ADRA Live! Weltwärts Quifd-Siegel

Aus dem Tal der Ahnungslosen



Geschrieben am Mittwoch, 19. Juli 2017 von ADRAlive-Team

Ein Bericht von Florian, der ein Freiwilliges Jahr in Bolivien, mit geistig und körperlich beeinträchtigten Menschen absolvierte.

Fast wie erwartet

Aus unserem Heimatland Deutschland ist man ja so manchen Luxus und geregelten Tagesablauf gewöhnt. Was mich in den ersten Tagen, Wochen und Monaten in Bolivien erwartete, war dagegn alles andere als geregelt und normal für mich. Offen für jegliche Herausforderungen, jedoch mit reichlich Erwartungen, kam ich mit meinen drei anderen Mitfreiwilligen am Flughafen unserer Stadt Santa Cruz de La Sierra zeitig am Morgen an. Der erste Tag in Südamerika. Nachdem unsere Mentoren uns pünktlich bei Ankunft unseres Fliegers abgeholt hatten, durften wir in unserem Projektstandort in Santa Cruz unser erstes Frühstück zu uns nehmen, welches nicht sehr reichhaltig und lecker war. So stellte sich mir die Frage, wie es erst im Dorf auf dem Land aussehen würde, wo sich der Hauptstandort unseres Projektes befindet. Ein Teil der Kultur durften wir direkt mit Beginn der Visumbeantragung erfahren. Ämter werden geöffnet und geschlossen, wie es gerade recht ist. Stundenlange Wartezeiten für eine Unterschrift oder ein Blick auf ein Zettelchen. Und für die Deutschen, die ja sowieso mehr Geld haben, gleich mal etwas mehr Geld verlangen.

Ein harter Brocken

Mit einem mit Nahrungsmitteln gefüllten Kleinbus starteten wir die zwei Stunden dauernde Fahrt bis in den Ort, wo wir für ein Jahr leben würden. Noch immer offen für alles, was auf uns zukommen sollte, sind wir in der Nacht im Projekt angekommen. Was wir von der Fahrt mitbekommen haben, war reichlich Verkehr, schlechte Straßen und das Hupen von jedem zweiten Auto. Es war dunkel und von der versprochenen schönen Landschaft noch nichts zu sehen. Dafür eine Überraschung als wir ankamen. Der Sternenhimmel über uns erstrahlte so kräftig, wie ich ihn noch nie gesehen hatte. Dies war der Punkt, an dem ich feststellte, ich befinde mich wirklich in einem Dorf, abgeschnitten von der Außenwelt in der Mitte Boliviens. Gerade kommt man aus dem deutschen gewohnten Luxus und wird wie eine Spielfigur in ein anderes Land gesetzt. Ohne die Sprache und die Menschen zu kennen. Unser Dorf stellte sich als einer der schönsten Orte heraus, die ich bisher gesehen hatte. Eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen, ein Ort, umgeben von Bergen, mit nahegelegenem Fluss.
Die ersten zehn Monate wuschen wir unsere Wäsche mit der Hand. Die einzige Stromquelle, die wir nutzen konnten, waren drei Solarpanel auf dem Dach. Es war Stromsparen angesagt. Zum Handy laden, was man eigentlich nicht benötigte, da es ja eh keinen Empfang gab, war der Strom ausreichend. Für mich waren die ersten Wochen nach der Ankunft kein großes Problem. Obwohl wir in der ersten Arbeitswoche in Bereiche eingespannt wurden, die für mich erstmal ein hartes Stück Brot waren, wie Patienten duschen und Windeln wechseln.

Ein unbeschriebenes Buch

Wie ich bald feststellte, ist das Projekt erst wenige Monate zuvor an diesen Standort gekommen, somit wurden die ersten zwei Monate nicht nur für die Freiwilligen, sondern auch für die Leiter ein Experiment. Erst nach drei Monaten haben wir aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse, zusammen mit unseren Leitern und einem Übersetzer, einen Arbeitsplan ausgearbeitet. Doch selbst dieser Arbeitsplan wurde noch einige Male geändert. Das größte Problem, welches ich wohl hatte, waren die mangelnden Sprachkenntnisse, was ich mir aber selbst zuschreiben konnzr. Ich fühlte mich in kürzester Zeit sehr wohl in meinem Projekt und war voll eingespannt in die schöne, doch ziemlich chaotische Arbeit. Ich würde behaupten, nach etwa acht Monaten haben wir alle zusammen ein gutes und funktionierendes Konzept der Arbeitsverteilung ausgearbeitet, in dem ich sehr viel Kontakt mit den Patienten führen durfte.

Lebensbereichernde Geschichten und Erfahrungen

Zu Beginn des Jahres befanden sich 21 Patienten und vier Freiwillige im Dorf. Die Anzahl der Patienten ist bis zum zehnten Monat reichlich gestiegen. Später hatten wir 36 Patienten und sieben Freiwillige mit stetig wachsender Anzahl. Jeder Patient bringt seine Geschichte mit. Das Reden mit den Patienten oder Aktivitäten mit den Patienten, wie Spiele spielen, sportliche Übungen mit Beinen und Armen, haben mich in dem ganzen Jahr viel begleitet. Es ist für mich unglaublich, diese Erfahrung zu machen, Menschen zuzuhören, die einfach gern erzählen wollen, da sie vorher niemanden hatten. Wir betreuen Menschen, die im Rollstuhl sitzen aufgrund Amputationen oder Unfällen, Menschen, die kein Augenlicht haben sowie geistig Beeinträchtigte, die auf der Straße lebten, meist auch mit Babys. Unser Projekt ist bis zu diesem Jahr das einzige Projekt seiner Art in Bolivien geblieben. Es gibt zahlreiche Kinderheime hier in Bolivien, jedoch nur ein Projekt, welches Menschen aufnimmt, die schon aus ihrem Kindes- oder Jugendalter heraus sind.

