendbrot ist schließlich noch Zeit für sportliche Aktivitäten, wie Fußball, Volleyball oder Basketball. Nach dem Abendessen werden Karten oder Schach gespielt. Auch Spiele wie Uno oder Ligretto werden fast jeden Abend herausgeholt.

Meine außerschulischen Aktivitäten

An Wochenenden unternehme ich mit den Mitarbeitern, die auch auf dem Campus leben, häufiger Aktivitäten. Ich werde oft zum Essen eingeladen, was meiner Figur nicht so gefällt, dafür aber meinem Magen. Es schmeckt immer sehr lecker. Manchmal werde ich auch zu Mitarbeitern nach Hause eingeladen, wo das Essen immer besonders gut schmeckt. Man kann dann sehen, wie die Mitarbeiter so leben. Ich habe auch schon einmal den Bürgermeister, von einem Teil der Hauptinsel der Philippinen, kennengelernt. Er war sehr freundlich, so wie fast jeder in den Philippinen.

Ich bin der Meinung, dass jeder in seinem Leben, einmal eine solche Erfahrung machen „muss“. Es kann sehr hart sein, so weit von seiner Familie und seinen Freunden entfernt zu sein, aber die Erfahrungen, die ich hier gesammelt habe, werden mich definitiv mein ganzes Leben begleiten. Ich bin sehr zufrieden mit dem Projekt, in das ich gekommen bin. Es tut gut, eine andere Kultur zu erleben und neue Freunde zu finden, die ganz anders sind als man selbst.

 

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„Ich habe das Gefühl wirklich am richtigen Ort zu sein…“



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 23. Februar 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Hannah, die sechs Mädchen im Kinderheim „El Sauce“ in Bolivien betreut.

Es ist morgens halb sechs, die Sonne ist noch nicht aufgegangen und die wunderschöne Berglandschaft, die uns umgibt, liegt noch im Nebel. Wahrscheinlich ist es trotzdem jetzt schon wärmer als zurzeit tagsüber in Deutschland. Das einzige was ich jedoch bewusst wahrnehme, ist das verschlafene Grunzen meiner Mitfreiwilligen, das mir zu verstehen gibt, dass ich die Kinder aufwecken soll. Ein neuer Tag beginnt. Ein Tag der wie immer mit müden Kindern anfängt, die ich jetzt irgendwie motivieren muss schnellstmöglich aufzustehen, damit die nächsten Programmpunkte reibungslos ablaufen: gemeinsame Andacht, Morgensport, Frühstück. Danach Schulsachen packen, Bett machen, den verlorenen Schuh suchen, die schon fertigen Mädchen frisieren, Abschiedsküsschen und ab in die Schule. Jetzt herrscht erst einmal Ruhe… und ich habe Zeit mich und mein Haus vorzustellen.

Ein neues Heim für vernachlässigte Kinder

Ich heiße Hannah, bin 18 Jahre alt und nach meinem Abi mit zwei weiteren Freiwilligen nach Bolivien geflogen, um in einem Heim für ehemalige Straßenjungen in Santa Cruz zu arbeiten. Hier angekommen existierte von dem Heim nur das Haus, das erst einmal renoviert werden musste. Und so wechselten wir nach drei Monaten nach Samaipata, in das Kinderheim „El Sauce“. Hier sind wir für sechs Mädchen im Alter von sechs bis sechzehn Jahren verantwortlich. Wenn ich beschreiben soll, was meine Aufgaben sind, dann sage ich meistens, dass die Person sich einfach vorstellen soll, was ihre Mutter tut. Unser Job ist es mit den Kindern zu leben. Wir erfüllen ihre Grundbedürfnisse, doch da ist so viel mehr… Alle diese Kinder wurden von der Regierung aus ihren Familien genommen, sei es weil teilweise die ganze Familie alkoholabhängig war oder weil die Kinder missbraucht wurden. Jedes Kind hat seine eigene Geschichte und so braucht auch jedes ein unterschiedliches Maß an Aufmerksamkeit. Was sie jedoch alle brauchen ist Liebe. Wir versuchen ihnen diese durch zuhören, helfen, aber auch durch Regeln und Grenzen zu zeigen, insgesamt also ein schönes Heim zu bieten.

Kreativität, Spiel & Spaß

Das mit dem schönen Heim gelingt oft gut, wir sind kreativ, basteln Karten, haben diverse Traditionen erfunden, wie einen Tag in der Woche eine „room competition“ zu machen, bei der jeder sein Zimmer aufräumen und schön machen muss und dann gemeinsam Punkte vergeben werden. Sonntags spazieren wir ins vierzig Minuten entfernte Dorf und essen eine Empanada (typisch bolivianische Teigtaschen mit Käse die so unglaublich fettig und lecker sind), laufen über den Markt oder setzen uns auf die „Plaza“.

Ein weiteres Highlight war die Prinzessinnen Party einen Monat zuvor: alle Mädchen des Heims waren eingeladen sich in Schale zu werfen und in das „Schloss auf dem Berg“ zu kommen. Neben einem tollen Essen gab es ein Spieleprogramm, bei dem immer zwei Gruppen in Eigenschaften einer Prinzessin gegeneinander antreten musste. Ein Beispiel: Um euren Prinzen von euch zu überzeugen, müsst ihr selbstbewusst und wie eine Dame euren Weg gehen. Nehmt ein Buch, legt es euch auf den Kopf und versucht so schnell und grazil wie möglich den folgenden Parcour zu durchqueren. Aber Vorsicht! Auf dem Boden liegen Rosen, die ihr einsammeln und mitnehmen müsst!

