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Lesotho – ein Königreich im Himmel

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Ein Bericht von Tabita, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr mit ADRAlive! in Lesotho verbringt.

Lesotho. Ein Land umgeben von Südafrika. Gezeichnet durch die unzähligen Berge, wodurch es unter anderem auch den Namen „Königreich im Himmel“ oder „Bergkönigreich“ zu verdanken hat. Durch die völlig unterschiedliche Kultur und Lebensweise in diesem so ganz unterschiedlichen Land habe ich so einiges an unbezahlbaren Erfahrungen sammeln dürfen.

Als Krankenschwester habe ich in einem kleinen, ländlich gelegenen privaten Krankenhaus in der Nähe der Hauptstadt gearbeitet und außerdem in einem palliativen Pflegedienst mitgeholfen.

Eine völlig neue Erfahrung, wenn man das Gesundheitssystem in Deutschland gewöhnt ist. Anpassen und umdenken war hier angesagt. Da musste dann als Krankenschwester schon mal bei Operationen assistiert werden, Zähne gezogen, Wunden genäht usw. Der Lerneffekt war dementsprechend groß und die Erfahrung unbezahlbar.

Ein Tag im CEHAL-Krankenhaus (Centre for equal health access Lesotho)

Morgens um sieben Uhr – naja manchmal auch etwas verspätet, aber an die afrikanische Zeit oder eher Pünktlichkeit muss man sich hier wohl oder übel gewöhnen – steht die Übergabe für den Tagdienst an. Der Nachtdienst, der zwölf Stunden – von 19 Uhr bis sieben Uhr arbeitet, gibt alle wichtigen Informationen über die Patienten an den nächsten Dienst weiter. Hierbei gehen alle Krankenpfleger und Krankenschwestern von einem Patientenzimmer zum nächsten und hören sich Diagnosen, Beschwerden, Auffälligkeiten etc. an. Wenn dann der Nachtdienst nach getaner Arbeit nach Hause geht, geht es für den Tagdienst mit allen weiteren Aufgaben los. Vorbereitung für die morgendliche Visite, Medikamente und Frühstück an die Patienten verteilen und die ersten Patienten, die zur Untersuchung kommen, versorgen. Da es hier eine Vielzahl von HIV- und Tuberkulose- (Infektionskrankheit-)Patienten gibt, werden alle Patienten, bevor sie einen Arzt sehen, von einer Krankenschwester genau darauf gescreent. Meine Aufgabe war meistens die Versorgung der Patienten in den Patientenzimmern. D.h. Frühstückt und Medikamente verteilen, Blutdruck-, Puls- und Temperaturmessung, Wundversorgungen, Blutabnahmen, Zugänge legen, Injizieren und alles dokumentieren. Außerdem auch im Kreissaal und im OP-Saal assistieren. Und so unterschiedlich jeder Tag mit Aufgaben gefüllt ist, so unterschiedlich sind auch die Erfahrungen, die ich erleben durfte. So habe ich an einem Tag zum Beispiel erlebt, wie die Einwohner Lesothos, die Basothos, mit Notfällen umgehen. Da es hier keinen Krankenwagen gibt, der durch eine Notfallnummer in kürzester Zeit vor Ort und Stelle ist, wird dieses kurzerhand von den Angehörigen selbst übernommen. Ist kein privates Auto im Besitz der Angehörigen wir dann das nächstliegende Auto angehalten und so wird der Patient dann auf der Ladefläche eines Pick-ups in das Krankenhaus gefahren, um dort bestmöglich versorgt zu werden.

Trotz aller Ernsthaftigkeit soll der Spaß während der Arbeit nie ausbleiben. Als ich eines Tages im OP-Saal assistiert habe und dann plötzlich die deutsche Nationalhymne aus dem Handy des operierenden Arztes ertönte, war ich zunächst ziemlich überrascht, musste im nächsten Augenblick aber sichtlich anfangen zu schmunzeln.

Ja, so kann die Arbeit hier im Krankenhaus mit dem Arzt schon mal aussehen.

Meine Wohnung ist ausgerüstet mit fließendem Wasser und eigener Toilette – ein Privileg hier in Lesotho, in dem die meisten ohne fließendes Wasser leben und auch die Toilette außerhalb in Form eines Plumpsklos ist. Die Wohnung befindet sich direkt neben dem Krankenhaus, wodurch mein Weg zur Arbeit nur zirka 30 Sekunden in Anspruch nimmt. Im Gegensatz zu manch anderen Arbeitskollegen, die mit einem Taxi zu Arbeit gefahren werden, auf jeden Fall zeitsparender. Taxi, hört sich zunächst zwar sehr teuer an, für eine zehnminütige Fahrt wird hier jedoch nur zirka 50 Cent bezahlt.

Ein eigener Wecker ist hier eigentlich nicht notwendig, da hier der Hahn, umringt von vielen Hühnern und Enten, schon morgens früh seinen Einsatz gibt. Und wenn der mal verschlafen sollte, ist das Schaf zur Stelle. Für die Begrüßung morgens, wenn ich aus meiner Tür trete, sorgt dann der Hund, der schon beim Umdrehen des Türschlosses freudig angerannt kommt. Außerdem gehörig zum Krankenhaus Campus ist ein Pferd das alleinig für die Freiwilligen von den Ärzten angeschafft wurde.

So ist das Leben hier doch sehr entspannt und ruhig, aber trotzdem immer wieder überraschend.