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Vorweihnachtszeit mal anders



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 08. Dezember 2015 von ADRAlive-Team

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Ein Bericht der ADRA “weltwärts”-Freiwilligen Cindy über Tansania und das „Kilimandscharo Orphanage Center“ in Pasua.

Lieder wie „Feliz Navidad“, „Jingle Bells“, „Stille Nacht“ in englischer Vision höre ich zurzeit beinahe täglich und überall… und das in Tansania, wo – man wird es kaum für möglich halten – zurzeit auch die Weihnachtszeit eingeläutet wird. Die Kassen in den Supermärkten und die Palmen vor den Banken sind mit Weihnachtsbeleuchtung und Girlanden geschmückt, Plastiktannenbäume, einen Weihnachtsmarkt und einen in Menschengröße singenden und tanzenden  Plastikweihnachtsmann vor dem Eingang des Supermarktes gibt es auch. Habt ihr euch so Afrika vorgestellt? Nein? Ich auch nicht.

Karibu in Tansania – das Land voller Überraschungen

Jeden Morgen mit Sonnenschein aufwachen, jeden Tag unzählig und vielfältig frisches Obst, an dem man sich so richtig satt essen kann, jeden Tag das Lachen und die Liebe der Kinder spüren und herumalbern, jeden Tag etwas Neues entdecken, jeden Tag mit – und voneinander lernen und kostbare Erfahrungen sammeln. Jeden Tag völlig anders und überraschend erleben – mit Höhen und Tiefen. Jeden Tag erlebe ich hier in Tansania auf ganz besondere und vielseitige Art und Weise.  Tansania, das Land in dem ich seit gut 4 Monaten lebe. Nie hatte ich eine Vorstellung von Afrika, als wie ich sie aus Filmen oder Bildern kannte.

Umso beeindruckender und nachhaltiger sind all die Erfahrungen, die ich hier sammle. Zum Beispiel der Besuch bei den Massai und die Faszination der Schönheit dieses Stammes; die Weiten der Steppen von Afrika, die mich mit ihrer Schönheit sowohl in der Trocken- als auch in der Regenzeit immer wieder staunen lassen; die bunte Tierwelt oder der Umgang der Afrikaner mit uns weißen Menschen. Nie zuvor ist mir der Unterschied zwischen schwarz und weiß so sehr aufgefallen wie hier. Für jeden Einheimischen bin ich hier ein Mzungu, was so viel heißt wie  ,,weißer Mensch“, der in den meisten Vorstellungen der Afrikaner natürlich wohlhabend ist. Egal ob ich einkaufen gehe, in einem Dalla Dalla (das sind die Kleinbusse hier) sitze oder nur durch die Straßen laufe, alle nennen mich Mzungu und rufen nach mir. Kinder und Erwachsene fassen meine Haut und meine Haare an. Alle bestaunen mich und ja, auch kleine Kinder kommen auf mich zu und verlangen von mir, dass ich ihnen Geld gebe. Oftmals komme ich mir in solchen Situationen weltfremd vor. Nie hätte ich gedacht, dass ich nur durch meine Hautfarbe solch eine Aufmerksamkeit auf mich ziehen und anders behandelt werde würde. Am Anfang war das für mich sehr befremdlich und selbst jetzt bedarf es noch einige Gewöhnung.

Ja, ich muss sagen mit meinem Schritt nach Afrika zu gehen, bin ich nicht nur in ein anderes Land abgetaucht, nein – auch in eine völlig andere Welt. Die dritte Welt.
Ich will mal nicht so tun, als ob ich hier im Paradies gelandet bin. Neben den vielen schönen Seiten gibt es auch viele Schattenseiten Afrikas, die ebenfalls an mir nicht vorbeigehen und oft Unverständnis, Traurigkeit und viele Fragen in mir hinterlassen. Es ist nicht immer leicht Dinge hin- und anzunehmen, die man überhaupt nicht kennt beziehungsweise, die man selbst vielleicht ganz anders machen würde. Oft fällt es mir auch schwer einzugestehen, dass ich so viel helfen möchte – es aber nicht kann.

„Today is today, tomorrow is tomorrow.“

Besonders wenn man die Armut auf den Straßen, in den Augen der Menschen oder an der äußeren Erscheinung sieht. Solche Momente machen mir bewusst, in welchem Reichtum und Luxus wir leben und wie unterschiedlich Länder sein können, auch wenn wir auf einem Planeten leben. Wie oft wir viele Dinge nicht zu schätzen wissen, weil sie für uns einfach selbstverständlich sind. Ja oft frage ich mich hier, wie die Menschen sich überhaupt über Wasser halten und überleben können und wieso der Großteil eigentlich nicht längst schon verzweifelt ist. Aber hier in Tansania gilt das Motto:  ,,Today is today, tomorrow is tomorrow“.