Unendliche Dankbarkeit

Mit der Hilfe Gottes, den zahlreichen Gebeten und den Freiwilligen von ADRA sowie Freiwilligen, die uns an Wochenenden helfen, haben wir die Möglichkeit jeden Tag drei Mahlzeiten für die Patienten zuzubereiten und ausreichend Kleidung und notwendige Medikamente sowie Hygieneartikel zur Verfügung zu stellen. Wir verfügen über einen großen Obst- sowie Gemüsegarten, in dem uns zu fast jeder Zeit Früchte und Gemüse geschenkt werden. Es macht mich glücklich, mit dem Traktor loszufahren, um Früchte für die kommende Woche zu holen und morgens den Garten zu gießen, um später Tomaten ernten zu können.

Dieses Freiwillige Jahr in Bolivien hat mir eine weitere große Familie geschenkt. Eine Familie aus allen Patienten und Freiwilligen, die man ungern loslässt. Ich bin unendlich froh, die Möglichkeit bekommen zu haben, mein Leben in dieser Weise zu prägen, mit den eigenen Händen helfen zu können und ein Land mit seiner Kultur kennenlernen zu dürften. Trotz einigen Problemchen, wie keinen Kontakt zu seiner Familie zu haben oder Tage ohne Strom zu erleben, konnte ich durch die Menschen und die Natur, täglich neue Kraft schöpfen und mein Freiwilliges Soziales Jahr mit „Adra weltwärts“ genießen.

0 Kommentare »

Die Liebe meines Lebens



Geschrieben am Mittwoch, 12. Juli 2017 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der Freiwilligen Lena, die ein Freiwilliges Soziales Jahr in Sambia absolviert.

Die Entscheidung ein FSJ zu machen, stand schon lange fest für mich. Doch was es wirklich heißt, ein Jahr in einem fremden Land und einer fremden Kultur zu arbeiten und zu leben, war mir damals noch überhaupt nicht klar. Aber es ist unglaublich. Mein Leben hat sich komplett verändert, vom Schulalltag direkt nach Sambia in den Berufsalltag eines Hospizes. Und das Spannendste: Dieses Leben ist MEIN Leben geworden. Ich kann mir nicht einmal mehr vorstellen ein anderes zu führen.

Das Projekt, meine Arbeit und meine Familie

Ich arbeite im Projekt „Ranchhod Community Services & Hopice“ (RCSH) und dort direkt im Hospiz. Das Hospiz nimmt aber nicht nur Menschen auf, die auf Palliativpflege angewiesen sind, sondern wir behandeln auch Wunden (z.B. Druckgeschwüre), kurieren opportunistische Krankheiten von HIV, wie Tuberkulose, und geben älteren Menschen, um die sich niemand mehr kümmert, ein zu Hause.
Bei meiner Arbeit hier entdecke ich Krankheitsbilder, die mir in Deutschland wahrscheinlich niemals unterkommen würden und lerne, wie sie mit den begrenzten Ressourcen bewältigt werden können. Doch noch interessanter sind die Geschichten und Schicksale, die jeder Patient mit sich bringt und in die ich einen tiefen Einblick bekomme. HIV ist ein ganz großes Thema und prägt die Menschen hier und so auch ihr Leben. Natürlich ist es nicht immer einfach, diese Geschichten zu verarbeiten und auch mit dem Tod, der allgegenwärtig ist, umzugehen. Doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran und findet seinen Weg. Zudem sind die Mitarbeiter unseres Projektes wie eine große Familie, in die ich aufgenommen wurde, worüber ich unendlich dankbar bin. Der Zusammenhalt und der Umgang untereinander sind etwas ganz Besonderes und jeder Einzelne ist mir ans Herz gewachsen.

Der Ort, an dem einem Spaß und Liebe entgegenspringen

Neben dem Hospiz führt das Projekt RCSH auch ein Kinderzentrum für Kinder, die sehr arm sind und entweder ein oder beide Elternteile verloren haben. Hauptsächlich geht es darum, den Kindern zwei Mahlzeiten pro Tag zu ermöglichen, zusätzlich werden sie aber auch in einer Art Vorschule auf die Schule vorbereitet. Zu Festen, wie z.B. Weihnachten oder Ostern versuche ich immer mit den Kindern etwas ganz Besonderes zu machen und ihnen auch ein wenig unserer Kultur nahezubringen. Es ist wahnsinnig schön zu sehen, wie interessiert und offen sie sind, Neues zu lernen und wie viel Spaß es ihnen bereitet.

Hilfe, wo möglich

Über die Arbeit im Projekt hinaus unterstützt das RCSH auch noch Großmütter in den Armenvierteln, unterernährte Babys, Kinder in anderen Schulen und jeden, der dringend Hilfe benötigt. Das RCSH bietet Familienplanung an und führt HIV-Tests mit anschließender Beratung durch und unsere Mitarbeiter pflegen auch Leute daheim.

0 Kommentare »

Bilder im Kopf…



Geschrieben am Donnerstag, 06. Juli 2017 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der Freiwilligen Alwina, die für ein Jahr an der „Voice Secondary School“ in Tansania arbeitet.