Immer wieder neue Herausforderungen

Alles in allem ist es ein weiter und nicht immer ganz klar definierter Aufgabenbereich. So waren wir beispielsweise an einem Sabbat in der Gemeinde und es stand die Sabbatschule an. Leider war der Leiter nicht da und so musste spontan jemand die Gruppe übernehmen. Und wer würde sich da besser anbieten, als eine deutsche Freiwillige, die grade erst Spanisch gelernt hat? So stellen sich mir immer wieder Herausforderungen. Sei es vegan zu kochen, ein Mädchen zu trösten, das ihre Eltern vermisst oder drei Tage lang ohne fließendes Wasser zu leben.
Die größte Herausforderung für mich persönlich ist jedoch der Gedanke, dass diese Kinder wirklich niemanden haben, der die Liebe ihrer Eltern ersetzen kann und wir sie lediglich einen Teil ihres Lebens begleiten und ihnen einen guten Weg zu leben zeigen können.
Doch in diesen Situationen durfte ich erfahren, dass Gott tatsächlich da ist und hilft. Wenn ein Kind seinen Kopf in meinen Schoß legt und mir sagt, das es nicht will, dass ich gehe oder ein anderes zum ersten mal alleine betet und dabei nicht „Dios“ (Gott), sondern „Josh“ (den Freiwilligen aus dem Jungshaus) zur Andacht einlädt, dann wird mein Herz ganz weit und ich habe das Gefühl wirklich am richtigen Ort zu sein und einen Unterschied zu machen.

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Do small things with great love



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 26. Januar 2016 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Rebecca über Ihre Lehrtätigkeit an der Universität Linda Vista in Mexiko.

„Und, was denkst du über Mexiko?“ – das ist eine Frage, die mir hier schon sehr häufig gestellt wurde und diese Frage ist gar nicht mal so leicht zu beantworten. Als ich erfahren habe, dass ADRA mich ausgewählt hat, meinen Freiwilligendienst in Mexiko abzuleisten, wusste ich zugegebenermaßen nicht besonders viel über dieses Land. Mexiko – was denke ich über Mexiko? Ich lasse meine Gedanken schweifen und früher oder später werden wohl viele, genauso wie ich vor meiner Abreise, an den Schlagzeilen der Zeitungen hängen bleiben:

„Elf Tote bei Drogenkrieg in Mexiko“, „Der lange Arm der Gewalt reicht bis zu uns“, „Hungrig, verwahrlost, zum Betteln gezwungen“, „Polizei entdeckt 800 Meter langen Drogentunnel“, „Ein Land aus dem Lot“

Ein Jahr in einem Entwicklungsland leben und arbeiten, in welchem Themen wie Drogenkriege, Gewalt, Korruption, Armut und Ungerechtigkeit nicht nur als schwarze Druckbuchstaben auf einem Zeitungspapier zu lesen sind, sondern Realität des täglichen Lebens sind. Eine Herausforderung? – Mit Sicherheit. Ein Abenteuer? – Keine Frage. Doch was genau würde uns erwarten in dem Land, das uns bisher nur als Fleck auf einer Weltkarte, aus Nachrichten und Zeitungsartikeln bekannt war?

180 degree turn

Mexiko, Chiapas, Universität Linda Vista – der Ort, den ich nun schon seit fast einem halben Jahr mein Zuhause nennen darf. Ein behüteter, grüner Campus mitten in den Bergen, bei dem die Auswirkungen der Schlagzeilen erst einmal weit entfernt scheinen. Mein geregeltes und geordnetes Schülerleben habe ich nun gegen einen leicht chaotischen und spontanen Alltag auf einem Uni-Gelände eingetauscht, meine gewohnte Alltagssprache Deutsch gegen Spanisch und Englisch, mein morgentliches Müsli gegen ein paar Bohnen und Tortillas, Europa gegen Lateinamerika, Euro gegen mexikanische Pesos, deutsche Autobahnen gegen schlechte und kurvige Straßen in den Bergen, die Amseln auf meinem Dach gegen ein paar Kolibris vor meinem Klassenzimmerfenster …  UND: meine Rolle als Schülerin gegen die als Lehrerin – eine 180° Wendung! Und zwar nicht nur deshalb, weil ich nun plötzlich auf der anderen Seite des Klassenzimmers an der Tafel stehe und nicht mehr, wie all die Jahre zuvor, auf einem Stuhl hinter meinem Tisch, als eine von vielen Schülern.

365 new days, 365 new chances

Als ich mich entschieden habe nach Mexiko zu gehen, wusste ich, dass sich in meinem Leben vieles verändern würde. Abenteuer und Herausforderungen würden auf mich warten und ja, auch eine große Umstellung meines bisher gewohnten Lebens. Wir Menschen sind doch oft so gestrickt, dass wir Angst vor Veränderungen haben, da das Gewohnte uns ein Gefühl von Sicherheit gibt. Doch ich wollte in diesem Jahr genau das nicht in all den Änderungen sehen – Angst. Sondern im Gegenteil,  in jedem dieser 365 Tage steckt eine neue Chance. Eine Chance zu lernen und Herausforderungen anzunehmen, statt daran zu verzweifeln, über sich selbst hinauszuwachsen, etwas Neues entdecken und erleben, Erfahrungen fürs Leben sammeln und jeden Tag aufs Neue versuchen, mit Gottes Hilfe sein Bestes zu geben.

