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Lesotho – ein Königreich im Himmel



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Donnerstag, 23. Mai 2019 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Tabita, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr mit ADRAlive! in Lesotho verbringt.

Lesotho. Ein Land umgeben von Südafrika. Gezeichnet durch die unzähligen Berge, wodurch es unter anderem auch den Namen „Königreich im Himmel“ oder „Bergkönigreich“ zu verdanken hat. Durch die völlig unterschiedliche Kultur und Lebensweise in diesem so ganz unterschiedlichen Land habe ich so einiges an unbezahlbaren Erfahrungen sammeln dürfen.

Als Krankenschwester habe ich in einem kleinen, ländlich gelegenen privaten Krankenhaus in der Nähe der Hauptstadt gearbeitet und außerdem in einem palliativen Pflegedienst mitgeholfen.

Eine völlig neue Erfahrung, wenn man das Gesundheitssystem in Deutschland gewöhnt ist. Anpassen und umdenken war hier angesagt. Da musste dann als Krankenschwester schon mal bei Operationen assistiert werden, Zähne gezogen, Wunden genäht usw. Der Lerneffekt war dementsprechend groß und die Erfahrung unbezahlbar.

Ein Tag im CEHAL-Krankenhaus (Centre for equal health access Lesotho)

Morgens um sieben Uhr – naja manchmal auch etwas verspätet, aber an die afrikanische Zeit oder eher Pünktlichkeit muss man sich hier wohl oder übel gewöhnen – steht die Übergabe für den Tagdienst an. Der Nachtdienst, der zwölf Stunden – von 19 Uhr bis sieben Uhr arbeitet, gibt alle wichtigen Informationen über die Patienten an den nächsten Dienst weiter. Hierbei gehen alle Krankenpfleger und Krankenschwestern von einem Patientenzimmer zum nächsten und hören sich Diagnosen, Beschwerden, Auffälligkeiten etc. an. Wenn dann der Nachtdienst nach getaner Arbeit nach Hause geht, geht es für den Tagdienst mit allen weiteren Aufgaben los. Vorbereitung für die morgendliche Visite, Medikamente und Frühstück an die Patienten verteilen und die ersten Patienten, die zur Untersuchung kommen, versorgen. Da es hier eine Vielzahl von HIV- und Tuberkulose- (Infektionskrankheit-)Patienten gibt, werden alle Patienten, bevor sie einen Arzt sehen, von einer Krankenschwester genau darauf gescreent. Meine Aufgabe war meistens die Versorgung der Patienten in den Patientenzimmern. D.h. Frühstückt und Medikamente verteilen, Blutdruck-, Puls- und Temperaturmessung, Wundversorgungen, Blutabnahmen, Zugänge legen, Injizieren und alles dokumentieren. Außerdem auch im Kreissaal und im OP-Saal assistieren. Und so unterschiedlich jeder Tag mit Aufgaben gefüllt ist, so unterschiedlich sind auch die Erfahrungen, die ich erleben durfte. So habe ich an einem Tag zum Beispiel erlebt, wie die Einwohner Lesothos, die Basothos, mit Notfällen umgehen. Da es hier keinen Krankenwagen gibt, der durch eine Notfallnummer in kürzester Zeit vor Ort und Stelle ist, wird dieses kurzerhand von den Angehörigen selbst übernommen. Ist kein privates Auto im Besitz der Angehörigen wir dann das nächstliegende Auto angehalten und so wird der Patient dann auf der Ladefläche eines Pick-ups in das Krankenhaus gefahren, um dort bestmöglich versorgt zu werden.

Trotz aller Ernsthaftigkeit soll der Spaß während der Arbeit nie ausbleiben. Als ich eines Tages im OP-Saal assistiert habe und dann plötzlich die deutsche Nationalhymne aus dem Handy des operierenden Arztes ertönte, war ich zunächst ziemlich überrascht, musste im nächsten Augenblick aber sichtlich anfangen zu schmunzeln.

Ja, so kann die Arbeit hier im Krankenhaus mit dem Arzt schon mal aussehen.

Meine Wohnung ist ausgerüstet mit fließendem Wasser und eigener Toilette – ein Privileg hier in Lesotho, in dem die meisten ohne fließendes Wasser leben und auch die Toilette außerhalb in Form eines Plumpsklos ist. Die Wohnung befindet sich direkt neben dem Krankenhaus, wodurch mein Weg zur Arbeit nur zirka 30 Sekunden in Anspruch nimmt. Im Gegensatz zu manch anderen Arbeitskollegen, die mit einem Taxi zu Arbeit gefahren werden, auf jeden Fall zeitsparender. Taxi, hört sich zunächst zwar sehr teuer an, für eine zehnminütige Fahrt wird hier jedoch nur zirka 50 Cent bezahlt.

Ein eigener Wecker ist hier eigentlich nicht notwendig, da hier der Hahn, umringt von vielen Hühnern und Enten, schon morgens früh seinen Einsatz gibt. Und wenn der mal verschlafen sollte, ist das Schaf zur Stelle. Für die Begrüßung morgens, wenn ich aus meiner Tür trete, sorgt dann der Hund, der schon beim Umdrehen des Türschlosses freudig angerannt kommt. Außerdem gehörig zum Krankenhaus Campus ist ein Pferd das alleinig für die Freiwilligen von den Ärzten angeschafft wurde.

So ist das Leben hier doch sehr entspannt und ruhig, aber trotzdem immer wieder überraschend.

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Albanien – gerne, immer wieder!