Oha – was für ein Jahr das doch ist! Mit jedem einzelnen Tag sind nun tatsächlich elf Monate in einem anderen Land, ja sogar auf einem anderen Kontinent, zum Leben erwacht. Mit wahrlich unterirdischen Erwartungen machten meine Mitfreiwillige Beryl und ich uns auf nach Tansania. Noch daheim hat man sich selbst nicht erlaubt vorzustellen, wie dieses Jahr ablaufen würde. Und nun sitze ich hier, den Kopf voller Bilder – von Orten, Menschen und Momenten.

…von Orten

Verrückt. Da befindet man sich in seiner heimatlichen Umgebung und nach knapp 16 Stunden sieht die Welt auf einmal ganz anders aus. Kurz gesagt – ziemlich tansanisch. Unsere neue Heimat liegt mitten im Grünen. Usa River ist umgeben von alten, tiefverwurzelten Bäumen, frischen Maisfeldern und buntgetüpfelten Büschen. Kleine und große Flüsse, die sich wie Adern ihren Weg bahnen und in der Umgebung ergießen, verleihen diesem Ort seinen Puls. Wenn der Tag sich verabschiedet und die letzten Sonnenstrahlen ihren Auftritt haben, erblickt man eine wahre Schönheit – den Mount Meru. Ob von Wolken geziert oder durch die Sonne erleuchtet, dieser Berg ist für mich nicht mehr wegzudenken. Durch ein paar Abenteuer konnten wir die rotsandigen Steppen bis zum Horizont verfolgen, die Aussicht während einer Bergwanderung genießen, die weißpulvrigen Strände Sansibars entlangspazieren, das Usambaragebirge auf der Ladefläche eines Pickups hinunterrasen und uns mit Sonnenuntergängen am Viktoriasee beschenken lassen. Doch was wären all die vielen Orte ohne jemanden an der Seite zu haben.

…von Menschen

Beryl und ich sind gemeinsam an der „Voice Secondary School“ eingesetzt. Ein Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, denjenigen eine Stimme zu geben, die sonst vermutlich untergehen würden. Da wir die allerersten Freiwilligen in diesem Projekt sind, mussten wir erstmal klarkommen und schauen, was für Aufgaben wir uns suchen. Nun kann ich Kunstunterricht geben, in den Nachmittagen Theater und Poetry anbieten und in der Freizeit mit in der Küche helfen. Das Schulteam hat uns superherzlich aufgenommen und die Schüler – ja, sie sind der Grund weshalb man erst so richtig Lust auf den Unterricht hat. So oft bin nicht ich diejenige, die lehrt, sondern vielmehr diejenige, die von den Schülern gelehrt und inspiriert wird. Baba Daniel und Mama Pendo sind die Gründer der Schule und gleichzeitig auch unsere waschechte tansanische Familie, die uns mit allem umsorgt. Die kleinen Töchter Joy und Glory lassen keine Langeweile aufkommen und sind für jeden Spaß zu haben. Doch uns umgeben hier noch so viele mehr. Kinder, die von der Straße angelaufen kommen, uns an die Hand nehmen und ein Stückchen begleiten. Marktfrauen, dessen Rufe vom Straßenrand erhallen und die gerne mal zwei Tomaten mehr in die Tüte packen. Schneiderinnen, die nicht müde werden Änderungen vorzunehmen. Kleine Babys, die den Nachmittag versüßen. Köche, mit denen man lachen, schnibbeln und schweigen kann. Ein Schnitzer, der mit seiner rauen Art gerne Weisheiten teilt. Faltige Gesichter, die Bände sprechen. Fremde, die uns nicht als Fremde behandeln. Und mittendrin wir.

…von Momenten

Wir, die wir Momente erleben und sammeln dürfen. Jeden Tag aufs Neue, ob schöne oder weniger schöne. Wenn ich so durch meine Tagebücher (oja, Plural) blättere, wird mir bewusst, dass ich mir am liebsten ein Päckchen Tansania schnüren würde, um es mitzunehmen. Aber so läuft das nicht. Um dieses Jahr lässt sich keine Schleife binden. Vielmehr kann man sich die Augen öffnen lassen, um zu Träumen, ohne sich daran zu verlieren, um zu Tun, ohne das Stillstehen zu vergessen, und um zu Verstehen, ohne immer die passenden Worte finden.

0 Kommentare »

Ein Hospiz voller Leben & Emotionen



Geschrieben am Dienstag, 09. Mai 2017 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der Freiwilligen Johanna, die in einem Hospiz in Sambia vielfältige Aufgaben übernimmt.

„Ein Hospiz? Aber dort sterben doch Menschen! Hast du dir das wirklich gut überlegt?“ – Solche Fragen wurden mir vor meiner Abreise sehr häufig gestellt. Nicht nur von anderen – auch ich habe mich häufig gefragt, wie ich mit dem allgegenwärtigen Sterben umgehen werde.

Doch als ich im „Ranchhod Community Services and Hospice“ (oder kurz RCSH) hier in Sambia ankam, wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Das Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, auch den bedürftigsten Menschen einen würdevollen Tod zu ermöglichen, steckt voller Leben und Emotionen. Hier im Hospiz liegen Lachen und Weinen, Tanzen, Singen und auch gelegentliche Besuche bei Beerdigungen ganz nah beieinander.

Willkommen im RCSH!

In dem Hospiz werden bis zu 21 Patienten mit chronischen, terminalen Erkrankungen wie zum Beispiel HIV/AIDS oder Krebs und mit HIV einhergehenden Krankheiten wie Tuberkulose behandelt. Wir behandeln Patienten jeden Alters. Bei uns findet jeder eine Bleibe. Es wird jedoch nicht nur palliative Pflege angeboten, sondern auch ein Familienplanungszentrum, eine HIV-Test und -Beratungsstelle, Pflege von Patienten zu Hause, Unterstützung von bedürftigen Großeltern mit monatlichen Nahrungsmittel-Paketen und ein Kinderzentrum.