Do small things with great love

Obwohl sich mit meiner Entscheidung ins Ausland zu gehen, viele Dinge in meinem Leben verändert haben, ist mir doch eine Sache geblieben: die Schule. Als frisch gebackene Abiturientin steige ich in den Flieger, steige wieder aus und befinde mich wieder an einer Schule, nur diesmal als Lehrerin. Wer hätte gedacht, dass das so schnell gehen könnte? Auf der Universität Linda Vista unterrichte ich Englisch in der Mittel- und Oberstufe sowie in den Studentenklassen und separat gebe ich einen kleinen Deutschkurs. Ich habe nie ein Lehramt-Studium abgeschlossen und mein Wissen für das Fach Englisch beschränkt sich lediglich auf das, was ich selbst in meiner Schulzeit gelernt habe. Klingt also nicht nur nach einer unheimlichen Herausforderung, sondern ist es auch. Viele Herausforderungen neigen oft dazu, sich in Überforderungen zu verwandeln. Man hat das Gefühl man geht einen Schritt nach vorne und zwei wieder zurück – die Schüler wollen doch überhaupt nichts lernen! Doch wenn man mit den großen Dingen überfordert ist, muss man sich an die kleinen Dinge erinnern und diese anpacken. Ich erinnere mich daran, meinen Fokus nicht auf ein Jahr zu legen, sondern auf jeden einzelnen Tag dieser 365 Tage und auf die Chancen und Möglichkeiten, die dieser Tag bietet. Die Möglichkeit, das was du tust mit Liebe und Freude zu füllen, jeden Tag zu etwas Besonderem zu machen, egal wie groß die Herausforderungen sind. Man nimmt sich so viele Dinge für dieses Jahr vor, man möchte helfen und etwas bewirken, denn dafür bin ich schließlich hier. Und oft ist man dann enttäuscht, wenn man merkt, dass man nicht so viel tun und helfen kann, wie man gerne möchte.  You cannot help everyone, but everyone can help someone. Dabei kommt es nicht darauf an, was oder wie viel du tust, sondern wie du es tust. Und wenn du nur einen Hauch im Leben eines einzelnen Menschen veränderst, so ist es das wert. Denn manchmal sind es die Kleinigkeiten, die den großen Unterschied machen!

“Do everything with so much love in your heart that you would never want to do it any other way.”

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Vorweihnachtszeit mal anders



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 08. Dezember 2015 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Cindy über Tansania und das „Kilimandscharo Orphanage Center“ in Pasua.

Lieder wie „Feliz Navidad“, „Jingle Bells“, „Stille Nacht“ in englischer Vision höre ich zurzeit beinahe täglich und überall… und das in Tansania, wo – man wird es kaum für möglich halten – zurzeit auch die Weihnachtszeit eingeläutet wird. Die Kassen in den Supermärkten und die Palmen vor den Banken sind mit Weihnachtsbeleuchtung und Girlanden geschmückt, Plastiktannenbäume, einen Weihnachtsmarkt und einen in Menschengröße singenden und tanzenden  Plastikweihnachtsmann vor dem Eingang des Supermarktes gibt es auch. Habt ihr euch so Afrika vorgestellt? Nein? Ich auch nicht.

Karibu in Tansania – das Land voller Überraschungen

Jeden Morgen mit Sonnenschein aufwachen, jeden Tag unzählig und vielfältig frisches Obst, an dem man sich so richtig satt essen kann, jeden Tag das Lachen und die Liebe der Kinder spüren und herumalbern, jeden Tag etwas Neues entdecken, jeden Tag mit – und voneinander lernen und kostbare Erfahrungen sammeln. Jeden Tag völlig anders und überraschend erleben – mit Höhen und Tiefen. Jeden Tag erlebe ich hier in Tansania auf ganz besondere und vielseitige Art und Weise.  Tansania, das Land in dem ich seit gut 4 Monaten lebe. Nie hatte ich eine Vorstellung von Afrika, als wie ich sie aus Filmen oder Bildern kannte.

Umso beeindruckender und nachhaltiger sind all die Erfahrungen, die ich hier sammle. Zum Beispiel der Besuch bei den Massai und die Faszination der Schönheit dieses Stammes; die Weiten der Steppen von Afrika, die mich mit ihrer Schönheit sowohl in der Trocken- als auch in der Regenzeit immer wieder staunen lassen; die bunte Tierwelt oder der Umgang der Afrikaner mit uns weißen Menschen. Nie zuvor ist mir der Unterschied zwischen schwarz und weiß so sehr aufgefallen wie hier. Für jeden Einheimischen bin ich hier ein Mzungu, was so viel heißt wie  ,,weißer Mensch“, der in den meisten Vorstellungen der Afrikaner natürlich wohlhabend ist. Egal ob ich einkaufen gehe, in einem Dalla Dalla (das sind die Kleinbusse hier) sitze oder nur durch die Straßen laufe, alle nennen mich Mzungu und rufen nach mir. Kinder und Erwachsene fassen meine Haut und meine Haare an. Alle bestaunen mich und ja, auch kleine Kinder kommen auf mich zu und verlangen von mir, dass ich ihnen Geld gebe. Oftmals komme ich mir in solchen Situationen weltfremd vor. Nie hätte ich gedacht, dass ich nur durch meine Hautfarbe solch eine Aufmerksamkeit auf mich ziehen und anders behandelt werde würde. Am Anfang war das für mich sehr befremdlich und selbst jetzt bedarf es noch einige Gewöhnung.

