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Marcelo’s erste „Hausparty“



Geschrieben am Montag, 01. Dezember 2008 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

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Ich will euch ersparen, wie ich in das Geheimnis des Betonmischens eingeweiht wurde, denn um diesen Mythos in all seinen Einzelheiten zu erfassen, würde ich mehrere Seiten füllen. Außerdem kommt noch hinzu, dass dieses Geheimnis nach alter Tradition von Generation zu Generation weitergegeben wird. oder ein Lehrling erlernt es von seinem Meister… Stattdessen will ich euch von meiner ersten Hausparty erzählen und dieses Ereignis nahm ungefähr so ihren Lauf.

Am Anfang. Ja am Anfang da war die Ahnungslosigkeit. Ich lebte in meinem Zimmer und alles war gut so. Jedoch hielt diese Idylle nicht sehr lange. Das Schuljahr neigt sich hier zu Ende und so auch unser Kindergartenjahr. Es wurde also Zeit die Ältesten mit einem gebührenden Fest zu verabschieden. So kam es, dass die Kindergartengruppen Abejitas (Bienchen/5-6Jährigen) und Caballitos (Pferdchen/4-5 Jährigen) zu einem Zeltlager aufbrachen. Nicht fernab von ihrer und meiner Heimat, sondern in und um meinem Haus. Mich schockierte diese Nachricht einer schlaflosen Nacht nicht so sehr wie meinen Mitbewohner. Ich war ja schließlich nicht in der Opferrolle wie mein Mitbewohner, sondern der Gastgeber.

Eine einwöchigen Vorbereitung hieß, Grasschneiden, jeden morgen von 9 manchmal auch 10 Uhr bis 12 Uhr und mit dem “Pato“ das Gelände zu bearbeiten. Das einzige was einen wirklich zermürbt bei dieser Arbeit, ist die kleine Tatsache, dass ich nach einer Woche und ungefähr zehn Stunden Einsatz, noch nicht einmal die Hälfte geschafft hatte! Allerdings  hatte ich die wichtigsten Stellen bearbeitet. Ebenfalls konnte ich noch einen Eilauftrag von Ines erledigen. Sie hatte mich einige Stunden, bevor das Lager begann gefragt, ob ich nicht ein kleines Feuer machen könnte. Klar sagte ich ja, denn ein Lager ohne Feuer ist kein Lager. Allerdings hieß das für mich, die Asche und den Müll meines riesigen Feuers bei Seite zu schaffen (geschätzte 40-50 Eimer Asche und Dreck), damit man an meiner improvisierten Feuerstelle ein Feuerchen machen könnte.

Selbstverständlich konnte ich die Kinder auch nicht auf dem Boden sitzen lassen, so hieß das für mich Sitzgelegenheiten zu bauen. So hackte ich mit Beil, Axt und Machete eine Stunde lang auf das Holz ein, um komfortable Sitzgelegenheiten zu bauen und das ist mir ohne Seile echt sehr gut gelungen. So hieß es dann am 20. November 2008 um 15hundert, das Zeltlager zu eröffnen. Angetreten waren 16 Kinder, acht aus meiner Gruppe und acht aus der anderen Gruppe, dazu noch 3-4 Betreuer und eine Köchin.

Anfangs war ich ein wenig skeptisch, ob das alles so klappen wird. Die meisten Kinder haben noch nie eine Nacht ohne ihre Eltern verbracht und zwei ganz besondere „Problemkinder“ aus meiner Gruppe waren bei dem Lager dabei. Doch es stellte sich heraus, dass das Lager ohne Probleme ablaufen sollte. Da wir echt super Wetter hatten, verbrachten wir die meiste Zeit mit den Kindern draußen, so konnten sie sich mal so richtig austoben. Der Mangel an Spielzeug und Spielgeräten wurde einfach damit ausgeglichen, dass ich die Hauptattraktion auf dem nicht vorhandenen Spielplatz war. Ich glaube am Ende des Tages war ich wirklich müder als die Kinder. Ist echt anstrengend,  sich immer etwas Neues einfallen zu lassen um die Kinder zu beschäftigen und während die anderen Erzieherinnen sich meistens eine Auszeit gönnten, als sie draußen waren, ging es dann erst richtig los für mich. Denn war man erst einmal zu dem Liebling der Kinder geworden, lassen sie einen so schnell nicht ausruhen.

So verbrachte ich den ganzen Tag damit, mich mit den Kindern im Gras zu wälzen, als Karussell zu dienen, eine Art Rugby zu spielen, als Pferd eingespannt zu werden, Wettläufe zu machen oder heraus zu finden mit wie vielen Kindern an meinem Körper ich noch in der Lage bin zu laufen und einfach nur Kinder in die Luft zu schmeißen und wieder aufzufangen. Dabei war es immer wieder amüsant zu sehen, wie das alles seinen Lauf nahm. Am Anfang spielte ich immer mit ein bis zwei Kindern. Als dann die anderen Kinder sahen, was wir so machen, wurden es immer mehr. Manchmal waren alle Kinder vor mir in einer Reihe aufgestellt und warteten bis sie an die Reihe kamen. War echt lustig, so etwas mit anzusehen. Vor allem glaube ich, dass nach dem Lager Rubi und Ines (Rubi ist die Erzieherin in meiner Gruppe und Ines in der, der Fünfjährigen) glauben, ich sei wohl das größte Kind gewesen, auf  das sie aufpassen mussten.

