ADRA Live! Weltwärts Quifd-Siegel

Auf der anderen Seite der Welt



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 07. November 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Jonathan, der sein Freiwilliges Soziales Jahr mit ADRAlive! in Bolivien verbringt.

Als ich mich dafür entschied, ein Jahr nach Bolivien zu gehen, um einen Freiwilligendienst zu absolvieren, war das noch ein sehr leerer Satz. Ich hatte tatsächlich gar nicht mal so viele Erwartungen. Doch mit der Zeit füllte er sich mehr und mehr mit Menschen, Orten und Erlebnissen. Und mit Gefühlen, die ich nun mit all dem verbinde.

Nachdem ich mir bis zu meinem 18. Geburtstag noch die Zeit vertrieben hatte, während alle anderen ADRA-Freiwilligen meines Jahrgangs schon in die Welt hinausgezogen waren, ging es im Oktober dann endlich auch für mich los. Verabschiedung am Flughafen in Berlin von meiner Familie und dann gings auch schon zum Check-In. Ich realisierte natürlich an dieser Stelle noch nicht, dass ich eben mal für ein ganzes Jahr wegflog. Dennoch war ich sehr gespannt, was mich in Bolivien denn so erwarten würde. Südamerika – das klang für mich immer nach Freiheit.

Das Projekt, in dem ich gelebt und gearbeitet habe, ist „Hogar de Ninos L’ESPERANCE“, ein Kinderdorf, in dem ca. 60 Kinder leben. Sie sind zum Teil Waisen/Halbwaisen oder stammen aus Verhältnissen, in denen sie vernachlässigt oder verlassen wurden. Wir befinden uns hier im Herzen Boliviens, umgeben von Dschungel und Flüssen. Schöner als hier kann Landschaft gar nicht sein. Wir haben sechs Hauselternpaare, die sich jeweils um ca. zehn Kinder kümmern. Die Hauspapas arbeiten jeweils in den verschiedenen „Werkstätten“, sei es die Bäckerei, die Tischlerei oder die Landwirtschaft.

Im Laufe des Jahres habe ich in den verschiedensten Bereichen mitgearbeitet. Über diese Abwechslung, die sich mir immer wieder bot, war ich wirklich froh. Eine ganze Weile widmete ich mich der Verkäufertätigkeit und wir fuhren jeden Tag die 15 Minuten mit unserem alten Toyota-Bus auf der holprigen Straße nach Villa Tunari, der nächsten Kleinstadt, um Brownies zu verkaufen. Die wurden von Juan, unserem Bäcker, hergestellt. Dabei lernte ich Villa richtig kennen, denn wir liefen durch jeden Winkel des Dorfes um unsere Brownies an den Mann zu bringen und vor allem auch bekanntzumachen. Wenn mal jemand von den Hauseltern nicht da war, dann sprangen wir Freiwilligen ein und bekochten und bespaßten die Kinder einen Tag lang. Dabei lernte ich auch typisch bolivianische Kochgewohnheiten kennen, wie zum Beispiel Reis vor dem Kochen zu frittieren. Damit wir in Zukunft unser Gemüse nicht mehr kaufen würden müssen, legten wir uns einige Gemüsegärten an. Dort verbrachte ich einige Zeit und war mit Umgraben, Säen, Unkraut zupfen und Bewässern beschäftigt. Ich würde von mir behaupten, dass ich mir in diesem Jahr einige bolivianische Gepflogenheiten angewöhnt habe. Manchmal kann die Arbeit eben auch mit einer Pause zum Quatschen beginnen, wenn danach dafür umso härter gearbeitet wird.

Warum ich eigentlich in ein Kinderdorf gegangen bin, wurde ich manchmal gefragt. Antworten darauf gibt es viele, doch gerade bei der Aufgabe Hintergrundberichte für die Paten unserer Kinder zu schreiben, wurde es mir immer klar vor Augen geführt. Ich wollte etwas Sinnvolles tun. Und sich mit den Geschichten der Kinder auseinanderzusetzen, hat mich wirklich geprägt in diesem Jahr. Es hat mir das so Offensichtliche, die Unterschiede, in der Welt noch einmal ganz greifbar vor Augen geführt.

Als die Schulferien gekommen waren, stand für mich ein Rollenwechsel zum Lehrer auf dem Plan, denn die Grundschüler, mit denen ich Matheunterricht machte, durften ja schließlich nichts vergessen in den zwei Wochen. So übten wir in diesen Tagen Nachmittag für Nachmittag die Grundrechenarten.

Auf der anderen Seite der Welt – da befand ich mich tatsächlich. Auf einem anderen Kontinent, kurz gesagt in einem anderen Leben. Doch jetzt mit ein bisschen Abstand, kann man sagen, dass Fremdes heimisch wird und Heimisches fremd. War es mir am Anfang noch ungewohnt, mit einem Motorradtaxi nach Hause zu fahren, war es irgendwann das Normalste der Welt. Und ob Sie uns nicht auch für 15 Bolivianos fahren würden, weil wir ja zu zweit wären?

Mit der Zeit lernte ich mein Bolivien lieben wie kaum ein anderes Land, in dem ich bisher war. Es gab nur eine Sache, die mich wirklich störte… und zwar der Müll. Müll, der wirklich überall herumlag. Und um den sich keiner kümmerte. Genau da wollte ich ansetzen und plante mein Müllprojekt. Einen Kompost würden wir bauen, damit wir den Biomüll weiternutzen können und damit die Kinder lernen, was aus verrotteten Tomaten- und Gurkenschalen noch alles entstehen kann. Neben dem Kompost würde eine Müllverbrennungsanlage entstehen, die für die Situation vor Ort leider noch immer die beste Lösung ist, weil ja niemand vorbeikommt, um den Müll abzuholen. Dann lieber kontrolliert und zentral verbrennen, dachte ich mir. Gesagt, getan und mit Hilfe von ADRA wurde das Projekt umgesetzt.