Das Kinderzentrum

Im Kinderzentrum werden 62 Kinder von zwei Lehrern auf die Grundschule vorbereitet. Dort bekommen sie auch zwei Mahlzeiten pro Tag. Es handelt sich dabei ausschließlich um Halb- oder Vollwaisen und/oder Kinder aus ärmsten Verhältnissen. Zusätzlich werden momentan 12 stark unterernährte Kinder mit Milchpulver und proteinreicher Nahrung unterstützt.

Und ich mittendrin 😉

Bei dem vielfältigen Angebot findet jeder seine Aufgaben. Ich fand es unheimlich spannend mal in jeden Aufgabenbereich hineinschauen zu können. Momentan mache ich ein Praktikum bei der Sozialarbeiterin des RCSH. Doch zu meinen Tätigkeiten gehören auch die Arbeit in der Küche, der Einkauf und die Verteilung der Nahrungs- und Putzmittel, das Packen und Verteilen der Nahrungsmittelpakete für die Großmütter und das Wiegen von Babys, die vom Hospiz mit Milchpulver unterstützt werden. Hin und wieder leite ich eine kleine Basteleinheit im Kinderzentrum oder begleite die Patienten zur Physiotherapie.

Ja es ist bunt, vielfältig und wird garantiert nie langweilig im Hospiz! Jeder Tag hält eine Überraschung bereit und es ist an uns, sie zu nutzen!

 

0 Kommentare »

Verantwortung ist wichtig, Spaß aber auch!



Geschrieben am Dienstag, 02. Mai 2017 von ADRAlive-Team

Ein Bericht des Freiwilligen Wladimir, der Kinder an einer Grundschule in Costa Rica unterrichtet.

In dieser Woche beginnen die Prüfungen an der adventistischen Grundschule in Monteverde in Costa Rica. In erster Linie hieß es für die Schüler: lernen, lernen, lernen. Doch auch wir als Freiwillige und Lehrer an der Schule mussten einige Tage zuvor die Prüfungen vorbereiten und das ist jedes Mal gar nicht so einfach. Sich Fragen und Aufgaben zu überlegen, die dem Level der Schüler entsprechend sind, ist nicht leicht. Der Grat zwischen einer „geschenkten Aufgabe“ und einer „schweren Aufgabe“ ist oftmals schmal. Jede Aufgabe trägt zur Prüfungsnote bei, die entweder positiv oder eher negativ ausfallen kann. Vielleicht kommt es dir „spanisch“ vor und du fragst dich, wieso ich etwas über Klausuren erzähle. Ganz einfach: Verantwortung! Als Lehrer trägt man eine sehr große, pädagogische Verantwortung für die Erziehung und Bildung in der Schule. Ein Lehrer ist außerdem daran interessiert, dass alle seine Schüler die Prüfungen bestehen. Deshalb sollte ein Lehrer in einer Klausur dementsprechend die goldene Mitte finden. Zum Glück ist es selten der Fall, dass ein Schüler die Prüfungen nicht besteht.

Abwechslungsreicher Unterricht


Neben den Prüfungswochen macht das Unterrichten Spaß, ist aber auch anstrengend. Die Kinder in den höheren Klassen (5. und 6. Klasse) sind an Science nicht immer interessiert. Oft sind sie mit den Gedanken irgendwo anders und unterhalten sich während des Unterrichts miteinander. Da die Grundschule eine bilinguale Schule ist, muss ich den Unterricht auf Englisch halten, was aber dazu führt, dass die Kinder noch weniger Lust haben und somit ein Mix aus Englisch und Spanisch der Kompromiss ist. Bei den Kindern in der ersten und zweiten Klasse ist das jedoch ganz anders. Wenn es Zeit zum Herumalbern ist, dann albern und lachen wir gemeinsam rum. Wenn es jedoch Zeit zum Arbeiten ist, dann wird gearbeitet. Sie wissen sich gut zu benehmen und der Unterricht verläuft meistens wie geplant. Ihr gutes Benehmen wird dann am Ende der Stunde mit einem kleinen Spiel oder mit dem Erlernen eines neuen Liedes belohnt. Das macht nicht nur den Schülern Spaß, sondern auch mir!

0 Kommentare »

Lost Place – Albanien



Geschrieben am Montag, 03. April 2017 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der Freiwilligen Elina, die benachteiligte Kinder in Albanien unterstützt.


Vor acht Monaten begann für meine Mitfreiwillige Sarah und mich die Reise ins Abenteuer. Nach nur zwei Stunden Flug kamen wir in dem für uns damals fremden Albanien an.

Unsere Tätigkeiten

Nun arbeiten wir täglich bei der Partnerorganisation ADRA Albanien. In unseren Projekten „Education through Student volunteering“ geben wir Schülern an unterschiedlichen Schulen Nachhilfe. Im Rahmen des anderen Projekts „Second Chance – A Chance for live“ bespricht ADRA Albanien mit den Kindern Themen wie Mobbing, Internetsicherheit und Gesundheit. Wenn wir nicht gerade in den Schulen sind, arbeiten wir im Büro, schreiben Berichte und übersetzen Texte. Eine weitere Aufgabe ist, Aktivitäten und Materialien für die Zusatzklassen vorzubereiten, wobei unserer Kreativität keine Grenzen gesetzt sind. Und so überlegen wir oft, was wir mit den Kindern spielen und basteln, damit sie gerne die Zusatzstunden besuchen. Die Arbeit mit den Kindern macht mir sehr viel Spaß, da ich sie mittlerweile in mein Herz geschlossen habe.