Was mich auch richtig berührt hat bei diesem Lager, dass sich die Kinder echt verändert haben. Es waren zwar nur ein wenig mehr als 24 Stunden, doch es hat gereicht um sie zu verändern. Gerade die beiden Problemkinder aus meiner Gruppe waren nicht wiederzuerkennen. Sie spielten mit mir und den anderen Kindern ganz normal, ohne um sich zu schlagen oder trotzig davonzulaufen, ohne einen Wert darauf zu legen, was einem der Señor (Erzieherin) so zu sagen hat. Im Gegenteil haben sie sogar immer auf das gehört, was wir zu sagen hatten. Dies hat meine Seele am meisten berührt, zu sehen wie solche Kinder aufgehen, wenn man sich einfach nur mal mit ihnen einige Stunden im Gras wälzt und bis zum heutigen Tag haben die Kinder aus meiner Gruppe eine ganz andere Beziehung zu mir als die anderen. Sie kommen immer zu mir, wenn Spielzeit ist und erwarten von mir, wieder mit ihnen zu spielen und meistens kann ich da nicht nein sagen, denn mir macht das Spielen mit den Kindern mindestens genau so viel Spaß wie ihnen. Leider ist es meistens super anstrengend und nach einiger Zeit sage ich ihnen dann „listo chicos“ (fertig Kinder). So kam es dann auch, dass ich nach dem kleinen Lagerfeuer, ziemlich fertig und müde war. Leider sah das gerade bei den Jungs ganz anders aus. Nachdem sich alle Kinder eine Stunde lang bettfertig gemacht hatten und alle einen Schlafplatz in meinem Haus gefunden hatten, blieben die Jungs noch bis  0:30 Uhr wach, ungefähr auch die Zeit, bei der ich ebenfalls ins Bett gekommen bin. Ich war echt froh, dass ich in meinem Bett schlief.

Als ich dann am nächsten Morgen aufgewacht bin, wollte ich schon nach unten gehen und ein Feuer anzünden, um warmes Wasser zu haben, denn ich war im Gegensatz zu sonst kein bisschen müde mehr. Als ich dann auf die Uhr schaute, bekam ich erstmal einen Schreck. 5:40 Uhr, das hieß 5 Stunden Schlaf und ich war nicht müde!!! Wie konnte ich wissen, dass sich mein Zeltlagerschlafrhythmus schon nach einer Nacht aktivierte. Doch mir gelang es nach ungefähren 20 Minuten im Bettwälzen wieder einzuschlafen, denn um um diese Uhrzeit aufzustehen hatte ich einfach keine Lust. So hüpfte ich dann um 7:30 Uhr aus dem Bett. Die meisten Kinder waren da schon wieder 1 Stunde wach und ich sah allen Erzieherinnen an, dass sie die Nacht bei den Kindern nicht so genießen konnte wie ich in meinem Bett. Okay sie hatten wohl auch keine biologische Uhr, die man auf Zeltlagerzeit umstellen kann.

Um 15 Uhr begann dann am Freitag mit den Eltern ein Picknick, um das Zeltlager gemeinsam mit den anderen Eltern und Kindern abzuschließen, die nicht bei dem Lager dabei waren. Leider drehte sich zu diesem unglücklichen Zeitpunkt das Wetter, sodass wir alle wieder mal in meinem Haus Zuflucht fanden. War echt froh, dass ich nicht dabei helfen musste, dies alles wieder sauber zu machen. Ich ging während dessen für eine Stunde in die Stadt, um einige sehr dringende Besorgungen zu machen, darunter war auch ein Kilo Eis. Hatte mich schon den ganzen Tag darauf gefreut, da konnte mich selbst das nun schlechte Wetter nicht dran hindern. So saß ich dann mit John und Ginger am Freitagabend in ihrem Haus und schaute mir gemeinsam mit ihnen einen meiner Lieblingswestern an. (They call mit Trinity, bin zu faul den deutschen Namen dafür zu suchen) Ginger mag zwar die Filme von Terence Hill und Bud Spencer nicht so sehr, doch John und ich lieben sie einfach. Als es zu dem Film dann das Eis gab, lies sie auch Ginger dazu überreden den Film zu schauen. So hatte ich einen echt super Tagesausklang. Wie fertig ich dann am Samstag war muss euch ja nicht sagen.

Euer Marcelo

1 Kommentar » ADRA Live!

Eine Reaktion zu “Marcelo’s erste „Hausparty“”

  1. Laura

    Hey ho Marcelo,

    gefällt mir gut, was du hier so schreibst. Finds schön, dass du mit den Kindern so gut auskommst (=
    Ich wünsch dir schon mal frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
    Schreib doch auch mal wieder im Forum, wenn du die Zeit findest. Die anderen freuen sich sicher auch 😉

    Liebe Grüße,
    Laura aka Laeti

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