Mir ist jetzt erst bewusst geworden, wie dankbar ich geworden bin für all das, was ich in Bolivien erlebt habe. Wie sich mein leerer Satz mit Freunden und Erinnerungen füllte. Daher war es auch wirklich schwer Abschied zu nehmen und fürs Erste „Hasta luego bolivia“ zu sagen.

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Ein Wimpernschlag und doch eine Ewigkeit



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 15. August 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Marie, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr in Peru absolviert.

Casi Arequipena

Inkas und Kartoffeln kamen mir in den Sinn, als ich zum ersten Mal von Peru hörte, dem Land das nun seit schon neun Monaten meine Heimat darstellt. Wie habe ich darauf hingefiebert, hierher zu kommen, einzutauchen in eine neue Kultur, mich mit meinen Fähigkeiten im Projekt einzubringen und das Abenteuer des Erlernens einer neuen Sprache auf mich zu nehmen. Wie unvorstellbar anders und unglaublich perfekt doch alles ist, hätte ich mir so nicht im Traum vorstellen können.
Peru besteht aus so viel mehr als nur Kartoffeln und Inkas. Natürlich ist man hier stolz, peruanischer als der Papa zu sein, doch setzt sich diese farbenprächtige Kultur aus mehr als einer kulinarischen Zutat zusammen. Man liebt hier seine Feste und den Fußball, es wird ununterbrochen gehupt und wer bremst, verliert, man macht keinen Sport aber in der Freizeit besteigt man Vulkane, man isst zu allem Soßen und am liebsten mit Aji oder Rocoto, sodass man fast Feuer spuckt. Was am Anfang unverständlich, aufregend und neu war, ist jetzt fester Bestandteil meines Lebens geworden. Nun fahre ich ständig mit dem Taxi und esse mir vorher unbekannte Früchte in den intensivsten Farben. Ich liebe Arequipa und bin unglaublich stolz auf meine wunderschöne neue Heimatstadt. Denn wenn ich durch die Straßen laufe, am Morgen mit Blick auf den Hausvulkan frühstücke oder am Abend die beleuchtete Kathedrale beim Überqueren der Plaza de Armas bewundere, fühle ich mich doch schon fast wie eine Arequipena. Aber nicht nur all die kulturellen Erfahrungen bestimmen mein Leben hier. Ein riesiger unersetzbarer Teil stellt meine Arbeit in Nuestro Hogar, zu deutsch „unserem Zuhause“ dar.

Mi Hogar

Neben 70 Kindern habe auch ich hier in der Cuna, wie die Institution von AYUDAME e.V, der Partnerorganisation von ADRA, genannt wird, ein Zuhause gefunden. Während es für manche Kinder der einzige Ort in Ihrem Leben ist, an dem sich um sie gekümmert wird und wo sie gesund und ausreichend zu essen bekommen, stellt sie für mich einen Ort des Gebens, Zurückbekommens und Lernens dar.
Ich arbeite hier morgens im Nido, die Gruppe mit den jüngsten Kindern. Neben der Professora und Luciana, einer weiteren Hilfe, kümmern wir uns darum, den 2-3-jährigen die allgemeinen Basics beizubringen. Hände waschen, mit dem Löffel essen oder Spielsachen aufräumen muss alles erst gelernt sein! Nachdem die Kinder morgens ihr aus Brot und Milch bestehendes Frühstück gegessen und eine Weile gespielt haben, beginnt der Tag mit einem Gebet und der Anwesenheitskontrolle. Danach schließt sich ein Sportprogramm an, bei dem wir spielerisch Koordination und Körpergefühl fördern. Diesen Teil leiten abwechselnd die Professora oder ich. Wenn dann um kurz vor elf die Hora de fruta vorbei ist und die Kinder ihre mitgebrachten Früchte gegessen haben, geht es für sie aufs Töpfchen und für mich zum Abspülen. Denn neben Nase- und Popo-putzen bin ich auch für Teller, Tische, Stühle und denBoden putzen verantwortlich. Auch wenn sich das nach viel anhört, bleibt immer noch Zeit, um mit meinen kleinen Schützlingen im Park zu toben. Ich liebe es, sie zum Lachen und ihre Knopfaugen zum Strahlen zu bringen! Obwohl sie oft anstrengend sind, geben sie einem so viel zurück und füllen mein Herz immer wieder mit tiefer Freude. Nachmittags helfe ich meinen Escolares bei ihren Hausaufgaben, lese mit ihnen Bücher, tobe mit ihnen im Park und höre mir ihre Probleme und Sorgen an. Es ist unglaublich erfüllend, neben der spielerischen Arbeit im Nido auch eine geistig anspruchsvollere Aufgabe erfüllen zu können und man ist stolz, wenn man noch das ein oder andere aus Mathe von der Schule beherrscht.

Un ano

Ein Jahr erscheint einem wie eine Ewigkeit und gemessen an dem, was ich erlernen und erleben durfte, war es eine so unglaublich bereichernde und gesegnete Zeit. Eine Zeit, die jedoch leider mit einem Wimpernschlag vorbei war. Fragt man mich, was ich vermissen werde, gibt es so vieles bei dem mir beim Gedanken daran schon das Herz schwer wird. Doch oftmals sind es die kleinen Sachen, die einem am meisten fehlen werden, wie das Müllauto, das die Melodie von Arielle spielt, die Putzfrauen, die mit ihren Schrubbern den Boden trocken wedeln, die traditionell bekleideten Frauen, die einem schon von weit her „Fotofotofoto“ entgegenschreien und auch der Umstand, dass ich mein Klopapier in einen Mülleimer werfen muss, statt in das WC. Man bemüht sich, jeden Tag bewusst zu erleben und zu genießen. Am Schluss hofft man, dass die Zeit gut und vernünftig genutzt wurde und man wenigstens ein klitzekleines Bisschen dazu beigetragen hat, den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen.