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Donnerstag, 23. Mai 2019 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Jeanine, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr mit ADRAlive! in Albanien verbringt.

Vor genau neun Monaten bin ich ohne jegliche Erwartungen in ein mir fremdes Land gegangen. Tatsächlich ohne Erwartungen, da meiner Mitfreiwillige Marie und mir kurz vorher noch nicht klar war, dass wir nach Albanien gehen würden.

Ich erinnere mich noch, wie wir aus dem Flugzeug stiegen und an einem kleinen Flughafen in der Hauptstadt Tirana, die schon bald darauf zu unserem zweiten Zuhause wurde, gelandet sind, umgeben von einer schönen Berglandschaft.

Wir wurden von einem unserer Kollegen abgeholt und sehr herzlich willkommen geheißen. Der erste Unterschied zu Deutschland fiel uns sehr schnell auf, nämlich der chaotische Straßenverkehr. Es kamen allerdings noch einige weitere Neuheiten hinzu, an die wir uns unerwartet schnell gewöhnt haben.

Mich fragte vor Kurzem jemand, wie ich mein Auslandsjahr in drei Worten beschreiben würde – eines davon wäre das Wort Kaffee. Ob vor, während oder nach der Arbeit, es gibt immer Zeit für einen Kaffee. Daran gewöhnt man sich natürlich gerne und schnell! Flexibilität beziehungsweise Spontanität steht an zweiter und an dritter Stelle Gelassenheit. Vieles wird hier sehr gelassen genommen und was man heute nicht schafft, macht man morgen, aber im Endeffekt klappt es irgendwie immer.

Nicht nur von unseren Kollegen wurden wir herzlich aufgenommen, man wird auch auf der Straße gerne mal angesprochen, woher man denn komme und was man hier mache.

Tirana selbst bezeichne ich immer gerne als eine Mosaik-Stadt! Warum? Weil hier so ziemlich alles zusammengewürfelt aussieht. Eine abstrakte Brücke vor einem antik aussehenden Haus oder Gebäude, die aussehen als wären sie aus ihrer ursprünglichen Umgebung herausgenommen und irgendwo hinplatziert worden, ist hier Standard. Aber gerade das verleiht Tirana eine bunte Vielfalt und einen gewissen Charme.

Was ich gelehrt, aber auch gelernt habe…

Albanien Freiwilligenjahr

Unsere Aufgaben haben sich mit der Zeit ergeben. Zu Beginn beobachteten wir viel und halfen mal hier und mal da. Mittlerweile haben Marie und ich unser eigenes Projekt und lehren Kindern zwischen 13 und 17 die deutsche Sprache. Jeden Montag und Mittwoch gegen Nachmittag beginnen die Deutschstunden, in denen wir nicht nur Unterricht halten, sondern unseren Schülern auch von Deutschland erzählen. Besonders begeistert sind sie, wenn wir ihnen deutsche Süßigkeiten oder selbstgemachte Brezeln mitbringen. Danach bekommen wir meistens noch eine persönliche Tanzstunde von unseren Schülern, in denen wir die typisch traditionellen albanischen Tänze beigebracht bekommen.

Nebenbei besuchen wir weitere Schulen, um dort Zusatzklassen für Kinder mit Lernschwierigkeiten anzubieten. Wir beginnen meistens mit ein paar Aufgaben und beenden die Stunde mit Basteleien und Spielen. Auch regelmäßige Roma-Community-Besuche in und außerhalb von Tirana gehören zu unserer Arbeit. Bei diesen versuchen wir, den Kindern und deren Eltern das Lesen, Schreiben und Rechnen kreativ beizubringen. Natürlich darf das Spielen nicht vernachlässigt werden und somit tauschen wir ständig neue Spiele mit den Kindern aus. Wir bringen ihnen und sie uns welche bei. Mein persönliches tägliches Highlight ist immer zu Anfang des Unterrichts und wenn wir ihn beenden, da die Kinder jedesmal auf einen zukommen und einen mit einem großen Grinsen im Gesicht umarmen. Nach 20mal „Mirupafshim“ sagen (was Tschüss bedeutet), heißt es für uns zurück ins Büro. Dort erledigen wir noch kleinere Aufgaben und helfen aus.

Seit der Eröffnung des „Kopshti’s“ (= Kindergarten) am Anfang unseres Auslandsjahres besuchen wir auch diesen wöchentlich an Freitagen. Dort werden wir zur Begrüßung mit Gebrüll umgerannt. Es ist erstaunlich, wie schnell sich die Kinder so manche deutsche Kinderliede, die wir mit ihnen singen, einprägen und mittlerweile mitsingen können, ohne zu wissen, was sie singen.

Auch wenn ich über Umwege letztendlich in Albanien gelandet bin, würde ich mich wieder dafür entscheiden! Die Eindrücke und Erfahrungen, die ich bisher sammeln durfte, sind einzigartig und haben mich auch Einiges lehren können.

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Kulikayo mu Uganda – Willkommen in Uganda



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Donnerstag, 07. Februar 2019 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Oliver, der sein Freiwilliges Soziales Jahr mit ADRAlive! in Uganda verbringt.