Ja, ich muss sagen mit meinem Schritt nach Afrika zu gehen, bin ich nicht nur in ein anderes Land abgetaucht, nein – auch in eine völlig andere Welt. Die dritte Welt.
Ich will mal nicht so tun, als ob ich hier im Paradies gelandet bin. Neben den vielen schönen Seiten gibt es auch viele Schattenseiten Afrikas, die ebenfalls an mir nicht vorbeigehen und oft Unverständnis, Traurigkeit und viele Fragen in mir hinterlassen. Es ist nicht immer leicht Dinge hin- und anzunehmen, die man überhaupt nicht kennt beziehungsweise, die man selbst vielleicht ganz anders machen würde. Oft fällt es mir auch schwer einzugestehen, dass ich so viel helfen möchte – es aber nicht kann.

„Today is today, tomorrow is tomorrow.“

Besonders wenn man die Armut auf den Straßen, in den Augen der Menschen oder an der äußeren Erscheinung sieht. Solche Momente machen mir bewusst, in welchem Reichtum und Luxus wir leben und wie unterschiedlich Länder sein können, auch wenn wir auf einem Planeten leben. Wie oft wir viele Dinge nicht zu schätzen wissen, weil sie für uns einfach selbstverständlich sind. Ja oft frage ich mich hier, wie die Menschen sich überhaupt über Wasser halten und überleben können und wieso der Großteil eigentlich nicht längst schon verzweifelt ist. Aber hier in Tansania gilt das Motto:  ,,Today is today, tomorrow is tomorrow“.

Doch manchmal ist die Mentalität der Afrikaner auch schon ein wenig witzig. Ich sag nur : ,,Pole Pole“, was so viel heißt wie : ,,Langsam“. Ja auch das ist eine Lebenseinstellung der Tansanier – keinen Stress machen. Aus einem Land zu kommen, in dem Zeit, Druck und Pünktlichkeit den Arbeitsalltag bestimmen und dann in Tansania zu landen, in einem Land, wo es völlig egal ist, ob man drei Stunden später zu einer Verabredung oder zur Arbeit erscheint oder es nicht für wichtig angesehen wird, Absprachen einzuhalten, ist als wenn man plötzlich alles auf den Kopf stellt. Ja daran muss man sich wirklich erstmal gewöhnen und wenn doch ab und zu der deutsche Arbeitswille durchkommt und vielleicht etwas Unmut aufkommt, weil es einfach nicht so klappt wie man es sich denkt oder vielleicht wünscht, weil kulturelle Faktoren deine Pläne kreuzen, bekommt man nur ein „Don’t worry.“ zu hören. Doch mittlerweile habe ich mich gut daran gewöhnt und nehme es mit Humor und Leichtigkeit. Diese Mittel sind ganz wichtig, um in Tansania seinen Freiwilligendienst ohne Unmut überstehen zu können. Ein wichtiger Punkt, den ich hier in Tansania bereits gelernt habe.

Im Waisenheim…

Mein Fsj leiste ich im „Kilimandscharo Orphanage Center“ in Pasua ab. Pasua ist ein kleiner Ort nahe der Stadt Moshi, die im Norden Tansanias liegt. Besser gesagt am Fuße des Kilimandscharo. Schon allein der Arbeitsweg ist einmalig, da man jeden Morgen, bei wolkenlosen Himmel den Kilimandscharo in seiner vollen Pracht genießen und bewundern kann. Und wenn man dann zu der Tür des Waisenheims reinkommt, wird man mit herzlichen Kinderlachen, dicken Umarmungen oder einem verschmitzen Lachen begrüßt. Und wenn der Tag mal so richtig in Stimmung kommen soll, holt man einfach einen Fußball raus und beginnt ein Fußballmatch. 😉

Das Kilimandscharo-Orphanagecenter besuchen 58 Kinder von denen circa 30 das Orphanage als ihr zu Hause nennen. Jeden Tag aufs neue bin ich von der Offenheit, der Freude sowie der Hilfsbereitschaft der Kinder überrascht. Doch ein Blick hinter alledem zeigt auch, dass die Kinder und Jugendlichen bereits ein schweres Päckchen mit sich tragen. Und wenn man dann noch die Geschichten hört, ist das eigentlich nur zum heulen. Aufgesammelt auf der Straße, weil das ihr bisheriges zu Hause war; zu Waisenkindern geworden, weil die Eltern verstorben sind oder das Heim als letzter Zufluchtsort, weil die Familien durch Armut das Kind nicht ernähren konnten. Aber gerade aufgrund der vielen Schicksalsschläge und Gemeinsamkeiten, habe ich das Gefühl das die Kinder immer enger zusammen wachsen und bereits wie eine kleine Familie sind. Jeder passt auf den anderen auf.