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Von Eimern und anderen Kostbarkeiten



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Mittwoch, 15. August 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Debora, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr in Tansania verbringt.

Mein tansanisches Zuhause liegt direkt am Fuß des wunderschönen Mount Meru, circa 45 Minuten entfernt von der Stadt Arusha. An schönen Tagen habe ich auch das Privileg, den Kilimandscharo zu sehen.

Meine Arbeit in Tansania

Eine halbe Stunde Fußmarsch von meinem Zuhause entfernt liegt mein Projekt: The Voice Secondary School. Die Schule ist noch recht jung und hat es sich zum Ziel gemacht, denen in der Gesellschaft eine Stimme zu geben, die sonst wohl eher untergehen würden. An „The Voice“ gebe ich den Schülern Kunstunterricht und freitags bieten wir für die, die Lust haben, einen Chor an. Kunst und Chor mögen vielleicht nicht die lebensnotwendigsten Inhalte für tansanische Jugendliche sein. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass die Schüler in diesen Bereichen eigene Stärken entdecken können, Abwechslung zum sonstigen Schulalltag bekommen, ihr Englisch verbessern und interkulturelle Begegnung erfahren.

Seit kurzem findet auch eine Kooperation mit ADRA Tansania statt. An den Tagen, an denen ich bei ADRA Tansania bin, suche ich beispielsweise nach neuen Projektvorschlägen und arbeite diese aus. Auch Öffentlichkeitsarbeit wie die Webseite neu zu gestalten gehört zu den Aufgaben.

Meine ganze Tätigkeit ist ein Geben und Nehmen, wobei das Nehmen wahrscheinlich überwiegt. Die Menschen hier kommen natürlich auch ohne meinen Einsatz zurecht. Trotzdem hoffe ich, ihnen ein paar Akzente mit auf den Weg geben zu können. Viel mehr aber noch nehme bzw. bekomme ich. Ich darf hier so viel lernen und bin reich an Eindrücken und Begegnungen.

Alles im Eimer

Oft ist der Lebens- und Arbeitsstil hier sehr simpel gehalten. Anstatt Töpfen, Körben, Waschmaschinen, Schüsseln, Flaschen und Duschbrausen benutzt man hier einfach für alles Eimer – und es funktioniert gut. Im Hinterhof unserer Gastfamilie stehen oft zig Eimer, in denen sie waschen, kochen oder Dinge aufbewahren. Was für mich nach einem großen Durcheinander aussieht, hat für sie System und Ordnung.

Generell darf ich hier lernen, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Was von meinem Standpunkt wie ein großes Wirrwarr aussieht, ergibt durch einen Perspektivwechsel plötzlich total Sinn. So habe ich ganz neu gelernt, wie man Gastfreundschaft, Pünktlichkeit, Respekt, Gemeinschaft und Freundschaft durch tansanische Augen sieht.

Kostbarkeiten

Da ich gerne Listen mache, habe ich für die ganzen Kostbarkeiten, die ich hier erlebe, ebenfalls Listen angelegt. Hier ein kleiner abschließender Einblick in die „Was-Ich-In-Tansania-Gelernt-Habe-Liste“:

Ich habe gelernt, wie offen und warmherzig man Fremden begegnen kann.

Ich habe gelernt, Gott auch mal blind zu vertrauen, da ich hier sowieso kaum etwas in der Hand habe.

Ich habe gelernt, spontan zu sein und auch mal Situationen zuzulassen, die anders verlaufen als geplant.

Ich habe gelernt, wie unglaublich kostbar Wasser ist.

Ich habe gelernt, was es heißt, mit wenig glücklich und zufrieden zu sein. Ein Kollege in der Schule pflegt seinen Schülern – aber auch uns, trotz welchen Umständen auch immer, zu sagen: „Life is good!“ Und damit hat er Recht.

 

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Freiwilligendienst in den Bergen von Bolivien



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Freitag, 16. März 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Florian, der ein Jahr lang in Bolivien Menschen mit körperlichen und mentalen Beeinträchtigungen unterstützt.

Ich befinde mich in den wunderschönen Bergen von Bolivien, um genau zu sein in Lajas, einem kleinen Dörfchen (zirka zwei Autostunden von Santa Cruz de la Sierra entfernt), in dem mein Projekt AMe (Accion Medica Bolivia) zuhause ist. Wir beherbergen momentan 40 Personen mit unterschiedlichen körperlichen und mentalen Beeinträchtigungen, die versorgt werden müssen, da sie vom Staat in Bolivien nicht aufgefangen werden und sich niemand mehr um sie kümmert. Innerhalb unseres Projekts versuchen wir, ihnen ein besseres Leben zu bieten, damit sie nicht auf der Straße leben müssen oder sie im Krankenhaus nicht zu einer großen Last werden.

Zu unserer Arbeit gehört, die Menschen zu waschen und einzukleiden, ihre Wunden zu versorgen, sowie ihre Betreuung im Allgemeinen und auch Unterstützung bei der Physiotherapie. Auch die Reinigung der Bäder und Zimmer sowie die Essenszubereitung gehören zu unseren Aufgaben.