„Ich will irgendwo hin, wo es ganz anders ist! Eine neue Sprache lernen, mit Leuten einer anderen Kultur in Kontakt kommen und meinen Blickwinkel weiten – das ist mein Ziel!“ – so ungefähr lautete mein Bewerbungs-Motto bei ADRA Deutschland. Und tatsächlich bin ich einem Land angekommen, in dem für mich fast alles neu war: In Uganda! – Uganda? Genau! Uganda ist ein kleines Land in Ost-Afrika, das im Süden an den Viktoria-See grenzt und mit seiner artenreichen Pflanzen- und Tierwelt als eines der schönsten Länder Afrikas gilt. Hier leiste ich meine Freiwilligendienst bei ADRA Uganda, dessen Haupt-Büro in Kampala, der Hauptstadt von Uganda, eingerichtet ist.

Tutandiike! – Lasst uns beginnen!

Und ich wurde nicht enttäuscht! Denn in Uganda läuft wirklich vieles ganz anders als in Deutschland ab. Am Anfang hatte ich das Gefühl, ins komplette Chaos zu stürzen, denn Ugander haben ein völlig anderes Zeit-Verständnis, der Straßen-Verkehr kommt hier scheinbar ohne jegliche Verkehrsregeln aus und die Leute lieben es, eine gewisse Spontanität an den Tag zu legen. Und nicht selten wurde ich dadurch vor manch eine Herausforderung gestellt. Doch dafür wurde ich stets mit der Herzlichkeit, Offenheit und Gelassenheit der Menschen vor Ort entschädigt, von der man als Deutscher echt viel lernen kann. Schon nach einer kurzen Eingewöhnungsphase begann ich mich mit den ugandischen Gewohnheiten anzufreunden und inzwischen fühle ich mich hier sogar richtig heimisch.

Okola ki mu Uganda? – Was machst du in Uganda?

Meine Arbeit mit ADRA Uganda ist sehr vielseitig, denn neben der Büroarbeit in Kampala gibt es auch immer wieder Feld-Einsätze bei den verschiedenen Projekten von ADRA, bei denen ich vor Ort zum Einsatz komme. So habe ich inzwischen schon in mehreren Projekten ausgeholfen, bei Einsätzen in Flüchtlingssiedlungen meine Unterstützung eingebracht, und habe sogar einen Einblick in die Arbeit einer Partner-Organisation erhalten, die Waisenkinder und ihre Schulbildung fördert. Auf diese Weise bin ich alleine in den ersten drei Monaten schon viel in Uganda unterwegs gewesen, bin mit den verschiedensten Leuten in Kontakt gekommen, und habe jede Menge reiche Erfahrungen machen können.

Tugenda masso! – Es geht weiter voran!

Inzwischen habe ich hier so viele wunderbare Menschen getroffen, wichtige Freunde dazu gewonnen, und wertvolle Erfahrungen gemacht, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie schnell die ersten Monate vergangen sind. Zum Glück ist bisher noch nicht mal die Hälfte meiner Einsatzzeit vorüber und ich bin jetzt schon gespannt, welche Abenteuer mich noch hier in Uganda erwarten werden. Und was ganz sicher ist: Wenn ich wieder nach Deutschland zurückkehre, werde ich eine Menge zu erzählen haben!

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Albanien – meine zusammengewürfelte Schönheit



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 09. Januar 2019 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Marie, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr mit ADRAlive! in Albanien verbringt.

„Du machst dein Auslandsjahr in Albanien?“, „Wo lag das nochmal?“ und „Was willst du denn da?“ waren die häufigsten Reaktionen auf meine Neuigkeit, dass ich meinen Freiwilligendienst in Tirana, der Hauptstadt eines mir bis dato völlig fremden Landes, verbringen würde. Eigentlich war nämlich der Plan, dass meine Reise nach Sri Lanka gehen sollte, allerdings klappte etwas mit dem Visum nicht und so wurde mir und meiner Projektpartnerin Jeanine kurzerhand etwa zwei Wochen vor der eigentlichen Ausreise vorgeschlagen,  einfach alle Pläne über Bord zu werfen und nach Albanien zu fliegen. Nach dem ersten Schock waren es nur noch wenige Wochen bis zu unserem Flug und die Nervosität stieg. Bald darauf packten wir unsere Koffer, steckten das Albanisch-Wörterbuch und den Reiseführer ein und flogen am 14. August 2018 in ein Land, von dessen Kultur und Menschen wir absolut keinen blassen Schimmer hatten.

Unsere Eingewöhnung

Schnell wurde uns klar, dass Albanien doch exotischer ist als erwartet, auch wenn es „nur“ zwei Stunden mit dem Flieger entfernt ist. Gewöhnen mussten wir uns an herunterhängende Stromkabel und Wasserschläuche, die zu Beginn scheinbar aus dem Nichts vor einem auftauchten, zutrauliche Straßenhunde, die einem einfach so bis vor die Haustür folgen oder bis zum nächsten Supermarkt begleiten, die albanische Gemütlichkeit, wo aus einem Termin um 8:30 Uhr ganz entspannt mal ein Termin um 10:00 Uhr werden kann und nicht zu vergessen das Ja-und-Nein-Sagen (zu „Ja“ sagt man hier „Po“ und schüttelt den Kopf und zu „Nein“ sagt man „Jo“ und nickt – verrückt, oder?). Angekommen waren wir in einem heißen und recht trockenen Sommer, welcher sich aber seit November zu einem regnerischen, nass-kalten Herbst entwickelt hatte. Einfacher war es dann schon, sich an die gemütlichen Kaffeepausen mit Freunden und Kollegen zu gewöhnen. Trotz der Zeit, die wir zum Eingewöhnen benötigten, sahen wir Tirana sehr schnell als unser neues Zuhause an und verliebten uns in diese Stadt, die scheinbar komplett zufällig aus verschiedensten Gebäuden zusammengewürfelt war – Gemüse- und Obststände neben Luxusboutiquen, Fischläden neben Drogerien und Hochzeitsausstattern an jeder Ecke. Wie meine amerikanische Freundin Jade, die ebenfalls ihr Auslandsjahr in Albanien verbringt, sagen würde: „Tirana is just so random!“.

