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Meine bewegende Erfahrung als Physiotherapeutin in Mexiko



Geschrieben am Dienstag, 15. März 2011 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

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Ein Bericht der ADRA „weltwärts“-Freiwilligen Kerstin

Als Freiwillige von ADRA arbeite ich als Physiotherapeutin in Montemorelos, Mexiko, im Hospital „La Carlota“ der Universidad de Montemorelos.
Jeden Morgen behandle ich Patienten in der Physiotherapiepraxis. Es sind hauptsächlich Patienten mit orthopädischen Problemen oder Menschen, die nach Operationen zu uns kommen.

Nachmittags fahren wir in die Comunidad (Gemeinde) und besuchen die Leute in ihrem Zuhause oder sie kommen für die Behandlung in die Kernstelle ihres Viertels. Dieser Teil der Arbeit bietet mir einen tiefen Einblick in das Leben der Menschen hier in Montemorelos. Viele leben in sehr armen Verhältnissen und können sich keine Behandlung im Krankenhaus leisten. Wir besuchen viele ältere Leute, die auf Grund ihrer Krankheit nicht mehr gut gehen können oder andere Einschränkungen im alltäglichen Leben haben. Es gibt aber auch sehr junge Leute, die schwer krank sind.

Eine unserer Patientinnen ist 38 Jahre alt und leidet seit fünf Jahren an Brustkrebs. Als wir sie das erste Mal besuchten, saß sie kärglich auf dem Bett, knochendünn und ohne Haare. Sie sah schwach und ängstlich aus und erzählte uns, dass sie seit vier Monaten nicht mehr gelaufen sei.

Ich untersuchte ihre Mobilität und prüfte, ob sie noch Kraft in den Beinen hat. Und durchaus – Kraft war noch vorhanden. Wir versuchten vorsichtig mit ihr aufzustehen und tatsächlich – sie stand auf. Mit unserer Unterstützung konnte sie gehen. Wir begleiteten sie hinaus, wo die Sonne schien und ihre Freude war übergroß! Sie rief immer wieder: „Mama, schau, ich kann gehen, ich kann gehen!“ Für sie war es wie ein Wunder und sie weinte vor Freude und dankte Gott.

Wir besuchten sie danach jede Woche. Heute ist sie immer noch schwach und sehr krank, aber sie hat neue Hoffnung gewonnen, vertraut Gott und ist dankbar für jeden Tag, den Er ihr schenkt.
Diese Erfahrung hat mich persönlich sehr berührt. Den Menschen hier etwas Gutes tun zu können, erfüllt mich mit Freude. Sie kennenzulernen, mit ihnen zu sprechen und ihnen helfen zu können, bereichert mich nicht nur in meiner Berufserfahrung sondern auch in meinem Leben.

Ich bin froh, dass ich mich für dieses soziale Jahr entschieden habe.

Anmerkung der Redaktion: Leider ist die Krebspatientin inzwischen verstorben – dennoch brachte die Therapie ihr neue Lebensfreude und so konnte sie ihre letzten Tage trotz der totbringenden Krankheit mit Freude erleben. Wir fühlen mit der Familie und wünsche ihr viel Kraft.

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