Meine Hauptbeschäftigung ist das Waschen der Bewohner und deren Wundversorgung und auch die Physiotherapie. Es macht mir sehr viel Spaß die Therapie mit ihnen durchzuführen, da man bei einigen die Fortschritte schon sehen kann. Das macht sie glücklicher und sie sehen selbst, dass es vorangeht, wenn man an sich glaubt. In der Therapie sind 25 Bewohner mit unterschiedlichsten Diagnosen, die wieder fit gemacht werden sollen.
Es ist schön zu sehen, wie glücklich die Bewohner sind und wie sie auch aufblühen, wenn man mit ihnen Zeit verbringt, indem man sich nur mit ihnen unterhält oder etwas mit ihnen macht. Toll ist auch, was sie einem zurückgeben, die Dankbarkeit und Zufriedenheit mit der sie einem gegenübertreten ist schön. Es gibt einem das Gefühl, dass jeder etwas Gutes tun kann, ohne dass es eine schwere Arbeit ist. Jede Geste kann bei einem anderen Menschen Wunder bewirken, zum Beispiel, dass man wieder an sich selbst glauben kann, wenn man dachte, das Leben sei schon vorbei und man wäre nichts mehr wert. Hier kann man den Leuten bereits eine Freude machen, indem man sich ein wenig mit ihnen unterhält und sich mit ihnen beschäftigt. Das anschließende Lächeln des Bewohners zeigt, dass man am richtigen Ort ist und den Leuten wieder neue Hoffnung geben kann.
Unser Team ist zwar recht klein, aber wir kommen gut miteinander aus und haben viel Spaß, was die Effektivität der Arbeit natürlich auch positiv beeinflusst und es angenehm macht, mit den Freiwilligen zusammenzuarbeiten, um neue Hoffnungen und mehr Zuversicht an die Bewohner weitergeben zu können.

Diese Zeit und die ganzen Erfahrungen, die ich bisher schon in meinem Projekt gemacht habe und hoffentlich noch weitermachen werde, sind super und ich werde sie nie vergessen. Die Bewohner und die Freiwilligen, die anfangs Fremde waren, sind nun zu Freunden und Familie für mich geworden und es ist schön zu wissen, dass es Menschen gibt, die auch weiterhin an einen denken werden. Dieses Projekt bietet die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und in seiner Persönlichkeit zu reifen und einen ganz anderen Blick auf seine Mitmenschen zu bekommen. Da man rund um die Uhr mit den Bewohnern zusammenlebt, lernt man sie vor allem so zu schätzen und lieben, wie sie sind –  mit ihren Eigenheiten. Es macht mich froh und ich bin Gheorghe (Gründer des Projektes) sehr dankbar dafür, was er tut, indem er diesen Menschen eine Chance bietet, ein besseres Leben zu führen und ihnen das Lebensnotwendige gibt. Ich hoffe, dass noch einige Freiwillige zu ihm kommen werden, um ihn zu unterstützen, damit noch viele Menschen in den Genuss kommen, von seiner Arbeit profitieren zu können.

Liebe Grüße aus dem wunderschönen Lajas,

Florian

 

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Albanien – Im Land der Adler



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Freitag, 16. März 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Ellen, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr bei ADRA Albanien in Tirana verbringt.

In einer anderen Zeit

Na, wie ist es so in Albanien? Das ist die häufigste Frage, die ich von Freunden und Familie gestellt bekommen habe. Was antwortet man auf eine solche Frage, wenn hier einfach alles anders ist? Vor sieben Monaten bin ich hier, in dem für mich damals fremden Tirana, angekommen. Alles war so aufregend und neu für mich. Man hat die vielen neuen Eindrücke regelrecht aufgesaugt. In der Hauptstadt Albaniens ist viel los. Wenn man durch die Stadt geht kann man an jeder Ecke eines der vielen Lädchen und Gemüsestände sehen. Die älteren Herren sitzen im Park und spielen entweder Domino oder Schach. Die Menschen sitzen gemütlich im Café und versuchen, den Lärm der hupenden Autos und die bellenden Hunde auszublenden. Eins ist sicher, die Zeit hat hier eine andere Bedeutung. Man stellt sich an die Bushaltestelle und wartet einfach, bis der nächsten Bus kommt. So etwas wie einen Busfahrplan gibt es nicht. Was heute nicht funktioniert, versucht man halt morgen wieder. Sie haben ihr eigenes Zeitgefühl und ich bin froh, das Leben hier einfach genießen zu können. Da es auf der Arbeit zunächst nicht so viel zu tun gab, war das tägliche Treffen im Café nicht wegzudenken. Dadurch kam man leicht ins Gespräch und lernte die Menschen und Arbeitskollegen noch besser kennen. Das sind alles sehr herzliche und offene Menschen, mit denen ich sehr gerne zusammenarbeite.

Spielen, Singen und viele Basteleien

In den Projekten „Education for Student Volunteering“, „Children Empowerment“ und „Second Chance“ fahren wir vier Mal in der Woche in sieben verschiedene Schulen. Wir bieten Zusatzklassen für die Kinder aus der 1. bis 5. Klasse an. Diese Kinder haben Lernschwächen und ADRA Albanien will die Kinder durch den Zusatzunterricht unterstützen. Damit sie auch Spaß am Lernen haben, versuchen meine Partnerin und ich das Lernen durch Spiele, Gesang und Basteleien aufzulockern. Am meisten Spaß macht es mir mit den Kindern zu singen. Es ist so schön zu sehen, wenn die Kinder begeistert mitmachen und sich schon im Vorfeld darauf freuen. Wenn wir nur einen Schritt in die Schule machen, kommen schon viele Kinder auf uns zu gerannt und wir werden herzlichst umarmt und begrüßt. Das ist mein schönster Moment des Tages. Trotz der Sprachbarriere ist es uns möglich, den Kindern bei ihren Hausaufgaben zu helfen. Da wir die Zahlen auf Albanisch schon gelernt haben, können wir in Mathematik eine echte Unterstützung sein.

Unsere Arbeit besteht allerdings nicht nur aus den Zusatzklassen. Den Vormittag verbringen wir oft im Büro in Tirana. Wir müssen regelmäßig Berichte schreiben, die Aktivitäten mit Fotos dokumentieren oder Dokumente übersetzen.