Eine ganz normale Arbeitswoche

Unsere erste richtige Aufgabe bestand darin, eine unserer späteren Arbeitsstellen, den adventistischen „Kopshti“ (Kindergarten) mit einigen selbst gemalten Bildern zu verschönern. Dabei waren wir besonders stolz auf unser Sonnensystem, welches nun im Schlafraum der Kinder zu bewundern ist.
Im Allgemeinen sieht die Arbeitswoche etwa folgendermaßen aus: Montags, mittwochs und donnerstags sind immer die Highlights meiner Woche, denn da besuchen wir drei verschiedene Schulen rund um Tirana und helfen bei den zum Teil recht chaotisch ablaufenden Zusatzklassen, wo mit Roma-Kindern und lernschwachen Kindern gerechnet, gebastelt und sogar auch mal ganz traditionell albanisch getanzt und gesungen wird. Neu dazu gekommen ist für uns der Deutschunterricht, welcher jedes Mal mein Herz erwärmt, denn diese großen Kinderaugen zu sehen, die voller Bewunderung glänzen, wenn man das Alphabet für sie aufsagt, erwärmt mir jedes Mal das Herz und ist der perfekte Lohn für meine Arbeit.

Den Rest des Tages und jeden Dienstag sind wir den ganzen Tag im Büro, kümmern uns um die Social-Media-Accounts von ADRA, schreiben Berichte und Artikel und auch ab und an Übersetzungen. Freitags gehen wir dann in den Kindergarten. Wir tauften die Kinder liebevoll unsere „kleinen Monster“, denn albanische Kleinkinder spielen wirklich nochmal in einer anderen Liga!

Ich ging ohne jegliche Erwartungen in ein für mich komplett unbekanntes Land und nach nur wenigen Monaten wurde es zu meinem zweiten Zuhause und der in meinen Augen schönste und für mich passendste Ort, um mein FSJ zu verbringen. Wenn mich heute Leute fragen, warum ich ausgerechnet nach Albanien gegangen bin, antworte ich jedes Mal: „Klar, Albanien ist nicht weit weg und mag für dich als nichts Besonderes erscheinen, doch in meinen Augen ist dieses Land gefüllt mit so vielen hilfsbereiten und weltoffenen Menschen, einer interessanten Landesgeschichte, einer wunderschönen, sehr traditionellen Kultur, unerwarteten Orten, die zu Besuchen einladen und einer anderen Art von Exotik, die man sich nicht einmal im Traum vorstellen könnte, denn dieses Land wird viel zu einfach unterschätzt!“

Ich erinnere mich auch gern immer wieder an etwas, was meine Mama mir kurz vor meiner Abreise mit auf den Weg gab: „Die besten Dinge im Leben sind meist die, die unerwartet geschehen.“ Und damit sollte sie definitiv Recht behalten!

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Das Privileg, hier sein zu dürfen



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Dienstag, 08. Januar 2019 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Julian, der sein Freiwilliges Soziales Jahr mit ADRAlive! in Bolivien absolviert.

Der Beginn des Abenteuers

Die ersten zweieinhalb Monate in meinem Projekt – das Kinderheim “El Sauce“ in Bolivien – sind nun schon um. Und was soll ich sagen? Sie vergingen wie im Flug!
Meistens ein Indiz dafür, dass man alles um sich herum vergisst, weil man sich pudelwohl fühlt. Wie sieht das bei mir aus?
Die allererste Zeit hier, sprich gut die ersten zwei Wochen, ging es für mich Schlag auf Schlag. Jeden Tag etwas Neues entdecken, jeden Tag etwas Neues (kennen-) lernen, sich jeden Tag ein bisschen wohler fühlen, denn die Sprache, vor der ich am meisten Respekt hatte, stellte mich gar nicht vor solche Herausforderungen, wie anfangs befürchtet hatte – dem Schulspanisch sei Dank.
Ich fühlte mich schnell nicht mehr ganz so in der Fremde, da die anfangs Fremden keine Fremden mehr waren.

Was mache ich hier überhaupt?

Der Kontakt zu den Kindern war zu Beginn meiner Zeit hier gar nicht so intensiv vorhanden. Ich weiß, es klingt paradox, wenn man in einem Kinderheim wohnt und arbeitet, welches zur Zeit 23 Kinder beherbergt. Doch war das für mich Realität, was aber fast gänzlich meiner Arbeit hier im Projekt “verschuldet“ war. Meine Arbeit beinhaltete nämlich das, was das Projekt am Leben hält: das Feld.
“El Sauce“ generiert neben Spendeneinnahmen auch eigene Gelder, indem einmal pro Woche eigens angebautes Obst und Gemüse an Kunden verkauft wird. Die Besonderheit: es ist alles Bio, für bolivianische Verhältnisse eine Rarität.
Meine Aufgabe besteht also darin, die Felder zu bewirtschaften, sprich sie mit einem Spaten „umzukloppen“, Unkraut zwischen den Pflanzen zu entfernen, die Obstbäume und Büsche für die “Tragzeit“ vorzubereiten und natürlich die Dinge, die wir angepflanzt, haben am Mittwoch, dem Erntetag, zu ernten.
Seit gut einem Monat bekommen wir nun aber ab und zu auch abwechslungsreichere Aufgaben von unserem Chef aufgetragen. Beispielsweise sollte dem Eingangsbereich vom Jungenhaus, Casa 1, das zudem das Haupthaus und Anlaufsort für Besucher darstellt, ein neuer “Look“ verpasst werden. So waren wir also kurzum gute vier Tage am Streichen, bis der Raum in neuem Glanz erschien.