Die Landschaft hier ist sehr facettenreich und reicht vom Meer bis zu wundervollen Berglandschaften. Man entdeckt immer wieder etwas Neues. Es gibt überall Straßencafés und Gemüsestände, an denen mach sich nicht satt sehen kann. Die Leute hier im Land sind herzlich, freundlich und nehmen einen sehr offen auf. Spontanität und Flexibilität gehören hier zur Tagesordnung. Geschäftliche Meetings werden ganz gelassen in kleinen Cafés ausgetragen und man begegnet sich freundschaftlich. Geburtstage, Taufen und Hochzeiten werden mit einem großen Feuerwerk gefeiert und an Festtagen werden albanische Tänze aufgeführt. Das Land hat jedoch auch seine Schattenseiten. Verlässt man die Hauptstadt Tirana, fallen einem vor allem zwei Dinge auf: Die Armut, die jeden Kilometer den man zurück legt größer wird und die riesigen Müllberge, verteilt an Flüssen und Straßenecken.

Über sich hinauswachsen

Was mir anfangs noch fremd erschien ist inzwischen in meinem Alltag integriert. Morgens zusammen mit meinen Arbeitskollegen Café trinken, sich näher kennenlernen und den Tagesablauf besprechen ist für mich nicht mehr wegzudenken. Spontanität und Flexibilität gehören auch zu den Eigenschaften, die ich übernommen habe. Ich wachse jeden Tag immer ein kleines Stückchen mehr über mich hinaus. Dinge, die ich früher als selbstverständlich gesehen habe, betrachte ich jetzt aus einem anderen Blickwinkel. In der noch übrig geblieben Zeit will ich noch einiges vom „Lost Place – Albanien“ erkunden und kennenlernen.

 

0 Kommentare »

Das Lehrerdasein im kunterbunten Mexiko



Geschrieben am Freitag, 24. März 2017 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der Freiwilligen Sarah, die für ein Jahr als Lehrerin in Mexiko arbeitet.

Ich bin inzwischen schon so lang hier in Mexiko, dass ich mich äußerst mexikanisch fühle. Das zeigt sich in einigen Angewohnheiten, die ich mir zugelegt habe. Beispielsweise mache ich mir gar nicht erst die Mühe, pünktlich zu einer der unzähligen Veranstaltungen der Uni zu kommen, eine halbe Stunde nach Beginn mache ich mich so langsam fertig, um dann schlussendlich trotzdem noch zu früh zu kommen. Ich fange an, so manches Essen ohne Schärfe langweilig zu finden und diesen Bericht hier habe ich natürlich nach Abgabetermin begonnen zu schreiben.

Ich denke, das gibt einen guten ersten Eindruck meines Lebens hier und natürlich sagt dies auch schon so einiges über die mexikanische Kultur aus! Doch ein kurzer Bericht reicht lange noch nicht aus, um zusammenzufassen, was ich bis jetzt alles erlebt habe. Ich versuche, einen Einblick in meine Erfahrungen zu geben, in „mein Mexiko“, doch am Ende muss jeder selbst seine Koffer packen, sich in ein Flugzeug setzen und seine Erfahrungen machen. Ich persönlich habe die Mexikaner äußerst liebgewonnen mit all ihren Marotten und Liebenswürdigkeiten.

Der skurrile Lehreralltag in Mexiko

Begonnen bei meiner Tätigkeit als Lehrerin denke ich mir manchmal, dass man schon ein Buch über den skurrilen Lehreralltag hier schreiben könnte. Was zu Beginn neu für mich war, war die Tatsache, dass keine Stunde pünktlich beginnt und ich also immer erst zehn Minuten nach Beginn oder später anfangen kann. Der Schulunterricht ist oft ein großes Durcheinander. Da steht man dann vor der Klasse, beantwortet gleichzeitig drei Fragen zu Noten, Schulbefreiung und Sonstigem und versucht parallel, die Schüler zu erspähen, die die Hausaufgaben von Mitschülern abschreiben. Hat man dann doch mal den Anfang geschafft, kommt die Phase, in der die Schüler versuchen, mir Persönliches zu entlocken und somit, na klar, Unterrichtszeit zu verschwenden. Ist auch das überstanden, sehen die Schüler dann ein, dass nun wirklich Unterricht gemacht wird. Dies ist die Phase, in der aus diversen Ecken des Klassenzimmers „finish class?“ schallt, was ich immer mit einem fröhlichen „no!“ beantworten darf. Irgendwann ist es dann aber doch geschafft und alle stürmen aus dem Klassenzimmer heraus.

Ich nehme die Herausforderung gerne an!

So anstrengend das teils ist, so viel Spaß macht es. Ich nehme die persönliche Herausforderung gerne an, die Klasse durch die Stunden zu manövrieren und immer wieder neue Strategien zu entwickeln, um die Motivation doch hochzuhalten. Und in so gut wie jeder Stunde habe ich auch herzlich viel zu lachen, denn zum Scherze machen ist immer Zeit in Mexiko. Abgesehen vom Unterrichten sind wir (meine Mitfreiwilligen und ich) auch an sämtlichen Veranstaltungen der Universität vertreten und werden als Deutsche („las alemanas“) regelmäßig in den Mittelpunkt gestellt, sei es bei peinlichen Interviews oder Filmclips. Zu Beginn hatten wir von einer adventistischen Uni mit strengen Regeln auch förmliche Veranstaltungen erwartet, doch wurden wir bald eines Besseren belehrt. Denn wie mir scheint, haben es hier einfach wahnsinnig viele Leute im Blut, eine riesige Show zu jedem Anlass zu veranstalten. Spaß hat man auf jeden Fall bei diesen Veranstaltungen, auch wenn organisatorisch selten etwas auf deutschem Niveau abläuft.