Es sind die kleinen Dinge…

Wenn man hier in Tirana lebt, muss man sich möglichst schnell an spontane Aktivitäten und Planänderungen gewöhnen. Von einem Anruf früh morgens geweckt zu werden mit der Nachricht: „Bitte in 10 Minuten bereit sein“, so etwas sollte man mit Humor nehmen. Durch das Spontane bleibt jeder Tag spannend und man kann viel erleben. Ich habe gelernt, aus solchen und anderen Herausforderungen das Beste zu machen. Die Arbeit in den Zusatzklassen war zu Beginn eine Herausforderung. Ich bin froh, dass wir uns inzwischen mit viel Kreativität in die Klassen einbringen können.

Unser Besuch in der Roma Gesellschaft hat mich stark bewegt. Man betritt eine komplett andere Welt. Hinter den Mauern abseits der Stadt Fushe Kruje verbirgt sich große Armut. Bei der „Aktion Kinder helfen Kindern!“ haben wir auch dort Pakete verteilt. Die Freude der Kinder über die Pakete hat uns angesteckt. Es war schön zu sehen, wie die Kinder mit einem Lächeln und den großen Paketen in der Hand glücklich nach Hause gelaufen sind. Das Erlebte hat mich nachdenklich gemacht. Wir sollten viel dankbarer sein für das, was wir haben und uns nicht mit den Anderen vergleichen. Dankbarkeit macht das Leben erst reich.

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Eine Zeit voller Segen



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 12. März 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Fleur, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr in einem Waisenheim in Tansania absolviert.

Dass ich nach dem Abitur ins Ausland möchte, war mir schon lange klar. Als ich dann aber wirklich im Flugzeug saß, konnte ich kaum glauben, dass diese Zeit, von der ich immer sprach, nun wirklich beginnt. Nun würde ein neues Kapitel in meinem Leben losgehen, eine Zeit voller neuer Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen.

Mein neues Zuhause

Fernab von der Großstadt, mitten im Grünen und nur ein paar Minuten entfernt vom indischen Ozean – bei dieser Beschreibung denkt man wohl eher an einen Urlaubsort, doch ich spreche hier vom Waisenheim „Dunia ya Heri“, was übersetzt „Erde des Segens“ heißt. Nach den nun fast 7 Monaten, die ich hier schon verbracht habe, kann ich sagen, dass dieser Ort mein zweites Zuhause geworden ist. An diesem Ort ist es grün soweit das Auge reicht – die Pflanzenwelt zeigt hier ihre facettenreiche Vielfalt auf unterschiedlichste Art und Weise. Doch das Wichtigste ist: Es ist ein Ort, an dem die Kinder wohl behütet aufwachsen können.

Meine Tätigkeiten

Dieses Waisenheim wurde erst vor gut zwei Jahren gegründet, aus welchem Grund ich die erste Freiwillige in diesem Projekt bin. Meine Arbeit teilt sich hauptsächlich in zwei verschiedene Bereiche auf: die Arbeit im Garten und die Arbeit mit den Kindern. Im Garten erledige ich Tätigkeiten wie beispielsweise neue Samen auszusäen, das Gemüse und die Früchte zu ernten und natürlich all die Pflanzen zu gießen – das Wichtigste bei den hohen Temperaturen.

Zurzeit sind hier im Waisenheim 12 Kinder, die zwischen 4 Wochen und 5 Jahre alt sind. Sie sind voll im Alltag mit eingebunden und haben ihre eigenen Tätigkeiten, vom Füttern der Hühner bis hin zum Abwaschen des Geschirrs. In den letzten 7 Monaten sind die Kinder mir sehr ans Herz gewachsen und ich verbringe sehr gerne Zeit mit ihnen – ob beim Puzzeln, Malen, Singen oder Spielen. Es ist schön mit anzusehen, wie schnell sie Stück für Stück dazulernen.

Neben den erwähnten Hühnern gibt es hier auch noch Ziegen, Katzen, zwei Hunde, einen Bussard und Aasgeier, Schildkröten und einen Ara – also einen halben Zoo, um den ich mich unter anderem auch kümmere.

Dankbar

Mir bleiben nun hier noch etwas mehr als zwei Monate, bevor es für mich wieder zurück nach Deutschland geht. Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke, bin ich einfach nur dankbar. Ich bin dankbar für all die Momente und Erfahrungen, die ich hier schon machen durfte. Dankbar für die neuen Freundschaften, die ich hier schließen durfte. Dankbar für die Kinder, die mit ihrem Lachen mein Herz jeden Tag aufs Neue mit Freude füllen. Dankbar für all das, was ich in den letzten Monaten alles dazulernen durfte.

In den kommenden Jahren soll das Waisenheim bis zu 60 Kindern ein Zuhause schenken können und ich bin mir sicher, dass dieser Ort für sie und alle, die dort hinkommen, ein echter Segen sein wird.

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Die Chance, zu wachsen



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 12. März 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bricht von Regina, die ein Freiwilliges Soziales Jahr in Albanien absolviert.

Vor der Ausreise war es noch unbegreifbar, dass ich ein Jahr in einem fremden Land verbringen werde und nun heißt es für mich schon Halbzeit! Seit sechs Monaten bin ich in Tirana, der Hauptstadt Albaniens. Das verrückte Autofahren, das leckere Obst und der tägliche Besuch im Café machen es mir jeden Tag aufs Neue ganz klar, dass ich in einem anderen Land bin!