Aktuell sind wir dabei, zum ersten Mal eine Internetverbindung in das Projekt zu holen. Dazu sollten wir zwei Masten mit Antennen zum Verstärken des Signals aufstellen und um diese mit Strom zu versorgen, verlegen wir aktuell ein gut 800 Meter langes Stromkabel unter die Erde.

“Nueve meses mas“ ~ neun weitere Monate

Die Arbeit ist anstrengend, doch sie macht Spaß. Du tust hier Dinge, die du noch nie zuvor in deinem Leben gemacht hast. Du lernst dazu und wächst an dir selber – etwas Besseres gibt’s nicht.
Und auch das schon angesprochene Thema mit dem wenigen Kontakt mit den Kindern regulierte sich. Dreimal die Woche haben wir nun eineinhalb-stündige “Workshops“ mit den Kids, bei denen sie handwerkliche Dinge lernen sollen.
Es ist also wirklich ein guter Mix aus allem, der mir auf jeden Fall Lust auf mehr macht und mich sehr positiv und voller Motivation auf die nächsten, höchstwahrscheinlich noch wunderbaren neun Monate in meinem Abenteuer blicken lässt.

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Karibu Tansania



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Freitag, 04. Januar 2019 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Lea, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr mit ADRAlive! in Tansania verbringt.

Dieses Wort hat mich meine ersten drei Monate täglich begleitet. Karibu – Willkommen! Selbst Fremde auf der Straße rufen einem dieses Wort hinterher. Klar fällt man als einzige Weiße im Dorf sofort auf, wenn man zu dem kleinen Marktplatz läuft. Anfangs habe ich mich extrem unwohl gefühlt mit der ganzen Aufmerksamkeit, die einem Fremde entgegenbringen. Sei es durch Grüßen, Winken oder sogar Hinterherlaufen. Mittlerweile weiß ich, dass alles Teil einer herzlichen Mentalität ist. Denn wenn dieses Land eines ist, dann herzlich. Meine Mitfreiwillige und ich wurden mit einer Selbstverständlichkeit sofort nach Hause eingeladen, die mir als Deutsche völlig fremd war. Da sitzt man also in einer kleinen Hütte, welche nur zum Teil überdacht ist, auf dem zerschlissenen Sofa, löffelt Bohnen aus Plastiktellern und gehört auf einmal zur Familie. Sogar auf einer afrikanischen Hochzeit waren wir bereits eingeladen. Aber Hochzeiten gibt es nicht jeden Tag.

Mein Alltag hier besteht aus Kinderbetreuung, Gartenarbeit und Helfen in der Küche. Die Arbeit mit den Kindern ist anstrengender als ich gedacht habe, schließlich muss man die Kinder beaufsichtigen und beschäftigen. Das ist leichter gesagt als getan. Wir spazieren oft mit den Kids über das Gelände des Waisenheims, besuchen den Garten oder gehen runter an den Strand. Die beste Belohnung nach einem nervenaufreibenden Tag sind die lachenden Gesichter der Kinder, wenn sie auf einen zulaufen und rufen „dada Lea umependeza“. Das heißt so viel wie „Schwester Lea, ich hab dich lieb.“

Im wöchentlichen Wechsel arbeite ich bei den Kindern und in der Küche. Dann heißt es abwaschen, Gemüse schneiden und lernen, wie man eine Kokosnuss öffnet. Hier wird sehr viel mit Kokosnuss gekocht. Ob in den Bohnen oder im Brot, in fast jedem Topf landet Kokosnussmilch. An einigen Vormittagen arbeite ich auch dort, wo die Kokosnüsse herkommen: im Garten. Ich habe so viel Neues dort gelernt: wie man Tomaten ausgeizt, am schnellsten Kompost gewinnt oder am besten die Erde aufgräbt.

Die Arbeit in Küche und Garten ist eine gute Möglichkeit, um die einheimischen Arbeiter kennenzulernen. Diese Gespräche lassen mich immer wieder schmunzeln, wenn ich erklären muss, dass es in Deutschland weder Kamele noch Mangobäume gibt. Ich selber bin aber auch oft Grund für Gelächter. Meine Versuche, die Sprache zu lernen, oder meine kläglichen Versuche, einen Eimer auf dem Kopf zu balancieren, sorgen bei der Köchin und den Kindertanten für regelmäßiges Gelächter. Anfangs war die Sprache für mich ein reines Chaos an Silben. Mittlerweile verstehe ich einiges der alltäglichen Gespräche. Dreimal in der Woche gibt uns der hiesige Dorflehrer, Mr. KK, Kisuaheli-Unterricht. Mr. KK hat uns auch an die Schule eingeladen. So haben meine Mitfreiwillige und ich in einigen Klassen bereits etwas Englischunterricht gegeben.

Wenn ich heute ins Dorf gehe oder mit dem Bus fahre, fühle ich mich nicht mehr unwohl. Natürlich falle ich immer noch auf und werde überschwänglich begrüßt. Ich habe mich aber daran gewöhnt und wenn ich ehrlich bin, vermisse ich die kühle Distanziertheit mancher deutscher Innenstädte kein bisschen.