Meine Aufgaben im Orphanage sind vielfältig, neben Teacher für die Vorschuklasse bin ich gleichzeitig Köchin, Fußballspieler oder einfach mal eine Freundin, die die Kinder und Jugendlichen zum Reden, Kuscheln und Zuhöhren brauchen. Mama für alles könnte man meinen derzeitigen Job also auch nennen und ich mag ihn sehr, da mich die Kinder ebenfalls unglaublich viel lehren und weil ich so viel Liebe, Umarmungen oder ein einfaches und ehrlich gemeintes Danke mit einem zaghaften Lächeln zurückbekomme.

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Too blessed to be stressed



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 23. November 2015 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Matilda über ihre Arbeit am Campus der „Visions of Christian School“ auf den Philippinen.

Die Philippinen – ein Land der Kontraste. Lärmende Städte und stille Natur, schicke Wohnviertel und obdachlose Kinder, ein zusammengeflicktes Tricycle neben einem aufgemotzten SUV. Und ich mittendrin: in Puypuy, einem kleinen Ort zwei Stunden entfernt von der Hauptstadt Manila.

Das “Rose of Sharon House of Friendship”

Hier lebe ich mit über 80 ehemaligen Straßenkindern auf dem Campus der Visions of Hope Christian School “Rose of Sharon House of Friendship”. Der jüngste der Bewohner hier ist gerade mal 2 Jahre alt, die ältesten sind 17. Einige der Kinder haben keine Eltern mehr, viele aber noch wenigstens ein Elternteil. Von denen wurden die Kinder jedoch so vernachlässigt, dass sie hierhergeschickt wurden oder den Eltern standen die Mittel zur Versorgung ihrer Kinder einfach nicht zur Verfügung. Unterernährung, physische und psychische Gewalt, Missbrauch – davon merkt man im Alltag auf dem Campus nicht mehr viel. Die Kinder sind fröhlich und voller Energie, offen für Neues und für fremde Menschen.

Unser „After School Program“

Erst mit der Zeit bemerkt man die Folgen: Die Kinder sind sehr anhänglich und brauchen viel körperliche Nähe. Besonders die Jungen aber auch einige Mädchen haben Probleme mit Aggressionen. Sich an Strukturen zu halten fällt vielen schwer, das Gleiche gilt leider auch für die Regeln in unserem Klassenraum. Wir haben ein „After School Program“ aufgebaut, das wir hier täglich mit den lernbehinderten und den zurückgebliebenen Kindern veranstalten. Basteln und Malen, Tanzen und Singen, Backen, Spiele spielen – kleine Dinge, die die Kinder hier doch sehr zu schätzen wissen.

Es ist oft schwierig, man braucht viel Energie und Liebe und vor allem Geduld. Wenn die Kinder trotz aller Mühen lieber schlafen als zum Unterricht zu erscheinen und die Kinder, die da sind, die Hälfte unserer Unterrichtsmaterialien mitgehen lassen, hat man einfach keine Lust mehr. Aber in diesen Momenten kommt dann plötzlich eine der kleinsten Bewohnerinnen des Rose of Sharons um die Ecke, und wenn sie dich entdeckt, dann grinst sie dich so begeistert an, dass dir das Herz schmilzt. Oder wir erklären den großen Mädels, dass am nächsten Tag kein Unterricht stattfindet und sie beschweren sich enttäuscht. Oder das chronisch unterbesetzte Lehrpersonal ist genauso erleichtert über unsere Hilfe, wie wir froh sind über die Möglichkeit, sie unterstützen zu können.

Too blessed to be stressed

Aber ich will mal nicht so tun, als wäre ich nur hier, um zu helfen: Ich lerne zehn Mal mehr Dinge, als ich die Kinder lehre – oder wohl eher zu lehren versuche. Eine neue Kultur, eine neue Sprache, neue Werte, neue Rezepte. Neue Menschen, die auch in jungem Alter schon so viel Schlimmes erlebt haben. Und nicht nur die ehemaligen Straßenkinder, auch bei einigen Geschichten aus der Kindheit der Mitarbeiter läuft mir ein Schauer über den Rücken. Und doch: Sie haben alle ihr Lachen nicht verloren.

„Be thankfull“ heißt es oft, und wenn einem das schwerfällt: „Count your blessings!“ Sich nicht unterkriegen lassen, Lebensfreude statt Selbstmitleid, die kleinen Dinge genießen. Die Leute lachen viel und machen Späße, und sie essen viel langsamer als ich es aus Deutschland kenne. Das ganze Leben läuft nach dem Motto „Gott wird’s schon richten“. Es läuft vieles nicht so wie geplant, aber darum sorgt sich niemand. Stattdessen wird einfach nicht mehr groß geplant – irgendwie wird es schon klappen. Und auch wenn es mich immer verrückt macht, irgendwie klappt es dann doch immer –  und ohne Stress lebt es sich ohnehin leichter. Egal ob „Dritte Welt“ oder „Erste Welt“, überall findet man genug Gründe, um zu sagen: „I am too blessed to be stressed.“

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Die Tücken des Unterrichts



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Freitag, 13. November 2015 von ADRAlive-Team

Ein Bericht des ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Salomo über seine Arbeit in einer Grundschule in Costa Rica.

