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Zwei Monate in Tansania



Geschrieben am Freitag, 04. Juli 2008 von "weltwärts"-Freiwilliger/em

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Es ist nun schon wieder eine Weile vergangen, seid ihr das letzte Mal von mir gehört habt und deshalb höchste Zeit euch zu schreiben. Muss erstmal kurz überlegen, was in der Zwischenzeit alles so passiert ist. Ich bin nun schon über 2 Monate hier. Kaum zu glauben. Dafür ist mein Swahili noch ziemlich dürftig, aber ich lerne (wenn ich Zeit habe). Im Englisch sprechen bin ich jetzt schon geübt. Es war für mich sogar anfangs schwer wieder deutsch zu sprechen, als Maleika wiederkam. Kaum zu glauben. Aber es ist schon schön sich mit jemandem in seiner Muttersprache unterhalten zu können.

Ja mit Maleika, meiner Mitbewohnerin, verstehe ich mich echt gut und darüber bin ich froh. Wir kochen immer zusammen. Das ist echt lustig und ich muss sagen, dass es echt Spass macht. Und es ist echt schön, das Haus mit jemandem zu teilen. Ihr Ehemann wird wahrscheinlich auch versetzt und bald nach Heri kommen. Er ist Pastor und hat bis jetzt in Mwanza gearbeitet. Das ist eine Tagereise oder mehr mit dem Bus von hier entfernt. Für sie beide ist die Trennung natürlich nicht schön, vor allem weil sie frisch verheiratet sind und die Zeit gern gemeinsam verbringen wollen. Das wird hoffentlich auch bald werden. Ich weiß zwar nicht, wie lang sie dann noch mit mir in einem Haus wohnen werden, aber ich denke vielleicht schon noch ein Stück bis ein Haus oder Wohnung renoviert wird.

Letzte Woche habe ich meinen ersten Urlaub gemacht und war mit den beiden Medizinstudenten aus Dänemark für ein paar Tage in Kigoma. Wir hatten ein wunderschönes Gästehaus ganz in der Nähe des Tanganijasees und der Strand war echt herrlich. Fast wie Karibik. Es war die ganze Zeit herrliches Badewetter, fast zu heiß und das Wasser war schön warm und total klar. Ein Blau wie in den Urlaubsprospekten. Und wir hatten den ganzen Strand für uns. Wir sind zugar nachts schwimmen gegangen und das Wasser war immer noch sehr angenehm. Außerdem war der Sternenhimmel wunderschön anzusehen und der ganze See war übersät mit Lichtern der Fischerboote wie eine kleine Stadt.  Ich hoffe ihr werdet nicht neidisch, aber ich bin mir sicher, dass der Sommer bei euch auch bald kommt und außerdem könnt ihr mich auch jederzeit besuchen. Nachdem wir 2 Tage relaxt haben, haben wir am dritten Tag den Gombe Nationalpark besucht. Gemeinsam mit ein paar holländischen Studenten haben wir eine ca. 2stündige Bootstour gemacht um zu dem Park zu gelangen. Auf der Hinfahrt war das Wasser sehr ruhig, aber rückzu waren die Wellen schon größer und das Boot hat tücktig geschaukelt. Ich war sehr froh, dass ich nicht seekrank geworden bin. Der Park war sehr schön. Er ist einzigartig in Tansania, weil man hier vor allem Chimpansen sieht, die in keinen der anderen Parks zu finden sind. Es war schon interessant diese Tiere ganz aus der Nähe zu betrachten und ich war vor allem erstaunt, dass sie solche lauten Töne von sich geben, denn es war ein ganz schöner Lärm in dem Park. Außerdem haben wir einen wunderschönen Wasserfall gesehen und für Bergsteiger gibt es auch einen Hügel zu erklimmen. Ich war ganz schön geschafft von der Hitze, aber dafür hat sich mir ein wunderschöner Ausblick auf den See und den Regenwald (kann man schon als solchen bezeichnen) geboten. Der Guide (jede Gruppe hat einen Führer) hat mir versprochen, dass es jetzt nicht mehr bergauf geht.

Wieder Angekommen am Stützpunkt haben wir erstmal ein kühles Bad im See genommen und dann ging es zurück nach Kigoma. Diesen Abend haben wir in einem anderen Hotel in Kigoma geschlafen. Am nächsten Tag haben wir noch ein paar Sachen in Kigoma eingekauft und dann ging es zurück nach Mangovu zum Krankenhaus. Wir sind mit dem Daladala gefahren, das ist der öffentliche Bus hier. Es handelt sich um einen Kleinbus, in dem es sehr eng ist, weil er erst abfährt, wenn alle Sitzplätze (und Stehplätze) besetzt sind und er fährt auch nicht eher ab. So mussten wir noch ca. 1h warten eh der Bus abgefahren ist. Nach ca. 2,5 h waren wir dann endlich in Heri Hospital und ich habe mich ein bisschen gefühlt wie heimkommen und das ist ein gutes Gefühl.