Der Schulalltag aus einer neuen Perspektive

Meinen Freiwilligendienst mach ich bei ADRA Albanien und unterstütze dort das Team. ADRA Albanien hat zurzeit drei aktive Projekte in Tirana. In diesen Projekten gehen wir in verschiedene Schulen, um dort „Zusatzklassen“ zu halten. Diese Zusatzklassen werden vor allem von Grundschulkindern mit Lernschwierigkeiten und Roma-Kindern besucht. Wir üben mit den Kindern Mathematik und ihre Lese- und Rechtschreibfähigkeiten. Spiele dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Letzteres gehört zu meiner Hauptaufgabe. Im Gegensatz zum üblichen Frontalunterricht ist es für die Kinder etwas wirklich Neues und Tolles, gemeinsam zu singen und zu spielen. Meine Mitfreiwillige und ich versuchen mit Spielen den Kindern wieder Spaß an der Schule zu bereiten. Manchmal ist das gar nicht so leicht, wenn man nicht einmal die Sprache spricht. Aber durch so manche Herausforderung lernt man, über sich hinauszuwachsen und sich aus seiner Komfortzone zu trauen.

Neben den Zusatzklassen arbeiten wir im ADRA Büro. Dort ist die Dokumentation Teil unserer Aufgabe. Wir schreiben Berichte, kümmern uns um die digitale Dokumentation der Zusatzklassen und helfen den anderen Mitarbeitern bei Aufgaben, die gerade anstehen.

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Meine Erfahrung namens „Bolivien“



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 12. März 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von der Freiwilligen Natasha, die sechs Monate in Bolivien verbringt.

Eine holprige Ankunft

Da stand ich also, ganz plötzlich in Bolivien, von dem einen auf den anderen Tag. Ohne Geld, ohne Empfang, ohne Schlaf und mit nur spärlichen Spanisch-Kenntnissen, und es wollte irgendwie keiner kommen und mich abholen! Als sich am Ende dann herausstellte, dass meine zukünftige Chefin und ich einfach nur eine Stunde lang aneinander vorbeigelaufen waren und sie mir plötzlich fröhlich winkend entgegenlief, während im Hintergrund noch der Ausruf nach einer gesuchten „Natasha van der Plas“ ertönte, da war ich schon eine Spur erleichtert.

Ich staunte nicht schlecht, als ich dann den ersten Schritt nach draußen trat: die holprigen Straßen, die schwüle Luft, die Palmen, die Straßenverkäufer, der staubige Boden. Nur eine Sache hatte ich tatsächlich von Zuhause mitgebracht, nämlich das Wetter! Denn es regnete in Strömen und umso mehr wunderte es mich, dass einige der Mitarbeiter des Projektes zusammen mit meinen beiden Riesen-Koffern hinten auf die Ladefläche des Pick-Ups verbannt und somit dem nassen Wetter komplett ausgesetzt wurden. Mich setzte man auf die nicht mit Anschnallgurten versehene Rückbank und ließ mich dort erst einmal verblüfft sitzen.

Endlich angekommen verstaute ich erst einmal mein Gepäck in meinem neuen Zuhause und wollte mich, erschöpft von der langen 24-stündigen Reise, prompt auf die Couch plumpsen lassen, brach mir aber fast das Steißbein dabei und nahm gleichzeitig zur Kenntnis, dass die Möbel hier wohl nicht so komfortabel sind wie bei uns in Deutschland. Ich würde noch Vieles lernen müssen. Nur wusste ich das damals noch nicht…

Profesora alemana

Nun war ich schon einige Zeit hier und hatte auch schon einiges gelernt. Mein Spanisch war besser geworden, ich hatte meinen Jetlag ausgeschlafen und vor allem hatte ich mich auf der Arbeit gut eingearbeitet.

Unser Projekt nennt sich „Fundacion Sion“ und ist eine Übermittagsbetreuung, die vormittags stattfindet. Eltern, die gezwungenermaßen ganztägig arbeiten müssen und somit nicht viel Zeit für ihre Kinder finden, können sie von uns betreuen lassen. Hier ein kleiner Tagesablauf:

Morgens um 7 Uhr beginnt für uns der Tag. Wir bereiten ein ausgewogenes Frühstück für die Kinder vor, die dann nach und nach bei uns eintrudeln. Um die Unpünktlichkeit ein wenig zu drosseln, haben Myriam und ich ein Punktesystem mit Smileys erstellt, wobei die Kinder für Pünktlichkeit einen lachenden Smiley und für Unpünktlichkeit dementsprechend einen traurigen Smiley bekommen. Bevor gegessen wird, gibt es eine Andacht für die Kinder, die abwechslungsreich mal mit dem Buch, mal mit einem kleinen Filmchen oder einfach mal ganz spontan in einer gestikulierten Erzählung dargebracht wird. Nach dem Frühstück werden erst einmal die Zähnchen geputzt, danach die Hausaufgaben erledigt. Dies gestaltet sich als gar nicht so einfach. Wer sich den Suchverlauf unserer Übersetzer-App anschaute, konnte durch die gefilterten Suchbegriffe „Hör zu!“, „Setz dich hin!“ und „Mach weiter!“ den Ablauf der Hausaufgabenbetreuung erahnen. Wenn ich ein Wort nennen müsste, was diese Betreuung am besten beschreiben würde, dann wäre „Verzweiflung“ das passendste Wort, denn zugegebenermaßen ist es nicht gerade einfach, Aufträge zu verteilen, wenn die Kinder einen noch gar nicht so gut verstehen können und dir sowieso auf der Nase herumtanzen.

Aber auch das änderte sich schlagartig, als wir die Kinder immer besser kennen lernten und uns von ihnen ein wenig mit der Sprache helfen lassen konnten. Hier erfährt man besonders, dass Kinder von Natur aus immer am ehrlichsten sind und somit natürlich auch die besten Lehrer für uns.

Später allerdings schlüpften wir in die Rolle des Lehrers, und zwar im anschließendem Programm. Unserem Programm. Da es zu dieser Zeit nicht sehr viele Mitarbeiter gab, hatten wir relativ viel Spielraum, die Workshops zu gestalten. Zwischen Backen und Kochen, Englisch und Musik, Sport und Gartenarbeit oder dem ultimativen Kurs „Müll“ von Myriam, hatten die Kinder immer viel zu lernen.