Als ich früher an Afrika gedacht habe, habe ich an Wüste, Armut und Reisbohnen gedacht. Aber dieses Land, welches seit drei Monaten mein Zuhause ist, ist so viel mehr. Den Teil des Kontinents, den ich kennenlernen durfte, ist farbenfroh, mit Palmen, Blumen und lachenden Menschen, die alles teilen, was sie haben. Eins möchte ich von hier mitnehmen! Die Unbeschwertheit, mit denen die Menschen ihr armes Leben hier bestreiten. Ich bin gespannt, welche Abenteuer mich in meinen restlichen 9 Monaten erwarten.

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Grüße aus Bolivien



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Sonntag, 23. Dezember 2018 von ADRAlive-Team

Melissa hat ihr Freiwilliges Soziales Jahr mit ADRAlive! in Bolivien gemacht. Wie es ihr dort erging, erzählt sie im Video.

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Auf der anderen Seite der Welt



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 07. November 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Jonathan, der sein Freiwilliges Soziales Jahr mit ADRAlive! in Bolivien verbringt.

Als ich mich dafür entschied, ein Jahr nach Bolivien zu gehen, um einen Freiwilligendienst zu absolvieren, war das noch ein sehr leerer Satz. Ich hatte tatsächlich gar nicht mal so viele Erwartungen. Doch mit der Zeit füllte er sich mehr und mehr mit Menschen, Orten und Erlebnissen. Und mit Gefühlen, die ich nun mit all dem verbinde.

Nachdem ich mir bis zu meinem 18. Geburtstag noch die Zeit vertrieben hatte, während alle anderen ADRA-Freiwilligen meines Jahrgangs schon in die Welt hinausgezogen waren, ging es im Oktober dann endlich auch für mich los. Verabschiedung am Flughafen in Berlin von meiner Familie und dann gings auch schon zum Check-In. Ich realisierte natürlich an dieser Stelle noch nicht, dass ich eben mal für ein ganzes Jahr wegflog. Dennoch war ich sehr gespannt, was mich in Bolivien denn so erwarten würde. Südamerika – das klang für mich immer nach Freiheit.

Das Projekt, in dem ich gelebt und gearbeitet habe, ist „Hogar de Ninos L’ESPERANCE“, ein Kinderdorf, in dem ca. 60 Kinder leben. Sie sind zum Teil Waisen/Halbwaisen oder stammen aus Verhältnissen, in denen sie vernachlässigt oder verlassen wurden. Wir befinden uns hier im Herzen Boliviens, umgeben von Dschungel und Flüssen. Schöner als hier kann Landschaft gar nicht sein. Wir haben sechs Hauselternpaare, die sich jeweils um ca. zehn Kinder kümmern. Die Hauspapas arbeiten jeweils in den verschiedenen „Werkstätten“, sei es die Bäckerei, die Tischlerei oder die Landwirtschaft.

Im Laufe des Jahres habe ich in den verschiedensten Bereichen mitgearbeitet. Über diese Abwechslung, die sich mir immer wieder bot, war ich wirklich froh. Eine ganze Weile widmete ich mich der Verkäufertätigkeit und wir fuhren jeden Tag die 15 Minuten mit unserem alten Toyota-Bus auf der holprigen Straße nach Villa Tunari, der nächsten Kleinstadt, um Brownies zu verkaufen. Die wurden von Juan, unserem Bäcker, hergestellt. Dabei lernte ich Villa richtig kennen, denn wir liefen durch jeden Winkel des Dorfes um unsere Brownies an den Mann zu bringen und vor allem auch bekanntzumachen. Wenn mal jemand von den Hauseltern nicht da war, dann sprangen wir Freiwilligen ein und bekochten und bespaßten die Kinder einen Tag lang. Dabei lernte ich auch typisch bolivianische Kochgewohnheiten kennen, wie zum Beispiel Reis vor dem Kochen zu frittieren. Damit wir in Zukunft unser Gemüse nicht mehr kaufen würden müssen, legten wir uns einige Gemüsegärten an. Dort verbrachte ich einige Zeit und war mit Umgraben, Säen, Unkraut zupfen und Bewässern beschäftigt. Ich würde von mir behaupten, dass ich mir in diesem Jahr einige bolivianische Gepflogenheiten angewöhnt habe. Manchmal kann die Arbeit eben auch mit einer Pause zum Quatschen beginnen, wenn danach dafür umso härter gearbeitet wird.

Warum ich eigentlich in ein Kinderdorf gegangen bin, wurde ich manchmal gefragt. Antworten darauf gibt es viele, doch gerade bei der Aufgabe Hintergrundberichte für die Paten unserer Kinder zu schreiben, wurde es mir immer klar vor Augen geführt. Ich wollte etwas Sinnvolles tun. Und sich mit den Geschichten der Kinder auseinanderzusetzen, hat mich wirklich geprägt in diesem Jahr. Es hat mir das so Offensichtliche, die Unterschiede, in der Welt noch einmal ganz greifbar vor Augen geführt.

Als die Schulferien gekommen waren, stand für mich ein Rollenwechsel zum Lehrer auf dem Plan, denn die Grundschüler, mit denen ich Matheunterricht machte, durften ja schließlich nichts vergessen in den zwei Wochen. So übten wir in diesen Tagen Nachmittag für Nachmittag die Grundrechenarten.