Am nächsten Tag wurden wir herzlich empfangen und mussten einen kurzen Bericht über unseren Kurzurlaub abgeben. Ok, ich kam mir schon ein bisschen komisch vor vom Gombe park zu berichten, den die meisten Einheimischen noch nie besucht haben (aufgrund des Geldes oder der Reise).
Jetzt ist schon wieder eine Woche Arbeit vergangen und ich genieße meinen freien Tag. Morgen werde ich wieder auf  Nachtschicht gehen. Ja, ich bin hier schon voll eingeplant.

Letzten Mittwoch war ein wirklich grasses Erlebnis für alle hier. Es hat zum ersten Mal seit ein paar Wochen wieder geregnet und nicht wenig. Außerdem war ein tüchtiges Gewitter. Ein paar Mal hat es so laut gekracht, dass ich Angst hatte, dass es irgendwo eingeschlagen hat. Und das war dann auch der Fall. In der Grundschule ganz in der Nähe hat der Blitz eingeschlagen und drei Kinder getroffen. Eines so schlimm, dass sie es an Ort und Stelle reanimieren mussten. Zum Glück mit Erfolg. Dann haben sie die Verletzten so schnell wie möglich nach Heri gebracht.

Das eine Mädchen, das es am schlimmsten getroffen hat, war auch noch ein Kind der Angestellten. Es hat ziemliche Verbrennungen auf dem Rücken und Brust und gewimmert vor Schmerzen. Wir wussten gleich gar nicht, was wir für Schmerzmittel geben sollten, weil das Krankenhaus auch nicht über so viele Schmerzmittel verfügt, wie das in Deutschland der Fall ist. Wir haben ihr dann Sedierungsmittel gegeben, dass sie etwas ruhiger wird. Das andere Kind, ein Junge, war bewusstlos, der Puls war anfangs sehr unrhythmisch und er hatte Untertemperatur. Zum Glück hatte er aber nur eine kleine Brandwunde. Dem anderen Kind ging es gut. Es war nur zur Überwachung da und die  Lehrerin wurde noch eingeliefert. Sie hatte aber nur einen Schock. An diesem Abend waren fast alle Bewohner des Heri Gebietes im Krankenhaus versammelt und haben mitgebangt. Es war aber auch gut zu sehen, dass alle Anteil nehmen und trösten wollten und wir gemeinsam beten konnten.  Als wenn nicht schon genug Trubel war, war dann gegen 20.00 uhr auch noch eine OP, Laparotomie. Die Patientin hatte seit Tagen keinen Stuhlgang mehr und als sie den Bauch aufgemacht haben, musste ein Stück Darm entfernt werden, das schon schwarz war aufgrund einer Abschnürung. Unglücklicherweise haben wir gerade auch nur einen Doktor, der vertretungsweise aus einem anderen Krankenhaus gekommen ist, weil unsere zwei Doktoren grad auf Reise und Seminar sind. Und dann sind noch die zwei Medizinstudenten, die auch gute Arbeit geleistet haben. Wir haben auch noch Klinikofficiers, die eine Ausbildung von einigen Jahren haben, aber oft nicht genug Ahnung haben und deshalb manchmal nicht gut zu gebrauchen sind.  Das war schon ein turbulenter Abend, aber mittlerweile geht es allen wieder ganz gut. Alle haben überlebt, es bleiben nur Narben zurück. Aber die Brandwunden sehen auch gut aus und heilen hoffentlich ohne Probleme. Ich bin Gott echt dankbar dafür. Sorry, ich wollte euch nicht mit meinem Bericht schocken. Meistens geht es auch ruhiger zu. Das war auch für mich das erste Mal, dass ich Patienten mit Blitzschlag versorgt habe. Jetzt ist es auch wieder ruhiger geworden.

Ok. Anderes Thema: Gestern habe ich bei einem Fußballspiel zugesehen, bei dem einer der Angestellten mitgespielt hat. Die Fußballbegeisterung hier in Tansania ist fast noch stärker als in Deutschland. Letztens habe ich auch das Halbfinalspiel des Uefa- Cupes im Fernsehen verfolgt. Ich hätte nicht gedacht, dass die Leute sich hier so für die Spiele interessieren, die ganz weit weg von ihrer Heimat passieren und sie wissen so gut Bescheid. Schon lustig. Das hat mich in Deutschland eigentlich nicht interessiert, aber ich fand es lustig gemeinsam mit den Leuten hier anzuschauen.

Letztens haben Maleika und ich ein Lob bekommen, dass wir so aktiv in der Kirche mitarbeiten. Ok, ich hätte auch nicht gedacht, dass ich so schnell involviert werde in Andacht halten, Missionsbericht, Gebet und Chor . Einen Sabbat habe ich mit einem Jugendlichen von hier und dem Medizinstudenten aus den USA ein Lied im Gottesdienst gesungen, dass er selbst geschrieben hat. Hat ganz gut geklungen (haben die anderen gemeint), der Student hatte eine sehr gute Bassstimme und ich habe zwischen Alt und Sopran gewechselt. Der andere Jugendliche hat die Melodiestimme gesungen.

Ja, dass waren so die Erlebnisse der letzten Wochen. Vielen Dank auch für eure Berichte, ich finde es immer sehr schön auch zu wissen, was so bei euch passiert. Also denn bis zum nächsten Mal.
Ich wünsche euch Gottes Segen in Fülle.

Seid lieb umarmt.
Eure Lydia

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