Nach den Workshops sorgten wir dafür, dass alle Kinder frisch geduscht und frisiert in ihren Schuluniformen am Tisch saßen, damit das Essen serviert werden konnte. Am Anfang ist das gar nicht so einfach, wenn man noch nicht so viel Zeitmanagement hat und sein Spanisch eher der Gebärdensprache gleicht. Die Kinder mussten danach als Nachmittagsschulgänger nämlich direkt in die Schule gebracht werden und da viele Kinder beim Essen ganz gerne trödeln, konnte das Ganze auch sehr chaotisch werden. Vor allem, wenn wir danach noch mit ihnen das ganze Heim putzen mussten! Waren die Kinder dann einmal in der Schule, konnten wir ein wenig aufatmen und hatten ein bisschen Zeit für uns.

Allerdings ging das Programm am Wochenende gleich weiter mit den Pfadfindern, mit denen wir viel unternahmen, zum Beispiel uns mit ihnen auf vielen diversen Veranstaltungen aufhielten. War es das Camporee, ein Verkaufsmarkt oder ein Marching-Wettbewerb, unser Club „Cerenid“ war immer vorne dabei. So natürlich auch wir zwei Freiwillige.

Eine komplett andere Welt

Zugegebenermaßen hatte ich anfangs oft mit meiner Ungeduld zu kämpfen. Würde mich eine Person fragen, welche Sache am schwierigsten für mich war, dann würde ich mit der Unpünktlichkeit, die in dieser Kultur herrscht, antworten.

Tatsächlich hatte ich mich relativ schnell an die sanitären Umstände vor Ort hier gewöhnt. Dass es keine richtige Dusche gibt, sondern nur einen Schlauch. Dass die Toilette oft nicht abspülen wollte. Dass das Toilettenpapier in den Mülleimer geworfen werden muss. Dass man hier Gasflaschen zum Kochen benutzen muss. Dass ich hier auf einmal mein Geschirr abspülen musste und meine Sachen nicht einfach gemütlich in einer Spülmaschine deponieren konnte.

Aber das war genau das, was ich hier verstehen lernte: Dass man mit sehr viel weniger leben kann. Schaut man sich andere Häuser hier in Bolivien an, sieht man manchmal Hütten, die nicht einmal mit einer Haustür ausgestattet sind, sondern provisorisch mit Leintüchern als Sichtschutz über den Türrahmen drapiert sind. Waschbecken, die lose ohne jegliche Rohre einfach auf einige hölzerne Gestelle gesetzt werden, sodass das Wasser auf die Erde ablaufen kann. Ganz zu schweigen von der Küche, die sich meist als ein kleines, tragbares Feuergestell zum Kochen und ein kleines Tischchen zum Schneiden entpuppt. Natürlich angeschlossen an einer Gasflasche, die zum Auffüllen immer wieder zur Tankstelle geschleppt werden muss!

Wenn ich all das hier sehe, dann kann ich nur sagen, dass ich unser Häuschen, welches ich vorher als eher einfacher betrachtete, jetzt als luxuriös ansehe. Ganz zu schweigen von dem Haus, in dem ich vorher in Deutschland gelebt habe!

Ich bin wirklich sehr froh, dass ich die Zeit hier erleben durfte, dass ich den Kindern etwas auf den Weg mitgeben konnte, und dass ich meine Erfahrungen und Eindrücke, die ich hier so zahlreich gewonnen habe, wieder mit nach Hause nehmen darf!

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Meine schöne neue Welt



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Montag, 12. März 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der Freiwilligen Sophia, die ein Jahr in einer peruanischen Kindertagesstätte verbringt.

Ein Neues Land

03. August 2017 – Mein großes Abenteuer beginnt. Wie lange habe ich im Voraus davon geträumt, mich darauf gefreut und mich gefragt, ob das alles wirklich so eine gute Entscheidung war. Ja, Abschied nehmen fiel mir nicht leicht. Aber nach den ersten drei Monaten hier in Peru habe ich die Entscheidung, mit ADRA für ein Jahr ins Ausland zu gehen, noch kein einziges Mal bereut! In der Anfangszeit war ich einfach nur überwältigt von allem, was ich erlebte. Wenn ich die Tür meines Zimmers öffne schaue ich direkt auf einen Vulkan, auf dem Markt kann man Früchte kaufen, von denen ich vorher noch nie etwas gehört hatte und das Müllauto spielt die Melodie von „Under the Sea“ aus „Arielle“ ab, wenn es durch die Straßen der Stadt fährt. Was für ein spannendes und wunderschönes Land!

Neue Erfahrungen

Aber auch, wenn ich die Welt durch eine rosarote Brille sah, kehrte der Alltag ein und ich musste lernen, dass nicht immer alles so läuft, wie geplant. In der Arbeit mit Kindern ist kein Tag wie der andere. Man ist praktisch dazu gezwungen, sich auf Neues einzulassen, Dinge nicht so verkrampft zu sehen und darüber lachen zu können, wenn man die Situation nicht mehr im Griff hat. Und dabei liebe ich es doch, alles im Griff zu haben. In diesen Momenten wächst man über sich hinaus und lernt unglaublich viel dazu. Generell bin ich die Lernende. Die Verhältnisse aus denen die Kinder kommen, lassen mich meinen eigenen Lebensstil reflektieren und auch sonst gibt es einiges, was mir erst durch die Arbeit hier richtig bewusstgeworden ist.