Ich freue mich auf die verbleibende Zeit

Ich habe hier die Erfahrung gemacht, offen aufgenommen zu werden. Wenn ich ein Problem habe, versuchen sofort alle, zu helfen. Ich habe wahnsinnig viele verschiedene Menschen getroffen und einige haben uns ihr Zuhause gezeigt, was so ganz anders ist als in Deutschland. Ich genieße es auch sehr, dass man eigentlich immer ein kleines Schwätzchen hält und so dauert mein Weg vom Zimmer in die English Academy teils dreimal so lang wie geplant. Ich hatte allerdings auch durchaus eine Phase, in der mir das Ganze etwas zu viel geworden ist, denn manchmal möchte man eben schnell zur Arbeit gehen, pünktlich anfangen und motivierte Schüler haben. Dass das eben nicht so läuft, musste ich erst lernen, da ich von Zuhause einfach mehr Organisation und Strukturen gewohnt bin. Doch das Wichtigste ist, dass ich mich darauf einlassen konnte und nun auch die stressigen Klassen genießen kann. Mir war es von Anfang an sehr wichtig, mich in diesem Jahr weiterzuentwickeln und eine neue Kultur weit über den Touristenstandpunkt hinaus kennenzulernen und dies tue ich in diesem besonderen Jahr. Ich freue mich auf die noch verbleibende Zeit und werde Mexiko definitiv so einige Tränen nachweinen!

1 Kommentar »

Hinter die Kulissen blicken



Geschrieben am Montag, 13. März 2017 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der Freiwilligen Sarah, die für ein Jahr Mitarbeiterin bei ADRA Albanien ist.

Eine wunderschöne Landschaft, Straßencafés, Hochhäuser, hupende Autos, große Menschenmassen. All das fällt einem auf den ersten Blick auf, wenn man durch die Straßen Tiranas geht. Sieht man jedoch genauer hin, erkennt man die Armut, die sich zunächst im Verborgenen hält. Abgenutzte, eingefallene Häuser und Autos, Kinder die im Müll wühlen und auf der Straße betteln, Hunde die vergebens nach Essen suchen – und wir mittendrin. Elina meine Mitfreiwillige und ich, im Herzen der Hauptstadt Albaniens.

Büro vs. Schule

Ohne jegliche Ahnung, was uns erwarten würde, machten Elina und ich uns vor gut sieben Monaten auf die Reise in das uns nun nicht mehr fremde Albanien. Als Angestellte bei der Partnerorganisation ADRA Albanien bestritten und bestreiten wir täglich neue Herausforderungen. Eingesetzt sowohl im Büro als auch in Schulen, sind unsere Aufgaben sehr vielseitig und bieten Raum für Eigeninitiative und Kreativität.
Während wir im Büro unter anderem Berichte schreiben und übersetzen müssen, sieht es in den Schulen ganz anders aus. In dem aktuellen Projekt „Education through Student volunteering“ versucht ADRA Albanien durch Freiwilligenarbeit, Kindern aus sozial und wirtschaftlich schwachen Verhältnissen zu helfen. Hierbei werden die Kinder durch Zusatz-Klassen unterstützt und gefördert. Wir als Freiwillige versuchen den Kindern so gut es geht beim Erlernen des Alphabets oder beim Lösen von mathematischen Gleichungen zu helfen. Mittlerweile geben wir den Kindern auch Deutschunterricht, was mir persönlich sehr viel Freude bereitet, da die Kinder sehr schnell lernen und motiviert bei der Sache sind. Sie grüßen uns schon von weitem mit „Hallo“ und „Guten Tag“. Allgemein sind die Kinder hier sehr offen gegenüber neuen Leuten und freuen sich jedes Mal, einen von uns zu sehen.

Ein Leben abseits der Gesellschaft

Viele der Kinder die wir betreuen kommen aus den sogenannten Roma Communitys. Sie leben als eine Gemeinschaft isoliert und abgegrenzt von der Gesellschaft Albaniens. Die Kinder, die in diese Verhältnisse hineingeboren werden, haben oft schlechte Zukunftschancen, da sie zum Teil die Schule abbrechen oder gar nicht erst besuchen. Stattdessen werden sie schon früh von ihren Eltern auf die Straße zum Betteln und Geld verdienen geschickt. Diesem Denken versucht ADRA Albanien durch Kampagnen entgegenzuwirken, um die Eltern sowie auch die Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen, ihren Kindern die notwendige Bildung zu gewähren. Auch ich habe schon mitbekommen, wie uneinsichtig manche Roma sind, wenn es um die Zukunft ihrer Kinder geht. Das macht mich ab und zu recht ratlos, gehört jedoch auch zu unserem Alltag.

Dabei sein ist alles!

Eines meiner absoluten Highlights bis jetzt war es die „Aktion Kinder helfen Kindern!“ mitzuerleben. Bereits schon als kleines Kind hatte ich zusammen mit meinen Geschwistern voller Begeisterung Pakete für dieses Projekt gepackt und verziert. Deshalb war meine Freude umso größer, dass ich dieses Jahr live bei der Päckchen-Verteilung mit dabei sein durfte. Zusammen mit dem ADRA Albanien-Team und Anja Emrich von ADRA Deutschland verteilten wir die „Aktion Kinder helfen Kindern!“-Pakete in Schulen, Kindergärten, Sozialunterkünften, Behindertenwerkstätten und Roma/ Ägypter-Communitys in Tirana und der Umgebung. Während der Verteilung war es meine Aufgabe, Bilder zu machen und die besonderen Momente der Kinder, wenn sie gespannt ihre Päckchen auspackten, festzuhalten. Es machte riesigen Spaß, die Freude und Ausgelassenheit der Kinder zu beobachten und ein Teil dieser Aktion zu sein.