Eine rundum außerordentlich und überwiegend Grün bewachsene Terasse zwischen einigen schnell vorbeiziehenden Wolken mit Meeresblick ist das, was ich meine Umgebung nenne. Eine sehr nette Wohn-, Spazier- und Kochgemeinschaft zeigt mir wie das Eheleben in 40 Jahren aussehen könnte. Unsere Arbeitgeberin läd uns des Öfteren zu sich zum Essen ein. Man leiht uns, was wir brauchen. Man fragt uns, wie es uns geht. Wir verstehen uns sehr gut. Die Busanbindungen liegen günstig für gelegentliche Ausflüge an andere Ecken des Paradieses. Die Gemeinde zeigt ihre Herzlichkeit in Form von reichlich Einladungen und kleinen Aufmerksamkeiten. Ich übe mich in Dankbarkeit für diese Umstände. Das hätte ich so nicht erwartet, als ich mich bei ADRA beworben habe.

Eine ganz „normale“ Unterrichtsstunde

Lehrer zu sein ist lustig. Es ist auch anstrengend, nervig, herausfordernd und neu. Da Lehrer sein meine Hauptaufgabe ist, folgt ein kleiner ehrlicher Einblick:

Einer der 4 Klassenräume der Schule ist der Computerraum. Die Besonderheit der Lage dieses Raumes beschränkt sich nicht nur auf die Tatsache, dass man im Fußballfeld steht, wenn man die Tür aufmacht und heraus tritt. Oder um es aus einer anderen Perspektive zu beschreiben: wenn man das Pausenklingeln hört und wie gewöhnlich die Tür des Raumes öffnet, in dem man die nächste Unterrichtsstunde verbringt und ebenfalls wie gewöhnlich den Ball rein schießt, handelt es sich bei dem Computerraum, um genau den Raum, in den ein ungläubig schauender, verwirrter deutscher 18 Jähriger hineingeht, auf dessen Stirn sich im Zuge der Aufwärtsbewegung seiner Augenbrauen langsam 3 Falten bilden. Dieser ist dann erstmal ganz ruhig, was etwas wie „die Ruhe vor dem Sturm“ andeutet. Nur ist es nicht der zu erwartende Sturm einer Zurechtweisung. Nein, es ist ein Hurrikan von 80 Minuten Computerunterricht mit der 4. und 5. Klasse. Und irgendwie empfindet es nur der Lehrer als Sturm.

Ich befinde mich also gerade auf den Weg in Richtung Tür um den Rest der Klasse herein zu bitten, der das unüberhörbare Pausenklingeln überhört hat. Ich hebe den Ball vom Boden auf und klemme ihn unter meinen rechten Arm. Dem Jungen sage ich mit wenigen Worten, dass diese Aktion eben unangebracht war. Er schaut demütig auf den Boden, aber wir wissen beide, dass er das gerade ziemlich lustig findet. Er geht auf seinen Platz, ich gehe weiter zur Tür. Ich rufe ein paar Namen in den Schulhof und lehne mich an den Türrahmen. Nach ein paar Sekunden überkommt es mich. Ich kann es nicht lassen und kicke den Ball während ich mich langsam von der Tür löse zu einem Schüler einer anderen Klasse. Nachdem ich das 0 : 1 verloren habe, bemerke ich, dass mittlerweile alle für mich relevanten Schüler im Klassenraum sind. Ich nicke dem kleinen Gewinner zu und weise ihn darauf hin, dass doch bereits Unterricht sei. Ich betrete den Klassenraum.

Mir kommt eine warnende Geräuschflut entgegen. Ich nehme zwei bekannte aber stark verzerrte Klavierstücke war, die irgendwo zwischen dem Geschrei von J. und K. und dem Geschnatter von B., T., D. und V. und den Geräuschen aus dem Nachbarraum untergehen. Zwei Schüler bemerken mich und fragen direkt, was wir heute machen. Wie immer antworte ich, dass sie nicht so neugierig sein sollen und freue mich darüber, dass sie neugierig sind.

Excel-Unterricht unter „verschärften“ Bedingungen

Der Computerraum ist ungünstig aufgebaut. Die Tafel steht in der Mitte des Raumes. Es gibt 12 Computer samt Zubehör, die an der Wand entlang von der Tafel abgewendet stehen. Davon funktionieren fünf Computer, einige Tastaturen, fünf Mäuse und vier Monitore. Die Computer sind spanisch eingestellt, haben Betriebssysteme von Windows 97 bis Windows 7 und von Computer zu Computer variieren die Office Programme. Meine Aufgabe ist es, elf Schüler in Excel oder was halt an ähnlichen Programmen vorhanden ist, auf Englisch zu unterrichten. Die 4. Klasse kann kaum Englisch, die 5. fließend. Das bildet im großen und ganzen eine exzellente Grundlage.

Ich stelle mich vor die Tafel und habe damit zumindest ein Großteil der Klasse im Blick. Es soll los gehen. Ich rufe „Silencio“. Niemand bemerkt mich. Ich pfeife einmal laut. Alle drehen sich erschrocken um. Ich sage leise „Silencio“. Eine Schülerin die durch das Pfeifen besonders erschrocken ist – die Unterhaltung muss sehr vereinnahmend gewesen sein – meckert: “ Ohh Proooff.“ Ich lächle schadenfroh zurück. Die Aufmerksamkeit habe ich, Herausforderung Nummer zwei ist es nun, die Klasse in Gruppen aufzuteilen, sodass jeder irgendwie einem Computer zugeordnet ist, die sich gegenseitig ablenkenden Schüler aber räumlich möglichst weit getrennt sitzen.