Neue Aufgaben

Normalerweise ist mein Arbeitsalltag sehr gut organisiert. Hier in der Kindertagesstätte „Nuestro Hogar“ („Unser Zuhause“) unterstütze ich die „Lehrerin“ bei ihren Aufgaben. Wir bereiten die jüngeren Kinder auf die Schule vor oder helfen den älteren Kindern am Nachmittag bei den Hausaufgaben. Das klingt weniger anstrengend, als es in der Realität ist. Wenn die Sprache kein Problem mehr darstellt finden sich neue Herausforderungen – langweilig war es bis jetzt noch nie. Ein weiterer Bereich unserer Arbeit hier ist das Putzen. Manchmal macht es den Anschein, als würde man uns leicht gegen eine Spülmaschine eintauschen können. Aber genau dafür bin ich hier – um mich mit meinen Fähigkeiten einzubringen. Wenn ich dadurch eine helfende Hand sein kann nehme ich auch die Berge an Geschirr als Herausforderung, gerne an. Besonders viel Spaß habe ich allerdings, wenn wir in den Park gehen, damit sich unsere Schützlinge austoben können. In den Momenten, in denen sie sich an den kleinsten Dingen erfreuen, mich in den Arm nehmen oder mir durch ihre Zahnlücken heraus ein Lächeln schenken, weiß ich, dass ich hier genau richtig bin.

Neue Kultur – Neue Menschen

Da die Kinder das Projekt am Abend wieder verlassen und auch das Wochenende mit ihren Familien verbringen, haben wir viel Zeit, die Kultur und neue Menschen kennenzulernen. Dabei kommt es zu Begegnungen, die uns die Herzlichkeit und Offenheit dieser Kultur verdeutlichen oder zu Momenten, die uns einfach nur sprachlos machen. Uns sind hier viele Möglichkeiten geboten, unsere Freizeit abwechslungsreich zu gestalten. Ich lebe gemeinsam mit meiner Mitfreiwilligen in unserem eigenen kleinen Häuschen, was ebenfalls dazu beiträgt, dass wir sehr frei in der Gestaltung unseres Lebens hier sind. Meine Heimat vermisse ich natürlich, allerdings habe ich hier ein weiteres Zuhause gefunden. Peru ist „mein Peru“ geworden. Es läuft hier vieles anders ab, als ich es aus unserem Heimatland gewöhnt bin, aber ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, all diese neuen Erfahrungen machen zu dürfen. Ich genieße die Zeit hier sehr, erkunde diese, für mich neue Welt und freue mich schon auf die kommenden, erlebnisreichen Monate.

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Bolivianische Planung und andere Herausforderungen



Diesen Artikel drucken Geschrieben am Freitag, 09. März 2018 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Myriam, die ihr Auslandssemester in Bolivien absolviert.

Mein Studium sieht im fünften Semester ein Auslandssemester vor und ich habe mich der Herausforderung gestellt, dieses gemeinsam mit ADRA in Bolivien zu absolvieren. In diesem Auslandssemester muss ich ein didaktisches Projekt planen und in meinen ersten zwei Monaten hier in Bolivien habe ich gemerkt, dass ich für diese Aufgabe genau am richtigen Ort angekommen bin. Ich war anfangs sehr unsicher, ob sich Studium und Freiwilligendienst unter einen Hut bringen lassen und es ist auch sehr herausfordernd gewesen, aber umso mehr Chancen zum Lernen hatte ich.

Die Anfangszeit

In meinen ersten zwei Wochen hier habe ich mir fast jeden Tag gewünscht, wieder nach Hause fliegen zu dürfen. Ich hatte nicht viel zu tun, weil ich sehr viele Sachen nicht machen konnte, da ich noch kein Spanisch sprach. Ich habe nicht verstanden, was die Leute von mir wollten und konnte die Kinder nicht loben oder auffordern, irgendwas zu machen. Ich wusste nicht, wie ich die Fragen stelle, die ich hatte, und konnte mir nicht vorstellen, hier jemals ein Projekt leiten zu können. Aber ich habe gute Freunde gefunden und glücklicherweise hatte ich sehr geduldige Spanischlehrer. In der Anfangszeit hat mir das Internet sehr geholfen, da ich so Kontakt mit meiner Familie haben konnte und mein Heimweh etwas geringer wurde. Meine Überforderung war allerdings komplett, als meine Schwester verkündete, dass sie im Sommer nächstes Jahr heiraten würde und ich ihre Trauzeugin sein sollte.

Licht am Ende des Tunnels

Nach einigen weiteren Wochen habe ich gemerkt, wie eine Veränderung eintrat. Nachdem ich etwas das Chaos der bolivianischen Planung verstanden hatte, konnte ich den Tagesablauf besser verstehen. Ich habe mich an die Aufgaben und Kinder gewöhnt und verstand nun die Sprache etwas besser. Nach den ersten Monaten hatte ich mich eingelebt und hatte kaum noch Zeit, an Deutschland zu denken, weil ich so viel Spaß an der Unterrichtsvorbereitung und am Unterrichten hatte. Ich möchte mit den Kindern etwas Umweltbewusstsein teilen und ihnen das am Gegenstand Müll vermitteln. Somit habe ich schon eine ziemlich gute Voraussetzung für ein Projekt, da ich eine Grundlage und ein Ziel habe. Auch der Englischunterricht macht mir super viel Spaß, obwohl ich kein Stück darauf vorbereitet war, hier als Lehrerin zu fungieren. Dank Youtube und Pinterest ist das auch mit wenig sprachlichen Möglichkeiten und Materialen gut möglich und ich merke, wie ich immer kreativer werde, den Unterricht zu gestalten.

Wie es wohl weitergeht

Am Ende meines halben Jahres hier werde ich sicher sagen können, dass ich viel gelernt habe und es eine gesegnete Zeit in Bolivien war. Gerade weil nicht immer alles glatt lief und super geplant war. Ich darf jeden Tag neue Erfahrungen machen.  Die Kraft, Liebe und Geduld, die ich versuche den Kindern zu geben, bekomme ich in einer Umarmung oder einem Lächeln von den Kindern zurück. Ich liebe den Austausch der Kulturen und bin gespannt, was ich hier noch alles erleben darf.

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