Diese sowie viele weitere Erfahrungen die ich bereits machen durfte bestärken und motivieren mich in meiner Arbeit und lassen mich erkennen, wie wertvoll dieses Jahr für mich ist und wie viel auch Kleinigkeiten ausmachen können!

0 Kommentare »

Das Leben neu entdecken



Geschrieben am Montag, 20. Februar 2017 von ADRAlive-Team

Ein Bericht der Freiwilligen Rebecca, die für die Mädchen im „Rehabilitation & Education Centre“ in Kajidao mehr als nur Lehrerin ist.

Ganz ohne Erwartungen ging meine Reise nach Kenia, einem Land von dem ich höchstens aus dem Internet gelesen und von verschiedenen Personen gehört hatte. Offen für alles, was geschehen könnte, kamen wir in unserem neuen Zuhause an. Dort wurden wir sehr freundlich empfangen und mit der kleinen Stadt Kajiado schnell bekannt gemacht, sodass wir uns schnell heimisch fühlten.

Unser neues Umfeld

Kenia ist ein sehr abwechslungsreiches Land und reicht von den Steppen der Massai über die Hochhäuser Nairobis bis hin zu saftig grünen Tälern im Westen des Landes. Aber egal in welchem Teil Kenias man sich befindet, die Menschen begegnen einem überaus freundlich und hilfsbereit. Unser Projekt „Rehabilitation & Education Centre“ befindet sich im Süden des Landes im Gebiet der Massai. Unser Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, junge Mädchen aus zu frühen Ehen und vor Genitalverstümmelung zu retten, ihnen eine Möglichkeit auf Schulbildung und ein zu Hause zu geben, um sie anschließend als selbständige, starke Frauen in die Welt zu entlassen.

Lernen, lachen, singen

Zu dem „Rescue Centre“ gehört ebenfalls eine „Primary School“ von den Klassenstufen eins bis acht, während der Schulzeit befinden sich deshalb mehr Schüler auf dem Gelände. Rund 130 Mädchen und etwa 12 Jungen besuchen hier die Schule. Meine Mitfreiwillige und ich unterrichten die Klassenstufen vier bis sieben in Deutsch, Sport, Musik, Kunst und Lifeskills.
Vor ein paar Wochen habe ich die Schulbank selbst noch gedrückt und ganz plötzlich steht man selbst als Lehrer vor den Klassen, das ist ein tolles Gefühl. Der Unterricht in meinen Klassen besteht nicht nur aus stupidem Lernen, denn das müssen die Schüler schon den ganzen Tag. Die Stunden, die ich übernehme, sollen abwechslungsreich und spannend sein. Da meine Schüler sehr wissbegierig sind, lernen sie Deutsch mit Eifer und begrüßen einen auch schon mal mit einem „guten Morgen“. Als Ausgleich für das Sitzen im Klassenzimmer gehen wir auch gerne raus oder ich bringe ihnen deutsche oder englische Lieder bei, die sie mit viel Talent lernen und singen. Ich versuche den Mädchen beizubringen, Vertrauen in sich selbst und in ihr Können zu haben, damit sie in ihrem Leben noch weit kommen und niemals aufgeben.

Viel mehr als Lehrer

Ich persönlich sehe meine Hauptaufgabe hier in Kenia nicht „nur“ als Lehrer. Wir sind Schwestern für die Mädels und Jungs, sind Ansprechpartner und Vertraute. Zunächst dachte ich, dass es schwer werden könnte, den Schülern ein Lehrer und gleichzeitig ein Freund zu sein. Doch es ist einfacher als gedacht und wir werden als Lehrer dennoch respektiert. Insgesamt sind unsere Aufgaben sehr vielseitig: Wir sind Seelsorger, Lehrer, Schwester, Mutter, Koch, Organisator, Helfer und Unterstützer in jeglicher Hinsicht.
Es ist wie eine große Familie mit vielen Kindern und wir können dazu beitragen, dass jeder gehört wird. Wenn man die Kinder herumflitzen sieht oder singen hört, vergisst man schnell, welch traurige und teils traumatische Erfahrungen die Mädchen bereits machen mussten. Es ist bewundernswert, wie stark sie sind und uns liegt viel daran, sie immer wieder daran zu erinnern, wie wertvoll sie sind, damit sie ihren Platz in der Gesellschaft finden.

Neu, anders, ungewohnt

Ich lerne hier auf eine ganz neue Art und Weise zu leben. Durch die vielen Menschen, die man kennenlernt, lernt man sehr viel über die Kultur in dem Land, in dem man sich befindet. Hartes Arbeiten bis zum Umfallen, zu wenig Lohn und viele Kinder sind hier zum Teil der Grundstock der Armut. Und trotzdem werde ich nie damit aufhören zu sagen, die Menschen hier haben es gut. Ich habe noch nirgends solch eine ehrliche Nachbarschaftshilfe, Freundlichkeit, Entgegenkommen, Liebe und Glauben gesehen. Die Menschen hier haben viele Schwierigkeiten. Doch das macht sie stark und reich an Erfahrungen. Ich bin froh, diese Erfahrungen dieses Jahr auch machen zu dürfen. In einer Hütte aus Kuhdung zu schlafen, kein fließendes Wasser zu haben und eine Latrine zu besuchen mindert vielleicht den Luxus des Lebens, aber niemals die Qualität!