Auf der anderen Seite der Welt – da befand ich mich tatsächlich. Auf einem anderen Kontinent, kurz gesagt in einem anderen Leben. Doch jetzt mit ein bisschen Abstand, kann man sagen, dass Fremdes heimisch wird und Heimisches fremd. War es mir am Anfang noch ungewohnt, mit einem Motorradtaxi nach Hause zu fahren, war es irgendwann das Normalste der Welt. Und ob Sie uns nicht auch für 15 Bolivianos fahren würden, weil wir ja zu zweit wären?

Mit der Zeit lernte ich mein Bolivien lieben wie kaum ein anderes Land, in dem ich bisher war. Es gab nur eine Sache, die mich wirklich störte… und zwar der Müll. Müll, der wirklich überall herumlag. Und um den sich keiner kümmerte. Genau da wollte ich ansetzen und plante mein Müllprojekt. Einen Kompost würden wir bauen, damit wir den Biomüll weiternutzen können und damit die Kinder lernen, was aus verrotteten Tomaten- und Gurkenschalen noch alles entstehen kann. Neben dem Kompost würde eine Müllverbrennungsanlage entstehen, die für die Situation vor Ort leider noch immer die beste Lösung ist, weil ja niemand vorbeikommt, um den Müll abzuholen. Dann lieber kontrolliert und zentral verbrennen, dachte ich mir. Gesagt, getan und mit Hilfe von ADRA wurde das Projekt umgesetzt.

Mir ist jetzt erst bewusst geworden, wie dankbar ich geworden bin für all das, was ich in Bolivien erlebt habe. Wie sich mein leerer Satz mit Freunden und Erinnerungen füllte. Daher war es auch wirklich schwer Abschied zu nehmen und fürs Erste „Hasta luego bolivia“ zu sagen.

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Ein Wimpernschlag und doch eine Ewigkeit



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 15. August 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Marie, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr in Peru absolviert.

Casi Arequipena

Inkas und Kartoffeln kamen mir in den Sinn, als ich zum ersten Mal von Peru hörte, dem Land das nun seit schon neun Monaten meine Heimat darstellt. Wie habe ich darauf hingefiebert, hierher zu kommen, einzutauchen in eine neue Kultur, mich mit meinen Fähigkeiten im Projekt einzubringen und das Abenteuer des Erlernens einer neuen Sprache auf mich zu nehmen. Wie unvorstellbar anders und unglaublich perfekt doch alles ist, hätte ich mir so nicht im Traum vorstellen können.
Peru besteht aus so viel mehr als nur Kartoffeln und Inkas. Natürlich ist man hier stolz, peruanischer als der Papa zu sein, doch setzt sich diese farbenprächtige Kultur aus mehr als einer kulinarischen Zutat zusammen. Man liebt hier seine Feste und den Fußball, es wird ununterbrochen gehupt und wer bremst, verliert, man macht keinen Sport aber in der Freizeit besteigt man Vulkane, man isst zu allem Soßen und am liebsten mit Aji oder Rocoto, sodass man fast Feuer spuckt. Was am Anfang unverständlich, aufregend und neu war, ist jetzt fester Bestandteil meines Lebens geworden. Nun fahre ich ständig mit dem Taxi und esse mir vorher unbekannte Früchte in den intensivsten Farben. Ich liebe Arequipa und bin unglaublich stolz auf meine wunderschöne neue Heimatstadt. Denn wenn ich durch die Straßen laufe, am Morgen mit Blick auf den Hausvulkan frühstücke oder am Abend die beleuchtete Kathedrale beim Überqueren der Plaza de Armas bewundere, fühle ich mich doch schon fast wie eine Arequipena. Aber nicht nur all die kulturellen Erfahrungen bestimmen mein Leben hier. Ein riesiger unersetzbarer Teil stellt meine Arbeit in Nuestro Hogar, zu deutsch „unserem Zuhause“ dar.

Mi Hogar

Neben 70 Kindern habe auch ich hier in der Cuna, wie die Institution von AYUDAME e.V, der Partnerorganisation von ADRA, genannt wird, ein Zuhause gefunden. Während es für manche Kinder der einzige Ort in Ihrem Leben ist, an dem sich um sie gekümmert wird und wo sie gesund und ausreichend zu essen bekommen, stellt sie für mich einen Ort des Gebens, Zurückbekommens und Lernens dar.
Ich arbeite hier morgens im Nido, die Gruppe mit den jüngsten Kindern. Neben der Professora und Luciana, einer weiteren Hilfe, kümmern wir uns darum, den 2-3-jährigen die allgemeinen Basics beizubringen. Hände waschen, mit dem Löffel essen oder Spielsachen aufräumen muss alles erst gelernt sein! Nachdem die Kinder morgens ihr aus Brot und Milch bestehendes Frühstück gegessen und eine Weile gespielt haben, beginnt der Tag mit einem Gebet und der Anwesenheitskontrolle. Danach schließt sich ein Sportprogramm an, bei dem wir spielerisch Koordination und Körpergefühl fördern. Diesen Teil leiten abwechselnd die Professora oder ich. Wenn dann um kurz vor elf die Hora de fruta vorbei ist und die Kinder ihre mitgebrachten Früchte gegessen haben, geht es für sie aufs Töpfchen und für mich zum Abspülen. Denn neben Nase- und Popo-putzen bin ich auch für Teller, Tische, Stühle und denBoden putzen verantwortlich. Auch wenn sich das nach viel anhört, bleibt immer noch Zeit, um mit meinen kleinen Schützlingen im Park zu toben. Ich liebe es, sie zum Lachen und ihre Knopfaugen zum Strahlen zu bringen! Obwohl sie oft anstrengend sind, geben sie einem so viel zurück und füllen mein Herz immer wieder mit tiefer Freude. Nachmittags helfe ich meinen Escolares bei ihren Hausaufgaben, lese mit ihnen Bücher, tobe mit ihnen im Park und höre mir ihre Probleme und Sorgen an. Es ist unglaublich erfüllend, neben der spielerischen Arbeit im Nido auch eine geistig anspruchsvollere Aufgabe erfüllen zu können und man ist stolz, wenn man noch das ein oder andere aus Mathe von der Schule beherrscht.