Doch manchmal ist die Mentalität der Afrikaner auch schon ein wenig witzig. Ich sag nur : ,,Pole Pole“, was so viel heißt wie : ,,Langsam“. Ja auch das ist eine Lebenseinstellung der Tansanier – keinen Stress machen. Aus einem Land zu kommen, in dem Zeit, Druck und Pünktlichkeit den Arbeitsalltag bestimmen und dann in Tansania zu landen, in einem Land, wo es völlig egal ist, ob man drei Stunden später zu einer Verabredung oder zur Arbeit erscheint oder es nicht für wichtig angesehen wird, Absprachen einzuhalten, ist als wenn man plötzlich alles auf den Kopf stellt. Ja daran muss man sich wirklich erstmal gewöhnen und wenn doch ab und zu der deutsche Arbeitswille durchkommt und vielleicht etwas Unmut aufkommt, weil es einfach nicht so klappt wie man es sich denkt oder vielleicht wünscht, weil kulturelle Faktoren deine Pläne kreuzen, bekommt man nur ein „Don’t worry.“ zu hören. Doch mittlerweile habe ich mich gut daran gewöhnt und nehme es mit Humor und Leichtigkeit. Diese Mittel sind ganz wichtig, um in Tansania seinen Freiwilligendienst ohne Unmut überstehen zu können. Ein wichtiger Punkt, den ich hier in Tansania bereits gelernt habe.

Im Waisenheim…

Mein Fsj leiste ich im „Kilimandscharo Orphanage Center“ in Pasua ab. Pasua ist ein kleiner Ort nahe der Stadt Moshi, die im Norden Tansanias liegt. Besser gesagt am Fuße des Kilimandscharo. Schon allein der Arbeitsweg ist einmalig, da man jeden Morgen, bei wolkenlosen Himmel den Kilimandscharo in seiner vollen Pracht genießen und bewundern kann. Und wenn man dann zu der Tür des Waisenheims reinkommt, wird man mit herzlichen Kinderlachen, dicken Umarmungen oder einem verschmitzen Lachen begrüßt. Und wenn der Tag mal so richtig in Stimmung kommen soll, holt man einfach einen Fußball raus und beginnt ein Fußballmatch. 😉

Das Kilimandscharo-Orphanagecenter besuchen 58 Kinder von denen circa 30 das Orphanage als ihr zu Hause nennen. Jeden Tag aufs neue bin ich von der Offenheit, der Freude sowie der Hilfsbereitschaft der Kinder überrascht. Doch ein Blick hinter alledem zeigt auch, dass die Kinder und Jugendlichen bereits ein schweres Päckchen mit sich tragen. Und wenn man dann noch die Geschichten hört, ist das eigentlich nur zum heulen. Aufgesammelt auf der Straße, weil das ihr bisheriges zu Hause war; zu Waisenkindern geworden, weil die Eltern verstorben sind oder das Heim als letzter Zufluchtsort, weil die Familien durch Armut das Kind nicht ernähren konnten. Aber gerade aufgrund der vielen Schicksalsschläge und Gemeinsamkeiten, habe ich das Gefühl das die Kinder immer enger zusammen wachsen und bereits wie eine kleine Familie sind. Jeder passt auf den anderen auf.

Meine Aufgaben im Orphanage sind vielfältig, neben Teacher für die Vorschuklasse bin ich gleichzeitig Köchin, Fußballspieler oder einfach mal eine Freundin, die die Kinder und Jugendlichen zum Reden, Kuscheln und Zuhöhren brauchen. Mama für alles könnte man meinen derzeitigen Job also auch nennen und ich mag ihn sehr, da mich die Kinder ebenfalls unglaublich viel lehren und weil ich so viel Liebe, Umarmungen oder ein einfaches und ehrlich gemeintes Danke mit einem zaghaften Lächeln zurückbekomme.

1 Kommentar » ADRA Live!

Eine Reaktion zu “Vorweihnachtszeit mal anders”

  1. Luisa

    Liebe Cindy,
    Dein Bericht über deine Zeit in Afrika hat mich sehr inspiriert. Ich selbst überlege mich für ein FSJ bei ADRA zu bewerben und die Art und Weise wie du über deine Erfahrungen berichtest verstärken den Wunsch, einen Platz, und damit eine Chance zu helfen, zu bekommen.
    Vielen Dank dafür!
    Luisa

ADRA Live!


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