Es gibt Proteste. Nur wenige sind mit ihrer Gruppe zufrieden. Ich verweise auf die vergangene Woche und auf die Chance mir dieses mal Disziplin zu beweisen. Damit geben sich erstmal alle zähneknirschend geschlagen. Alle außer V.. V. beginnt eine Rede darüber, wie ungerecht sie doch immer behandelt wird, unter Miteinbezug der Fehler jedes einzelnen Mitschülers in der vergangenen Woche. Ich will sie unterbrechen, aber sie denkt gar nicht daran aufzuhören. Dann nehme ich ihr das Wort aus dem Mund und sage ihr, dass ich das entscheide, und dass das nur gerecht ist, wieder mit einem Verweis auf die vergangen Woche. Sie holt wieder aus und sagt, dass sie das nicht gerecht findet. Langsam hebe ich den Stift im Richtung Tafel, wo die Benehmensliste meinen Arm nahezu anzieht. Ich komme ihrer Spalte immer näher. Sie redet weiter. Dann, oh dann, ist es so weit. Ich setze an. Sie redet weiter. Ich male ein 🙁 in ihre Spalte. Sie ist still. Ich finde es innerlich urstlustig, dass das funktioniert hat und noch lustiger finde ich,  dass sie erst aufhört, als der traurige Smiley schon drin steht. Also ICH hätte an ihrer Stelle ja dann erst RECHT weitergemacht. Oder einfach mal kurz vorher aufgehört. Aber naja, kann ja jeder machen wie er will.

Die Unterrichtsstunde beginnt.. oder doch nicht?

Ich möchte die Aufgabe für den Anfang der Stunde ansagen. Ein Schüler sitzt immernoch vor seinem Handy, was mir jetzt erst auffällt, da er das erste Mal wirklich ruhig ist. Er spielt ein Spiel, bei dem er durch das drücken von 3 oder 4  Feldern zum richtigen Zeitpunkt eine Klaviermelodie erzeugt. Ich bemerke genervt, dass es der Flohwalzer ist. Wenn bei diesem Spiel die Melodie die Motivation sein soll, würde das bei mir bei diesem netten Stück auch umgedreht funktionieren, denke ich. Die Felder treffen damit die Melodie nicht erklingt. Immerhin weiß ich jetzt, wieso meine Schüler vorhin Chopin op.9 No. 2 und irgendwas anderes gehört haben. Ich halte meine Hand vor seine Nase und das Handy verschwindet nur halb aber dafür sehr schnell in seiner viel zu kleinen Hosentasche.

Die erste Aufgabe soll mir ein bisschen Zeit schaffen, damit ich die Sachaufgabe für Excel an die Tafel schreiben kann. Außerdem hab ich Lust auf etwas Witziges. Sie sollen die Schule am Computer irgendwie so darstellen, dass sie gerne zur Schule gehen würden. Nach meiner Ansage drehen sich die meisten um und melden sich an. Eine Schülerin ruft mich, weil die Tastatur nicht geht. Ich stecke den Anschluss rein. Funktioniert immer noch nicht. Ich nehme eine der anderen Tastaturen zur Hand, die überall im Raum rumliegen und schließe sie an. Immer noch nicht. Mittlerweile rufen mich 2 andere Schülerinnen ununterbrochen. Ich wiederhole mehrmals, dass sie sich gedulden sollen. Wollen sie aber scheinbar nicht. Die 3. Tastatur passt. Ich gehe zur nächsten Schülerin. Sie meint die Anmeldung ist kaputt. Ich drücke auf die Feststelltaste und gehe weiter. Das Problem der nächsten Schülerin ist, dass der Bildschirm schwarz bleibt. Ich entschuldige mich kurz bei der Nachbargruppe, dass ich mal kurz ihren Bildschirm trennen muss um zu sehen ob der andere funktioniert. Leider ist es die Gruppe von V. Sie protestiert wild und schlägt mit der Hand auf den Tisch. Sie sagt jetzt sei ihre ganze Mühe umsonst gewesen und alles gelöscht. Ich versichere ihr, dass noch alles da ist und stecke den „kaputten“ Bildschirm an ihren Computer. Bildschirm funktioniert, V.’s Arbeit ist auf einmal auf dem Bildschirm der Nachbargruppe zu sehen. V. will es nicht verstehen und verzieht das Gesicht, das ich immer ziehe, wenn man mich um einen Schokoladenpudding betrügt. Ich stöpsel wieder um, das Gesicht verwandelt sich langsam wieder zurück. Der Computer soll seit einiger Zeit schon kaputt sein, sagt mir auf einmal jemand. Ich teile die Gruppe auf die anderen Gruppen auf und nun kuscheln die Schüler platzbedingt miteinander. Inzwischen haben alle, die an funktionierender Technik sitzen, angefangen zu arbeiten. Bis auf J.

J. beginnt mit einem Pappkarton, den er irgendwo im Regal gefunden hat, auf T. einzuschlagen. T. findet das sehr lustig, malt aber nebenbei seine Traumschule weiter. Als J. meinen Blick bemerkt schmunzelt er verlegen dem Boden entgegen und legt die Pappe vorsichtig neben seinem Stuhl ab.