Ich lerne hier ebenfalls, auf eine ganz neue Art und Weise gesehen zu werden. Zunächst sehen dich die Menschen hier auf der Straße nicht als eine eigene individuelle Persönlichkeit, sondern du bist zunächst einmal Mzungu = weißer Mensch = viel Geld. Egal wohin man geht, man wird gesehen, man wird beobachtet, gegrüßt, angefasst. Denn wir sind anders und ungewohnt. Mein Anliegen ist es jeden Tag aufs Neue, den Menschen zu zeigen, dass wir alle gleich sind und doch alle verschieden. Gewisse Vorurteile und Verallgemeinerungen müssen aus der Welt geschafft werden.

Ich habe dieses Land und die Leute lieben gelernt. Für mich wird Kenia immer ein zweites Zuhause mit tollen Menschen, toller Gemeinschaft, wunderschöner Natur und Vielfalt bleiben.

0 Kommentare »

Survival in the Forest :-) Überleben im Dschungel!



Geschrieben am Montag, 13. Februar 2017 von ADRAlive-Team

Ein Bericht des Freiwilligen Tobias über sein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Kinderheim in Bolivien.

Unser gemeinsames Abenteuer über das große Meer bis nach Südamerika. Zum ersten Mal im Leben saß ich im Flugzeug. Und nach einer spannenden Ankunft in Cochbamba (Bolivien) fing unsere Zeit im Regenwald an. Es ging in eine surreale und verrückte Welt, welche ich am Anfang absolut nicht verstand. Umso länger ich mich jedoch dort aufhielt, desto mehr bekam ich Gefallen an diesem Land. Ein Land der Extreme und Verschiedenheiten.

Das Leben lässt herzlich grüßen!

Wir wurden sehr herzlich empfangen, sowohl von den Menschen und Kindern als auch von der tropischen Klimazone im Chaparé. Eine immerwarme Zone, welche eine Vielzahl bunter Früchte, viele gigantische Flüsse und auch exotische Tiere beinhaltet. Hier wurden mein Leben und meine Grundsätze komplett auf den Kopf gestellt. Eine wirklich fremde Welt für einen Deutschen. Diese fremde Kultur und fremde Umgebung verändert mich täglich immer mehr.

Unser Projekt „Lesperance – Hogar de Ninos“ hat sehr viel Potenzial und braucht stets fleißige Hände. In diesem Kinderheim wohnen ungefähr 60 Waisenkinder. Diese werden liebevoll von den Hauseltern betreut. Sie bekommen eine gute Schulbildung, Erziehung und Ausbildung durch die vielen Arbeitsbereiche, welche das Projekt bietet. Denn die Jugendlichen helfen gerne bei den Aufgaben und bekommen dadurch zum Beispiel handwerkliche Fähigkeiten und vieles mehr. So ist man uns von Anfang an auch mit viel Respekt und Verantwortung begegnet. Das stetige Helfen beim Busfahren zur Schule, in der Tischlerei, bei der Agrikultur und besonders die turbulente Zeit mit den Kindern erfüllen unser Leben im Kinderdorf. Es gibt kein besseres oder abwechslungsreicheres Projekt, das ich mir vorstellen könnte.

Die Zugehörigkeit

Nach einer kurzen Ankunftszeit im Projekt spüren wir nun immer mehr unsere Zugehörigkeit. Schon von weitem rufen die fröhlichen Kinder unsere Namen und wollen wissen, was wir machen. Desweiteren waren wir schon oft gemeinsam am Fluss. Gemeinsames Laufen auf der Slackline oder auch der sporadische Englischunterricht lässt uns das spüren. Besonders schön ist es auch an den Nachmittagen, wenn wir gemeinsam mit den Kindern an den Arbeitsbereichen die Zeit miteinander verbringen. Dort lernt man viel mehr als nur Arbeiten.

Das Ziel unseres Projektes ist es, diesen armen Kindern ein gutes Zuhause und eine bessere Zukunft zu geben. Durch die Aufgaben und Mitarbeit haben wir zum Ziel, dass das Projekt sich selbst finanzieren kann durch den Erlös der Arbeit. Eine große Freude entsteht bei den vielen Freizeitaktivitäten. Spätestens wenn die Kinder zum Studieren das Kinderdorf verlassen um in eine große Stadt gehen, hat das Projekt sein Ziel bereits doppelt erfüllt.

Die Herausforderung lieben!

Ich möchte die Zeit in Bolivien nicht missen. Es tut so gut, endlich mal neue Perspektiven und Eindrücke zu bekommen. Man lernt viel mehr, Dinge richtig zu schätzen und auch die Welt mit anderen Augen zu sehen. Noch verstehe ich so einige Gewohnheiten und kulturelle Dinge nicht. Mit der Zeit wird mein Wissen umfangreicher und ich schätze die Vielseitigkeit der Welt. Es tut gut, mal aus der eigenen Welt herauszukommen und alle Sicherheiten loszulassen. Komplett von vorne das System und die Lebensweise verstehen zu lernen und sich daran anzupassen. Dies ist eine der besten Herausforderungen überhaupt und eine mir sehr wertvolle Zeit!

0 Kommentare »
ADRA Deutschland e. V. | Robert-Bosch-Straße 10 | 64331 Weiterstadt | Impressum | Layout © rasani.design | Umsetzung / Webdesign Thoxan.com