Un ano

Ein Jahr erscheint einem wie eine Ewigkeit und gemessen an dem, was ich erlernen und erleben durfte, war es eine so unglaublich bereichernde und gesegnete Zeit. Eine Zeit, die jedoch leider mit einem Wimpernschlag vorbei war. Fragt man mich, was ich vermissen werde, gibt es so vieles bei dem mir beim Gedanken daran schon das Herz schwer wird. Doch oftmals sind es die kleinen Sachen, die einem am meisten fehlen werden, wie das Müllauto, das die Melodie von Arielle spielt, die Putzfrauen, die mit ihren Schrubbern den Boden trocken wedeln, die traditionell bekleideten Frauen, die einem schon von weit her „Fotofotofoto“ entgegenschreien und auch der Umstand, dass ich mein Klopapier in einen Mülleimer werfen muss, statt in das WC. Man bemüht sich, jeden Tag bewusst zu erleben und zu genießen. Am Schluss hofft man, dass die Zeit gut und vernünftig genutzt wurde und man wenigstens ein klitzekleines Bisschen dazu beigetragen hat, den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen.

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Von Eimern und anderen Kostbarkeiten



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 15. August 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Debora, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr in Tansania verbringt.

Mein tansanisches Zuhause liegt direkt am Fuß des wunderschönen Mount Meru, circa 45 Minuten entfernt von der Stadt Arusha. An schönen Tagen habe ich auch das Privileg, den Kilimandscharo zu sehen.

Meine Arbeit in Tansania

Eine halbe Stunde Fußmarsch von meinem Zuhause entfernt liegt mein Projekt: The Voice Secondary School. Die Schule ist noch recht jung und hat es sich zum Ziel gemacht, denen in der Gesellschaft eine Stimme zu geben, die sonst wohl eher untergehen würden. An „The Voice“ gebe ich den Schülern Kunstunterricht und freitags bieten wir für die, die Lust haben, einen Chor an. Kunst und Chor mögen vielleicht nicht die lebensnotwendigsten Inhalte für tansanische Jugendliche sein. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass die Schüler in diesen Bereichen eigene Stärken entdecken können, Abwechslung zum sonstigen Schulalltag bekommen, ihr Englisch verbessern und interkulturelle Begegnung erfahren.

Seit kurzem findet auch eine Kooperation mit ADRA Tansania statt. An den Tagen, an denen ich bei ADRA Tansania bin, suche ich beispielsweise nach neuen Projektvorschlägen und arbeite diese aus. Auch Öffentlichkeitsarbeit wie die Webseite neu zu gestalten gehört zu den Aufgaben.

Meine ganze Tätigkeit ist ein Geben und Nehmen, wobei das Nehmen wahrscheinlich überwiegt. Die Menschen hier kommen natürlich auch ohne meinen Einsatz zurecht. Trotzdem hoffe ich, ihnen ein paar Akzente mit auf den Weg geben zu können. Viel mehr aber noch nehme bzw. bekomme ich. Ich darf hier so viel lernen und bin reich an Eindrücken und Begegnungen.

Alles im Eimer

Oft ist der Lebens- und Arbeitsstil hier sehr simpel gehalten. Anstatt Töpfen, Körben, Waschmaschinen, Schüsseln, Flaschen und Duschbrausen benutzt man hier einfach für alles Eimer – und es funktioniert gut. Im Hinterhof unserer Gastfamilie stehen oft zig Eimer, in denen sie waschen, kochen oder Dinge aufbewahren. Was für mich nach einem großen Durcheinander aussieht, hat für sie System und Ordnung.

Generell darf ich hier lernen, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Was von meinem Standpunkt wie ein großes Wirrwarr aussieht, ergibt durch einen Perspektivwechsel plötzlich total Sinn. So habe ich ganz neu gelernt, wie man Gastfreundschaft, Pünktlichkeit, Respekt, Gemeinschaft und Freundschaft durch tansanische Augen sieht.

Kostbarkeiten

Da ich gerne Listen mache, habe ich für die ganzen Kostbarkeiten, die ich hier erlebe, ebenfalls Listen angelegt. Hier ein kleiner abschließender Einblick in die „Was-Ich-In-Tansania-Gelernt-Habe-Liste“:

Ich habe gelernt, wie offen und warmherzig man Fremden begegnen kann.

Ich habe gelernt, Gott auch mal blind zu vertrauen, da ich hier sowieso kaum etwas in der Hand habe.

Ich habe gelernt, spontan zu sein und auch mal Situationen zuzulassen, die anders verlaufen als geplant.

Ich habe gelernt, wie unglaublich kostbar Wasser ist.

Ich habe gelernt, was es heißt, mit wenig glücklich und zufrieden zu sein. Ein Kollege in der Schule pflegt seinen Schülern – aber auch uns, trotz welchen Umständen auch immer, zu sagen: „Life is good!“ Und damit hat er Recht.

 

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