Ich gehe zur Tafel und beginne die Sachaufgabe anzuschreiben, im Ohr ein komisches Jucken, das sich irgendwann als Flohwalzer entpuppt. Ziel der Stunde ist es, zu lernen, wie man die Kalkulationsfunktionen benutzt und aus Texten Informationen in eine Tabelle einordnet. Auf einmal höre ich ein lautes „I believe I can fly“, gar nicht so schlecht gesungen. Ich drehe mich um. V. liegt auf dem Rücken und simuliert mit den Armen ein Flugzeug, während sie aus vollem Herzen singt. Die anderen Kinder sind unbeeindruckt und arbeiten relativ ruhig. Sie schaut mich an lacht und sagt, sie sei fertig.

5 Minuten später.
Ich unterbreche alle bei ihren Zeichnungen. Der Großteil hat sich für Paint entschieden. Ich lasse jede Gruppe auf Englisch vorstellen, was sie gemalt haben und wieso. Ich finds überwiegend lustig. Mein Favorit, eine Schule Made of German Chocolate.

5 Minuten später.
Alle arbeiten an ihren Tabellen in Excel. Ich beobachte, beantworte Fragen und ärgere mich über meinen Ohrwurm.

10 Minuten später.
Die meisten haben alle Daten eingegeben und knobeln daran, wie das mit der Kalkulationshilfe funktioniert. M. hat es wie immer als erste verstanden, fragt aber trotzdem nochmal und will es erklärt bekommen. V. schreibt währenddessen jede Zahl einzeln in die Tabelle. Ich sage ihr, dass es einfacher geht und ich möchte, dass sie diesen Weg versteht und zumindest ausprobiert. Sie findet das Ungerecht und beschwert sich wieder. M. beginnt währenddessen die Aufgabe zu beenden. Ich geh zur Tafel, unterbreche alle und schreibe eine Formel als Tipp an. Einige schauen verwirrt.

1 Minute später.
Die meisten sind dahinter gekommen. Ich werde von jeder Gruppe einzeln gefragt, ob das so stimmt und wie sie es gemacht haben. Ich lasse M. zu den verbleibenden gehen, die noch Probleme haben und erklären. Ich widme mich wieder V.

V. hat nämlich aufgehört zu arbeiten. Sie streikt. Sie sagt mir, dass sie die Aufgabe blöd findet und das nicht machen wird. Ich denke kurz nach. Sie hat recht, stelle ich fest. Die Aufgabe ist blöd bzw. Excel zu unterrichten generell. Aber war ja nicht meine Idee. Ich schlage ihr vor zur Direktorin zu gehen und ihr zu sagen, was sie von Excel und dem Unterricht hält, am besten noch zu betonen wie vorzüglich sie sich benimmt. Ich gehe zur Tür mache sie auf und schaue sie an. Sie bleibt wie gebannt sitzen und starrt mich an. Dieses Duell gewinne diesmal ich.

5 Minuten später.
V. ist nach M. die Erste, die mit der Aufgabe fertig ist. Die Stunde ist fast vorbei. D. ist fasziniert, dass sie nicht selber rechnen musste und sich das Ergebnis automatisch angleicht, wenn sie die Zahlen ändert. Der Rest verlässt stürmisch das Klassenzimmer, als ich die Pause ankündige.

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Ein guter Start



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 26. Oktober 2015 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Emily über ihren Start im Kinderheim „Rainbow“ in Moldawien.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich morgens aufgestanden bin und wusste, heute geht es los, heute steigst du in den Flieger und kommst erst in einem Jahr zurück. So richtig realisieren konnte ich das allerdings nicht. Natürlich fiel mir der Abschied schwer, aber ich empfand auch eine große Vorfreude, sich endlich in das Abenteuer zu stürzen, worauf ich mich die letzten Monate vorbereitet habe und vorbereitet wurde.

Ein herzlicher Empfang

Wir wurden von unserem Mentor vom Flughafen abgeholt und zu unserer Wohnung gebracht. Da diese direkt gegenüber des Kinderheims „Regenbogen der Hoffnung“, meiner neuen Arbeitsstelle, liegt, konnten wir an diesem Abend auch gleich noch die Kinder kennenlernen. Auf einmal saßen wir alle in einem Raum, konnten sie nicht verstehen und sie uns nicht, fühlten uns aber trotzdem gleich wohl. Bereits an unserem ersten Arbeitstag wurden wir begeistert in die Kinderzimmer gezogen und nach dem UNO-Spiel gefragt, dass wir bis jetzt schon so oft gespielt haben.

Genau das Richtige!

In den letzten drei Monaten hatten wir viel zu lachen, aber auch viel zu verarbeiten, weil es so viele neue Eindrücke waren. Aber wir haben auch gemerkt, dass man nicht aufgeben darf, egal wie verwirrend die Sprachschwierigkeiten sind, wie beängstigend die Hauptstadt ist oder wie anders die medizinische Versorgung. In Chisinau finden wir uns jetzt zurecht, unser rumänisch wird immer besser und den ersten Krankheitsfall haben wir mittlerweile auch überwunden. Wir wissen, dass wir von allen erdenklichen Seiten unterstützt werden, dass wir aus einem bestimmten Grund hier sind und uns so gut es geht einbringen möchten. Und da man von den Kindern so unglaublich viel zurückbekommt – sei es eine Umarmung, ein aufmunterndes Video oder die Dankbarkeit dafür, dass wir einfach nur da sind – wurde ich noch einmal bestärkt, dass es das Richtige ist, was ich hier mache.

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